Der Traum des Präsidenten

WKÖ-Präsident Christoph Leitl tritt für eine Senkung der Körperschaftsteuer von 34 auf 18 Prozent ein.

trend: Was wäre Ihre Traum-Steuerreform?
Leitl: Mein Traum wäre eine Steuerreform, die eine Standortsicherung für Betriebe bedeutet. Es muss für Investoren lohnend sein, sich in Österreich und nicht in Pressburg, Budapest oder sonst wo niederzulassen, weil dort niedrigere Kosten und damit höhere Gewinne existieren.
Ich nehme an, Sie träumen von null Prozent Körperschaftsteuer …
… da müsste ich nach Estland auswandern, dort gibt es das. Aber wir sind in Österreich. Steuern sind unerfreulich, doch notwendig. Sie müssen nur im Wettbewerbsumfeld stimmen. Verfolgen Sie, was in unseren Nachbarstaaten passiert ist. Dort will man Irland kopieren, mit den Steuern runtergehen, Investoren anlocken und mithilfe der EU-Förderungen einen Boom in Gang setzen.
Wie tief muss die KöSt runter?
Der slowakische Präsident hat mir gesagt, es ist ihm recht, wenn die Unternehmenssteuern in Österreich noch längere Zeit hoch sind. Seit die Slowakei 19 Prozent Steuer angekündigt hat, haben sich die Auslandsinvestitionen innerhalb eines Jahres verdreifacht; von 1500 Millionen auf 5000 Millionen US-Dollar. Das sagt alles.
Die KöSt-Senkung scheint derzeit das einzige Anliegen der Wirtschaft zu sein.
Das ist ein Symbol wie die Bierkiste im Supermarkt. Eine erste Orientierung eines potenziellen Investors, wie er dran ist. Nicht, dass die Preise der Bierkiste schon generell überzeugend sind, aber man geht wenigstens schon einmal in das Geschäft hinein und schaut sich um.
Richten sich die Investoren wirklich ausschließlich nach dem KöSt-Tarif?

Überall auf der Welt sind bei Standortdiskussionen Fragen nach dem Mitarbeiterpotenzial, der Stabilität und dem sozialen Frieden wichtig, aber gleichrangig auch die Frage: „What’s the corporate tax?“ Und wenn ich sage, ja wissen Sie, wir haben da aber eine vorzeitige Abschreibung und einen Investitionsfreibetrag, das interessiert dann nicht mehr.
Die effektive Besteuerung der Unternehmen liegt, laut EU-Studie, bei 18 Prozent. Das ist der niedrigste EU-Wert.
Sollte dem so sein, dann bitte tun wir’s doch. Warum vergeben wir uns dann eines psychologischen Vorteils? Das wär doch so, wenn die Bierkiste im Supermarkt ein Drittel teurer angeschrieben wäre, und nachher bei der Kassa erfährt man erst, dass man ohnedies einen Rabatt bekommt. Das ist doch ein Unsinn! Da preise ich doch gleich netto an und bekomme die Kunden zügiger ins Geschäft herein.
Ist das ein Vorschlag von Ihnen, die KöSt auf 18 Prozent zu senken?
Ich bin jedenfalls gesprächsbereit. Und die mir die 18 Prozent vorhalten, denen sage ich, streichen wir die Ausnahmen, streichen wir alles, was ihr meint, und dann haben wir ohne einen Euro Verlust einen Satz, mit dem wir internationales Renommee haben.
Sie sagen das als Mann der Wirtschaft.
Ich denke immer an ganz Österreich und nicht für eine Klientel, der ich Einkom-mensvorteile zukommen lassen möchte. Erste Priorität muss sein, Betriebe und Investitionen hier zu halten.
Wenn die KöSt über 30 Prozent bleiben sollte, streikt dann die Wirtschaft?
Wenn Sie so fragen, haben Sie offensichtlich Ihre Erfahrungen in Deutschland gewonnen. Dort streikt die Wirtschaft wirklich. Dort gibt es Investitionsstreiks und Abwanderungsbewegungen. Das wollen wir nicht. Und deshalb zeigen wir auf und sagen, welche Rezepte zielführend sind.

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