Gagen und Gerechtigkeit

Warum gerade nach der missglückten Telekom-Privatisierung eine Diskussion über Gehälter geführt werden muss.

Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer hatte nicht einmal einen Hauch von Zögern in der Stimme, als er auf die Frage nach seinem Gehalt antwortete: „Ich verdiene 950.000 Euro im Jahr.“ Der Boss des weltgrößten Ziegelproduzenten kann diese Summe ohne Anflug von Scham offen legen, weil er sein Geld auch wirklich wert ist. Für sein Unternehmen und für seine Aktionäre. Reithofer hat das Ziel, Wienerberger zum Weltmarktführer zu machen, erreicht. Der Wert des Unternehmens an der Börse ist auf seinem Höchststand, und da ein Gutteil seiner gewaltigen Gage abhängig von diesem Erfolg ist, muss man dem Manager, trotz der für die meisten Österreicher unfassbar hohen Summe, zugestehen: Er verdient, was er verdient.
Stellt sich jedoch die Frage: Wie sieht das bei anderen Managern aus? Beispielsweise bei jenen, die den Wert ihres Unternehmens katastrophal vernichtet haben, die dessen Aktionäre um ein Vermögen gebracht haben? Konkret, wie gerechtfertigt sind die Gehälter der Manager, die den Verkauf der Telekom so aussehen ließen, als ob US-Präsident George W. Bush persönlich dabei die Fäden gezogen hätte.
Werfen wir also einen Blick auf die Gehälter der dafür tatsächlich verantwortlichen Personen: Da wären einmal die beiden ÖIAG-Vorstände Peter Michaelis und Rainer Wieltsch mit einem Jahressalär von je rund 450.000 Euro. Das ist zwar nur halb so viel wie die Jahresgage von Reithofer, aber das ÖIAG-Führungsduo ist nicht einmal ein Hundertstel so erfolgreich: Schließlich waren alle Privatisierungsaktionen unter der Ägide Michaelis/Wieltsch eine schlichte Katastrophe (siehe Story Seite 41). Würden die beiden ÖIAG-Bosse also ein Gehalt beziehen, das dem Erfolg ihrer Tätigkeit angemessen wäre, hätte die Regierung ein schönes Sparpotenzial entdeckt.
Dann wäre da Heinz Sundt, Generaldirektor der Telekom Austria: Er liegt bei rund 500.000 Euro jährlich. Ihm muss zugute gehalten werden, dass er das Unternehmen bis zu besagtem Desaster gut geführt hat. Der Börsekurs entwickelte sich nach anfänglichem Dahindümpeln für die zahlreichen Kleinaktionäre höchst erfreulich. Dass Sundt mit den Plänen der Eigentümer nie wirklich einverstanden war, aber als abhängiger Manager von ihren Gnaden auch kaum etwas dagegen machen konnte, ist bekannt (siehe Interview Seite 38). Zumindest eine kleine Gehaltseinbuße – wegen erduldeter Fehler der Eigentümer – müsste der ansonsten tadellose Generaldirektor in der freien Wirtschaft in Kauf nehmen.
Der wirklich erbärmlichste Verdiener in der ganzen Runde ist der Mann, der beim Telekom-Deal den höchsten Anteil an seinem Scheitern trägt: Karl-Heinz Grasser. Kärgliche 213.000 Euro bringt der Finanzminister im Jahr nach Hause. Wahrlich ein Schandlohn, weshalb er davon auch nicht allzu viel ausgeben kann; sich seine Tommy-Hilfiger-Klamotten nur zum Super-Rabatt-Tarif leisten kann; und sich seine 283.000 Euro teure Homepage sogar schenken lassen musste. So ist es auch verständlich, dass Kohle machen für ihn allererste Priorität hat. Schließlich ist er doch mit dem Satz zu seinem Ministeramt angetreten: „Nur ein saniertes Budget ist ein gutes Budget.“ Doch davon ist er bereits so weit entfernt, wie er selber abgehoben ist. Dass er deshalb ein gut verdienendes Unternehmen, wie die Telekom, lieber heute als morgen verscherbeln will, ist zwar für sein Budgetloch nachvollziehbar, aber trotzdem nicht verständlich. Und auch die anderen Ziele, die er sich als Finanzminister gesteckt hat, sind so fern von jedem Erfüllungsgrad, dass die Ich-Aktie KHG an der Börse nicht einmal als Junk-Bond Käufer finden würde.
Das einzig wirklich Bewundernswerte am Finanzminister sind seine Steherqualitäten. Schließlich stehen seine Erfolge in diametralem Gegensatz zu seinem Selbstbild. Müsste er jedenfalls in der freien Marktwirtschaft (ausgenommen bei Frank Stronachs Magna) sein Geld verdienen, wäre jeder „Augustin“-Verkäufer im Vergleich zu KHG ein Großverdiener.
Zu guter Letzt ist da noch der Mann, der den Deal letztendlich abgeblasen hat: Wolfgang Schüssel, der als Bundeskanzler knapp 263.000 Euro pro Jahr verdient. Ob die Performance der Regierung dieses Gehalt in der freien Wirtschaft rechtfertigen würde, mag zwar diskutierbar sein, ist aber illusorisch. Es ist zu befürchten, dass Wolfgang Schüssel mit dem Begriff Geld so viel anzufangen weiß wie mit dem Wort Homosexuellen-Ehe.
Vergleicht man nun die hier angeführten Beispiele über den Verdienst österreichischer Spitzenmanager im staatlichen und halbstaatlichen Bereich mit jenen von Managern aus der freien Wirtschaft, kommt man unschwer zum Ergebnis: Nur wenige verdienen, was sie verdienen. Will man Manager à la Reithofer an der Spitze dieser Unternehmen, ist die Forderung von Steiermarks Landeshauptfrau Waltraud Klasnic nach höchstens 20.000 Euro monatlich ein Witz. Aber für die Leistung der meisten politischen und halbstaatlichen Manager wäre selbst dieses Gehalt noch zu hoch – viel zu hoch.

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