Eignungstest zur Frühpension

Lehrer und ÖBBler haben eine bemerkenswerte Zukunft vor sich. Gehrer und Gorbach sei Dank.

Zur Beseitigung anstehender Probleme in Österreichs beamteter Dienstwelt gibt es seit kurzem zwei beachtenswerte Lösungsansätze: den von Eignungstests und den der Frühpensionierungen. Beachtlich daran ist nicht so sehr, dass sich beide nur mit Beginn und Ende staatlicher Laufbahnen befassen – also nicht mit der eigentlich wichtigeren Zeit dazwischen –, sondern dass die den Vorschlägen innewohnende Kreativität sich an der Grenze der Wahrnehmbarkeit bewegt. Daraus könnte man allenfalls schließen, dass den dafür verantwortlichen Ministern das Wohl ihrer getreuen Diener nicht allzu sehr am Herzen lag. Alleine, sie bestreiten das sehr heftig.

Auf den ersten Blick hat der Vorschlag Elisabeth Gehrers, der Aufnahme in den Lehrberuf einen Eignungstest voranstellen zu wollen, ja tatsächlich so etwas wie Witz – vor allem für in der Privatwirtschaft Beschäftigte. Jedes größere Unternehmen unterzieht doch seine neuen Mitarbeiter zunächst einmal der einen oder anderen Prüfung – warum das nicht auch bei der für Österreichs Zukunft so wichtigen Berufsgruppe der Pädagogen machen, mag sich Oberlehrerin Gehrer dabei gedacht haben.

Das vielleicht doch etwas Undurchdachte an dem Vorschlag liegt darin, dass er zur Lösung der herrschenden Probleme des heimischen Schulsystems so viel beiträgt wie ein Lehrplan zur Vorbereitung auf ein Leben nach der Schule. Denn laut PISA sind es nicht die Lehrer, die nicht lesen können, sondern die Schüler. Und das hauptsächlich in jenen Schulen, bei deren Schülerzusammensetzung das kein Wunder ist. Was den Schulen wirklich fehlt, sprengt den hier vorhandenen Rahmen und ist daher ab Seite 28 trefflich analysiert.

Dass Elisabeth Gehrer die Forderung nach Eignungstests für Lehrer zur Verbesserung des Schulsystems erst zehn Jahre nachdem sie Bildungsministerin geworden ist, erhoben hat, darf auch niemanden wundern. Schließlich hat sie zumindest Frühpensionierungen für 4000 Lehrer ja vor einem Jahr schon erfolgreich als Heilmittel eingesetzt.

Eine für die Lösung der Bildungsprobleme des Landes so wirkungsvolle Maßnahme, dass sie der neue Bahnchef Martin Huber von ihr gleich abgekupfert hat. Sicherlich nicht, weil ihm nichts Besseres eingefallen wäre, sondern nur, weil ihm der oberste Eisenbahner nichts anderes gestattet. Natürlich zeigt sich Infrastrukturminister Hubert Gorbach ehrlich entsetzt über die 577 plus einer Frühpensionierung bei der Bahn. Natürlich würde er alles daransetzen, das Dienstrecht der Bahn zu ändern, um all jenen, die bis 65 arbeiten müssen, ein besseres Bild der ÖBB zu zeigen; ihnen zu zeigen, dass „Bahn wirkt“. Aber das wird ja verhindert; von der Gewerkschaft, von der SPÖ, die nicht willens ist, eine Veränderung des Eisenbahnerdienstrechts mitzutragen. Vor allem aber auch von den kommenden Wahlen 2006. Davor möchte man selber keine großen Schnitte machen. Schließlich würde dann in den kommenden Jahren für 12.000 Bedienstete der Zug abfahren. Das ginge eher in Richtung „Bahn stirbt“.

Da schickt man lieber, betroffen augenzwinkernd, ein paar ÖBBler mit 50 in den Ruhestand, dem Ex-Obersten legt man noch 1,2 Millionen obendrauf und sagt: Der Huber war’s.

Der spielt brav mit und verkauft den einzigen unternehmerischen Handlungsspielraum, den ihm Gorbach lässt, als „hartes Management“ und sich selbst als wilden Hund. Dabei sind Frühpensionierungen als Lösung für Probleme der ÖBB in etwa so effizient wie Eignungstests für Lehrer an den Schulen.
Denn der Personalstand der ÖBB ist nur ein Teil der wahren Problematik. Der viel bedeutendere heißt: zu glauben, dass der milliardenteure Schienenausbau, den der Generalverkehrsplan vorsieht, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene bringt; also bei den in tiefstem Taurus-Rot dahinflitzenden ÖBB-Bilanzen Infrastrukturprojekte à la Koralmtunnel umzusetzen. Ganze 32 Kilometer lang, ganze vier Milliarden teuer. Aber genau das wollen der Bahn-Minister und sein Kärntner Erfinder. Warum, ist müßig zu hinterfragen. Es bleibt nur festzuhalten, dass bei der wohl sehr wahrscheinlichen neuerlichen Regierungsbeteiligung der FPÖ die vier Milliarden fällig werden. Dagegen sind die Kosten der laufenden Frühpensionierungen von ÖBBlern ein Klacks. Und die Weichen für die ÖBB werden damit auch nicht in die richtige Richtung gestellt.

Dennoch könnten Frühpensionierungen und Eignungstests in bestimmten Fällen ein höchst probates Mittel zur Lösung der Probleme bei ÖBB und Schulsystem bilden: und zwar dann, wenn sich die verantwortlichen Politiker in Hinkunft der einen oder anderen Maßnahme selber unterziehen.

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