Film ab, Computer läuft

PCs und Laptops erobern zusehends die Wohnzimmer. Der trend stellt eine neue Generation von Computern vor, die Arbeitsgerät, CD-, DVD-Player, Fernseher und Recorder in einem sind.

Es ist ein Notebook wie kein zweites, ein echter Riese: vierzig Zentimeter breit und vier Kilo schwer, wer es in die Hand nimmt, fragt sich unweigerlich, wer denn so ein Monster, das alle gängigen Dimensionen und Konventionen sprengt, kaufen soll. Die Rede ist vom brandneuen Qosmio G20, das der japanische Hersteller Toshiba in diesen Wochen in den Handel gebracht hat, einem, wie schon der Name andeutet, wahrlich kosmischen Gerät.

„Eigentlich ist es ja kein Notebook mehr, denn tragbar ist es ja nicht wirklich. Im Flugzeug hätte ich zum Beispiel keine Freude damit“, gesteht Hannes Schipany, Country Manager von Toshiba Österreich, „das Qosmio gehört aber zu einer völlig neuen Kategorie von Computern, die konsequent als Multimediageräte konzipiert sind und bei denen der Computer eigentlich nur noch Nebensache ist.“

Der Toshiba-Mann ist überzeugt, einen Markt gefunden zu haben, der gar nicht so klein ist. Das Gerät sei nämlich nicht nur für Technologiebegeisterte interessant, sondern auch für jene, die sich zu Hause mehr Mobilität wünschen und die sich darüber freuen, den Computer und gleichzeitig auch den Fernseher mit ein paar Handgriffen wegräumen zu können. Ein Computer für Teilzeit-Couch-Potatoes, inklusive Fernbedienung, um bequem vom Sofa aus durch die Kanäle zappen zu können. „Das ist eine andere Klasse als die Brot-und-Butter-Geräte, die man zum Arbeiten verwendet.“

Toshiba ist nicht der erste Hersteller, der den Versuch startet, mit zu Multimediacentern aufgemotzten Computern in die Wohnzimmer vorzudringen und dort den Fernseh- und Hi-Fi-Herstellern Konkurrenz zu machen. So konsequent wie die Japaner war aber bisher noch niemand, weder HP, das mit seinen Notebooks der Pavilion-Reihe ebenfalls eine ähnlich konzipierte Multimedialinie in den Handel gebracht hat, noch Apple, dessen Laptops inzwischen die Wurlitzer des 21. Jahrhunderts sind.

„Wir haben für unsere Geräte bewusst das 14-Zoll-Format gewählt, denn wir halten die Mobilität nach wie vor für sehr wichtig“, meint der für HPs Pavilion-Reihe zuständige Produktmanager Christian Müller, „unsere Geräte sollen auch im Auto als DVD-Player verwendet werden können.“ Für das Wohnzimmer hat HP dagegen eine andere Art von Computer entwickelt: Geräte, die aussehen wie Hi-Fi-Verstärker oder DVD-Player, aber gleichzeitig vollwertige Computer sind. Zu Jahresende sollen die Alleskönner, die auf dem Betriebssystem Windows XP Media Center aufsetzen, in Europa in den Handel kommen. Der Linzer Computerhersteller Chiligreen bietet bereits heute ein solches Gerät an, und Gerald Wirtl, Geschäftsführer des Unternehmens, ist sich sicher, dass sie bald nicht mehr aus den Wohnzimmern wegzudenken sein werden. „Bisher waren die Computer zu kompliziert dafür, aber die neuen Geräte sind so einfach zu bedienen wie ein Fernseher oder DVD-Recorder und dabei noch wesentlich vielseitiger.“

Der trend wollte wissen, ob die neuen Entertainment-Computer die Versprechen tatsächlich erfüllen, und hat die Multimediageräte getestet. Das Ergebnis vorweg: Die Alleskönner sind zwar extrem vielseitig, die eierlegende Wollmilchsau ist jedoch immer noch nicht darunter.

Supersize-Notebook Toshiba Qosmio G20.

Beeindruckend über alle Maßen ist das Toshiba Qosmio G20 in jedem Fall. Wer den Schock, den man beim Auspacken ob der Größe und des Gewichts (es wiegt stolze vier Kilo) überwunden hat, findet ein Gerät, das durch sein Design und den schwarz glänzenden Acryllack beeindruckt.
Das wirklich Besondere sind die Multimediakomponenten: Ein TV-Tuner und ein brillanter 43-Zentimeter-Bildschirm machen das Qosmio zu einem Fernseher, der viele andere in den Schatten stellt. Zwei 60-GB-Festplatten bieten Platz zum Aufzeichnen von mehr als 100 Fernsehstunden, die mithilfe des eingebauten DVD-Brenners auf DVD archiviert werden können. Und die Harman/Kardon-Lautsprecher sorgen für einen guten Sound.
Eigene im Gerät eingebaute Sensortasten machen es möglich, den Fernseher, den CD-Player und den DVD-Player zu verwenden, ohne das Betriebssystem des Computers zu starten. Ein Druck auf eine Taste, und Sekunden später ist das Qosmio auch schon betriebsbereit. Sogar eine Fernbedienung gehört zum Lieferumfang, bei unserem Testgerät fehlte sie jedoch leider.
Ganz eitel Wonne ist aber auch beim Qosmio nicht alles. Die Harman/Kardon-Lautsprecher klingen zwar wirklich gut, eine echte Hi-Fi-Anlage können sie aber bei Weitem nicht ersetzen, und der laute Lüfter stört doch sehr, vor allem beim Abspielen von CDs. Bei einem Gerät, das immerhin 3300 Euro kostet, sollte das wirklich nicht der Fall sein. Eigenartig ist auch, dass beim CD-Hören der Bildschirm permanent aktiv ist, was stark zulasten der Betriebszeiten geht. Um ihn zu deaktivieren, müsste man den Laptop zuklappen, doch dann ist es auch vorbei mit dem guten Sound.

  • Resümee: Beeindruckendes Cinemascope-Notebook fürs Wohnzimmer, hat leider auch einige Schwächen und einen stolzen Preis.

Reisebegleiter HP Pavilion DV 1049.

Im Herbst 2004 hat HP das erste Notebook der Pavilion-Reihe, die ebenfalls als Entertainment- und Multimediaschiene konzipiert ist, in den Handel gebracht. Im Vergleich mit Toshibas Qosmio erscheint das getestete Pavilion-1049EA (Preis: ab 1199 Euro) aber geradezu konventionell.
Wie das Qosmio spielt auch das Pavilion CDs und DVDs auf Knopfdruck ab, ohne dass dafür Windows gestartet werden muss. Toll ist, dass man dabei auch auf die am Notebook in dem Ordner „Eigene Musik“ gespeicherten MP3-Files zugreifen kann. Der Vorteil an dieser Lösung ist, dass das Notebook sofort betriebsbereit ist. Nur rund 15 Sekunden dauert es, bis der Spaß beginnt, und da dabei viele Komponenten des Notebooks abgeschaltet bleiben, können mit einer Akkuladung auch überlange Filme problemlos abgespielt werden.
Das Display im 16:9 Format liefert dabei recht ansehnliche Bilder, so brillant wie die des Qosmio sind sie jedoch nicht. Dafür ist das HP-Notebook aber wesentlich mobiler und kann auch im Auto für Unterhaltung sorgen, wofür HP praktischerweise auch eine eigene Halterung anbietet.
Auch HP kooperiert mit Harman/Kardon, um den Pavilion-Notebooks den besonderen Soundkick zu geben. Entsprechend gut sind die Audioqualitäten im Vergleich mit anderen Notebooks, echte Ghettoblaster-Qualitäten darf man sich aber nicht erwarten. Was dem Gerät aber eindeutig fehlt, um eine Multimediazentrale im Wohnzimmer sein zu können, ist der TV-Tuner.

  • Resümee: Notebook mit Multimediafunktionen für unterwegs, aber nicht wirklich wohnzimmertauglich.

Musik-Meister Netgear MP101.

Was nützt die beste Musiksammlung am Computer, wenn man sie nicht zumindest zu Hause, wo die teure Hi-Fi-Anlage steht, im vollen Volumen genießen kann? Die Frage versucht der auf PC-Netzwerkkomponenten spezialisierte Hersteller Netgear mit dem Music Player MP101 (um 199 Euro) zu beantworten, der über Funk (WLAN) Audio-Files von Computern empfangen kann.
Die Installation eines solchen WLANs ist zwar keine Hexerei, technisch weniger Versierte sollten aber Hilfe beiziehen, um das private Funk-Internet gegen unerwünschte Mitbenutzer abzusichern. Ist das geschehen, muss der MP101 nur noch an die Hi-Fi-Anlage angeschlossen werden, und schon können alle am PC gespeicherten Musikstücke über ihn abgespielt werden.
Mithilfe eines Displays am Gerät und einer Fernbedienung ist die Auswahl der Stücke dabei recht einfach. Abgesehen davon, dass dabei der Genuss, eine CD einzulegen und das dazugehörende Booklet durchzublättern, völlig auf der Strecke bleibt, ist die Lösung jedoch auch nicht ganz unproblematisch. Ist nämlich an dem PC eine Firewall installiert, die ihn vor Angriffen aus dem Internet schützt, findet das Netgear-Gerät auch keine Audio-Files. Und wenn sich der Computer automatisch abschaltet, weil nicht mehr mit ihm gearbeitet wird, ist es auch mit dem Musikgenuss vorüber.

  • Resümee: Praktische Lösung, aber nur für technisch Versierte zu empfehlen.

Schaltzentrale Apple Powerbook G4.

Mit dem iTunes Music Store hat Apple das mit Abstand erfolgreichste Musikportal zum legalen Download von Musik aus dem Internet geschaffen. Und die Powerbooks der G4-Reihe (Preis: ab 1539 Euro) sind mit ihren integrierten AirPort-Extreme-Karten das ideale Musikarchiv für das Wohnzimmer, in dem man aus dem Internet heruntergeladene Musikstücke und gleichzeitig die komplette CD-Sammlung speichern und die Songs über die Hi-Fi-Anlage abspielen kann.
Dazu benötigt man bloß ein einfaches Zusatzgerät, die AirPort-Express-Basisstation, die um 129 Euro verkauft wird. Die Installation ist kinderleicht, die AirPort-Station muss nur an eine Steckdose und an den Hi-Fi-Verstärker angeschlossen werden, und schon können die am Powerbook gespeicherten Musikstücke über eine Funkverbindung an der Hi-Fi-Anlage abgespielt werden. Auch beim Abspielen einer CD oder DVD kann man so vollen Hi-Fi-Sound genießen. Der einzige Nachteil an dieser Lösung ist, dass man, während das Notebook AirPort-Musik abspielt, nicht auch gleichzeitig über WLAN (Wireless LAN) drahtlos im Internet surfen kann.
Ein TV-Modul hat das Powerbook ebenfalls nicht eingebaut. Mit einem weiteren Zusatzgerät, dem EyeTV 200 von Elgato (www.elgato.com; Preis: 329 Dollar), das fast ebenso einfach installiert werden kann wie die AirPort-Station, wird es aber zu einem Fernseher, der 124 Kanäle empfangen kann. Die mitgelieferte Software und der eingebaute DVD-Brenner machen das Powerbook dabei auch zu einem hochwertigen DVD-Recorder.

  • Resümee: Tolles Notebook, wird mit einigen Zusatzgeräten zur Multimedia-Schaltzentrale fürs Wohnzimmer.

Wohnzimmer-Computer Chiligreen Media Center WXM.

Das Chiligreen Media Center (ab 750 Euro) ist einer der ersten Vertreter einer neuen Generation von PCs, die schon bald unsere Wohnzimmer beherrschen sollen. Der eingebaute TV-Tuner, der DVD-Brenner und das von Microsoft entwickelte Media-Center-Betriebssystem, eine Abart von Windows XP, machen es tatsächlich zu einem Gerät, das fast alle anderen ersetzen könnte.
Eigentlich würden dem Media Center nur noch ein Flachbildschirm und ein Dolby-Surround-Lautsprechersystem fehlen. Um mit Einzelkomponenten (DVD-Recorder, CD-Player und Fernseher) konkurrieren zu können, ist das Gerät aber einfach nicht gut genug verarbeitet. Die erste Schwachstelle bemerkt man sofort, wenn man das Gerät einschaltet. Das laute Lüftungsgeräusch ist nämlich garantiert nicht wohnzimmertauglich.
Eine Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass das Gerät eigentlich an das Internet angeschlossen werden sollte, um seine Funktionalität voll nutzen zu können. So gibt es etwa ein elektronisches Fernsehprogramm (EPG), über das auch gleichzeitig der eingebaute DVD-Recorder programmiert werden kann. Leider befinden sich Breitband-Internet-Anschlüsse aber in den seltensten Fällen im Wohnzimmer, und da das Media Center keine Funkverbindungen unterstützt, bleibt nichts anderes übrig, als ein Kabel vom Arbeitsplatz ins Wohnzimmer zu verlegen.

  • Resümee: Interessantes Konzept mit viel Potenzial für Verbesserungen.

Von Peter Sempelmann

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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