Die 34 größten Irrtümer der Elektronikwelt Halten Sie gelöschte Daten für gelöscht?

Sind Sie sicher, dass Online-Banking sicher ist? Halten Sie gelöschte Daten für gelöscht? Glauben Sie, dass Fotoapparate mit mehr Megapixeln bessere Bilder machen? Alles falsch. Aber nehmen Sie es nicht persönlich: Die elektronische Welt mit Computern, Internet und digitalen Geräten ist derart komplex geworden, dass es nur zu menschlich ist, sich in technischen Angelegenheiten zu irren. trend räumt mit den gröbsten Fehleinschätzungen und Missverständnissen auf.

„Das einzige Mittel, den Irrtum zu vermeiden, ist die Unwissenheit.“
Jean-Jacques Rousseau (1712–1778)

Ernst Nonhoff hat eine besondere Vorliebe. Der Generaldirektor von IBM Österreich liebt Musik über alles, und zwar sowohl Klassik als auch Pop & Rock. Zu Hause hat er eine reichhaltige Sammlung – von Mozart bis zu Elton John: „Dementsprechend fasziniert war ich auch von der Idee, Musik aus dem Internet herunterzuladen und mir meine eigenen CDs zu mischen.“ Doch sein Enthusiasmus endete mit einem Paukenschlag. Die Musikstücke in digitalem MP3-Format, die er gegen Bezahlung von einem Euro pro Titel von einem Online-Musikportal auf seinen PC geladen hatte, ließen sich ausschließlich am Computer abspielen. Auf der zum Kopieren eingelegten CD herrschte Generalpause.

„Natürlich bin ich davon ausgegangen, die eingekaufte Musik auch auf CD brennen zu können, doch das stellte sich als Irrtum heraus. Das Geld habe ich umsonst ausgegeben“, ärgert sich IT-Experte, Computerspezialist und Elektronikfreak Nonhoff.

Irren ist technisch geworden – selbst für ausgewiesene Fachleute. Komplexe Technologien, komplizierte Fachbegriffe und nicht kompatible Normen haben Missverständnisse und Unwissenheit zur Folge; und dennoch greift die werte Kundschaft in den Elektroniksuperstores ungeschaut nach Kilobyte, Megapixel und Gigahertz.

Das vermeintliche Verständnis für Funktionsweise und technische Ausstattung reimt man sich oft aus Werbefoldern oder Stammtischtratsch zusammen. Der suggerierte Mehrwert von Turbo-Mode und Multi-Level-Security wird zum Kaufkriterium; spätestens im täglichen Gebrauch zu Hause oder im Büro führen die Multifunktionsfeatures zu Überforderung und Frustration. Erst da erkennt der Konsument, dass er oft gleich mehreren Irrtümern aufgesessen ist, sei es, dass die brandneue Kamera mit acht Megapixeln gar nicht besser ist als das bisherige Modell mit fünf oder dass sich der besonders billige Internet-ADSL-Zugang als nervenaufreibender Bummelanschluss entpuppt.

Nur für Masochisten. Die Gründe für die vielen getäuschten, sich täuschenden und schließlich enttäuschten Konsumenten sind ähnlich komplex wie die Bedienungsanleitung zur Feinjustierung eines Plasmabildschirms.

Klarerweise ist vor allem einmal die liebe Technik schuld. „Die Weiterentwicklung der Technik schreitet schneller voran, als wir Konsumenten es wahrnehmen können und wollen“, beschreibt Sophie Karmasin, Mitglied der Geschäftsleitung der Karmasin Motivforschung, ein Grundproblem, „da kann es leicht zu Verständnisschwierigkeiten und Irrtümern kommen.“

An sich einfache Gerätschaften wie DVD-Player werden in den unterschiedlichsten Standards ausgeliefert mit völlig verwirrenden, untauglichen Kürzeln als Orientierung – von „DVD+R“ über „-RW“ bis „DVD-RAM“. Herauszufinden, welches Format mit welchem kann, ist eine Sache für technisch veranlagte Masochisten. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Wer glaubt, das meistverkaufte Format muss auch das beste sein, irrt gewaltig und ärgert sich spätestens beim ersten Hantieren mit den Silberscheiben.

Auch die gängige Praxis der Industrie, jedes Gerät mit Funktionen vollzustopfen, die sich möglicherweise gut vermarkten lassen, aber kein Durchschnittskonsument je brauchen kann, führt zu Fehleinschätzungen – und sei es nur jene, dadurch ein besseres Produkt in Händen zu halten als eine Kiste ohne Schnickschnack. „Die vielen Zusatzfunktionen eines Geräts werden von den Herstellern als Symbol dafür eingesetzt, dass jenes Modell auf dem letzten Stand ist“, erklärt Karmasin. Und die Kunden kaufen danach ein, auch wenn sie mit diesen Funktionen gar nichts anfangen können. „Klarerweise kommt es dann bei der Benutzung zu Verständnisschwierigkeiten und Enttäuschungen, weil sie sich bei ihrer Kaufentscheidung nicht im Detail damit befasst haben.“

Das bestätigt auch Paul Srna, IT-Experte des Vereins für Konsumenteninformation (VKI): „Die Diskrepanz zwischen der Vielfalt des beworbenen Angebots und den eigenen Bedürfnissen wird immer größer. Darum wird es für den Konsumenten auch immer schwerer, seine wirklichen Bedürfnisse abzuschätzen.“

Eine Verhaltensweise, die beispielsweise beim Einkauf von Software zu finden ist. „Es ist ein Irrtum zu glauben, eine Software wäre besser, weil sie mehr kann“, sagt Technikguru Nicholas Negroponte vom Bostoner MIT (Massachusetts Institute of Technology) im trend-Gespräch: „Es ist eine Krankheit, und die heißt Featuritis. Ich verwende jetzt schon 25 Jahre lang Computer und Laptops, doch mein heutiger Computer ist der langsamste und unzuverlässigste, den ich je hatte. Und das liegt an der Software. Die Hersteller müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass die meisten Benutzer mit ihrer Weisheit am Ende sind“ – und dennoch regelmäßig den großartigen Versprechen von Handel und Industrie auf den Leim gehen.

„In der Werbung wird alles sehr vereinfacht dargestellt“, erklärt Maria Leisch, IT-Expertin beim Marktforschungsinstitut Fessel-GfK, „alles funktioniert immer problemlos auf Knopfdruck. Doch erst nachdem er bezahlt hat, erkennt der Käufer oft, dass das mit der einfachen Handhabung ein großer Irrtum ist.“ Fotolöwe Robert Hartlauer verteidigt allerdings den Handel: „Natürlich müssen wir in der Werbung die Informationen verdichten, um die Leute ins Geschäft zu bringen, wo wir sie dann aber ausführlich beraten. Sicher wäre es reizvoll, einmal in einem 15 Minuten langen Werbespot vieles im Detail zu erklären, aber ich fürchte, das kann ich mir nicht leisten, und das würde auch niemanden interessieren.“

Keine Zeit und Lust. Genau das ist schließlich ein weiteres Problem. Karmasin: „Es fehlt vielfach die Vorbildung und die Lust, sich mit technischen Belangen zu beschäftigen.“ Viel eher werde der Bekanntenkreis als Informationsquelle genutzt, dem absolutes Vertrauen entgegengebracht wird, erklärt die Motivforscherin: „Auf diese Weise verbreiten sich gängige Irrtümer gerade bei dieser komplexen Thematik sehr rasch.“

Dazu kommt die Einbildung einer Halbbildung in elektronischen Belangen. Wer zu Hause seinen Anrufbeantworter programmieren kann, wähnt sich schon als halber IT-Fachmann. „Wir überschätzen uns gerne, was das Verständnis für Technik und deren Funktionsweise und Bedienung betrifft, und sitzen so leicht etlichen Irrtümern auf“, analysiert Fessel-GfK-Frau Leisch, „schließlich wird einem ja auch vorgegaukelt, dass alles ganz einfach ist.“

Was insgesamt dazu führt, dass sich die Konsumenten und User viel zu wenig informieren – sei es, was die Sicherheit im Internet betrifft oder die Auswahl der richtigen Digitalkamera. Leisch: „Wir haben einfach zu wenig Zeit, uns damit auseinander zu setzen. Aber das sollte ja auch nicht der Sinn der lebenserleichternden Technik sein.“

Lesen Sie im neuen trend, welche Irrtümer in der Elektronikwelt kursieren und warum sie nicht stimmen.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente