Die Liste der schnellsten Köpfe

Erstmals veröffentlichen österreichische Universitäten Rankings mit den Studienleistungen ihrer Studenten. Absolventen, die ganz oben stehen, kommen so zu Top-Jobs bei den begehrtesten Arbeitgebern. Zu Recht?

Wer sein Studium schneller abschließt, kann im Beruf früher aufsteigen und kommt damit schneller zu mehr Geld.“ Thomas Kulnigg hat eine sehr praktische Formel für seine Ziele gefunden. Er hat im Mai sein Jusstudium nach nur fünf Semestern beendet. „Etwas Glück und gute Organisation, dann ist das nicht so schwer“, sagt der frisch gebackene Magister. Diesen Sommer wird er bereits in einer angesehenen Wiener Wirtschaftskanzlei verbringen. Unter 160 Bewerbern stach der 21-Jährige deutlich hervor. Seine Ex-Kommilitonin Christine Wollinger hat mit zehn Semestern zwar etwas länger gebraucht. Dafür hat sie nebenbei Medizin studiert. „Es war schwierig, interessant und hat dennoch Spaß gemacht“, lautet ihr knappes, aber präzises Fazit.

Die beiden haben mit 100 weiteren jungen hoch begabten Jusstudenten soeben eine Führung durch das Arnold-Schönberg-Center erlebt, haben Klavierkonzerten von Mozart, Schubert und Schönberg gelauscht und führen nun Small Talk mit ihren Gastgebern, den Rechtsanwälten der Kanzlei Dorda Brugger Jordis aus Wien. „Best of the Best“, lautet das Motto des Abends. „Wir wollen alle Genies sein“, wendet sich Thomas Angermair, Partner der Rechtsanwaltskanzlei, an seine Besucher. „Einige von Ihnen sind es. In der Umgebung von Arnold Schönberg sind Sie daher gut aufgehoben.“

Bestenliste. Und wie kam die renommierte Wirtschaftskanzlei zu Namen und Adressen der Super-Absolventen? Zum ersten Mal hat die juridische Fakultät der Universität Wien in Zusammenarbeit mit ihrem Karrierezentrum Unitrain eine Liste der besten Studenten erstellt. Vorne liegt, wer den Großteil der Prüfungen bereits im ersten Anlauf positiv absolvierte, wer dabei einen guten Notendurchschnitt erzielte und hohes Tempo an den Tag legte. Firmen wie Dorda Brugger Jordis können die Liste verwenden, um aus dem Pool die Arbeitnehmer der Zukunft zu angeln. Den allerbesten Absolventen winkt im Oktober die Verewigung auf einer Gedenktafel am Portal der Fakultät.

„Das ist ein kleines Dankeschön für hohe Leistungen“, sagt Arthur Mettinger, Vizerektor der Uni Wien. „Die Uni muss sich stärker als bisher um ihre besten Studenten kümmern. Dazu gehört, den direkten Kontakt zu den Arbeitgebern herzustellen.“

Das Besten-Ranking des Juridicum ist erst der Anfang. Bei Unitrain arbeitet Geschäftsführer Josef Lentsch bereits an ähnlichen Programmen für die wirtschaftswissenschaftlichen Studien. Auch Medizin und Geisteswissenschaften sollen folgen. „Wir wollen zeigen, dass die Uni Wien sehr gute Leute hat“, sagt Lentsch.

Auch an der WU Wien startet am 12. Oktober unter dem Titel „Top League“ ein Förderprogramm. Dort geht es um hoch begabte Studienanfänger. WU-Rektor Christoph Badelt hat das Bonus-Programm zusammengestellt, da er fürchtet, die besten Studenten an die Elite-Wirtschaftsschulen in Rotterdam, Barcelona, Fontainebleau und St. Gallen zu verlieren. „Als öffentliche Universität können wir uns die Studenten nicht aussuchen“, erklärt Badelt. „Deswegen laden wir die Maturajahrgangsbesten ein, sich die WU als Wahluni auszusuchen.“ Teilnehmer des Programms bekommen einen persönlichen Coach zur Seite gestellt, der bei der Zusammenstellung des Studienplans helfen soll. Die „Top League“ kann Führungskräfte der Wirtschaft im Arbeitsalltag begleiten und erhält zusätzliches Lehrprogramm. „Das alles finanzieren wir nur aus Sponsorgeldern“, setzt Badelt beflissen nach. Wäre es anders, gäbe es angesichts des dramatischen Platz- und Lehrpersonalmangels an Österreichs größter Wirtschaftsuniversität wohl eine Studentenrevolution.

Persönliche Reife. Aber macht es für Studenten tatsächlich so viel Sinn, das Studium in kürzester Zeit mit guten Noten zu beenden? Wäre es nicht wichtiger, im Studium Zeit für Auslandserfahrungen, Praktika, Hobbys und die persönliche Reifung zu finden? Bekommen die Firmen mit schnellen Studenten die besten Manager von morgen oder nur eine „Auswahl der Angepassten, denen die Fähigkeit zur Innovation fehlt“, wie Buchautor Holger Rust vermutet (siehe Buchtipp „Originär statt elitär“ auf Seite 161).

trend befragte jene Unternehmen, die bei Studenten hoch im Kurs stehen, was sie von Ranking-Zahlen in Lebensläufen halten.

„Noten sind nicht alles“
Christiane Bülow, Leiterin des Personalmarketings der Bank Austria Creditanstalt

„Ein guter Platz im Ranking der besten Studenten kann ein Indiz für Zielstrebigkeit, Fleiß und Organisationstalent sein. Wer selbst studiert hat, weiß aber, dass man für einen schnellen Studienabschluss auch Glück benötigt. Noten sind daher nicht alles, was uns an den Bewerbern interessiert. Für uns zählt die Gesamtqualifikation. Die entsteht nicht nur durch die Theorie im Studium, sondern auch über Praktika, Auslandssemester und Sprachreisen. Die verlängern schon einmal das Studium. Zu Recht. Es ist tatsächlich wichtiger, sich ein interkulturelles Know-how zu verschaffen, als das Studium auf dem schnellsten Weg zu Ende zu bringen.
Unsere Erfahrung zeigt, dass Bewerber, die bereits Praktika in Dienstleistungsunternehmen gemacht haben, eine höhere soziale Kompetenz mitbringen als Bewerber, die sich nur auf das Studium und gute Zeugnisse konzentriert haben. Und letztendlich ist neben der fachlichen Qualifikation auch die soziale Kompetenz für ein Dienstleistungsunternehmen wichtig.“

„Warnung vor dem Tunnelblick“
Franz Biehal, Partner bei Trigon Organisations- und Personalentwicklung

„Für Personalchefs ist alles hilfreich, was Menschen aus der Masse hervorhebt, also auch ein Ranking. Was signalisiert also ein guter Platz in einem Studenten-Ranking? Auf jeden Fall Handlungsorientierung. Der Absolvent ist fokussiert, er schafft es, auf kürzestem Weg von A nach B zu gelangen. Diese Kompetenz ist durchaus gefragt. Aber wenn ich schnell von A nach B gelange, sehe ich mit meinem Tunnelblick mitunter nicht, was links und rechts des Weges liegt. Ich muss vieles ausblenden, vielleicht sogar das Privatleben. Wenn es also um Menschen geht, die interdisziplinär arbeiten sollen oder die Fähigkeit besitzen sollen, ihre Fähigkeiten zu verknüpfen, dann sind andere Erfahrungen im Studium gefragt als nur das Lernen. Natürlich, wer das Studium nur versandelt hat, der disqualifiziert sich. Aber ein politisches und soziales Engagement oder Reisen ins Ausland sind mir viel wichtiger als die Tatsache, dass jemand in Mindestzeit studiert hat. Ich würde allen Personalentwicklern empfehlen, darauf zu achten, ob der Bewerber über den eigenen Zaun schauen kann. Denn es gibt nur wenige Jobs, bei denen man sich eindimensional auf eine Sache alleine konzentrieren muss.“

„Hineinstrebern nicht relevant“
Markus Schaschinger, HR-Manager Microsoft

„Im Prinzip zählt bei uns im Recruiting nur die Person: Ist sie ein Teamplayer, hat sie eine extreme Lernbereitschaft, steht sie mit beiden Beinen im Leben, kann sie Dinge hinterfragen und dabei selbstkritisch sein? Sie soll Sachverhalte nicht einfach so akzeptieren, sondern Herausforderungen annehmen. Wir brauchen keine Auftragsempfänger, sondern Menschen mit Eigeninitiative. Das Studium ist schon wichtig, aber wir schauen uns niemals das Studium alleine an. O. k., die Person hat vier Jahre studiert, aber was hat sie während dem Studium sonst noch gemacht?
Die Dauer des Studiums und die Noten sind da sekundär. Das Hineinstrebern, um schnell fertig zu sein, ist für uns nicht relevant. Natürlich kann jemand länger für das Studium brauchen, wenn er nebenbei interessante Erfahrungen gesammelt hat. Was zählt, ist das Funkeln in den Augen, wenn es um Microsoft geht.“

„Frühen Kontakt zur Wirtschaft“
Bernhard Gröhs, Deloitte

„Wir sammeln keine Lebensläufe von Uni-Absolventen ein, sondern versuchen die Studenten vom Beginn des Studiums bis zum Ende zu beobachten. Das ‚Top League‘-Programm der WU imponiert uns daher sehr. Da schaut man sich schon am Anfang an, wer die Spitzenleute sind, die von den Schulen kommen. Und es geht bei der Auswahl zur ‚Top League‘ nicht nur um Noten, sondern auch um soziales Engagement in der Gruppe – um Eigenschaften, die man im Beruf braucht.
Diesen Young High Potentials der WU bieten wir an, in unserem Arbeitsumfeld erste Praxiserfahrungen zu sammeln. Wir laden sie etwa zu einer Hauptversammlung ein, damit sie ein Gespür für die Wirtschaft bekommen. Später im Studium können die Studenten in der Deloitte Academy ein Praktikum machen. Auf diesem Weg haben wir viele Mitarbeiter rekrutiert.
Für einen Studenten ist es sicher das Beste, so früh wie möglich den Kontakt zur Wirtschaft zu suchen. Wer sein Berufsleben ohne Netzwerk beginnt, wird sich schwer tun.“

„Besondere Leistungen sind interessant“
Roland Haslehner, Recruiting-Direktor Boston Consulting Group

„Die Art der fachlichen Ausbildung, sei es Wirtschafts-, Geistes-, Natur- oder Rechtswissenschaften, ist uns nicht so wichtig wie die Art, wie ein Bewerber die Ausbildung absolviert hat. Das Fachwissen wendet man in der Beratung selten so an, wie man es auf der Uni gelernt hat. Wenn die Universität also Studenten prämiert, die besondere Leistungen bringen, dann sind diese Absolventen für BCG interessant. Aber natürlich erwarten wir uns daneben soziale Kompetenz und den Willen, über den Tellerrand des eigenen Fachs schauen zu können. Es bringt also nichts, brillante Noten zu haben und das Studium in kurzer Zeit erledigt zu haben, wenn man nicht kommunizieren kann. Wir legen daher auch keine Bewerbungen weg, nur weil die Noten weniger gut sind oder das Studium länger gedauert hat.
Wir sehen uns genau an: was hat der Bewerber gemacht, das ihn interessanter als seine Konkurrenten macht. Da zählen Auslandserfahrungen, Praktika und Freizeitaktivitäten, die uns einen Aufschluss über die Persönlichkeit als Ganzes geben.“

„Schnelles Studium reicht nicht aus“
Gerhard Feimer, Personalleiter UPC Telekabel

„Die Förderung von Talenten und Hochbegabten ist wichtig. An der WU Wien ist für das Förderungsprogramm ‚Top League‘ das Maturazeugnis das Aufnahmekriterium. Ob das für den Berufserfolg ausschlaggebend ist, kann infrage gestellt werden. Wahrscheinlich fehlt eine bessere Alternative.
Für den Berufseinstieg reicht es nicht, das Studium schnell und gut abgelegt zu haben. Im Job sind nur 30 bis 40 Prozent der Ausbildung relevant. Die Top-Elite braucht zusätzliche Fähigkeiten: Persönlichkeit, Risikobereitschaft, Eigeninitiative und soziale Kompetenz. Wir achten auf internationale Erfahrung. Englisch ist ein Muss. Besser, man hat die Sprache nicht nur in der Schule gelernt.“

„Schnelle Studenten kritischer anschauen“
Christa Brandstetter, HR-Manager, Johnson & Johnson

„Wenn sich US-Studenten bewerben, dann machen sie das oft mit dem Verweis auf Rankings. In Österreich fehlen mir jedoch Vergleichsmöglichkeiten. Für uns ist der optimale Mix der Qualifikationen entscheidend. Eine wichtige Rolle spielen Erfahrungen aus Projekten, Praktika und Auslandsaufenthalten. Natürlich schauen wir auch darauf, ob die Noten gut sind. Die Studiendauer ist allerdings nicht so entscheidend. Ein Student, der in sechs Semestern studiert hat, ist nicht automatisch der Kandidat, der den Job bekommt. Im Gegenteil: Man wird sich solche Leute noch kritischer anschauen. Warum? Rein fachlich kann jeder Absolvent die Jobs machen. Aber er muss auch erlernt haben, in Teams zu arbeiten. Diese soziale Kompetenz lernt man in einem Nebenjob leichter als im Studium.
Wenn sich jemand das Studium selbst finanziert hat, ist das ein Pluspunkt.“

„Gute Noten allein sagen wenig aus“
Elisabeth Schüller-Ramssl, Recruiting Erste Bank

„Wenn sich der Bewerber von der Konkurrenz abheben möchte, kann ein rasch absolviertes Studium in der Bewerbungsphase durchaus förderlich sein. Gute Noten allein sagen nichts über die gesamte Persönlichkeit eines Bewerbers aus und stehen für die Vorauswahl im Recruiting-Prozedere der Erste Bank nicht im Vordergrund.
Auslandserfahrung, Netzwerkbildung und Praktika werten ein Studium auf, so sie fachlich und persönlich von hoher Qualität sind. Die Arbeit neben dem Studium nutzt vor allem dann, wenn sie bereits auf eine berufliche Laufbahn nach dem Studium abzielt. Sollte die Nebenbeschäftigung primär zur Geldbeschaffung dienen, sollte dennoch auf den zügigen Studienverlauf geachtet werden.
Wir legen auf den Gesamteindruck eines Bewerbers Wert. Dazu gehören primär: die Persönlichkeit, Haltungen, Einstellungen, Erfahrungen, Ziele, Vorstellungen, Interesse an der Position und am Unternehmen.“

„Menschen mit Format“
Martin Brodey, Rechtsanwalt bei Dorda Brugger Jordis

„Wir achten sehr wohl auf die Studienerfolge, aber auch auf das Auftreten. Wir wollen Leute, die ihre eigene Meinung nicht verstecken. Bei normalen Karriereevents findet man unter hundert Leuten nur ein paar Außergewöhnliche, die diese Anforderungen erfüllen. Ich bin daher sehr beeindruckt, wie viele interessante junge Leute unter den 100 bestgereihten Jusstudenten sind. Sie sind sehr jung, haben aber Format, sie agieren professionell. Der Ansatz der Universität, solche Rankings zu erstellen, kann also für beide Seiten fruchtbringend sein.“

„Zum Meistern der ersten Hürde“
Markus Heidinger, Rechtsanwalt bei Wolf Theiss

„Das „Best of the Best“-Ranking besitzt Aussagekraft. Es bringt zum Ausdruck, dass die Leute gut sind, weil der Notendurchschnitt gut ist und das Studium schnell absolviert wurde. Wir bekommen viele Bewerbungen und können ja nicht alle anschauen. Für die erste Hürde ist das also wichtig. Zusätzlich erwarten wir uns, dass die Bewerber in englischer Sprache arbeiten können. Ein Auslandsstudium kann also dann hilfreich sein, wenn dabei Englisch gesprochen wurde.“

von Alexis Johann

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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