Fotografie: Größe ist nicht alles

Die neue Generation digitaler Kompaktkameras protzt mit stattlichen zehn Megapixeln. Doch der trend-Praxistest zeigt: Wirklich scharfe Fotos sind damit gar nicht so leicht zu schießen.

Rechtzeitig zum Beginn der Reisezeit haben die Kamerahersteller ihre neuen Modelle in den Handel gebracht. Die aktuelle Generation der digitalen Kompaktkameras ist sechs bis zehn Megapixel stark und bietet Funktionen, die kaum ein Amateurfotograf annähernd ausreizen wird. trend unterzog die neuen Modelle einem Vergleichstest.

„Für Fotos im klassischen 10-mal-15 Format wären auch drei Megapixel ausreichend, aber heute kauft kein Mensch mehr eine 3-Megapixel-Kamera“, sagt Thomas Purkert, Product Business Developer von Canon Österreich, der die Jagd nach immer mehr Megapixeln mit gemischten Gefühlen beobachtet: So sehr sich die Hersteller auch bemühen, ihre Kameras durch bessere Linsensysteme oder Bildstabilisatoren zu verbessern – für die meisten Konsumenten ist beim Kauf nach wie vor die Megapixel-Zahl entscheidend. „Je komplexer die Kameras werden, desto wichtiger werden Megapixel als Orientierungshilfe für die Qualität einer Kamera“, meint Purkert.

Bumerang der Technik. Mittlerweile sind die Kamerahersteller aber an den Grenzen des Machbaren angelangt, und dadurch wird die Megapixel-Jagd ad absurdum geführt. Die gegenüber den Vorgängermodellen höhere Auflösung zeigt sich nämlich nur noch an der Größe der Bilddateien. Die Qualität der Fotos wurde dadurch nicht besser. Im Gegenteil: Bei den getesteten Kameras war ein deutliches Bildrauschen zu erkennen, das es bei guten 4- oder 5-Megapixel-Kameras zumindest in der Form nicht gab.

Der Mangel ist schon am Computerbildschirm deutlich sichtbar. „Das Problem ist, dass die Chips in den Kompaktkameras zu klein sind“, erklärt der Fotograf Lukas Ilgner, „die Chips sind nur so groß wie ein Fingernagel, und wenn man darauf acht oder zehn Megapixel unterbringen will, müssen die Pixel extrem klein sein, und es kommt zu Bildrauschen.“

Um das zu verstehen, muss man sich die Bildpunkte der Chips als Eimer vorstellen, die überfließen, wenn das Licht sehr stark ist, und so benachbarte Pixel beeinträchtigen. Bei den hochauflösenden Chips stehen die Eimer sehr eng beieinander und sind auch vergleichsweise klein. Daher können die einzelnen Bildpunkte auch weniger Informationen aufnehmen.

Speicherprobleme. Das Bildrauschen ist nicht der einzige Pferdefuß der hochgezüchteten Kameras. Die in den Geräten eingebauten Prozessoren brauchen jetzt ungewohnt lange, um Fotos abzuspeichern. Bei Kodaks EasyShare V610 und der Olympus mju:720 SW dauert es gar bis zu fünf Sekunden, bis ein Foto gespeichert ist und die Kamera für die nächste Aufnahme bereit ist.

Wesentlich schneller arbeitet dagegen die Leica C-LUX 1, bei der aber wiederum der Autofokus besonders lange braucht, um sich auf ein Objekt scharfzustellen. Bei bewegten Objekten dauert es etwa eine Sekunde, bis die Kamera endlich fokussiert hat. Als Schnappschusskamera ist die ansonsten hervorragend verarbeitete und solide Kamera daher nur bedingt zu gebrauchen.

Ein weiterer Nachteil der unnötig hohen Auflösung ist, dass sich dadurch der Speicherbedarf drastisch erhöht hat und die internen Speicher der Kameras bestenfalls zum Ausprobieren und Vorführen im Handel reichen. Die Fotos der 10-Megapixel-Kamera Casio Exilim EX-Z1000 sind beispielsweise bereits vier Megabyte groß, und im zehn Megabyte großen Gerätespeicher haben daher nur noch zwei Aufnahmen Platz.

Sucherkrise. Wer mit einer der getesteten Kameras in den Urlaub fährt und die Badenixen am Meeresstrand fotografieren will, könnte vor einem weiteren Problem stehen. Abgesehen von Canons Ixus 800 IS und der Sony Cyber-Shot DSC-W100, gibt es nämlich bei keiner der Kameras einen optischen Sucher.

Unter normalen Bedingungen vermisst den auch kaum jemand, denn schließlich gibt es als Ersatz dafür die Displays an der Rückseite der Kameras, die bei allen Modellen etwa sechs mal vier Zentimeter groß sind und deren Auflösung jener guter Laptops um nichts nachstehen.

In hellem Sonnenlicht wird es jedoch schwierig, auf den Displays etwas zu erkennen. Am besten haben sich dabei die beiden Sony-Kameras geschlagen, bei Samsungs Digimax i6 konnte man in der Nachmittagssonne am Pool eigentlich nur noch blind fotografieren und musste anschließend im Schatten nachsehen, ob das Foto auch gelungen ist.

Kritisch ist die schlechte Lesbarkeit der Displays in hellem Licht auch, wenn man ein spezielles Belichtungsprogramm einstellen möchte, denn die Menüführung erfolgt bei allen Kameras fast ausschließlich über das Display. Nur Sonys DSC-W100 und die Leica C-LUX 1 haben an der Rückseite der Kamera Einstellräder, mit denen einzelne Programme ausgewählt werden können, ohne auf das Display sehen zu müssen.

Das Resümee des Tests: Die zwischen 400 und 500 Euro teuren Geräte können die Erwartungen nur zum Teil erfüllen und sind nur bedingt strandtauglich. Sieger nach Punkten ist zwar die Sony DSC-W100, für das sommerliche Reisegepäck empfiehlt sich jedoch am ehesten noch die Olympus mju:720 SW. Die ist zwar auch alles andere als perfekt, aber immerhin robust wie keine zweite Kamera, stoß- und wasserfest bis zu drei Meter Tiefe und kann daher auch zum Schnorcheln am Korallenriff mit ins Wasser genommen werden.

Von Peter Sempelmann

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