Ever green

Wie Sie sich Ihre geistige Pubertät bis ins hohe Alter bewahren.

Erwachsen dürfen Sie werden, das schon. Körperlich. Aber natürlich nicht deckungsgleich mit Ihrem tatsächlichen Alter. Schließlich wollen Sie ja aussehen wie das Vorzeigemodell, das etwa zehn Jahre nach Ihnen in die Welt krähte – sonst kräht nach Ihnen kein Hahn (respektive keine Henne) mehr. Wenn Sie das Glück haben, natürlicher Bulimist zu sein, schaffen Sie es vielleicht sogar zu einer interessanten „alterslosen Erscheinung“, wozu eine verdächtig-farbene Haare tilgende Kahlschur gut passt.

Voll entwickelt sind Sie also, vor allem bekleidet, denn Stütz-BH bzw. Hasenpfote lassen Sie viril aussehen. Mit tranigen Sachen wie Seelenleben sollten Sie sich nicht verzetteln, so was haben meistens Leute, die ans zweite Gesicht oder an täglich zu wechselnde Unterwäsche glauben. Ganz Verstiegene kommen noch mit dem „Innenleben“ oder der „menschlichen Psycho“ oder so daher, aber über Ersteres groß nachzudenken sind Sie erhaben, denn Ihr Auto hat ja schon alle Extras, und Zweiteres ist halt ein Malheur wie ein Wasserrohrbruch im Hirn.

Aber dem, was sich bei Ihnen im Kopf abzuspielen hat, nennen wir es einmal flott das Geistige, können Sie sich nicht auf die Ewige entziehen. Sie müssen jetzt nicht damit anfangen, sich irgendwas krankhaft zu vergegenwärtigen, es genügt, wenn Sie sich was klar machen, und zwar, dass Sie Gott sei Dank nicht allein auf der Welt sind. Gott sei Dank deswegen, weil Sie sonst nirgendwo dazugehören könnten, das aber ist hip. Hip zu sein ist schon deshalb gschmeidig, weil die andern dann nicht einen anschauen, sondern zu Ihnen aufschauen.

Dazugehören, dabei sein können nur mobile, flexible Menschen, wobei mobil nicht heißt, in der Warteschleife um die Gruft zu kreisen, sondern dort zu sein, wo der Gruuf und der Fann sind. Und ganz groß geschrieben werden. Machen Sie mit, wo geht, aber denken Sie auch mit, jawohl! Geist ist geil! Denken Sie, aber überdenken Sie nicht: Denken Sie heute ans Morgen, dann ist heute nämlich gestern und schaut ganz schön alt aus. Überdenken Sie nicht Übermorgen, das entscheidet sich erst at look, wie die Lateiner auf Englisch gesagt haben (ansonsten ist Bildung kein must).

Denken Sie immer daran, dass Sie die leiwand lange Generation der 14- bis 49-Jährigen präsentieren, und zwar bis zu Ihrem letzten Exit. Es ist zwar unlängst aufgekommen, dass auch die noch existieren, die Fünfzig plus genannt werden, aber die sind entweder in Wahrheit 68er und lesen oder sind scharf auf Hörgeräte und Dreizehnjährige.

Sie sind HipHaptiker und nehmen (ernst), was sich (be)greifen lässt. Dazu gehört, dass Sie hundertpro fit sind, nur in die Hand nehmen, was ur in ist, und sich mit nichts Vergangenem umgeben; wenn Sie versehentlich alte Orientteppiche geerbt haben, reden Sie sich auf ein Schnäppchen am Flohmarkt aus, Möbel im „Jugend“-Stil dagegen sind cool. Eine andere Hundertpro-These von Ihnen heißt: Fernsehen ist alt. Es gehen gerade noch Nachrichten auf DVD, fürs wirkliche Leben aber suchen Sie Aufreger, weshalb auch Ihr Lebensabschnitts-Partner dementsprechend aussehen muss. Schmale Schultern, nur irgendwie bodenlange Beine, gescheite Augen und Bemerkungen sind kein Styling. Out sind auch praktische Brillen und individuelle Farben, gut angezogen ist man schwarz, grau oder rosa.

Ihr geistiges Outfit ist damit natürlich noch nicht rund. Ein Gedanke ist dazu da, ihm nicht zu erliegen. Halten Sie ihn also in Einzelhaft, und drücken Sie Ihren Geist durch Ihre Gefühle aus. Die kann jeder verstehen. Seien Sie „bezaubert“, halten Sie alles für toll, was neu ist, und verlassen Sie sich drauf, dass für fast alle fast alles neu sein wird, auch wenn’s schon einmal da war, denn Geschichte ist was für Tote.

Äußern Sie Vorlieben spontan und ungehemmt, sagen Sie, wenn Sie was super finden, aber verbergen Sie auch nicht Ihren rückhaltlosen Ekel vor zimperlichem Getüftel und ungutem Sinnieren. Halten Sie auch nicht mit langatmigem Gefasel wie Schlussfolgerungen auf, Sie wissen aus Erfahrung: erstens kommt alles, wie’s kommen muss, und zweitens kommt es anders. Also was soll’s? Gehen Sie als geborener Sieger in die Schlacht des Lebens, sagen Sie sich ständig vor: Die Walstatt gehört dir! Geben Sie sich natürlich, und sooft man es von Ihnen verlangt! Betonen Sie Ihre ganz persönliche Kopie des Abziehbilds der erstbesten Gesellschaft!

Ob Sie einen leichten Tick haben oder einen schweren Hieb, wird im oberflächendeckenden overthrill keiner merken, unbeachtet auch wird Ihre Imbezillität in Senilität übergleiten, ohne Angst können Sie von Ihrer Identität zur Kukidentität switchen. Sie müssen nur dranbleiben, Fett absaugen lassen, Dschoggn richtig aussprechen, eine Philosophie aber „nicht nachvollziehen“ können, sich als „begeisterter Teamspieler“ gut sichtbar lachend „outen“ und hörbar immer „so richtig wohl fühlen“.

Damit haben Sie den Erfolgsschritt von kultiviert zu Kult und Ihr Glück gemacht. So viel müssen Sie schon zustande bringen, denn: Es ist verdammt hart, der Jüngste zu sein.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente