Geiz ist nicht geil

Erbsenzähler sind keine Weltmeister der Produktivität

"Denn allem Neuen wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben."
Hermann Hesse

Eine der Lebensweisheiten nach 250 Jahren Kapitalismus besagt, dass den Großzügigen auf lange Sicht unter dem Strich mehr bleibt als den engen Seelen, die jeden Cent hundertmal umdrehen. Das hat einige gute Gründe:

  • Die big spenders sind vorwärts gerichtete, aktive Naturen, die Geizkrägen hingegen bewegungsarm, weil sie mit dem Hintern fest auf dem Geld sitzen.
  • Die big spenders haben begriffen, dass auf die Dauer billig kauft, wer teuer kauft. Sie wählen im Allgemeinen das Beste,was unter anderem zu Besitzerstolz und höherer Freude führt.
  • Die big spenders haben weiters begriffen, dass vor allem im Bereich der Werkzeuge das bessere (meist: das modernere) zu einer höheren Produktivität führt, die trotz höherer Ausgaben höhere Gewinne bringt.

Daher gilt auch für die Hi-Tech: ohne Geld keine Musik. Hier gilt es sogar doppelt.Unglücklicherweise ist gerade in der Hi-Tech die Versuchung groß, bei Investitionen zu bremsen.

Argument 1 der geilen Geizkrägen: Irre Premiumpreise. Die Aufpreise für neue Geräte sind in der Digitaltechnik ungewöhnlich hoch.Bei den avantgardistischen Geräten gibt es eine extreme Begehrlichkeit der Konsumenten, zugleich meist Lieferengpässe der Produzenten,was nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zu Spitzenpreisen führt, die erfahrungsgemäß nach einem Jahr enorm nachgeben. Darin liegt freilich eine Falle für Geizkrägen: Durch die hohen Innovationsgeschwindigkeiten in allen Digital-Teilbereichen gibt's dann schon wieder neue Geräte mit neuen Vorzügen. Wer also niemals die Premiumpreise bezahlt, steht nie an der Spitze von Entwicklung und Produktivität.

Argument 2 der geilen Geizkrägen: Umstellungsleid. Viele User ringen sich nur selten zu Neuanschaffungen durch, weil ihnen der Lernaufwand fürs Neue zu hoch ist. Sie sagen sich: Ein Werkzeug (ob Hardware, Software oder Arbeitsprozess) ist nicht so gut, wie es objektiv gut ist, sondern wie man daran gewöhnt ist. Diesem zweiten Argument kann ich mehr abgewinnen. Beziehungsweise: In diese Falle tappte ich schon selbst.

Dass es eine Bequemlichkeitsfalle ist, erkenne ich gerade jetzt wieder. Obwohl ich ständig Notebooks teste, arbeitete ich selbst mit einem Gerät, das nach Hi-Tech-Maßstäben ungefähr so alt war wie Abraham - also gut drei Jahre. Und obwohl ich ständig neue Betriebs- und Anwendungssoftware teste, arbeitete ich noch mit Windows 98, nicht mit dem viel schöneren und stabileren Windows XP.Weiters war mein MS Office (das wichtigste integrierte Softwarepaket mit Schreib- und Präsentationsprogramm, Tabellenkalkulation, Datenbank und Organizer) schon ein alter Hund.

Das besonders Perverse dran: Ich hatte all die schönen neuen Dinger seit eineinhalb Jahren zu Hause liegen. Sie zwinkerten mir jeden Tag zu. Trotzdem blieb ich beim alten Werkzeug, das noch dazu mit jedem Tag dickflüssiger wurde (nach drei Jahren ist jeder Computer eine Software-Schrotthalde, gegen die der Auto-Metzger beim Wienerberg eine aufgeräumte Intensivstation ist). Die Geschwindigkeit war zuletzt auf Trabi-Niveau, und die Fehlermeldungen häuften sich, da das Betriebssystem offenbar zu einem schleichenden Selbstzerstörungsprozess angesetzt hatte. Zu guter Letzt war das treue Notebook auch noch hässlich geworden. Selbst mit schärfsten Reinigern war es nicht mehr wirklich sauber zu kriegen.

Aus jetziger Sicht kann ich sagen: Gott sei Dank wurde die Summe der Unzulänglichkeiten so hoch, dass ich mich endlich zum Wechsel aufraffte. Das alte Compaq M 700 wich dem Compaq Evo N600c - eine Offenbarung in jeder Hinsicht, auch wenn dieser Notebook-Jahrgang schon wieder weit hinter den Leistungen der allerneuesten Generation herhinkt, die noch schneller ist, vor allem aber bessere Akkus und den neuen stromsparenden Intel-Prozessor nützt. Gleiches ist vom Betriebssystem und der application software zu sagen. Auch diese, also XP und Office, sind als Jahrgänge 2002 schon durch neuere überholt.Aber verglichen mit meinen alten tools, sind sie wie Frühling und Sommer.

Freilich bestätigte sich abermals, dass man heute bei einem größeren Wechsel immer noch mit rund einer Woche rechnen muss, ehe alle Prozesse so rund laufen wie vorher. Das Übertragen der Daten und Installieren neuer XP-adäquater Software (XP selbst war auf dem Gerät schon vorinstalliert) ging zwar ungleich schneller und geläufiger als bei allen Wechseln zuvor, irgendwann beherrschen dies auch die ungeschicktesten User, deren Leidgenosse und Anwalt ich bin. Dafür bot die Installation der Datenfernübertragungen groteske Überraschungen (siehe "Tod am Vormittag" im vorigen trend). Den Rest der Umstellungszeit brauchten einfach die Eigenheiten des neuen Hardware/Software-Pakets, es war wie die Umstellung von der Handschaltung und dem unsynchronisierten Getriebe eines Triumph TR2 der frühen fünfziger Jahre auf die geschmeidige Vollautomatik des neuen Jaguar XJ8.

Nun, da die Anpassung vollendet ist, geht alles schnell. Große Freude, beinahe Arbeits-Lust. Die Produktivität ist spürbar gewachsen, allein beim e-Mailen brauche ich jetzt um zirka fünf Zwischenstufen weniger anzuklicken, und das blitzschnelle Hochfahren und Abschalten spart viel Zeit und Nerven. Zusätzlich entdeckte ich die Produktivitätsreserven eines hoch entwickelten, externen, mit dem Notebook synchron arbeitenden Organizers. Dessen Vorzüge werde ich in der nächsten Ausgabe von e-trend näher beschreiben.

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