Die 100 reichsten Österreicher: Lesen Sie hier, wer in Österreich wirklich reich ist

Der bekannte Nationalökonom Erich Streissler erläutert, warum es unmöglich ist, Vermögen dauerhaft zu erhalten, und welche Veranlagung seit 1750 die beste Rendite erbracht hat. Willkommen zum jährlichen trend-Klassiker über die reichsten Österreicher.

„Was ist Reichtum? Für jemanden ist ein altes Hemd schon Reichtum. Ein anderer ist mit zehn Millionen arm. Reichtum ist etwas ganz Relatives und Unbefriedigendes. Im Grunde ist es nur eine besondere Situation. Reichtum bedeutet eine Abhängigkeit von Dingen, die man besitzt und die man durch neuen Besitz, durch neue Abhängigkeiten vor dem Dahinschwinden schützen muss. Es ist nur eine materialisierte Unsicherheit.“
Franz Kafka (1883–1924)

Franz Kafka, der zu Lebzeiten keine 800 Bücher verkaufen konnte, während heutzutage eine durchschnittliche Biografie über ihn mühelos Auflagen von 300.000 Stück erreicht, hat die Sache mit dem Reichtum wohl ein wenig zu pessimistisch gesehen.

Wahr ist, dass die Inhaber großer Vermögen durchaus von der Sorge um den Erhalt derselbigen geplagt werden und tatsächlich im Verlauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte manch große Vermögen mehr oder weniger diskret zerbröseln. Doch lässt sich mittlerweile sogar wissenschaftlich festhalten, dass reiche Menschen nicht nur angenehmer, sondern im Schnitt auch glücklicher und gesünder leben.

So haben zum Beispiel in Deutschland Männer aus den oberen 25 Prozent der Einkommensverteilung eine um zehn Jahre höhere Lebenserwartung als Männer aus den unteren 25 Prozent. Natürlich lässt sich Gesundheit nicht kaufen, aber zehn Jahre Extra-Lebenszeit als Bonus für ein materiell sorgenfreies Leben sind auch nicht schlecht.

Bei Frauen beträgt dieser einkommensbedingte Unterschied der Lebenszeit übrigens nur fünf Jahre, aber das weibliche Geschlecht wird dafür in Europa (anders als in Drittweltländern wie Nepal) ohnehin um einiges älter, nämlich im Schnitt 86 Jahre statt 81, wie dies bei Männern der Fall ist.

Der Wunsch nach Reichtum ist weit verbreitet, aber in der Wirklichkeit des Jahres 2006 wird der Aufsteigertraum, ebenfalls irgendwann zu den oberen zehntausend, ja auch nur zur Mittelklasse zu gehören, immer schwerer erfüllbar. Die finanzielle Kluft zwi-schen den vermögendsten Österreichern und den Habenichtsen wächst und wächst beständig.

30 Prozent höhere Gagen. Betrachtet man die 20 wichtigsten Unternehmen an der Wiener Börse, deren Kurse im ATX-Index gewogen werden, ergibt sich Erstaunliches: Im Jahr 2005 konnten sich die Top-Manager an Gehaltssteigerungen von plus 30 Prozent erfreuen. Die Arbeitnehmer erhielten im selben Zeitraum nur ein Prozent mehr. Die Gewinne dieser Unternehmen selbst nahmen 2005 um 53 Prozent zu, die Dividenden sogar um 58 Prozent.

Auch eine längerfristige Betrachtung zeigt ein ähnliches Bild. Im Zeitraum zwischen 1995 und 2003 verzeichneten die Reallöhne der Wenigverdiener (die untersten 20 Prozent) keinerlei Zuwächse, im Gegenteil sie sanken real um sieben Prozent. Im selben Zeitraum stiegen die oberen Einkommen (die obersten 20 Prozent) um 11,7 Prozent, die absoluten Top-Verdiener (das oberste Prozent) erzielten sogar Steigerungen von 17,6 Prozent. Verstärkt wird dieser Trend noch dadurch, dass in den neunziger Jahren private Finanzvermögen stark anwuchsen. 1964 stammten nur fünf Prozent der Nichtlohneinkommen aus Zinserträgen. 2006 sind es über 15 Prozent.

Im großen Wirtschaftsmonopoly sind schon seit Langem jene bevorzugt, die ihr Geld arbeiten lassen können statt nur sich selbst. In den Jahren 1970 bis 1994 stiegen die Einkommen aus Besitz um 1800 Prozent, die Bruttolöhne hingegen nur um 567 Prozent. „Die Einkommens- und Vermögensschere geht auseinander“, konstatiert Wirtschaftsforscher Alois Guger und meint, wirklich Gutes habe das nicht gebracht. „Die Umverteilung zu höheren Gewinnen“, so der Wifo-Experte, „hat bislang leider nicht zu höheren Investitionen geführt. Andererseits ging die Konsumneigung der unteren Schichten zurück. Das führt zu einem volkswirtschaftlichen Nachfrageproblem.“

Von Letzterem wollen wir aber nicht so genau wissen, sondern eher der Frage nachgehen, wie es denn mit dem Reichtum in Österreich bestellt ist. Wie viele Reiche gibt es überhaupt, wie teuer sind ihre Häuser, wie legen sie ihr Geld an? Es können ja nicht alle Golf spielen in Mougins an der Côte d’Azur, wo einst Pablo Picasso lebte und jetzt der Ex-Gewerkschaftsbanker Helmut Elsner residiert.

1-Million-Euro-Wohnungen. Eine vom Sozialministerium auf Wunsch aller Parlamentsparteien in Auftrag gegebene „Reichtumsstudie“1) kommt zu dem Schluss, dass das Vermögen der Superreichen in Österreich – die reichsten ein Prozent – im Durchschnitt etwa einhundertmal so groß ist wie jenes der mehr oder weniger begüterten Normalbürger, also neunzig Prozent der Bevölkerung.

Auch ein Vergleich der „ziemlich Reichen“ (der obersten zwei bis zehn Prozent) mit den Flicks, Hortens & Co ist interessant: Das oberste Prozent in der Vermögensstatistik besitzt im Schnitt zehnmal so viel wie die „ziemlich Reichen“.

Die Datenlage ist im Übrigen dünn, insbesondere seit die Vermögensteuer abgeschafft wurde. Ein Blick auf transparentere Volkswirtschaften ist da hilfreich. In Schweden ergaben Vermögensteuerdaten, dass die Top-1-Prozent 26,5 Prozent des Vermögens aller Haushalte besitzen und die Top-10-Prozent zusammen zwei Drittel des Gesamthaushaltsvermögens. Ein fast analoges Bild findet man in den USA. Wenn es um den Anteil der Reichen am Gesamtvermögenskuchen geht, sind die Unterschiede zwischen dem Wohlfahrtsstaat Schweden und dem amerikanischen Bush-Land nur marginal.2)

Aufgrund verschiedener Studien wie etwa des jährlichen „Merrill Lynch Wealth Report“ lässt sich die Anzahl der österreichischen Euro-Millionäre relativ genau mit 67.700 beziffern. 67.700 Österreicher besitzen demnach mindestens eine Million Euro frei verfügbares Finanzvermögen (die selbst benutzte Eigentumswohnung zählt also hier nicht mit).

trend-Leser kennen ja die ansehnlichen Villen der Flicks, Hortens und Haselsteiners am Wörther See, aber die Statistiker haben auch herausgefunden, wie viel die Reichen und die Superreichen fürs Wohnen investieren. Die Gruppe der vermögendsten Top-1-Prozent lebt in Villen, Wohnungen oder Penthäusern mit einem durchschnittlichen Verkehrswert von 1,09 Millionen Euro.

Die etwas ärmeren Reichen (die Top-10-Prozent) blättern im Schnitt 511.300 Euro für die eigene Bleibe hin. Schöner wohnen hat eben seinen Preis. Die genannten Durchschnittswerte sind freilich ein Klacks im Vergleich zu den Wohneskapaden der Allerallerreichsten. Am meisten in eine standesgemäße Unterkunft investiert wahrscheinlich die reichste Österreicherin, Heidi Horten, die einst mit 17 Jahren den gleichnamigen deutschen Kaufhausmilliardär heiratete. Horten reist gerne, verabscheut aber Hotels und hat deswegen neben ihrer Kärntner 19-Millionen-Euro-Villa in Sekirn mit 3,6 Hektar Park und dem 560-Quadratmeter-Penthaus am Hohen Markt in Wien zahlreiche Anwesen in aller Welt. Dort, wo es keine eigene Bleibe gibt, wartet die eigene Yacht: Die Carinthia hat 160 Millionen Euro gekostet, ist über 97 Meter lang und braucht pro Tankfüllung Sprit im Wert von mindestens 450.000 Euro.

It’s business, stupid! Wie legen die Superreichen ihr Geld an? Die Antwort lautet: Der Großteil des Vermögens ist schon angelegt. Das Geld liegt nicht in einem Geldspeicher wie bei Onkel Dagobert, es steckt gewöhnlich in der Quelle des Reichtums, nämlich in einem oder mehreren Unternehmen.

Das 2-Milliarden-Euro-Vermögen des Dietrich Mateschitz, nebenbei bemerkt ein Liebhaber von Ralph-Lauren-Möbeln und exquisiten Flugzeugen, findet sich natürlich großteils im 49-Prozent-Anteil am Red-Bull-Weltkonzern. Das ist bei den mehr als 50 Gesellschaftern des Swarovski-Konzerns nicht anders oder bei der zweitreichsten Österreicherin, Maria-Elisabeth Schaeffler, die mit ihrer Familie den weltgrößten Wälzlager-Hersteller der Welt besitzt.

Statistisch ist das Vermögen der 67.700 österreichischen Euro-Millionäre im Schnitt so angelegt:

• 70,9 Prozent in Unternehmensbeteiligungen,
• 20,4 Prozent in eigengenutzten Immobilien,
• 8,7 Prozent in Finanzanlagen.

Die Statistik lügt natürlich immer auch ein bisschen, und Ausnahmen bestätigen die Regel. Friedrich Karl Flick etwa, der reichste Österreicher, hat seine 6,8 Milliarden Euro hauptsächlich in Anleihen, Aktien und sonstigen Finanzinstrumenten investiert, die von seinen Vermögensverwaltern wie etwa Gerhard Bock umsichtig ausgewählt werden.

Der Weg zu den ganz großen Vermögen führt in der Regel über Erben und Heiraten. Alles andere sind extreme Ausnahmefälle. Von den 260.000 österreichischen Unternehmern und Freiberuflern werden nur wenige wirklich reich. Drei Viertel von ihnen beschäftigen weniger als fünf Mitarbeiter. Und nur drei Prozent aller österreichischen Unternehmen haben mehr als 50 Beschäftigte.

Auch als Gehaltsempfänger sind die Aussichten auf große Vermögen eher gering. Das Durchschnittseinkommen der Österreicher beträgt derzeit 17.699 Euro brutto pro Jahr. Das Top-1-Prozent der Gehaltsempfänger kann darüber natürlich nur lächeln, es verdient jährlich mehr als 85.900 Euro brutto. Dazu zählt auch die sehr kleine Berufsgruppe der Top-Manager, deren persönlicher Erwerbssinn durchaus ausgeprägt ist. Aber selbst von Helmut Elsners Abfertigung und Andreas Treichls 4-Millionen-Euro-Jahresgage zum Milliardär ist es auch noch ein weiter Weg.

Von Karl Riffert, Mitarbeit: Jasmin Schakfeh

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