Fast geschenktes Geld

Günstige Kreditkonditionen, wie sie Banken meist nur großen Immobilieninvestoren gewähren, sind jetzt auch für Private nicht unerreichbar.

Ein Rundgang durch österreichische Bankfilialen birgt einige Überraschungen. Wer beispielsweise nach Krediten für die Finanzierung von Wohnungen oder Einfamilienhäusern Ausschau hält, findet entweder auf kleinflächigen Plakaten in irgendeinem versteckten Winkel verschämte Hinweise auf Kreditzinsen zwischen 4,5 und fünf Prozent oder schlicht gar nichts. Wollen die Banken keine Immobilienkredite geben? Schwer vorstellbar. Geld verleihen zählt zu den lukrativeren Geschäftsbereichen. Oder schämen sie sich etwa wegen der ausgehängten Konditionen? Das schon eher.

Kamen privaten Immobilienkäufern bis vor rund zehn Jahren zum Thema Finanzierung in erster Linie Hypothekardarlehen der Bausparkassen in den Sinn, so wird die private Klientel zunehmend wählerischer. Statt biederer Bauspardarlehen fantasievolle Fremdwährungskredite – der Trend ist unübersehbar.

Doch seit Konsumentenschützer immer lauter auf die Risken hinweisen, die mit einem auf den ersten Blick billigen Schweizer-Franken- oder gar Yen-Kredit verbunden sind, stellen sich zunehmend mehr Kreditnehmer die Frage: Gibt es nicht auch günstige Euro-Kredite, die nach dem Strickmuster der Fremdwährungskredite funktionieren?

Die Antwort lautet: Ja, es gibt sie. Kredite, die ihre Verzinsung direkt an den Euribor (Euro Interbank Offered Rate, also jener Zinssatz, den Banken einander für gegenseitige Ausleihungen verrechnen) anlehnen, stellen derzeit die billigste Finanzierungsvariante dar. Sie sind praktisch das Euro-Pendant zu Fremdwährungskrediten, die sich auf den Libor beziehen, also jenen Zinssatz, den Banken auf dem europaweit wichtigsten Finanzplatz London voneinander für Ausleihungen in einer bestimmten Währung verlangen.

An sich funktioniert das Bankgeschäft in diesem Bereich nämlich ganz einfach: Wenn Bankkunden Geld leihen wollen, müssen die Banken dieses irgendwo auftreiben. Eine Möglichkeit wären Spareinlagen, eine andere die Begebung von Anleihen. Das Problem dabei: Die Bank kann das Geld natürlich nicht billiger verleihen, als sie es selbst besorgt hat. Daher hat sich ein Markt für gegenseitige Bankausleihungen entwickelt, und die Zinsen, die auf diesem Markt bezahlt werden, heißen für den Euro eben Euribor und für zahlreiche andere Währungen Libor. Banken können auf diesem Markt Geld für einen Tag sowie ein, drei, sechs und zwölf Monate ausborgen. Verleihen sie dieses Geld dann an einen ihrer Kunden in Form eines Kredites, dann kommt zu dieser „Zwischenbank-Rate“ noch die „Handelsspanne“ – zwischen einem und zwei Prozentpunkten oder, im Fachjargon, zwischen 100 und 200 Basispunkten – hinzu. Dies soll einerseits die Spesen und den Gewinn der Bank abdecken und stellt andererseits eine Risikoprämie dar.

Versteckte Konditionen. Wirklich gern rücken die Banken die auf diese Weise errechneten Top-Konditionen freilich nicht heraus. In so mancher Filiale „locken“ recht unverfroren noch Aushänge mit Zinsen über fünf Prozent für Immobilienfinanzierungen, während Euribor-Finanzierungen derzeit deutlich unter vier, in günstigsten Fällen sogar relativ knapp über drei Prozent liegen. „Diese Finanzierungsform ist im Augenblick sicher die mit Abstand günstigste“, bestätigt Julian Robor, Chef der Wohnconsulting-Abteilung der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien.

Durchaus unterschiedlich gehen die Banken mit dem Thema um. „Fremdwährungsfinanzierungen setzen sich immer aus Libor plus Aufschlag zusammen, auf dieser Schiene sind Kreditnehmer, die wieder zurück in den Euro wollten, eben auf die Euribor-Kredite gestoßen“, so Thomas Hübschmann, Produktmanager für Kredite und Darlehen bei der BA-CA. „Bei uns heißt das entsprechende Produkt Euro-Top-Darlehen, es ist sehr häufig mit einem Tilgungsträger verbunden.“ Hier legt der Kreditnehmer die Raten, statt sie gleich für die Rückzahlung zu verwenden, beispielsweise in einem Fonds an – in der Hoffnung, aus den Kursgewinnen am Laufzeitende Raten und Zinsen begleichen zu können und dabei noch einen Gewinn zu lukrieren. Diese Variante ist bei Fremdwährungskrediten verbreitet. „Etwa 90 Prozent unserer Kunden haben diese Konstruktion gewählt“, berichtet Hübschmann.

Wenig abgewinnen kann dagegen Peter Hanosek von der Volksbanken Immobank der Tilgungsträger-Variante: „Die Kombination zwischen Kredit und Tilgungsträger wird bei uns nicht angeboten – auch nicht bei Fremdwährungskrediten. Wir beraten Kunden generell in Richtung Abstattungskredit.“ Dieser ist ein „klassischer“ Kredit mit meist monatlicher Tilgung und Zinszahlung. „Tilgungsträger beinhalten ein zusätzliches Risiko“, begründet Hanosek seine Aversion gegen Tilgungsträger-Konstruktionen. Entwickelt sich der Tilgungsträger nämlich nicht nach Wunsch – was bei ungünstiger Lage an den Finanzmärkten leicht passieren kann –, dann droht ein Verlustgeschäft, und der Zinsvorteil ist dahin.

Vergleich macht sicher. Im direkten Vergleich mit hypothekarisch besicherten Krediten schneiden Euribor-Kredite momentan jedenfalls besser ab: Ein typischer Euribor-Kredit kostet rund 3,5 Prozent, ein eher günstiger klassischer Kredit dagegen rund vier Prozent. Aktuelle Bauspardarlehen liegen mit 3,5 Prozent ebenfalls günstig, wobei die Bausparkassen bei älteren Verträgen allerdings bis 4,5 Prozent verlangen.

Freilich sollen sich Kreditnehmer auch auf mögliche Nachteile der Euribor-Lösung einstellen. „Solche Kredite reagieren grundsätzlich stärker auf Schwankungen des Zinsniveaus“, so RLB-Kreditexperte Robor. Warum das so ist, erklärt Hannes Meltsch vom Produktmanagement der Erste Bank: „Für den normalen Hypothekarkredit gilt eine Mischkalkulation: Die Zinsen setzen sich aus einer kurzfristigen Komponente – dem Euribor – und einer längerfristigen Komponente, der durchschnittlichen Anleihenrendite (auch Sekundärmarktrendite genannt) zusammen.“ Da die längerfristigen Zinsen über den kurzfristigen liegen, ist die Ausgangsbasis für die Kreditzinsenberechnung hier eine höhere. Allerdings bewegen sich diese längerfristigen Zinsen träger als die kurzfristigen, überdies gibt es Schwellen bei der Anpassung: Geringfügige Schwankungen im Zinsniveau führen hier nicht notwendigerweise zu einer Änderung der Kreditzinsen. Im Gegensatz dazu wird der Euribor-Kredit jeweils aktuell auf Hundertstel-Prozentpunkte angepasst.

Derzeit ist das freilich ein Vorteil. Glaubten die Zinsanalysten noch bis vor wenigen Wochen, dass die Zinsen bald wieder steigen werden, so macht sich nun ein Stimmungsumschwung bemerkbar. So meinte erst kürzlich Steven Bell, Chefökonom der DWS – der bedeutendsten deutschen Fondsgesellschaft –, die Europäische Zentralbank müsse demnächst die Zinsen senken, um den Höhenflug des Euro zu bremsen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft auf dem Weltmarkt zu verteidigen. Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB), glaubt zwar nicht, dass die Zinsen schon demnächst fallen werden, doch mittelfristig sieht das anders aus. „Wir rechnen 2006 mit einer Abschwächung der Konjunktur, dann könnte es mit den Zinsen schon auch weiter bergab gehen“, so Brezinschek. Wer dann einen Euribor-Kredit laufen hat, darf sich über eine weitere Verbilligung freuen.

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