Erfolgsfaktor PE (II)

„Auch das Hirn kann vergiftet werden.“ Ernst Jünger

Im ersten Teil dieses Doppel-Essays war die Rede vom Gewicht des Erfolgsfaktors PE (Persönliche Energie). In der Praxis ist er federleicht. Nur zwei von hundert aufstrebenden Managern und vielleicht zehn von hundert Unternehmern kümmern sich umsichtig um ihre Kräfte. Diese Nachlässigkeit ist schon in der Jugend unklug, obwohl verständlich. Bis dreißig weiß man, unsterblich zu sein. Selbst mit vierzig, fünfzig und sechzig Jahren scheinen die geistigen und körperlichen Energien kein Problem zu sein. Objektiv sind sie aber eines. Anatomisch-medizinisch hat man mit Mitte zwanzig den Gipfel erreicht. Dass man den Abstieg lange Zeit nicht spürt, hat gute und erfreuliche Gründe.

Erstens wächst mit dem Alter die Effizienz. Man erreicht die meisten Ziele mit weniger Zeitaufwand und Energie. Auch die Nerven profitieren vom Alter. Man wird nach Niederlagen nicht mehr hysterisch, nach Zurückweisungen nicht mehr paranoid. Zweitens leben wir gesünder als früher. Die Lebenserwartung stieg nicht nur wegen der Kunst der Ärzte.

In der Frühzeit der Hominiden war man mit achtzehn alt und mit dreißig ein Überlebenskünstler wie heute die Hundertjährigen. Von da an ging’s bergauf. Nur Hungersnöte, Seuchen, Weltkriege und andere Malthus’sche Katastrophen schlugen Kerben (der englische Nationalökonom Thomas Malthus war der irrigen Ansicht, die Natur bringe die Anzahl der Menschen automatisch ins Gleichgewicht mit der Menge der Güter).

Ab dem „Jahrhundert der Genies“, dem achtzehnten, erreichten viele wohlhabende Bürger die Hochebene heutiger Lebenserwartung. Der Durchschnitt der Armen lag freilich deutlich darunter. Von damals bis heute sorgten vor allem die Künstler für Verwirrung. Es gab viele, die auffällig früh, und viele, die auffällig spät starben. Hypothesen, warum Mozart, Schubert und später Büchner und Schiele so früh den Bleistift abgaben, anderseits Goethe, Voltaire, Jünger und De Kooning steinalt wurden, haben eher anekdotische Bedeutung. Wahrscheinlich fielen sie nur auf, weil sie berühmt waren.

Seriösere Anhaltspunkte für die Geheimnisse eines längeren Lebens bieten die heute wichtigen Weltmarktteilnehmer Japan, Korea und die beiden Chinas. Von Reisen in diese Länder nahm ich den Großteil der folgenden Erwägungen mit.

Wobei ein spezieller Vorteil der dortigen Senioren an ihre Länder gebunden scheint: die Achtung vor den Alten. Die Weisen-Räte ihrer Regierungen und Großkonzerne werden noch immer von Weißhäuptigen und Kahlköpfen dominiert. Siebzigjährige holen die Zigaretten für die Älteren. Da wird man halt lieber zum Greis als anderswo. Die Geriatrieforscher sagen: Alt wird einer, der sich auch im Alter noch Freuden verspricht.

Abteilung Philosophie: Ein wesentlicher Energiesparmodus scheint die umfassende Welt des Yin & Yang zu sein; der Versuch, Gegensätzliches zu einem harmonischen Kreis zu ergänzen.

Unternehmer mit viel Lärm und vielen Menschen während des Profi-Alltags suchen bewusst die Stille und Einsamkeit, und nach der Fülle der Dinge die Leere. Die Architektur der Wohlhabenden ist selbst in den Städten darauf ausgerichtet, vor allem aber auf dem Land, wo Teehäuser der Kontemplation dienen.

Man übt Entleerung auch beim Eigentum: Der Besitztrieb ist zwar mindestens so ausgeprägt wie im Westen, allerdings nicht auf Menge, sondern Qualität gerichtet.
Abgekürzt dargestellt: Wer große Mengen besitzen will, altert schnell. Er erstickt unzufrieden im Eigentums-Schrott. Wer hingegen wenig vom Besten sucht, wird seelisch erhoben und bleibt psychosomatisch länger jung. In der „Kunstnische“ kluger Japaner hängt nur ein Holzschnitt oder steht nur eine Miniatur, allerdings vom Feinsten und Teuersten: ein Ukiyo-e von Hosukai, ein thin man von Giacometti.

Abteilung Ernährung: Als optisch schönste, inhaltlich gesündeste und deutlich teuerste Küche der Welt gilt die japanische. Wer sich von Misosuppe, Soja, Sashimi, Shabu-Shabu und Teppanyaki ernährt, hat viele Freispiele für Sünden. Vielleicht noch besser und weitaus billiger die europäische Mittelmeerküche. Im Wesentlichen geht es um Obst, Gemüse, Salate, Knoblauch und den Ersatz warmtierischer Fette durch Fisch und Pflanzenöl wie steirisches Kernöl, Distelöl und Olivenöl. Anfang Jänner wurde im TV die Nachricht gebracht, Öl dieser Art senke nach neuesten Untersuchungen manche Krebsrisiken um gut vierzig Prozent. Ähnliches wissen wir von Roten Rüben, rotem Paprika und rotem Wein.

Rotwein übertrifft den gesunden Weißwein noch per Tannin und Flavoid. Kurzum: Wer keinen Wein trinkt, bringt sich um. Der erste Wissende, Sportprofessor Hoppichler, wurde für diese Erkenntnis noch verflucht – von der lautstarken Minderheit einer frustrierten Anti-Lust-Fraktion, die von feigen Politikern nicht gebremst wird. Die Frigid-Fraktion wird nach dem Tabak den Wein und schließlich den Geschlechtsverkehr killen – alles Sünden und Freuden, die Mitmenschen gefährden können. Der Schritt zur Sünde „Denken“, der gefährlichsten von allen, wird nimmer weit sein.

Abteilung Bewegung: für Westler fast peinlich die morgendlichen Tai-Chi-Übungen und rituellen Tänze (darunter seit den fünfziger Jahren auch Slow Twist und Rock ’n’ Roll) der asiatischen Älteren. Sie haben nach Erkenntnissen moderner Geriatrie höchsten Sinn. Ständige, leichte, anmutige Bewegung bringt hohes Alter. Seltene, heftige Anstrengung (wie sie Westler vorziehen, die im Urlaub alle Bewegungssünden des Jahres aufholen wollen) ist ungefähr so gesund wie Arsen im Süppchen.

Berühmte Bergmenschen wie Heinrich Harrer, Reinhold Messner und der geistreiche Thomas Bubendorfer (für Management-Events empfehlenswerter denn je) machen das Bergland Österreich als potenziellen Jungbrunnen erkennbar. Auch trend-Essayist Fredmund Malik profitiert in jedem Gesundheitsaspekt (Fitness, Aussehen, Geist) von seiner Leidenschaft Alpinismus. Viktor Frankl entwickelte seine Logotherapie und Arthur Schnitzler seine Dramen in Spaziergängen auf dem Rax-Plateau. Das Klügste von Martin Heidegger entstand auf der Alm.

Abteilung Gehirn: Literat Ernst Jünger, der kurz vor dem Millennium im Alter von 103 Jahren starb, hinterließ als eines seiner Energie-Erhaltungs-Rezepte: „Nichts Blödes lesen“. Auch das Gehirn sei leicht zu vergiften.

Wer Kluges lese und höre, sei ständig angeregt zu eigener schöpferischer Tätigkeit. Männer und Frauen dieser Art sei der Tag nie lang geworden; sie freuten sich auf den nächsten.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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