Die 100 reichsten Österreicher: eine trend-Expedition in die Welt der Superreichen

Sind die Reichen in Wahrheit arm? Das jedenfalls meint Alexander von Schönburg, Bruder von Gloria von Thurn und Taxis und ein Verwandter des reichsten Österreichers, Friedrich Karl Flick, im trend-Interview. Gibt es die Reichen nur wegen der Naschhaftigkeit der Frauen, wie Historiker Werner Sombart ernsthaft meint? Und wie reich ist Fiona Swarovski wirklich? Fragen über Fragen. Lesen Sie die neueste trend-Expedition in die Welt der Superreichen Österreichs.

Wenn der berühmte Wirtschaftshistoriker Werner Sombart Recht behält, dann hat alles mit der Naschhaftigkeit der Frauen begonnen. Der weibliche Hang zum Süßen nämlich, meint Sombart ganz ernsthaft, sei der Schlüssel zu dem Rätsel, wie die Spezies der Superreichen in Europa überhaupt entstanden ist. Das sind übrigens gar nicht so wenige: Der World Wealth Report zählte 2004 in Europa 2,6 Millionen Menschen mit einem Vermögen von mindestens einer Million Dollar. Diese kleine Finanzenelite unter den 700 Millionen Europäern kontrolliert unvorstellbare Schätze: ein Gesamtvermögen von 8900 Milliarden Dollar.

Natürlich tummelten sich schon längst vor der Erfindung der Marktwirtschaft stets einige Reiche unter vielen Armen. Es gab die immens reiche Kirche, Könige und vermögende Feudalherren auf der einen Seite und eine praktisch besitzlose, großteils bäuerliche Bevölkerung auf der anderen Seite. Doch die spannende Frage ist, woher nahmen eigentlich die ersten Kapitalisten ihr Anfangskapital zum Bau von Fabriken, Lokomotiven und Maschinen? Mit nix kann man bekanntlich schlecht anfangen, und um ein Vermögen zu mehren, muss man erst einmal eines haben.

3000 Prozent Profit beflügeln. Die Antwort auf dieses Geheimnis sieht der Historiker Sombart in dem beginnenden Handel mit Luxusgütern im 15. und 16. Jahrhundert, der enorme, ja geradezu unvorstellbare Profite abwarf. Wir sprechen hier von Kakao, Kaffee, Tee, vor allem aber von Zucker. Man muss sich einmal vor Augen halten, dass bis ins Spätmittelalter der einzige bekannte Süßstoff Honig war. Der heute übliche, raffinierte, weiße Zucker aus der Rübe wurde erst im 19. Jahrhundert erfunden. Selbstverständlich kannte man schon Zuckerrohr, doch das gedeiht bekanntlich nur in sehr warmen Gefilden. Der beginnende Import dieses raren Zuckers also aus Überseekolonien, wo schwarze Sklaven unter mörderischen Bedingungen die Plantagen bewirtschafteten, brachte damals Gewinnspannen, die heute selbst abgebrühte Hedgefonds-Zocker erbleichen lassen: 2000 bis 3000 Prozent Reingewinn waren ganz normal.

Ohne den Süßigkeitswahn der Frauen im 15. und 16. Jahrhundert, die nur allzu bereit waren, in verschwenderischer Weise Wucherpreise für den leckeren Stoff aus Übersee zu berappen, hätten die ersten Kapitalisten in einer Gesellschaft, die zu über neunzig Prozent aus ziemlich armen Bauern bestand, kaum ihre Geschäfte beginnen können. So aber konnte schon eine einzige Segelschiffladung des kostbaren Gutes, die wohlbehalten an europäischen Gestaden ankam, den Grundstein für ein stetig wachsendes Vermögen bilden.

Selbstverständlich kam das Startkapital der ersten Reichen auch aus anderen Quellen, und es waren oft nicht die saubersten. Am Anfang jedes großen Vermögens, postulierte Honoré de Balzac, stehe immer ein Verbrechen. So eng darf man das wohl nicht sehen, da würde man vielen tüchtigen Pionieren unrecht tun. Tatsache ist aber, dass insbesondere die Reichtümer des Adels häufig durch Raub, ausbeuterische Feudalherrschaft, Kinderarbeit und andere üble Dinge entstanden. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Grimaldis in Monaco, deren Fürstentum an der Côte d’Azur seit der Hochzeit des Fürsten Rainier mit der wunderschönen Hollywood-Blondine Grace Kelly in den fünfziger Jahren ein märchenhaftes Bilderbuch-Image hat.Tatsächlich aber kam die romantische Festung am Meer durch List, Mord und Raub in die Hände der Grimaldis.

Ein falscher Mönch, ein Mord, ein Mordsvermögen. Am 8. Jänner 1297 betrat François Grimaldi mit zwei bewaffneten Schlägern die als unbezwingbar geltende genuesische Festung am Felsen von Monaco. Er und seine Kumpane hatten sich hinterlistig als harmlose Franziskanermönche verkleidet. Nachts richteten die Eindringlinge dann unter den ahnungslosen Festungsbewohnern ein Massaker an, öffneten die Tore und nahmen die Festung in Besitz, die den Grimaldis mit kleinen Unterbrechungen bis heute gehört.

Aber pecunia non olet, Geld stinkt nicht, sagten schon die Römer. Unser Wirtschaftssystem beruht auf der Annahme, dass Menschen mit Vermögen dieses zu Recht besitzen. Stellt man das infrage, wie es etwa derzeit in Russland mit den Oligarchen geschieht, die sich nach dem Fall des Kommunismus Milliardenvermögen unter den Nagel gerissen haben, werden die Grundfesten des Rechtsstaats erschüttert. Natürlich kann man fragen: Ist alter Familienbesitz österreichischer Adeliger, der im 18. und 19. Jahrhundert auch durch Kinderarbeit finanziert wurde, moralisch? Ist es das ererbte Vermögen des reichsten Österreichers, Friedrich Karl Flick, das vor allem durch das lukrative Rüstungsgeschäft mit Hitler-Deutschland zustande kam und durch brutalste Zwangsarbeit in der NS-Zeit vermehrt wurde? Und darf man Erben für moralisch zweifelhaftes Verhalten ihrer Vorfahren verantwortlich machen?

Erben, Witwen & Co. Unter Österreichs Superreichen finden sich nur wenige, die durch eigenes Zutun, also durch ihre außergewöhnliche unternehmerische Leistung, ein Milliardenvermögen anhäufen konnten. Billa-Gründer Karl Wlaschek zählt dazu, der 1954 nach Kanada ausgewanderte Steirer Franz Strosack, den wir heute als Frank Stronach kennen, hat sich sein Geld selbst erarbeitet. Und natürlich Österreichs Paradeunternehmer Dietrich Mateschitz, der als Sohn einer allein erziehenden Lehrerin nicht nur ein Milliardenunternehmen gründete, sondern auch zuwege brachte, was 99,9 Prozent aller österreichischen Unternehmer nicht schaffen: ein Produkt, das zu einer weltbekannten, globalen Marke wurde.

Die Mehrzahl aus der Creme der Superreichen ist für das vorhandene Vermögen freilich nur sehr bedingt verantwortlich und erfreut sich eines schon vorhandenen Familienvermögens: Fürst Hans Adam von und zu Liechtenstein, Melinda Esterházy, Julius Meinl, Markus Langes-Swarovski, Thomas Prinzhorn, Karl Kahane, Stanislaus Turnauer und so weiter. Dazu gesellen sich reiche Witwen wie Heidi Horten-Charmat, die ihre über drei Milliarden Euro dem Bund der Ehe verdankt, den sie als 17-Jährige mit dem damals 32 Jahre älteren und inzwischen verstorbenen deutschen Kaufhausmilliardär Helmut Horten schloss. Maria-Elisabeth Schaeffler kontrolliert ihr 2-Milliarden-Vermögen als Witwe des deutschen Industriellen Georg Schaeffler.

Egal, wie das Vermögen spross, die Zeiten stehen derzeit gut für Millionäre und Milliardäre aller Art. Die Zahl der Österreicher, die 2004 über ein liquides Vermögen von mindestens einer Million Dollar verfügten, wuchs auf 63.300 an, fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr. 3300 kann man getrost zu den Superreichen zählen, bei denen die Eintrittsschwelle bei 30 Millionen Dollar liegt.

Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst seit den achtziger Jahren rasant. Zwar werden in der Öffentlichkeit gerne die enormen Saläre von Managern diskutiert, doch im Vergleich zu den wirklich Vermögenden sind die Ackermanns und Treichls dieser Welt arme Schlucker. Die wahre Kluft wächst zwischen dem Durchschnittsbürger und den Superreichen aufgrund des ersten physikalischen Gesetzes des Reichtums: je größer das Vermögen, umso schneller wächst es. Das reichste Prozent der Österreicher besitzt gut ein Drittel des gesamten Vermögens in Österreich, weit über 350 Milliarden Euro.

Die reichsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung, die die Londoner „Times“ als die Hyperreichen bezeichnet, besitzen heute mehr als doppelt so viel wie noch vor zwanzig Jahren. Wir nähern uns, konstatiert die ehrwürdige „Times“, wieder den kapitalistischen Boomzeiten der zwanziger Jahre.

Von Karl Riffert

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