Führungskräfte: Jagd auf Köpfe

Egon Zehnder, einflussreicher Headhunter, hat nun selbst einen neuen Boss. Boomt die Branche in Zeiten arbeitsloser Führungskräfte? Mitnichten. Beschäftigungslose sind dort verpönt.

Sie verwenden vorzugsweise englische Termini, sind stets besser und tadelloser gekleidet als ihre Auftraggeber – einen Tommy-Hilfiger-Träger müsste man in ihren Reihen wohl lange suchen. Und sie sind leicht pikiert, wenn man sie als Personalvermittler bezeichnet.

Executive Search heißt ihr Gewerbe, und bei der Suche nach der Crème de la Crème des Topmanagements versuchen Personalberater vor allem eines zu sein: diskret.
Eine Eigenschaft, die die Österreich-Tochter von Egon Zehnder International zuletzt zu wenig an den Tag gelegt haben dürfte. Auffallend intensiv wurde sie in die Toppersonal-Entscheidungen der Regierung bei der ÖIAG eingebunden und lieferte stets die Wunschkandidaten der blauen Regierungsfraktion. Vor kurzem kam es nun zu einem überraschenden Wechsel an der Spitze von Egon Zehnder Österreich: Philipp Harmer löst den langjährigen Boss Joachim Kappel ab. (Was die Branche zum Revirement bei Egon Zehnder meint, lesen Sie im Kasten „Pure Diskretion“ auf Seite 196.) Eine Rochade, die in vornehmer Zurückhaltung vonstatten geht, denn die diskreten Herren im Nadelstreif sind sehr auf ihr makelloses Image bedacht.

Tanz der Anglizismen. „Wir inserieren nie, sprich: Wir betreiben kein Selection Business, also kein reines Recruiting“, versucht Gerhard Resch-Fingerlos, Berater bei Spencer Stuart, seine Tätigkeit zu erklären. „Unsere Aufgabe ist die systematische Direktsuche und Beratungsleistung.“ Ihre Klientel sind Aufsichtsräte, Vorstände und Eigentümer, „aber niemals der Human-Ressource-Bereich. Wir suchen eben nur im Chief Level“, so Fingerlos, der noch vor einem Jahr beim Konkurrenten Heidrick & Struggles tätig war.

Um die Unterschiede im Niveau der Personalsucher besser verstehen zu können, bringt sein Kollege Gerd Wilhelm, Geschäftsführer von Spencer Stuart, einen Vergleich aus dem Bereich der Wirtschaftstreuhänder: „Es gibt die Liga der Steuerberater. In unserer Branche wäre das jemand, der über Stelleninserate sucht: Dazu zählt etwa Catro – also ein echter Vermittler.“ Leise Verachtung schwingt bei diesem Wort, so bar jedes Anglizismus, mit. „Dann die Liga der Wirtschaftstreuhänder“, fährt Wilhelm fort. Dazu würde er Neumann International oder Jenewein & Partner rechnen. Sie suchen, je nach Anforderung sowohl direkt als auch per Inserat. „Und dann gibt es die echten Wirtschaftsprüfer“, schließt Wilhelm. Natürlich zählt er sich selbst genau zu diesem Segment. Zu diesen international agierenden und global vernetzten Firmen werden in Österreich nur vier gerechnet: Heidrick & Struggles, Korn/Ferry, Spencer Stuart und Egon Zehnder.

Christoph la Garde, Geschäftsführer von Korn/Ferry beschreibt den feinen Unterschied. „Neben den vier namhaften Personalberatern für Executive Search in Österreich gibt es noch eine Vielzahl an Beratern, die eben auch Search-Arbeit machen, aber dazwischen liegen Welten.“

Satte Provisionen. Die Vorgangsweise bei der mühsamen Suche um die absoluten Spitzenkräfte wird aber nicht von allen als eine so hehre Aufgabe gesehen.

„Die Idee, man würde mittels Execu-tive Search wirklich die Spitze herausfiltern und den Geeignetsten bekommen, ist sehr naiv“, meint Personalentwickler Othmar Hill. „Die Vorgangsweise ist so: Man schaut, wer ist die Konkurrenz, ruft eine Etage tiefer an und fragt, wer beispielsweise der beste Einkaufsleiter ist. Wenn das nicht mehr als fadenscheinig ist?“
Für die Suche nach der geeigneten Führungskraft im Topsegment wird in der Branche üblicherweise ein Drittel des voraussichtlichen Jahresbrutto-Einkommens des Topmanagers kassiert. „Das sind die branchenüblichen Konditionen im Executive Search“, bestätigt Otto Leissinger, Catro-Eigentümer – offenbar ohne zu wissen, dass er zur Riege der Steuerberater gezählt wird. „In unserer Branche ist das ja fast wie die Gebührenverordnung der Notare“, meint auch Christoph la Garde von Korn/Ferry. „Ein Drittel vom vereinbarten Honorar ist normal, plus 15 bis 20 Prozent Nebenkosten.“

Nicht so bei Egon Zehnder International. „Unsere Arbeit hat nichts damit zu tun, was hernach dem Manager bezahlt wird“, meint Geschäftsführer Joachim Kappel, „also richtet sich unser Honorar nach der Komplexität eines Auftrages, auch nach der Regionalität und Internationalität einer Suche. Wir arbeiten auch nicht auf Erfolgshonorarbasis, denn unser Aufwand ist ja in jedem Fall gegeben.“ Kappel wurde soeben mit dem weiteren Ausbau des Ostgeschäftes von Egon Zehnder beauftragt. Sein Nachfolger in seiner bisherigen Funktion, Philipp Harmer, konkretisiert: „Je nach Aufwand kosten unsere Suchaufträge zwischen 40.000 und 150.000 Euro. Wir geben eine Lösungsgarantie ab und suchen maximal drei Monate.“

Korn/Ferry suchte 2002 weltweit 410 CEOs, der Board Level macht 54 Prozent der Aufträge aus. „Die Personen, die im Topsegment suchen, müssen ähnliche Fähigkeiten haben wie jene, die sie suchen“, erläutert Christoph la Garde das Selbstverständnis der Personalberater, „wir sind wie Platzanweiser im Topma-nagement.“ Das klingt fast ein bisschen menschlicher als der in der Branche verpönte Begriff Headhunter.

„Wir können mit dem Begriff des Headhunters nichts anfangen. Weil wir nicht um jeden Preis jagen“, meint Stefan Steger, Heidrick & Struggles. „Wenn wir sehen, jemand ist gut in seiner Rolle, werden wir ihn nicht mit Gewalt herausreißen. Denn dann ist er nicht ready for change.“

Position Design. Genügt es, sich ebenso gekonnt in Anglizismen ausdrücken zu können wie die Personalsucher? Aus dem maßgeschneiderten Sakko die Montblanc zu zücken und seinen Lebenslauf auf Büttenpapier vorzulegen? Oder werden mittlerweile neue Anforderungsprofile an Topmanager gestellt? „Das Wer kommt immer stärker vor dem Was. In Zukunft wird es viel ausschlaggebender sein, wer etwas macht, als was gemacht wird“, glaubt Stefan Steger. „Denn die Aufgabe eines CEOs ist es, eine langfristige Vision zu entwickeln, diese muss aus ihm kommen, das ist etwas sehr Persönliches.“

Etwas prosaischer sieht es Athur-Hunt-Chef Jacques André Mertzanopoulos: „Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Führungskraft der erste Verkäufer im Unternehmen sein muss.“ Denn in Zeiten, da der Kampf um die Kunden tobt und Führungskräfte um ihre Ergebnisse zittern, werden die so genannten Soft Skills wieder an vorletzter Stelle verlangt. „Durch die Matrixorganisationen sitzt das Head Quarter irgendwo. Da müssen die Zahlen stimmen, die Vorgaben erreicht werden. Ob die Mitarbeiter dabei lächeln, ist denen wurscht“, meint Mertzanopoulos. Joachim Kappel drückt es etwas feiner aus: „In Zeiten der Umstrukturierung und Sanierung ist bei den Topmanagern vor allem soziale Intelligenz und Durchsetzungsvermögen gefragt.“

Job Seeking – igitt. Mittlerweile macht die Arbeitslosigkeit längst nicht mehr respektvoll vor dem mittleren oder gar Topmanagement halt. Macht es für Spitzenkräfte, die vorübergehend das Schicksal der Beschäftigungslosigkeit ereilt hat, Sinn, sich aktiv an die Personalberater zu wenden? „Meinen Sie Job Seeking People … ähem … also, wie soll ich sagen, Arbeitslose?“ Der Topberater bei Spencer Stuart versucht krampfhaft, Contenance zu bewahren, ob eines derart unfassbaren Ansinnens. „Nein“, stößt er dann kurz hervor, „die nehmen wir nicht in unsere Datei auf. Dateileichen gibt es bei uns nicht, so genanntes Body Shopping ist unprofessionell.“

Nicht ganz so echauffiert zeigt sich Günther Tengel, Gesellschafter von Jenewein & Partner, beim Gedanken, jemand könnte selbst aktiv auf seine Personalberatungsfirma zugehen: „Das macht absolut Sinn, aber nur, wenn man nicht ausschließlich Unterlagen schickt, denn wir haben 300 bis 400 aktive Bewerbungen pro Woche. Vor sechs Jahren war das noch ein Drittel. Es muss auch klar definiert sein, welche Branche angestrebt wird, welche Zielposition und welches Gehalt.“

Beschäftigungslosigkeit als einen persönlichen Makel zu werten, hält auch Joachim Kappel, Egon Zehnder, für längst überholt: „Gerade in diesen Zeiten gibt es viele, die suchen, weil sie der Situation zum Opfer fallen oder sich neu orientieren wollen. Leute ohne Beschäftigung zu präsentieren ist längst nicht mehr so ein Tabu wie während des Booms.“
Sein Nachfolger Philipp Harmer sieht das ähnlich: „Hier geht es um Menschen und einen ethischen Standpunkt, wenn mich jemand besuchen will, bekommt er auch einen Termin.“ Doch dann folgt eine gewichtige Einschränkung: „Wir sind allerdings keine Vermittler! Wir können nur für unsere Klienten arbeiten, die wollen eine systematische Aufbereitung des Marktes. Ein Lucky Shot ist dabei einfach nicht korrekt.“

Den weit besseren Weg schlägt daher Arthur-Hunt-Miteigentümer Mertzanopoulos vor: „Natürlich hat Arbeitslosigkeit noch immer einen negativen Touch in der Führungsebene, daher ist es sicher besser, schon während der Aktivzeit die Fühler zu drei bis vier Beratern auszustrecken und mit denen in Touch zu bleiben. Also rechtzeitiges Networking zu betreiben.“

Bei Hill International treffen pro Woche 600 bis 800 Blindbewerbungen ein. „Ein Berater gibt sie bestenfalls in Evidenz, und dann ist der Bewerber einer unter zigtausenden. Die Chance, dabei einmal dranzukommen, ist mehr als minimal.“ Hill empfiehlt daher: „Wenn schon Blindbewerbungen, dann bitte direkt an die Firmen.“

Und er hält auch nicht mit seiner vernichtenden Meinung über Executive Search hinter den Busch: „Jemanden, der ohnehin einen guten Job hat, einen guten Job anzutragen, in einer Zeit, in der Spitzenleute arbeitslos sind, das nenne ich echte Chuzpe.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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