Endlich länger arbeiten!

Der Ruf des neuen Präsidenten der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, nach längeren Arbeitszeiten hat gewaltiges Reformpotenzial.

Politische Reflexbewegungen sind verständlich. Ermöglichen sie doch eine rasche, sichere Abwehr hinterhältiger Angriffe des Gegners. Und so war ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitschs barsche Zurückweisung des Vorschlags des neuen Präsidenten der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, bei gleichem Lohn länger zu arbeiten, zwar eine nachvollziehbare, aber dennoch höchst unreflektierte Vorgangsweise.

Bei näherer Betrachtung beinhaltet der Vorschlag Sorgers nämlich das Potenzial zur Lösung so mancher anstehender Probleme unseres Landes:
Nehmen wir einmal den Österreich-Konvent: ein höchst umtriebiger Zirkel aus hochrangigen Politikern, Richtern, Vertretern der Sozialpartner, der Parteien und selbstverständlich „unabhängigen“ Experten. Ein hohes Ziel haben sie sich selbst gesetzt: die Verwaltung umkrempeln, Einsparungspotenziale orten, kurz: das Land sanieren. Unterm Strich würden dabei drei Milliarden an unnützen Ausgaben wegfallen können.

Ein Jahr diskutieren und debattieren die 70 Konventaristen nun bereits. Ein Ergebnis ließ bislang auf sich warten. Was schließen wir daraus? Der Konvent pennt – also muss er geweckt werden und in verlängerter Arbeitszeit Versäumtes nachholen!
Aber es ließe sich noch mehr aus dem Vorschlag machen: Da war doch die Bestrebung der Regierung nach Harmonisierung. Nicht innerhalb der FPÖ, man will ja nichts Unmögliches verlangen, aber die der Pensionssysteme, das wäre doch ein feiner Zug. Schließlich ist das auch so etwas, was schon seit längerem zur Behandlung ansteht. Allein es wird zu wenig Zeit dazu verwendet. Tische werden rund besetzt. Papiere hin und her geschoben. Modelle berechnet. Aber nix geschieht. Erinnern wir uns doch, wie’s damals beim ASVG-Pensionssystem hurtig über die Runden ging. Ein Schnitt, ein sauberer, zügig durchgezogen, zack, und fertig war der Vorsorgeverlust.

Auch da kann nur der Sorger-Sager helfen: Mehr und schneller arbeiten. Und schon wären die Pensionssysteme harmonisiert. Gleiches gilt natürlich für die Heeresreform. Da könnte länger arbeiten besonders viel bringen, fürs Budget und überhaupt. Denn der Verteidigungsminister will ja jetzt das Heer verkleinern. Also schickt er seine Soldaten, nein, nicht in den Krieg, er schickt sie in Pension. In Frühpension, um genau zu sein. Und um noch genauer zu sein: zu jenem Zeitpunkt, zu dem die Frühpensionen bei den ASVGlern abgeschafft werden. Weil man ja, wenn sie länger arbeiten, die teuren Budgetzuschüsse sparen kann. Auch hier sieht man: Länger arbeiten bringt’s. Warum dann eigentlich nicht auch beim Heer?

Aber das wäre wohl zu ungerecht. Da lässt man lieber, trotz Reform, Zivildiener weiterhin länger arbeiten. Acht Monate werden in Hinkunft Sanitäter und Pfleger alten und kranken Menschen helfen, einfach ihren Dienst an der Allgemeinheit leisten – aber Rekruten nur sechs Monate ihren Dienst an der Waffe. Das hat aber auch sein Gutes. Durch diese Unterscheidung wird Österreichern bereits in jungen Jahren klar gemacht, dass die längere Arbeit die sinnvollere ist.

Das ist schon deshalb wichtig, weil ihnen in der Schule das noch nicht so deutlich beigebracht wird. Da wird jungen Menschen vielmehr ein gänzlich anderer Zugang zur Arbeitswelt vermittelt: Haben es Lehrer, sprich Angestellte mit der Aufgabe von Wissensvermittlung nicht geschafft, ihren Schülern, sprich Kunden so viel beizubringen, dass sie im Zeugnis positive Noten schaffen, machen die Professoren einmal Pause, ab in den Süden. Die Schüler aber arbeiten zwei Monate länger, ab zum Zipf. Mit diesem leicht verschobenen Bild einer Leistungsgesellschaft werden sich die Adoleszenten in der Arbeitswelt etwas schwer tun. Also könnte man selbst da sagen: Länger arbeiten, im Sinne Sorgers, täte auch bei Lehrern Not.

Aber Gewerkschaftsboss Verzetnitsch hat sicherlich bereits erkannt, dass Sorger Recht hat. Nicht, weil er einsieht, dass flexiblere Arbeitszeiten, genauso wie Ladenöffnungszeiten, Österreich im Wettkampf mit den neuen osteuropäischen Mitgliedsländern der EU eine bessere Position verleihen würden, sondern aus ganz anderm Grund: Teilfraktionen des ÖGB weigern sich, Verzetnitschs großem Ziel, sich zum großen Bund der G5 zusammenzuschließen, nachzukommen. Was höchst verständlich ist. Sind doch Fusionen für den ÖGB naturgemäß ein rotes, nein ein schwarzes Tuch. Schließlich bedeuten sie meist eines: dass weniger Mitarbeiter dann mehr und länger arbeiten müssen.

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