Die neue Handy-Formel

Moderne Mobiltelefone sind Fernseher, Musikanlage und Fotoapparat in einem. Wer will, kann damit surfen, mailen, schreiben, spielen oder auch nur einfach telefonieren. Das Jahr 2006 steht im Zeichen der Verschmelzung multimedialer Anwendungen – bei weiter fallenden Tarifen.

Einige Leute versuchen uns zu schaden, weil sie uns in die Ecke potenzieller Preistreiber stellen.“ Georg Pölzl, Vorsitzender der Geschäftsführung bei T-Mobile Austria, befindet sich auf Abfangkurs. Dass der Kauf des preisaggressiven Mobilfunk-Netzbetreibers tele.ring zu höheren Tarifen und weniger Wettbewerb führen würde, stimme einfach nicht: „Das ist ein absoluter Blödsinn und eine dumme Diskussion. Wir werden bei tele.ring sicher nicht vom Gas gehen.“

Die Übernahme von tele.ring und die Folgen wird eines der beherrschenden Themen des neuen Jahres sein – sofern die EU-Kommission den Deal absegnet. Dass die Mobilfunkkunden künftig mehr fürs Telefonieren zahlen müssen, ist aber tatsächlich nicht zu erwarten. Im Gegenteil: „Es wird zu einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs kommen“, sagt Mobilkom-Marketingvorstand Hannes Ametsreiter. Und One-Geschäftsführer Jørgen Bang-Jensen kündigt an: „2006 wird für uns ein klares Angriffs- und Wachstumsjahr. Wir sind der Garant, dass die Preise keinesfalls steigen werden.“

Dafür werden auch auf den Markt drängende neue Anbieter sorgen, die sich wie die One-Tochter „Yesss!“ in ein Mobilfunknetz einmieten und dank Supermarkt-Direktvertrieb sehr günstige Tarife anbieten können. Bang-Jensen: „Da wird sich 2006 noch die eine oder andere Firma zeigen.“

Alles ist möglich. Für Berthold Thoma, CEO von Hutchison 3G Austria mit der Marke „3“, ist noch eine andere Entwicklung verantwortlich dafür, dass die Preise für Sprachtelefonie „auf jeden Fall“ weiter fallen werden: „Wir werden immer mehr Dinge des täglichen Lebens mit dem Handy erledigen – vom Surfen im Internet bis zum Fernsehen.“ Das führe dazu, dass die Netzbetreiber ihre Einnahmen über den dadurch generierten Datenverkehr deutlich steigern werden. Thoma: „Auf diese Weise können wir das Telefonieren immer attraktiver machen.“

Und das Jahr 2006 steht ganz klar im Zeichen dieser mobilen Multimediadienste. Ob Musik, Video, Foto, Internet, Radio oder Fernsehen: Mit den Handymodellen, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen werden, ist alles möglich.

„Die neuen Handys haben große, hoch qualitative Farbdisplays, um etwa darauf Fernsehen zu können, Kameras, die weit mehr als nur Schnappschüsse zusammenbringen, Stereosound für hochwertige Musikanwendungen und vieles mehr“, kündigt Nokia-Österreich-Chef Jörg Pribil an. Derzeit werden in Österreich pro Jahr rund 3,5 Millionen Handys verkauft, rechnet er vor, „das heißt, fast jeder zweite Österreicher wird sich 2006 ein neues Handy zulegen. Wobei der Trend sehr stark vom Billighandy in Richtung High-End-Modell geht.“

Schließlich gibt es nunmehr auch genügend attraktive Inhalte für die teureren Geräte: Die Mobilfunker haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und öffnen ihre mobilen Portale immer mehr für Dienste von Drittanbietern. „Die Zeit der eingezäunten Gärten, also der Portale, auf denen die Betreiber ihren Kunden nur die eigenen Dienste anbieten, wird bald vorbei sein“, prophezeit Karim Taga, Österreich-Geschäftsführer des Consultingunternehmens Arthur D. Little. „Mit gut ausgestatteten Endgeräten, die teilweise sogar Notebooks ersetzen, attraktiven Tarifen und einem ungehinderten Zugang ins Internet werden die Datenumsätze schon demnächst enorm steigen.“

* Emotional unterwegs. Taga sieht dabei als einen der Haupttreiber den individuell generierten Content, also selbst gemachte Fotos oder Videos, die verschickt werden, oder die Nutzung von Blogging-Sites; das sind Plattformen für den multimedialen Austausch von Informationen in Form von Tagebüchern oder Diskussionsforen: „Das Teilen von Emotionen eröffnet neue Chancen für die Mobilfunker.“

* Fernseh-Handy. Eine besondere Bedeutung für den gesamten Mobilfunkmarkt misst der Telekomexperte außerdem dem Fernsehen via Handy zu. Seit Mitte November senden Mobilkom und Hutchison beide ORF-Kanäle auf die UMTS-Handys ihrer Kunden – live, ungeschnitten und vorerst noch gratis. Zwar gibt es dafür keine Vereinbarung mit dem ORF, aber als angemeldete Kabelnetzbetreiber sind die Mobilfunker laut Privatfernsehgesetz nun sogar dazu verpflichtet, das ORF-Programm auch auszustrahlen.

Noch ist dies eine rechtliche Grauzone, für die vermutlich auf EU-Ebene eine Lösung gefunden werden muss. Bis dahin können die Betreiber aber die attraktiven, kostenlosen Programme vermarkten und auf diese Weise den lukrativen Datenverkehr ankurbeln. „Seitens der Kunden herrscht hier ein großer Bedarf. Darum wird sich mobiles Fernsehen dramatisch weiterentwickeln“, ist sich der Arthur-D.-Little-Experte Taga sicher. „Schließlich treffen hier zwei Massenmärkte mit jeweils sechs bis sieben Millionen Teilnehmern zusammen.“ Mobilkom-Vorstand Ametsreiter pflichtet ihm bei und verspricht weitere Angebote: „Fernsehen am Handy ist eine der spannendsten Sachen der kommenden Jahre.“

* Musik. One verfolgt wiederum eine andere Strategie. Die Nummer drei am Markt bietet seit einem halben Jahr als einziger Betreiber einen eigenen Radiokanal („Lounge FM“) via UMTS an. Bang-Jensen: „Wir werden diese Plattform weiter ausbauen. Mobile Musik ist bereits bei den Kunden gelernt und ein herrliches Add-on mit enormem Potenzial.“

Auch vom Download gewünschter Songs via Mobilfunk erwarten sich die Netzbetreiber einiges. „Ich gehe von einer Verdoppelung des Download-Volumens im Jahr 2006 aus“, prognostiziert T-Mobile-Chef Pölzl, „auch da befinden wir uns erst in der Anfangsphase.“

Die Handyhersteller entwickeln ihrerseits immer neue Musik-Handys und machen damit den MP3-Playern Konkurrenz. Eines der besten Geräte kommt dabei von Sony Ericsson, das eben auf den Markt gekommene Walkman-Handy W900. „Seine Musik auf dem Handy abzuspielen und dafür keinen zusätzlichen Player herumtragen zu müssen wird vor allem für die jüngere Generation immer interessanter“, weiß Andreas Burtscher, Produktmanager von Sony Ericsson.

* Digitalkamera. Nicht nur seine Walkman-Erfahrungen, auch das Know-how bei der Herstellung von Kameras bringt Sony in die Tochter Sony Ericsson ein – ein typisches Beispiel für das Verschmelzen von Handy- und Multimediatechnologie. So bietet der schwedisch-japanische Konzern die einzigen Handy-Kameras mit Autofokus an; ein nicht unerheblicher Qualitätsvorteil im Rennen um die besten Handycams, die 2006 bereits teilweise mit drei Megapixeln ausgestattet sein werden.

* Mobile Mails. Aber auch die Business-Anwender kommen auf ihre Rechnung: Der BlackBerry, auf den man unterwegs seine Mails geschickt bekommt, ohne sie abrufen zu müssen, war 2005 der Renner schlechthin. „Dennoch sind wir beim BlackBerry erst in der Startphase“, erklärt Ametsreiter. „Im neuen Jahr werden noch sehr viel mehr Unternehmen auf den BlackBerry setzen. Und wir werden in der zweiten Jahreshälfte auch Privatpersonen spezielle neue Angebote machen.“

Auch One und Hutchison wollen in dem Push-Mail-Markt mitmischen, setzen aber auf alternative Produkte. Hutchison-Chef-Thoma: „Die Zeit des BlackBerry ist vorbei. 2006 werden bessere Lösungen wie Pilze aus dem Boden schießen.“

* Mobiles Internet. Und noch auf ein weiteres Thema konzentrieren sich die Mobilfunker mit ganzer Kraft: den Ausbau des mobilen Breitband-Internet UMTS, um die vielen Multimediadienste auch in komfortabler Geschwindigkeit anbieten zu können. Dabei werden nicht nur die UMTS-Netze ständig erweitert, sondern es wird gleich auch eine neue Technik eingeführt, die die Geschwindigkeiten der Datennetze zunächst verfünffachen, später zumindest verzehnfachen soll.

HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) heißt die Zauberformel, die eine Download-Geschwindigkeit von bis zu theoretisch 14,4 Megabit pro Sekunde ermöglicht (UMTS arbeitet derzeit mit rund 0,4 Mbit/s) – ideale Voraussetzung also, um Film und Fernsehen auf dem Handy zu empfangen, und das mit besserer Auflösung und größeren Bildern als bisher.

T-Mobile startet im März, die anderen Betreiber wollen im zweiten Quartal ihr UMTS-Netz mit HSDPA ergänzt haben. Zu diesem Zeitpunkt werden vor allem Datenkarten für Laptops HSDPA-fähig sein, die ersten Handys werden noch auf sich warten lassen. Doch gerade der Internetzugang für tragbare Computer birgt für die Mobilfunker ein wachsendes Potenzial. Alleine im Jahr 2005 wurden bereits rund 100.000 UMTS-Datenkarten verkauft. „Mit der neuen Technologie werden wir den ADSL-Festnetzanbietern richtig einheizen können“, kündigt Hutchison-Chef Thoma an. Schließlich ist HSDPA schneller als ein herkömmlicher ADSL-Breitbandanschluss.

Noch ist der mobile Empfang von Daten teurer, doch das werde sich schon bald ändern, meint Arthur-D.-Little-Experte Taga: „Ich erwarte im Datenverkehr einen noch viel deutlicheren Preisverfall als bei der Sprachtelefonie. Auch das wird wesentlich dazu beitragen, dass die mobilen Multimediaangebote im neuen Jahr ordentlich abheben werden.“

von Oliver Judex

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente