Garten der Gefühle

Mitten in der Stadt und doch in der Natur. Ein Wintergarten wertet nicht nur jede Wohnung, sondern auch den Alltag erheblich auf.

Üppiger Bambus und Vogelgezwitscher, die Orchideen entfalten sich aufs Prächtigste, und im Schatten einer Palme steht der bunte Cocktail schon bereit. Fehlt nur noch das Meeresrauschen. Aber schließlich ist man auch nicht auf Mauritius oder den Seychellen, sondern inmitten Wiens, in einer verglasten Entspannungszone hoch über den Dächern der Stadt. Die tropischen Pflanzen sprießen zwölf Monate im Jahr. Das Gezwitscher stammt von Petzi und Fips, den zwei Nymphensittichen aus der Tierhandlung ums Eck. Und der Cocktail wurde nach einer Rezeptur aus Charles Schumanns berühmter Cocktail-Fibel „American Bar“ gemixt.

Leben wie im Paradies, obwohl sich draußen hartnäckig der Nebel hält und ringsum graue Betonwände hochziehen? Früher einmal konnte sich nur der Kaiser höchstpersönlich den Luxus eines Wintergartens leisten. 1881 gab Franz Joseph den Bau des Palmenhauses in Schönbrunn in Auftrag, um darin seine Orangenbäume, Palmen und sonstigen exotischen Grünlinge vor der Kälte des Winters zu schützen. Heute lässt sich der 113 Meter lange und 28 Meter hohe Garten gegen eine Eintrittsgebühr von 6,50 Euro besichtigen – wer aber echten Luxus sucht, zaubert sich das Paradies im Wintergarten auf das eigene Hausdach.

Christine Müllner hat sich den Traum vom winterfesten Glashaus realisiert: „Eine baubehördliche Genehmigung zu bekommen war nicht schwer, das hat der Architekt erledigt“, erzählt die Immobilienmaklerin und gibt zu bedenken, „dass die Sache sehr kostspielig ist, denn man braucht zusätzlich eine Klimaanlage. Mit den ersten Sonnenstrahlen sind schnell Temperaturen von 40 bis 45 Grad erreicht. Mein Energieverbrauch ist sicher um zwanzig Prozent gestiegen.“ Eine Größenordnung, die durchaus üblich sein soll. Dennoch schwärmt Müllner: „Bei mir ist die Rechnung aufgegangen. Meine Lebensqualität ist tatsächlich gestiegen, weil ich nun auch die Abende daheim ganz anders genießen kann als früher.“

Vermitteln konnte Müllner in den vergangenen Monaten allerdings eher selten Objekte in der Art ihrer Wohnung: „Das Angebot ist eher dünn, und der Bedarf ist meiner Meinung nach groß. Denn aufgrund der bestehenden Wetterverhältnisse kann man eine Terrasse eigentlich nur in den Sommermonaten nützen.“

Luxuriöser Spaß. Doch nicht nur vom Aspekt des Genusses her – auch in der Herstellung bedeutet ein Wintergarten einen echten Luxus. „Für einen 16 bis 20 Quadratmeter großen Raum verlangen wir etwa 25.000 Euro“, verrät Christa Getz, Geschäftsführerin des Wintergartenherstellers Alco Bauelemente. Dieser Preis beinhaltet aber nicht die Vorrichtungen zur Beschattung beziehungsweise die Installation einer Klimaanlage oder gar einer Fußbodenheizung. Allein für die Beschattung müsse man noch einmal mit Kosten zwischen 5000 und 10.000 Euro rechnen. Die Fußbodenheizung koste (bei der erwähnten Fläche) im Schnitt 2800 Euro. Und die Außenbelüftung verschlinge weitere 2500 Euro.

Demnach ist für die Herstellung eines Glashauses in etwa genauso viel zu bezahlen wie für den Aufbau von gemauertem Wohnraum. Denn es reicht nicht aus, einfach Aluprofile zusammenzuschrauben und zu verglasen. Statt einer energiesparenden Klimazone entsteht sonst bloß eine undichte Konstruktion mit Kondenswasserbildung, ungünstigen klimatischen Verhältnissen und gewaltigem Energieverbrauch. Enorme Temperaturdifferenzen müssen ebenso einkalkuliert werden wie die Belastbarkeit, etwa durch Schneedruck.

Trotz des vorher genannten und durchaus als gewichtig zu bezeichnenden Kostenpakets kann sich Alco-Chefin Getz immerhin über rund fünfzehn Aufträge pro Woche freuen.

Auf lange Sicht scheint sich die Investition in einen Wintergarten jedenfalls zu lohnen: „Wintergärten sind beliebt und erhöhen den Wert einer Wohnung um ein bis zwei Euro pro Quadratmeter“, berichtet Valerie Studt, Immobilienspezialistin der Österreichischen Realitäten AG (ÖRAG). Generell könne man, so Studt weiter, bei einer Wohnung mit Wintergarten von einer Wertsteigerung von zehn bis zwanzig Prozent ausgehen.

Jenen, die diese stattlichen Veränderungen ihres Wohnraums anstreben, legt Maklerin Müllner jedenfalls die Beachtung folgender Punkte ans Herz: „Man muss die Lage des Wintergartens prüfen und sich vorher überlegen, wofür man ihn nützen will.“ Es sei gescheit, wenn sich der Wintergarten auch als Speise-, Wohn- und Arbeitszimmer eigne und nicht nur als Pflanzendepot. Bauspezialistin Getz gibt zu bedenken: „Spätere Änderungen sind äußerst schwierig vorzunehmen. Wenn man zum Beispiel den Wintergarten ursprünglich als Kaltluftwintergarten gebaut hat und dann nachträglich eine Heizung einzieht, kann es zu Schimmelbildungen kommen.“

Drum prüfe, wer sich bindet. Auch bei der Wahl der ausführenden Firmen sollte man Vorsicht walten lassen: „Ist die Dachfläche schlecht isoliert, kann es hereinregnen“, warnt Müllner, „daher sollte man, bevor man sich für ein Unternehmen entscheidet, unbedingt genaue Preisvergleiche anstellen und Referenzen einholen.“

Offenbar dürften in der Branche gar nicht so wenige schwarze Schafe herumlaufen. Helmut Schafrath, Konsumentenschützer bei der Arbeiterkammer (AK), berichtet von „unseriösen Anbietern, die auf Messen mit getürkten Empfehlungen und selbst erstellten Katalogen werben“. Die AK rät, vor einem Vertragsabschluss beim Handelsgericht Hintergrundinformationen einzuholen beziehungsweise zu prüfen, ob die betreffende Firma überhaupt konzessioniert ist. „Ein seriöser Anbieter schließt keine Haustürgeschäfte ab und besteht auch nicht auf hohen Anzahlungen“, erläutert Schafrath. Der AK-Experte verhält sich außerdem skeptisch gegenüber Messekäufen: „Wer hier eine Bestellung unterschreibt, hat keinen rechtlichen Anspruch auf den kostenlosen Rücktritt vom Vertrag.“ Er empfiehlt daher, „mindestens drei konzessionierte Anbieter“ zu konsultieren und dort Kostenvoranschläge und Referenzen einzuholen.

Wer sich nachträglich, also bei einem bereits bestehenden Wohnobjekt, einen Wintergarten bauen möchte, darf keinesfalls darauf vergessen, eine Baubewilligung einzuholen. Dies sollte natürlich unbedingt im Vorfeld geschehen, noch bevor man dem designierten Anbieter den Bauauftrag erteilt. „Für einen Zubau jeglicher Art brauche ich die gesetzliche Zustimmung, weil er das Erscheinungsbild des Gebäudes verändert“, informiert der Immobilienspezialist Bernd Moldan von Dr. Moldan Immobilien. Laut Auskunft der Baupolizei Wien dürfte dies aber kein Problem darstellen – solange die allgemeine Gebäudehöhe eingehalten wird und der Hauseigentümer mit der Veränderung einverstanden ist. Gleichzeitig informiert die Baupolizei: Was die Höhe betrifft, herrsche sogar ein gewisser Spielraum; mit einer Sondergenehmigung könne diese bei einer Glaskonstruktion auch überschritten werden.

Weiters sei es ratsam, so Alexander Kurz von Immobilien Kurz, dass sich der Bauherr – gerade bei so einer technisch aufwändigen Konstruktion wie einem Wintergarten – während des gesamten Ablaufs von einem Architekten beraten lässt. AK-Experte Schafrath weist ebenfalls darauf hin: „Um einen Wintergarten zu bauen, ist ein umfangreiches bauliches und bauphysikalisches Fachwissen vonnöten. Besonders im Hinblick auf die passive Energienutzung ist Vorsicht geboten.“ Die eingangs erwähnte Maklerin Christine Müllner kann diesem Vorsichtsdenken nur beistimmen: „Der Bau meines Wintergartens war absolut unproblematisch, weil ich von Anfang an von einem Architekten begleitet wurde, der dann auch alle Genehmigungen eingeholt hat.“

Leichter hat man es natürlich, darin sind sich die Vermittler einig, wenn man bereits ein Haus oder eine Wohnung mit Wintergarten bezieht. Bei bestehenden Objekten ist darauf zu achten, dass das gläserne Zimmer südwestlich liegt mit Orientierung zur Sonnenseite. „Das senkt automatisch die Heizkosten“, weiß Kurz. Bei einem hofseitigen Wintergarten sollte man sich die grundsätzliche Sinnfrage stellen – außer der Innenhof ist besonders schön.

Der Wiener Bauträger und Immobilienverwerter Dr. Jelitzka + Partner bietet seiner Klientel die Integration eines Wintergartens jedenfalls schon im Vorfeld an. Jelitzka-Geschäftsführer Peter Hawlik bemerkt eine steigende Tendenz im Eigentumswohnungsbereich, „vorwiegend bei Objekten, bei denen die Terrasse entweder besonders groß ist – sodass genügend Platz für einen offenen Garten bleibt – oder besonders klein, wie bei einer Loggia, bei der man mit einem Glasverbau zusätzlichen Wohnraum schaffen kann“.

Das Sommerfeeling im Winter muss einem aber einiges wert sein: Nachdem vor allem die etwas großzügiger gestalteten Projekte im Dachgeschoß (Achtung: keine Loggia!) in der Regel nur bei frei finanzierten Wohnungen vorzufinden sind, muss man im Eigentumsbereich mit durchschnittlichen Preisen von mindestens 3000 Euro pro Quadratmeter rechnen. Wenn Immobilienexpertin Müllner also mit verklärtem Blick schwärmt: „Ein Wintergarten ist wie ein Luxusauto: Beide erfordern viel Pflege und Liebe“ – dann spricht sie nur von dem leichtesten Teil der Übung.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente