Die junge Dichand

Exklusiv: das erste Porträt von Hans Dichands Schwiegertochter Eva. Wer ist die gewiefte Finanzspezialistin und frisch gebackene Magazin-Chefin, die im Paarlauf mit „Krone“-Chefredakteur Christoph Dichand einmal Österreichs mächtigste Medienmanagerin werden könnte?

Dieser eine kurze, magische Moment, wenn es zwischen einem Mann und einer Frau zum ersten Mal funkt, steht selten in der Zeitung.

Hier und jetzt machen wir einmal eine Ausnahme. „In dem Moment, wo ich sie sah“, erinnert sich der Chefredakteur der „Kronen Zeitung“, Christoph Dichand, „wusste ich, dass ich sie heiraten werde. Ihr fröhliches Auftreten hat mir einfach gefallen. Ich wusste, dass mir mit ihr nie langweilig werden würde. Und so ist es auch gekommen.“

Wie genau es so gekommen ist? Also gut, wir gehen ins Detail: eine feuchtfröhliche Hochzeitsgesellschaft. Wessen Trauung es war, wollen wir nicht wirklich verraten, wohl aber, dass ein paar Freunde für das Brautpaar ein privates Remake des ORF-Talks „Zur Sache“ drehten und dabei eine Menge Spaß hatten.

Ulli Wolkenstein, Sohn des bekannten Filmproduzenten, brachte das Equipment mit, und Christoph Dichand, neben Johanna und Michael eines der drei Kinder von Österreichs Zeitungslegende Hans Dichand, gab den Interviewer.

Als gesprächiger Gast zum ewig aktuellen Ehe-Thema „Wer die Hosen anhat“ stellte sich eine hochintelligente WU-Absolventin und Finanzierungsspezialistin zur Verfügung, die nebenbei auch noch den Vorzug aufzuweisen hatte, eine langbeinige Blondine zu sein. Ein paar Scherze da, ein paar Blicke dort, und dann ist es wohl passiert.

Wer jetzt die Hosen im Haus des „Krone“-Chefredakteurs anhat, wissen wir nicht genau, wohl aber, dass Eva ihren Christoph in zweiter Ehe im Mai 2002 heiratete, dass ihr Schwiegervater Hans Dichand sich über sein jetzt 16 Monate altes, erstes Enkelkind freut und dass Eva Dichand glücklich strahlt: „Mein Sohn Constantin und meine Heirat mit Christoph, das war das Beste, was ich je in meinem Leben gemacht habe.“

So was hört man gerne. Dabei waren die beiden zunächst beruflich als Gegner und Konkurrenten aneinander geraten, wie in einem Hollywoodfilm mit Meg Ryan und Tom Hanks. Aber wir wollen die Geschichte einmal von Anfang an erzählen.

Zwei Mädels, viele Buben. Eltern wollen bekanntlich meistens das Beste für ihre Kinder, und so hätte die Tochter des Grazer Verkehrsplaners Hans Kriewanegg, der mit Partnern die Hochbaufirma IKK betreibt, beruflich etwas in selbiger Richtung werden sollen. Folgerichtig landete die Ingenieurstochter in einer Grazer HTL und lernte fürs Leben, zum Beispiel Ikea-Kästen montieren und den fachgerechten Umgang mit männlichen Wesen: „Wir waren nur zwei Mädchen in einer reinen Bubenklasse. Das war ziemlich lehrreich. Ich montiere heute alles beinhart selber.“

Während der Bruder brav in der Bauwirtschaft landete, zweigte Eva mit 18 nach Wien ab und wählte eine der wenigen Studienrichtungen, die es in Graz nicht gab: Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität in Wien.

Die junge Kriewanegg war nicht untüchtig und konnte schon damals gut mit Geld umgehen: Sie promovierte als einer der jüngsten Studenten Österreichs mit 25 zum Doktor, schrieb eine sperrige Dissertation über Offshore-Modelle in Osteuropa und verkaufte ihr Werk umgehend und geschäftstüchtig an die Roland Berger Unternehmensberatung, in deren Dependance in Barcelona sie daraufhin auch prompt ihren ersten Job antrat. Schon ihr Studium hatte die junge Grazerin mit originellen Jobs gut im Griff, unter anderem als freundlicher Automat, der mit Kindern in der Wiener UNO-City sprach. Wir zitieren exklusiv das Geständnis von Eva Dichand: „Ja, ich war der Space-Roboter.“

Liebe deinen Konkurrenten. Nach ihrem Ausflug ins Spanische trat die junge Absolventin schließlich in die Bank Austria Creditanstalt ein und beschäftigte sich ebendort mit dem ehrbaren, aber fallen- und trickreichen Handwerk der Projektfinanzierung. Wirklich glücklich wurde die energiegeladene Berufsanfängerin im hierarchiebetonten Bank-Biotop aber nicht.

Das Bankengastspiel endet im Jahr 2000, als ein Klient die junge Finanzierungsspezialistin abwirbt. Es ist der versierte Finanzierungsfuchs Kurt Stiassny, der als Chef der Unternehmensbeteiligungsgesellschaft UIAG gerade versucht, einen Teil der vor fünf Jahren nötigen 800 Millionen Schilling für den Andritz-Buy-out aufzustellen. Stiassny: „In unserem Business muss man zwei schwierige Dinge in einer Person vereinigen können. Man muss wirtschaftlich exakt sein und rechnen können, man muss aber andererseits auch gut mit Menschen umgehen können und so verhandeln, dass man einen Deal kriegt. Diese Kombination findet man nicht so oft. Eva Dichand kann das, und sie hat jetzt eine Menge Know-how erworben. Sie hat in fünf Jahren vielleicht einhundert Unternehmen von innen gesehen und deren Topmanager kennen gelernt. Diese Erfahrung hilft ihr auch bei den Dichand-Projekten.“

Aber der Reihe nach. 2001 steht das Dorotheum zum Verkauf, und Stiassnys UIAG rittert mit anderen Konkurrenten um den lukrativen Deal; am härtesten mit einer Bietergemeinschaft, die von Christoph Dichand für die Familie Dichand und Erwin Soravia, der auch seinen Bruder Hanno vertritt, geführt wird. Auf Seite der UIAG wird die Finanzierungsspezialistin Eva Kriewanegg auf den Fall angesetzt.

Christoph Dichand und Erwin Soravia pokern hart um das Dorotheum. Sie sind langjährige Freunde, die noch immer regelmäßig gemeinsam im Fitnessclub Manhattan boxen gehen. Auch den Kampf ums Dorotheum wollen sie gegen die UIAG gewinnen. Doch da funkt Amor dazwischen.

Kurt Stiassny erinnert sich an eine erstaunliche Szene in einem Besprechungszimmer des Wiener Hilton: „Meine Mitarbeiterin stand plötzlich auf und sagte: ,Ich muss jetzt etwas loswerden. Da ist ein Interessenkonflikt aufgetaucht, denn ich habe meine Bekanntschaft mit Christoph Dichand vertieft.‘ Sie hat dann ein Treffen aller Beteiligten vorgeschlagen, und so kam es zu einer Partnerschaft zwischen Dichand, Soravia und der UIAG.“

In der Folge boten UIAG und die Dichand/Soravia-Gruppe gemeinsam für das traditionsreiche Auktionshaus, und manche Dinge vereinfachten sich. Stiassny: „Normalerweise streiten bei solchen Deals immer die Anwälte. Aber wenn man so amikal verbunden ist, kann man sich schon gegenseitig Sachen ausrichten wie: Geh, sagts eurem Advokaten, er soll net so bled sein.“

Inzwischen hat die UIAG ihren 12,5- Prozent-Anteil am Dorotheum mit „guter, guter Rendite“ an die Dichand/Soravia-Gruppe, die unter der Bezeichung OneTwo Beteiligungs- und ManagementberatungsGmbH firmiert, abgegeben, zu der übrigens auch die Dorotheum-Manager und Dichand-Trauzeugen Martin Böhm und Lucas Tinzl gehören.1)

Zwei Jobs, ein Mann und ein Baby. „Reichtum ist eine Herausforderung“, sagt Eva Dichand bei einem kühlen Glas Soda Zitron. „Das gilt für eine ganze Generation von Erben.“

Wie wahr. Eva Dichand ist jetzt 31, Teil des milliardenschweren und einflussreichen Dichand-Clans und noch immer keine reiche Tussi, die sich in überteuerten Friseursalons langweilt. Im Gegenteil: Die junge Mutter, die durchaus vom 16 Monate alten Söhnchen Constantin auf Trab gehalten wird (natürlich hilft ein Kindermädchen auch), hat sich gleich zwei Jobs aufgehalst: Drei Tage werkt sie weiterhin für die UIAG, den Rest der Woche fungiert sie seit Anfang März als Geschäftsführerin des Gratismagazins „Unsere Stadt“. „Wenn man für sein Geld selber arbeitet, dann wird man auch immer daran erinnert, was es wert ist“, kann man von Eva Di-chand hören und Sprüche wie: „Es ist sowieso toller, selbst über eine Hürde zu springen, als drübergehoben zu werden.“

„Sie hat sich nach ihrer Heirat in ihrem Arbeitsstil und Wesen nicht verändert“, konstatiert ihr Chef, UIAG-Boss Kurt Stiassny: „Würde sie jetzt raushängen lassen, dass sie zu den reichsten und mächtigsten Österreichern gehört, könnten wir natürlich nicht mehr zusammenarbeiten. Freilich wissen wir, dass sie auch ihren neuen Zeitungsjob nicht notwendig hätte, aber ich glaube, sie übt gerade den Sprung von der Beteiligungsmanagerin zur Medienmanagerin. Im Nicht-Medienbereich spielt sie ja schon jetzt bei den Dichands eine wichtige Rolle.“

Tatsächlich sitzt Eva Dichand im Vorstand der Ovidis Privatstiftung, und auch der geplante Verkauf des Hotels Hilton am Wiener Stadtpark, das von Erwin Soravia und Christoph Dichand gemeinsam erworben wurde, wird maßgeblich von Eva Dichand gemanagt, die auch im Aufsichtsrat der Stadtpark-LiegenschaftsbeteiligungsGmbH vertreten ist. Christoph Dichand, der selbst als Vorstand der Dichand-Privatstiftung fungiert, hat sich bereits aus seiner Aufsichtsratsposition in der Stadtpark Hotelreal AG zurückgezogen, wo jetzt Gattin Eva die Dinge überwacht.

„Ja“, sagt Christoph Dichand offen, „innerhalb meiner eigenen Familie übernimmt Eva jetzt die geschäftlichen Aufgaben.“ Die versierte Beteiligungsexpertin macht denn auch beim Hilton-Deal Druck: „Wir sehen das Hilton-Projekt als reines Finanzinvestment und wollen uns mittelfristig davon trennen“, gibt Eva Dichand die Linie vor. „Kurzfristig haben wir auch überlegt, alleine und ohne die Soravias unseren 50-Prozent-Anteil zu verkaufen, aber internationale Immobilienfonds mögen lieber 100-Prozent-Beteiligungen.“

Das Zeitungsrätsel. Warum also pendelt Eva Dichand mit ihrem Lieblingsauto, einem kleinen Smart, jetzt nicht nur zwischen der Döblinger Villa, wo ihr kleiner Constantin gerade die Welt auf zwei Beinen erkundet, und der UIAG-Zentrale in der Währinger Straße hin und her? Warum parkt der putzige Smart jetzt auch regelmäßig in der Gymnasiumstraße vor der Redaktion des Magazins „Unsere Stadt“?

Eine Antwort ist: Die Frau ist einfach tüchtig, Anfang 30 und voller Energie. Eva Dichand ist fast so etwas wie die Inkarnation des viel beschriebenen, aber selten erreichten Rollenvorbilds, wie sie moderne Frauenzeitschriften gerne so daherschreiben: Mal tritt sie bei der Gianfranco-Ferré-Modenschau auf dem Aids-Live-Ball als Model am Laufsteg auf, mal verhandelt sie knallhart eine Leverage-Finanzierung für die UIAG, mal findet man sie an der Sandkiste sitzend mit Freundin Christiane Wenckheim, ihre Kleinkinder beobachtend. „Sie ist eine Superfrau“, findet Wenckheim, „weil sie Power hat und superdirekt ist. Das taugt mir, auch wenn es manchmal für sie ein Stolperstein ist.“

Keine zwei Monate fungiert Eva Dichand jetzt als Magazin-Geschäftsführerin, und nichts ist mehr, wie es war: neuer Titel (vorher: „Die Stadt“, nachher: „Unsere Stadt“), neuer Chefredakteur (Niki Glattauer), neues Layout und, ach ja, Anzeigenumsatz verdreifacht.

„Unsere Stadt“ ist eine Gratispostille, die von der Post-Tochter Feibra an 220.000 Wiener Gemeindemieter und an 40.000 Gesiba-Mieter geliefert wird. Weitere 40.000 Exemplare werden in einigen Wiener Bezirken frei verteilt. Im Blatt findet sich alles, was wir schon lange wissen wollten: die lustvolle Frühling-Sex-Diät (liebe Freunde, esst mehr Karotten, Selleriestangen, Spargel und Bananen!), Tipps für die Partnerschaft (danke, Gerti Senger), Modetipps (was Frauen wollen und Männern gefällt, ja auch das gibt’s!ç und die tollsten Angebote fürs Wohnen. Es ist ein professionell gemachtes Magazin mit großen Bildern von Bürgermeister Häupl und von Wohnbaustadtrat Werner Faymann, das jetzt von Eva Dichand mit großem Schwung gemanagt wird. Wenn alles gut geht, wird die Zeitung bald auch in niederösterreichischen Städten, vielleicht sogar in Prag ihre Leser finden. Eigentümer ist die Fidelis Medien- und VerlagsGmbH2), aber das ist nicht wirklich spannend. Spannend ist vielmehr die Frage, ob dies vielleicht nur das Trockendock ist, in dem Eva Dichand sich für größere Aufgaben vorbereitet.

„Ich glaube, die Erfahrungen, die ich jetzt als Magazin-Geschäftsführerin mache, können nicht schaden“, lächelt Eva Dichand. „Je mehr Leute in einer Familie wie den Dichands etwas von Printmedien verstehen, umso besser.“

Wer wird die „Krone“ einmal managen, fragen wir uns, sollte Hans Dichand, der jetzt 84 ist, in Pension gehen? „Natürlich kann ich mir vorstellen, dass Eva einmal diese Aufgabe wahrnimmt, denn sie hätte absolut die Qualifikation dafür“, meint Christoph Dichand. „Aber ich möchte es ihr eigentlich nicht antun, sie in diesen Streit mit der WAZ hineinzuzerren.“

Die Aktivitäten der rührigen Schwiegertochter von Hans Dichand werden in Essen von den Managern der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ argwöhnisch verfolgt. Die WAZ ist Deutschlands zweitgrößte Zeitungsgruppe, und ihr gehören bekanntlich 50 Prozent der „Kronen Zeitung“. Die deutschen Verlagsmanager haben diesen Februar durch einen Schweizer Schiedsgerichtsspruch in ihrem Dauerclinch mit Hans Dichand eine herbe Niederlage eingefahren. Auf hundert Seiten legitimiert das Urteil den Status quo: Hans Dichand, der zum Ärger der WAZ-Manager monatlich einen „Krone“-Vorabgewinn von 713.000 Euro bezieht, wurde als alleiniger weisungsungebundener Hauptgeschäftsführer bestätigt, und auch die Position von Christoph Dichand als Chefredakteur der „Krone“ wurde von den Schweizer Richtern bekräftigt (Michael Kuhn ist nur geschäftsführender Chefredakteur).

Dennoch ist der Spruch lediglich ein Patt in einer endlosen Schachpartie um Österreichs größte Tageszeitung. Das weiß auch Christoph Dichand: „Ein Partner, der eine solche Niederlage wie jetzt die WAZ erlebt hat, gibt nicht so schnell auf. Wir würden die WAZ am liebsten auskaufen.“

Sollte der deutsche Zeitungskonzern je auf einen solchen Deal eingehen, wäre viel Know-how erforderlich, um eine professionelle Beteiligungsfinanzierung auf die Beine zu stellen. Know-how und ein starker Wille, wie sie Hans Dichands Schwiegertochter hat. Wie sagt Eva Dichand: „Was ich im Leben gelernt habe, ist das: Wenn man mit etwas unzufrieden ist, muss man es ändern, auch wenn es wehtut. Das gilt beruflich wie privat.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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