Gartengestaltung: Green Society

Die einen pilgern ins Gartencenter – die anderen zum Landschaftsarchitekten. Ein Blick über die Zäune auf die fein frisierten Rasen der Reichen.

Günter Querfeld ist ein Bär von einem Mann, mit einem von der Sonne gebräunten Gesicht und von der Arbeit schwieligen Händen. Das T-Shirt, das er trägt, hat ebenfalls schon bessere Tage gesehen, aber auf Äußerlichkeiten legt er nur wenig Wert. „Ich bin Gärtner. Es lässt sich nicht vermeiden, dass ich bei der Arbeit einmal schmutzig werde“, sagt er.

Doch Querfeld ist nicht bloß irgendein Blumenzüchter. Er ist Gärtnermeister und Gartengestalter und als solcher in Österreich einer der am besten bekannten und am meisten gefragten Profis, die bei den Reichen und Schönen des Landes ein und aus gehen und deren Gärten gestalten. „Ob kleiner Vorgarten, Dachterrasse oder repräsentative, parkähnliche Villenanlage – ein gut geplanter und schön gestalteter Garten als Visitkarte ist inzwischen fast ein Muss“, sagt Querfeld, „die Arbeit dabei ist aber nicht jedermanns Sache.“

Natürlich, Gärtnern liegt im Trend, und die Gartenarbeit stärkt, wie Psychologen bestätigen, die Selbstzufriedenheit. „Wer zum Spaten greift, greift nicht zum Revolver“, meint der deutsche Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer. Aber: Die Arbeit im Garten ist oft schwer und körperlich anstrengend, und so greifen jene, die es sich leisten können, lieber zum Telefon anstatt zu Spaten und Spitzhacke.

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, die Milliardenerbin Heidi Horten-Charmat, die Familie Flick oder die Meinls holen sich lieber den Gartengestalter ins Haus, statt sich selbst abzuplagen und – Gott behüte – vielleicht auch noch die frisch manikürten Fingernägel schmutzig zu machen. Für die Pflege zwischendurch beschäftigen sie eigene Hausgärtner, die die Grundstücke in Schuss halten und aus gewöhnlichen Buchsbäumen Kunstwerke zaubern, die direkt aus dem Hollywood-Streifen „Edward mit den Scherenhänden“ stammen könnten. Ja, und dann muss natürlich auch am Zweit- oder Drittwohnsitz in Marbella, auf den Seychellen oder in der Lombardei der Rasen immer saftig grün und frisch gemäht sein, damit man einfach nur genießen kann, falls man spontan einmal Lust auf Urlaub hat. Selbst passionierte Hobbygärtner wie der frühere ORF-Generaldirektor Gerhard Weis oder André Heller rufen daher Hilfe herbei, wenn sie lieber verreisen, als Beete umzustechen, Laub zu rechen oder Bäume zurechtzustutzen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Blühende Geschäfte. „Der Trend zur Auslagerung der Gartenarbeit an Garten- und Landschaftsbaubetriebe ist klar ersichtlich“, meint der Marktbeobachter Andreas Kreutzer trocken. Er schätzt, dass bereits jeder fünfte österreichische Gartenbesitzer einen Gartenarchitekten beauftragt, sein Fleckchen Erde zu designen, zu bepflanzen und zu pflegen. „Die Zahl der Haushalte, die echte Profis für diese Arbeiten beschäftigen, liegt bei etwa 90.000 und wächst jährlich um mehr als fünf Prozent“, analysiert Kreutzer.

Die Gruppe dieser echten Profis ist überschaubar. Sie haben im vergangenen Jahr mit der Gartenplanung und -gestaltung rund 190 Millionen Euro umgesetzt. Die übers Land verteilten Bau- und Gartenmärkte haben im Vergleich dazu in ihren Gartencentern Waren und Geräte im Wert von 350 Millionen Euro verkauft.

Entsprechend viel Geld kostet ein Komplettservice, wie es die Gartenbaubetriebe am liebsten anbieten. „Für ein ungefähr 600 Quadratmeter großes Grundstück muss man 25.000 bis 30.000 Euro kalkulieren“, sagt Kreutzer, „je nach Aufwand und je nachdem, welche Materialien verwendet werden, können die Kosten auch 1500 Euro pro Quadratmeter betragen.“

„Zu uns kann aber trotzdem jeder kommen, egal, ob prominent oder nicht. Uns ist kein Auftrag zu klein und keiner zu groß. Wir gestalten kleine Vorgärten, bei denen die Kosten vielleicht bei 2000 Euro liegen, ebenso wie große Grundstücke um 300.000 Euro“, versucht sich Gärtner Markus Lederleitner volksnah zu geben. Doch natürlich wächst seine Zielgruppe nicht unbedingt im Schrebergarten, wie ein Blick in seinen Produktkatalog zeigt: Sonnenliegen um 890 Euro, Bänke aus Teakholz um mehr als 1000 Euro oder Impruneta-Töpfe, die pro Stück rund 150 Euro kosten, sind eben nicht jedermanns Sache. Von den Schwimmbädern, deren Umrandung aus Sandstein alleine 79,80 Euro pro Quadratmeter kostet, ganz zu schweigen. Trotzdem: „In Österreich verdient man als Gärtner immer noch vergleichsweise wenig“, meint Lederleitner. Im Raum London gebe es Floristen, die alleine davon leben, die Privathäuser zu dekorieren. „Das ist ein Markt, der in Österreich noch gar nicht existiert. Davon sind wir noch Lichtjahre entfernt.“

Wasserspiele. Nicht so in Kärnten. Für die Wörthersee-Prominenz ist der Landschaftsarchitekt Herwig Mattuschka der Mann, der gerufen wird, wenn der Garten einer der repräsentativen Villen umgestaltet werden soll. Der 47-jährige Unternehmer hat den Schlossgarten Meiselberg des Prinzen Heinrich von Hanau ebenso gestaltet wie den Garten des Entertainers Peter Alexander oder jenen von Schloss Velden, als es noch Gunther Sachs gehörte und dort die TV-Serie „Ein Schloss am Wörthersee“ gedreht wurde.

„Für eine solche Klientel zu arbeiten ist natürlich eine immense Herausforderung. Diese Kunden erwarten sich ein perfektes Service, und beim geringsten Fehler fliegt man hinaus“, sagt Mattuschka, der deshalb nur seine besten und verlässlichsten Mitarbeiter in die Gärten der Prominenten lässt.

Das hält Mattuschka so, seit er 1997 den Auftrag erhielt, das etwa 3,6 Hektar große Privatgrundstück der Familie Flick am Wörthersee komplett neu zu bepflanzen. „Dabei war das Umfeld von drei großen Baukörpern komplett neu zu gestalten. Straßen wurden neu verlegt und gepflastert, umfangreiche Drainagen und Bewässerungen waren erforderlich, Neubepflanzungen, Rasenflächen sowie ein Bach mit einem künstlichen Wasserfall wurden angelegt“, erinnert er sich.

Einen solchen künstlichen Wasserfall hat sich übrigens auch Sturm-Graz-Präsident Hannes Kartnig anlegen lassen. Und die kleinen Krimmler Fälle in seinem Garten, der so bunt zusammengewürfelt ist wie die Hawaiihemden, die er gern trägt, kann man bei Bedarf sogar abstellen. Wer will sich schon die Nachtruhe vom ständigen Wasserrauschen stören lassen?

Diskrete Meister. Für die Promis zu arbeiten ist mitunter nicht ganz so einfach. Die Milliardärin Heidi Horten-Charmat oder die Familie Flick etwa lassen sich nämlich gut bewachen und scheuen den Kontakt zur Außenwelt. Heidi Horten lässt sich derzeit auf ihrem Wörthersee-Domizil einen großen Schwimmteich anlegen. Verständlich, denn in dem See vor der Haustür zu baden wäre zu einfach. Und die Arbeiter in ihrem Garten lassen die Reichen auch nie aus den Augen. „Nach Abschluss der Arbeiten übernehmen sofort wieder Privatgärtner die weitere Pflege der Gärten“, sagt Mattuschka, „die Familie Flick hat zum Beispiel mindestens drei Privatgärtner für die laufende Pflege des Areals.“

Nähere Informationen zu den Anwesen, die er gestaltet, wagt der Landschaftsarchitekt kaum zu geben, denn Diskretion ist in seinem Geschäft alles. Das weiß auch Manfred Saller, Chef der Wiener Baumchirurgie Saller. „Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz ist mein Freund. Ich habe seine Handynummer und kann ihn jederzeit anrufen. Wenn ich aber ein Foto seines Gartens hergeben würde, würde er mir die Freundschaft in der Sekunde aufkündigen“, sagt der 43-Jährige, der mit seiner Baumchirurgie eine ungewöhnliche Marktnische gefunden hat: Er hat sich auf das Schneiden und Sanieren großer, alter Bäume spezialisiert und gilt auf diesem Gebiet als Koryphäe.

Sallers Kundenverzeichnis – er betreut über 5000 Privatkunden – liest sich wie ein Who’s who. Er hat die 1000-jährige Eiche im Garten des Malers Ernst Fuchs zurechtgestutzt, die Bäume von Attila Dogudan, die der Familie Orsini-Rosenberg und natürlich auch die seines Intimus Mateschitz. Auch im Ausland ist Saller gut im Geschäft. Er bearbeitet die Bäume rund um die Villa der Gräfin Dunhill in Monte Carlo und von seiner Niederlassung in Los Angeles aus die Gärten von Hollywood-Stars wie Daryl Hannah oder dem Star-Regisseur Quentin Tarantino.

Heute ist Saller gut im Geschäft, doch das war nicht immer so. Als er seine Baumchirurgie vor zwanzig Jahren gegründet hatte, musste er sogar noch der Gewerbekammer beweisen, dass es den Berufsstand des Baumchirurgen überhaupt gibt, und vor zehn Jahren ist er haarscharf am Konkurs vorbeigeschlittert. „Damals habe ich noch viele öffentliche Aufträge gemacht, heute arbeite ich fast nur noch für Privatkunden“, meint Saller.

Garten mit Handbuch. Ausschließlich um Privatkunden kümmert sich auch Christian Blazek aus Pottenstein in Niederösterreich. Vor zwanzig Jahren hat er als Einmannunternehmer begonnen, Golfplätze zu betreuen. Die Kontakte, die er dort geknüpft hat, haben ihm geholfen, zu einem der gefragtesten Garten- und Landschaftsplaner im Raum Wien-Umgebung zu werden.

Inzwischen hat Blazek 25 Mitarbeiter und unter anderem die Familie Mautner Markhof und die Familie Meinl, den Dirigenten Franz Welser-Möst, PR- und Kommunikationsfachmann Wolfgang Rosam und Wienerberger-Vorstand Wolfgang Windisch als Kunden.

Und natürlich ist jeder Garten, den Blazek anlegt, für seinen Besitzer maßgeschneidert bis ins Detail. Wienerberger-Chef Windisch hat beispielsweise seine Rabatte standesgemäß mit Ziegeln einfassen lassen, Welser-Möst ließ sich in die Fensterblenden seines Gartenhäuschens Violinschlüssel schnitzen, und der Italien-Fan Rosam bekam einen original italienischen Wunschbrunnen.

„Die Einstellung zum Garten hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert“, sagt Blazek. Vor zehn Jahren seien die Gärten vielfach noch als reine Grünflächen mit einer beliebigen Bepflanzung gesehen worden. Inzwischen seien die Kunden aber entsprechend anspruchsvoller. Die meisten Arbeiten Blazeks sind Neuanlagen, und da seine Kunden nicht jahrelang warten wollen, bis ihre Büsche und Bäume eine entsprechende Größe erreicht haben, verkauft Blazek Gärten, die aussehen, als wären sie über Jahrzehnte gewachsen. Er setzt meterhohe Bäume und verwendet Materialien mit einer entsprechenden Patina. Das hat natürlich seinen Preis: Ein etwa zehn Meter hoher Ahornbaum mit einem Stammumfang von 70 bis 80 Zentimetern kostet inklusive Setzen die Kleinigkeit von 15.000 Euro.

Seinen Kunden gibt der Gartenarchitekt anschließend ein Handbuch mit, in dem alle Pflanzen aufgelistet sind und genau beschrieben ist, wie sie gepflegt werden sollten, damit sie auch jahrelang weiterblühen und -gedeihen – ein wertvoller Leitfaden für alle mit einem laienhaften botanischen Wissen.

Neue Wege. Das Gartenhandbuch ist eine Idee Blazeks, um sich von den Mitbewerbern abzuheben. „Der Konkurrenzdruck ist groß. Es gibt zwar nur eine Hand voll Betriebe, die wirklich auf hohem Qualitätsniveau arbeiten, aber es schwimmen viele mit“, meint Blazek, für den Qualität und Zuverlässigkeit die wichtigsten Faktoren sind, um auch weiterhin entsprechend zahlungskräftige Kunden gewinnen zu können. „Ich bin ohnehin eher zufällig zu dem geworden, was ich heute bin“, macht er sich nichts vor, „gute Mundpropaganda ist für uns unbezahlbar, wenn unsere Leistung nicht stimmen würde, wären wir aber auch schnell ersetzbar.“

So müssen sich die Top-Gartengestalter auch immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um nicht unter die Räder zu kommen. Der letzte Schrei sind beispielsweise Eichen oder Buchen, deren Wurzeln mit dem Myzel des Trüffelpilzes geimpft werden. Vier, fünf Jahre nachdem der Baum gepflanzt wurde – und die kleine, feine Veredelung auf fruchtbaren Boden gestoßen ist –, kann man dann im eigenen Garten auf Trüffelsuche gehen.


Von Peter Sempelmann

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