Der Schilling lebt

Warum ein GROSCHEN bis zu 90 Euro wert sein kann – und warum Sie den alten Bertha-von-Suttner-Tausender vielleicht doch NICHT tauschen sollten.

Bertha von Suttner begibt sich in wenigen Wochen endgültig zur Ruhe. Jene 1966 von der Nationalbank ausgegebene 1000-Schilling-Banknote, deren Vorderseite das Konterfei der ersten österreichischen Nobelpreisträgerin ziert, verliert am 31. August ihre Gültigkeit. Bis dahin tauscht die Nationalbank (OeNB) den Geldschein noch anstandslos in den entsprechenden Euro-Betrag (abgerundet sind das 72,67 Euro) um, danach ist der Tausender aus der Sicht der Währungshüter praktisch nichts mehr wert.

Doch wertlos ist er deshalb noch lang nicht. Als Sammelobjekte verfügen Münzen und Banknoten, die ihre Funktion als Zahlungsmittel verloren haben, über ein zweites Leben – und das kann durchaus spannend und lukrativ sein.

Im konkreten Fall der Bertha von Suttner bedeutet das: Schon im aktuellen „Austria Netto“-Katalog – jener Broschüre, die am umfangreichsten über aktuelle Sammlerwerte österreichischer Münzen und Banknoten Auskunft gibt – steht ein Suttner-Tausender mit einem Kaufpreis ab 90 Euro, also immerhin 1238 Schilling, zu Buche. Dieser Preis gilt für den Erhaltungszustand III (in der Sammlerfachsprache bedeutet das, der Schein ist „sehr schön“ erhalten, also zweimal gefaltet und hat nur kleine Eckbüge). Für „kassenfrische“ Suttner-Tausender (Erhaltungszustand I, ungefaltet und makellos) blättern Sammler laut Katalog sogar anstandslos 210 Euro hin, also um 189 Prozent mehr, als die Nationalbank bezahlt.

Wer den Schein verkaufen will, erzielt diesen Preis aber nur in den seltensten Fällen. Private Sammler zahlen dabei etwas mehr als die professionellen Händler, die Abschläge vom Katalogpreis bewegen sich zwischen zehn und 30 Prozent.

Frische zählt. Lohnt es sich also, alte Geldscheine aufzuheben? „Das kann man so einfach nicht sagen“, warnt Manfred Weywoda, erfahrener Auktionator von Münzen, alten Aktien und Banknoten, vor übereilten Schlüssen. „Auf jeden Fall sollen die Scheine hervorragend erhalten sein.“

Wirklich wertvoll sind nämlich nur die ungefalteten Scheine – ein Zustand, den die Banknoten in ihrem harten Leben in Geldbörsen oder gar Hosentaschen nur selten lang bewahren können. Verknitterte Scheine bringen allerdings gar nichts, diese sollte jeder rasch tauschen – solang das noch möglich ist.

Grundsätzlich verlieren nämlich alle Geldscheine und Münzen irgendwann ihre Gültigkeit und mutieren zu reinen Objekten der Sammlerbegierde – bis auf eine Ausnahme: „Die Münzen und Banknoten, die bei der Einführung des Euro im Umlauf waren, gelten sozusagen ewig“, erklärt Wolfgang Duchatczek, Vizegouverneur der Nationalbank.

Wer also Banknoten der jüngsten Serie besitzt, ist gegen einen Verlust nach unten mit dem Nennwert abgesichert.

Ob es nach oben geht und einen Gewinn gibt, lässt sich aber noch nicht exakt sagen. Mit deutlichem Aufschlag gehandelt wird zum Beispiel die letzte Schilling-Banknote der Zweiten Republik, der 5000er mit dem Mozart-Konterfei. „Für den verlange ich 480 Euro“, bestätigt Händler Weywoda den Wertgewinn. Laut Katalog ist das blass bedruckte Stück Papier sogar 490 Euro (6743 Schilling) wert – was einer Wertsteigerung um immerhin 35 Prozent entspricht. Der 20-Schilling-Schein wird zumindest laut Katalog mit einem noch größeren Aufschlag gehandelt, nämlich um drei Euro. „Das alles gilt aber natürlich nur bei sehr gutem Erhaltungszustand“, betont Weywoda. „Bei den 5000ern ist das aber ohnedies klar – die hat man sich nur in sehr gutem Erhaltungszustand aufgehoben.“

Fehlbetrag. Spannend werden aber die nächsten Jahre. „Insgesamt sind noch Banknoten und Münzen im Gegenwert von zwölf Milliarden Schilling ausständig“, weiß OeNB-Vizegouverneur Duchatczek. Etwa ein Drittel davon in Münzen, ein Drittel in so genannten präkludierten Banknoten – als Präklusionsfrist wird der Zeitraum zwischen dem letzten Tag der Gültigkeit als Zahlungsmittel und dem letzten Tag, an dem die Nationalbank die Scheine noch in den Euro-Gegenwert tauscht, bezeichnet – und ein Drittel in Banknoten, die zum Zeitpunkt der Euro-Einführung noch gültig waren. „Diese Münzen und Banknoten verlieren ihre Gültigkeit nie, die Nationalbank tauscht sie also praktisch ewig um“, so Duchatczek.

Und was geschieht, wenn das alle auf einmal tun wollen? „Unsere Euro-Bestände reichen bei weitem. Es wäre nicht einmal ein logistisches Problem. Wenn alle Österreicherinnen und Österreicher gleichzeitig ihre Schilling-Restbestände in Euro tauschen wollen, müssten wir halt die tiefer liegenden Tresore aufsperren“, gibt sich der Vizegouverneur gelassen.

Vorsicht geboten ist aber bei Banknoten mit erwähnter Präklusionsfrist. Wer den Stichtag versäumt (siehe Tabelle: „Geld mit Ablaufdatum“ auf Seite 139) kann nur noch versuchen, Sammler oder Händler zu finden, die sich für den Schein interessieren.

Manchmal gibt es hier aber Haupttreffer – und diese sind (echt österreichisch?) bisweilen auf peinliche Fehlleistungen zurückzuführen. Ältere Sammler erinnern sich noch mit einem Schmunzeln (und meist mit einiger Wehmut) an die Geschichte des „Kaplan-Tausenders“, der im Jänner 1961 ausgegeben wurde. Die Banknote ist ein nettes Beispiel dafür, dass es bisweilen ja doch auf die Größe ankommt. Mit seinen Maßen (75 mal 150 Millimeter) war der Tausender praktisch gleich groß wie der damals gültige Hunderter. Ähnlich war auch die Farbgebung, und wer nicht besonders gut mit den Scheinen vertraut war (und wer ist das schon bei nagelneuem Geld?), der konnte auch die Motive verwechseln. Zwar sehen einander Johann Strauß (Hunderter) und Viktor Kaplan (Tausender) nicht sonderlich ähnlich, doch beide prangen von der rechten Seite der Banknote, beide tragen einen Schnurrbart – und so kam es häufig zu Verwechslungen.

Teurer Kaplan. Nach nur drei Monaten wurde der „kleine“ Kaplan eingezogen und durch eine deutlich größere Banknote ersetzt (die bereits 1966 Bertha von Suttner weichen musste). Fazit: Der „große“ Kaplan wird heute im besten Erhaltungszustand um 210 Euro (also mit einem Aufschlag von rund 190 Prozent) gehandelt, die Panne mit dem „kleinen“ Kaplan bescherte den österreichischen Sammlern hingegen die teuerste Banknote der Zweiten Republik. Je nach Erhaltungszustand lassen sich Sammler die Kuriosität zwischen 1700 und 3000 Euro kosten. Der Grund: Die Österreicherinnen und Österreicher folgten allzu brav dem Aufruf der Nationalbank, den verwechslungsgefährdeten Schein zurückzugeben. Nur wenige Exemplare entgingen der Vernichtung.

Auch bei den Münzen bedeuten niedrige Stückzahlen meist hohe Sammlerpreise. Bestes Beispiel dafür ist die silberne 25-Schilling-Münze „Auer von Welsbach“ aus dem Jahr 1958. Nach Angaben der Nationalbank sind davon gerade 500 Stück in der höchsten Qualitätsstufe „polierte Platte“ im Umlauf. Damit kann der Preis freilich nicht ganz mithalten: 1400 Euro erscheinen durchaus wohlfeil. Leise Zweifel an der niedrigen Auflage meldet daher Dorotheums-Münzexperte Michael Beckers an: „Wenn die Zahl stimmt, dann habe ich davon schon einen beachtlichen Prozentsatz in der Hand gehabt.“

Wobei Österreichs Silbermünzen ohnedies ein Kapitel für sich sind. In geradezu inflationären Dimensionen spuckten die Prägemaschinen ab 1955 Gedenkmünzen aller Art aus: Ob Mozart oder Maria Theresia, Bundestheater oder ORF, 1200 Jahre Dom zu Salzburg oder 50 Jahre Republik – die Motive gingen den Münzprägern nie aus, doch das wirkliche Motiv war immer nur das eine: Geld aus den Taschen der Staatsbürger in den Staatssäckel umzuleiten.

„1995 gab es den höchsten Bestand an Sondermünzen – es waren immerhin 18,908 Milliarden Schilling“, weiß Münzexperte Beckers. Bis Juli 2001 war dieser Bestand auf 15,7 Milliarden Schilling gesunken – gegenüber nur 8,2 Milliarden Euro an „normalen“ Umlaufmünzen. Damit übertraf der Bestand an Sondermünzen jenen an Umlaufmünzen beinahe um das Doppelte.

Doch derzeit tauschen die Österreicher ihre Silbermünzen kaum noch um. Den Grund dafür liefert ein Blick auf den Silberpreis. Erst heuer ist der Silberzehner – den zahlreiche Österreicher in der Hoffnung auf Spekulationsgewinne gehortet haben, der seinen Silberwert aber seit seinem Ende als Zahlungsmittel nie mehr gesehen hat – erstmals wieder mehr als zehn Schilling wert.

Silberspekulation. Noch lohnt sich das Einschmelzen freilich nicht. „Die Münze besteht aus 640/1000-Silber, hat also nur einen Silberanteil von weniger als zwei Drittel. Will man die Legierung wieder scheiden, verursacht das relativ hohe Kosten“, weiß Münzexperte Beckers, warum die Spekulation bisher noch nicht aufgegangen ist.

Aus einer besseren Legierung bestehen die 25-Schilling-Münzen, die zwischen 1955 und 1973 geprägt wurden. Für sie wurden 13 Gramm 800er-Silber verwendet, und auch hier liegt der Silberpreis in der Nähe des „Nominales“. Dies gilt auch für die 50-Schilling-Gedenkmünzen, die zwischen 1959 und 1978 aus 20 Gramm 900/1000-Silber geprägt wurden.

Während Silbermünzen erst seit kurzer Zeit mit Gewinnen locken, erzielt ein relativ unscheinbares Geldstück schon seit Jahren Spitzenpreise. Seit 1998 prägte die Münze Österreich die 50-Groschen-Stücke nur noch für die Sammlerserien, erzählt Dietmar Spranz, Chef der heimischen Prägestätte. Besonders selten sind die aus einer Kupfer-Aluminium-Legierung bestehenden Münzen des Jahrgangs 1998 – diese „Fünfzigerl“ werden mit Preisen bis 120 Euro gehandelt. Die Prägungen danach bringen es grade einmal auf zehn Euro.

Wobei Spranz – selbst passionierter Münzsammler („Ich sammle seit meinem zwölften Lebensjahr, aber nur Münzen, die schon im Gebrauch waren, das finde ich spannender“) – trotz langjähriger Beschäftigung mit der Materie über ein weltweit beobachtetes Phänomen den Kopf schüttelt: „50 Prozent unserer ausgegebenen Schilling- und Groschenmünzen sind nie mehr aufgetaucht.“ Erklärung dafür gebe es keine. Betroffen davon sind aber alle Währungen. „Die häufigste Münze der Welt ist das amerikanische 1-Cent-Stück. Die größte Münzstätte der Welt in Philadelphia prägt davon jährlich Milliarden – und keiner weiß, wohin die verschwinden.“

von Franz C. Bauer

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