Der Mann des Jahres

Erste-Bank-Chef Andreas Treichl, der in New York sein Handwerk lernte, personifiziert den harten Managertyp des Globalisierungszeitalters: In fünf Jahren verzehnfachte er den Gewinn seiner Bank und feuerte länderübergreifend 10.000 Mitarbeiter. Der Börsenwert der Erste Bank ist inzwischen größer als jener des Konkurrenten Bank Austria Creditanstalt.

Ein Anruf bei einer deutschen Großbank. „Wer spricht bitte …?“ Leise Stimme im Hintergrund. „Da ist ein Herr Speichl von der Ärztebank in Wien, soll ich durchstellen …?“

So etwas passiert Andreas Treichl inzwischen nicht mehr. In Osteuropa hat Treichls Erste Bank inzwischen doppelt so viele Kunden wie die Bank-Austria-Mutter HypoVereinsbank. Die Westdeutsche Landesbank wollte Treichl gar vor wenigen Monaten auf den Chefsessel hieven. Immerhin hat der knallharte Wiener Banker den Börsenwert der Erste seit der Einführung im Dezember 1997 von 1,9 Milliarden Euro auf satte sechs hochgetrieben.

Wie sich die Zeiten doch ändern. Als Treichl 1994 zuerst als einfaches Vorstandsmitglied in das Haus am Wiener Graben kam, stieß er auf breites Misstrauen der Vorstände und der Mitarbeiter und wurde von den Betriebsräten, die erbost waren, dass man sie erst unmittelbar zuvor informiert hatte, gefragt: „Worin besteht eigentlich Ihre Qualifikation? Bisher haben Sie doch nur bessere Würstlbuden geführt.“

Die Frage, damals vielleicht eine Spur despektierlich, war durchaus berechtigt. Treichl hatte der Erste schon einmal aus Karrieregründen den Rücken gekehrt, um dann eine Bank mit rund drei Dutzend Mitarbeitern zu leiten. Die Frage ist: Was qualifiziert eigentlich jemanden, eine Bank mit tausenden Mitarbeitern zu führen, und was macht einen Manager zum erfolgreichen Strategen? Treichl war wahrscheinlich genau der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt für die Erste.

„Vor dreißig Jahren“, weiß Erste-Zentralbetriebsrat Günter Benischek, „war das Berufsbild völlig anders: Man hat penible Buchhaltertypen für die Bank gesucht, heute hingegen sollen es lauter aggressive Verkäufer sein.“ So ist es wohl auch mit Bankdirektoren.

Treichl verkörpert genau den Managertyp, den sich die Finanzmärkte heute wünschen: extrem gewinnorientiert, eloquent im Umgang mit Investoren und Analysten, virtuos im Umgang mit Medien und den politisch Mächtigen, knallhart, wenn es um Kosten geht. Aber das allein hätte keineswegs für den erstaunlichen Erfolg gereicht.

Gegen jeden Trend. Irgendwann hat der geschmeidige Yuppie Treichl begonnen, anders zu handeln als die Managerherde. Der Banker-Zeitgeist Ende der neunziger Jahre besagte: Nur im Investmentbanking liegt die Zukunft, nur dort kann man Gewinne lukrieren, die Massenkundschaft ist nur lästig. Treichl aber tat genau das Gegenteil, setzte auf das Retail-Groschengeschäft und kaufte in Folge in sieben Jahren trotz heftiger hausinterner Widerstände sieben Banken in vier Ländern. Für die ungeheure Summe von 2,5 Milliarden Euro. Die acht Milliarden Schilling für das Schlucken der Girocredit 1997 noch gar nicht eingerechnet.

Das Konzept ist bis jetzt aufgegangen. 55 Prozent des bislang unveröffentlichten heurigen Rekordgewinns von 320 Millionen Euro nach Steuern stammen aus Zentraleuropa, wobei sich vor allem die tschechische Sparkasse, an der die Erste inzwischen 95 Prozent hält, zur Cash Cow entwickelte. Und fast unmerklich wurde aus dem mit bürgerlicher Patina überzogenen Wiener Institut in Zentraleuropa ein Banken-Riese mit neun Millionen Kunden zusätzlich.

Erstaunlicher noch war, dass es dem in jungen Jahren als schnöselig verschrienen Banker gelang, die jahrzehntelangen Animositäten der Sparkassen gegenüber ihrem Hauptinstitut zu überwinden. Handstreichartig und zum Entsetzen seiner eigenen Mitarbeiter hatte Treichl den Sparkassen jene Erste-Filialen in den Bundesländern als Tauschobjekt angeboten, die sein Vorgänger Konrad Fuchs in eineinhalb Jahrzehnten zuvor mühevoll aufgebaut hatte. So machte er die Erste zur Fabrik und zum Großhändler für Finanzprodukte und die Sparkassen in den Bundesländern zu abhängigen Retailern. Mehr noch, er führte sie zu einem Haftungsverbund zusammen.

Treichl ist ein Manager, der jederzeit bereit ist, sakrosankte Traditionen zu brechen, wenn es seinen Zielen nützt. „Er konzentriert sich mit enormer Beharrlichkeit auf ein Ziel, und wie ein Segler, der einen entfernten Leuchtturm ansteuert, kreuzt er zuweilen weit weg, um dann schwuppdiwupp plötzlich ans Ziel zu gelangen“, meint sein langjähriger Weggefährte Michael Ikrath, VP-Verbindungsmann und graue Eminenz in der Erste.

Dem Studenten Andreas Treichl hatte sein Vater Heinrich, damals mächtiger Chef der Creditanstalt, ein Auto für den Fall in Aussicht gestellt, dass er das Rauchen aufgebe. Tatsächlich rauchte der Sohn zwei Jahre nicht eine Marlboro. Dann kaufte man gemeinsam den Wagen, Andreas Treichl setzte sich hinein und zündete sich eine Zigarette an. Dreißig Jahre später raucht er immer noch, aber das ist eine andere Geschichte.

Erfolgsjahr 2003. trend wählt Andreas Treichl heuer aus mehreren Gründen zum Mann des Jahres:

Im Rennen um die ungarische Postabank konnte Treichl nicht nur seinen Erzrivalen, die Bank Austria, ausstechen, sondern krönt damit seine Osteuropa-Strategie, die noch vor wenigen Jahren belächelt wurde, sich aber als extrem erfolgreich erwiesen hat. Jetzt verfügt die Erste in allen ihren neuen Märkten mindestens über einen Marktanteil von zwanzig Prozent. Die Postabank war der letzte Puzzlestein.

Zwar rangiert die eingekaufte Bank mit einer Bilanzsumme von 1,7 Milliarden Euro unter den ungarischen Kreditinstituten nur an siebter Stelle. Im Privatkundengeschäft freilich liegt die Postabank mit 480.000 Kunden und 113 Filialen auf Platz zwei. Wohl deshalb war es zu einem erbitterten Match zwischen der Erste und der Bank Austria gekommen, die aber mit ihrem Angebot von 330 Millionen unterlag.

Durch die knapp 400 Millionen Euro teure Akquisition hat der dynamische Erste-Chef sein strategisches Ziel erreicht, in den vier Nachbarländern Tschechien, Slowakei, Ungarn und Kroatien einen nennenswerten Marktanteil zu erreichen. Die Erste konnte dank Treichls Strategie den Konkurrenten Bank Austria im Retailgeschäft deutlich abhängen: Sie hat inzwischen in Zentraleuropa über neun Millionen Kunden, mehr als doppelt so viel wie die Bank Austria, und ist dort auf dem besten Weg zum Banken-Billa.

Andreas Treichl hat es damit geschafft, das Institut in wirtschaftlich schwierigen Zeiten optimal zu positionieren. Die Erste ist jetzt genau in jenen Märkten vertreten, in denen in den nächsten Jahren das stärkste Wachstum in Europa erwartet wird.

Das sehen auch die Investoren und internationalen Finanzmärkte so. Inhaber von Erste-Aktien konnten heuer dank Treichls Strategie einen Vermögenszuwachs um ein Drittel verbuchen. Die Börsenkapitalisierung der einstigen Regionalbank am Wiener Graben ist damit erstmals größer als jene der Bank Austria. Das hätte noch vor wenigen Jahren niemand erwartet. Auch für diese Leistung, die auch mit einem exzellenten Auftritt bei Analysten und Investmentfonds auf den großen Finanzplätzen zusammenhängt, wählt trend Andreas Treichl zum Mann des Jahres. Ein Anruf bei einer deutschen Großbank. „Wer spricht bitte …?“ Leise Stimme im Hintergrund. „Da ist ein Herr Speichl von der Ärztebank in Wien, soll ich durchstellen …?“

So etwas passiert Andreas Treichl inzwischen nicht mehr. In Osteuropa hat Treichls Erste Bank inzwischen doppelt so viele Kunden wie die Bank-Austria-Mutter HypoVereinsbank. Die Westdeutsche Landesbank wollte Treichl gar vor wenigen Monaten auf den Chefsessel hieven. Immerhin hat der knallharte Wiener Banker den Börsenwert der Erste seit der Einführung im Dezember 1997 von 1,9 Milliarden Euro auf satte sechs hochgetrieben.

Wie sich die Zeiten doch ändern. Als Treichl 1994 zuerst als einfaches Vorstandsmitglied in das Haus am Wiener Graben kam, stieß er auf breites Misstrauen der Vorstände und der Mitarbeiter und wurde von den Betriebsräten, die erbost waren, dass man sie erst unmittelbar zuvor informiert hatte, gefragt: „Worin besteht eigentlich Ihre Qualifikation? Bisher haben Sie doch nur bessere Würstlbuden geführt.“

Die Frage, damals vielleicht eine Spur despektierlich, war durchaus berechtigt. Treichl hatte der Erste schon einmal aus Karrieregründen den Rücken gekehrt, um dann eine Bank mit rund drei Dutzend Mitarbeitern zu leiten. Die Frage ist: Was qualifiziert eigentlich jemanden, eine Bank mit tausenden Mitarbeitern zu führen, und was macht einen Manager zum erfolgreichen Strategen? Treichl war wahrscheinlich genau der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt für die Erste.

„Vor dreißig Jahren“, weiß Erste-Zentralbetriebsrat Günter Benischek, „war das Berufsbild völlig anders: Man hat penible Buchhaltertypen für die Bank gesucht, heute hingegen sollen es lauter aggressive Verkäufer sein.“ So ist es wohl auch mit Bankdirektoren.

Treichl verkörpert genau den Managertyp, den sich die Finanzmärkte heute wünschen: extrem gewinnorientiert, eloquent im Umgang mit Investoren und Analysten, virtuos im Umgang mit Medien und den politisch Mächtigen, knallhart, wenn es um Kosten geht. Aber das allein hätte keineswegs für den erstaunlichen Erfolg gereicht.

Gegen jeden Trend. Irgendwann hat der geschmeidige Yuppie Treichl begonnen, anders zu handeln als die Managerherde. Der Banker-Zeitgeist Ende der neunziger Jahre besagte: Nur im Investmentbanking liegt die Zukunft, nur dort kann man Gewinne lukrieren, die Massenkundschaft ist nur lästig. Treichl aber tat genau das Gegenteil, setzte auf das Retail-Groschengeschäft und kaufte in Folge in sieben Jahren trotz heftiger hausinterner Widerstände sieben Banken in vier Ländern. Für die ungeheure Summe von 2,5 Milliarden Euro. Die acht Milliarden Schilling für das Schlucken der Girocredit 1997 noch gar nicht eingerechnet.

Das Konzept ist bis jetzt aufgegangen. 55 Prozent des bislang unveröffentlichten heurigen Rekordgewinns von 320 Millionen Euro nach Steuern stammen aus Zentraleuropa, wobei sich vor allem die tschechische Sparkasse, an der die Erste inzwischen 95 Prozent hält, zur Cash Cow entwickelte. Und fast unmerklich wurde aus dem mit bürgerlicher Patina überzogenen Wiener Institut in Zentraleuropa ein Banken-Riese mit neun Millionen Kunden zusätzlich.

Erstaunlicher noch war, dass es dem in jungen Jahren als schnöselig verschrienen Banker gelang, die jahrzehntelangen Animositäten der Sparkassen gegenüber ihrem Hauptinstitut zu überwinden. Handstreichartig und zum Entsetzen seiner eigenen Mitarbeiter hatte Treichl den Sparkassen jene Erste-Filialen in den Bundesländern als Tauschobjekt angeboten, die sein Vorgänger Konrad Fuchs in eineinhalb Jahrzehnten zuvor mühevoll aufgebaut hatte. So machte er die Erste zur Fabrik und zum Großhändler für Finanzprodukte und die Sparkassen in den Bundesländern zu abhängigen Retailern. Mehr noch, er führte sie zu einem Haftungsverbund zusammen.

Treichl ist ein Manager, der jederzeit bereit ist, sakrosankte Traditionen zu brechen, wenn es seinen Zielen nützt. „Er konzentriert sich mit enormer Beharrlichkeit auf ein Ziel, und wie ein Segler, der einen entfernten Leuchtturm ansteuert, kreuzt er zuweilen weit weg, um dann schwuppdiwupp plötzlich ans Ziel zu gelangen“, meint sein langjähriger Weggefährte Michael Ikrath, VP-Verbindungsmann und graue Eminenz in der Erste.

Dem Studenten Andreas Treichl hatte sein Vater Heinrich, damals mächtiger Chef der Creditanstalt, ein Auto für den Fall in Aussicht gestellt, dass er das Rauchen aufgebe. Tatsächlich rauchte der Sohn zwei Jahre nicht eine Marlboro. Dann kaufte man gemeinsam den Wagen, Andreas Treichl setzte sich hinein und zündete sich eine Zigarette an. Dreißig Jahre später raucht er immer noch, aber das ist eine andere Geschichte.

Erfolgsjahr 2003. trend wählt Andreas Treichl heuer aus mehreren Gründen zum Mann des Jahres:

Im Rennen um die ungarische Postabank konnte Treichl nicht nur seinen Erzrivalen, die Bank Austria, ausstechen, sondern krönt damit seine Osteuropa-Strategie, die noch vor wenigen Jahren belächelt wurde, sich aber als extrem erfolgreich erwiesen hat. Jetzt verfügt die Erste in allen ihren neuen Märkten mindestens über einen Marktanteil von zwanzig Prozent. Die Postabank war der letzte Puzzlestein.

Zwar rangiert die eingekaufte Bank mit einer Bilanzsumme von 1,7 Milliarden Euro unter den ungarischen Kreditinstituten nur an siebter Stelle. Im Privatkundengeschäft freilich liegt die Postabank mit 480.000 Kunden und 113 Filialen auf Platz zwei. Wohl deshalb war es zu einem erbitterten Match zwischen der Erste und der Bank Austria gekommen, die aber mit ihrem Angebot von 330 Millionen unterlag.

Durch die knapp 400 Millionen Euro teure Akquisition hat der dynamische Erste-Chef sein strategisches Ziel erreicht, in den vier Nachbarländern Tschechien, Slowakei, Ungarn und Kroatien einen nennenswerten Marktanteil zu erreichen. Die Erste konnte dank Treichls Strategie den Konkurrenten Bank Austria im Retailgeschäft deutlich abhängen: Sie hat inzwischen in Zentraleuropa über neun Millionen Kunden, mehr als doppelt so viel wie die Bank Austria, und ist dort auf dem besten Weg zum Banken-Billa.

Andreas Treichl hat es damit geschafft, das Institut in wirtschaftlich schwierigen Zeiten optimal zu positionieren. Die Erste ist jetzt genau in jenen Märkten vertreten, in denen in den nächsten Jahren das stärkste Wachstum in Europa erwartet wird.

Das sehen auch die Investoren und internationalen Finanzmärkte so. Inhaber von Erste-Aktien konnten heuer dank Treichls Strategie einen Vermögenszuwachs um ein Drittel verbuchen. Die Börsenkapitalisierung der einstigen Regionalbank am Wiener Graben ist damit erstmals größer als jene der Bank Austria. Das hätte noch vor wenigen Jahren niemand erwartet. Auch für diese Leistung, die auch mit einem exzellenten Auftritt bei Analysten und Investmentfonds auf den großen Finanzplätzen zusammenhängt, wählt trend Andreas Treichl zum Mann des Jahres.

Und schließlich erscheint uns die Gesamtleistung Treichls seit seinem Amtsantritt als Erste-Generaldirektor 1997 auszeichnungswürdig. Treichl konnte in diesem Zeitraum den Gewinn nach Steuern verzehnfachen. Er erreicht heuer den Rekordwert von 320 Millionen Euro. Und gerade dort, wo die Investments am meisten umstritten waren, verdient die Erste am besten. In Tschechien etwa beträgt die Eigenkapitalverzinsung 24 Prozent, die so genannte Zinsmarge ist bei der Prager Tochter doppelt so hoch wie in Österreich. Die beste Zinsmarge fährt die Erste in der Slowakei ein (Österreich 1,4 Prozent, Tschechien 2,8 Prozent, Ungarn vier Prozent, Slowakei und Kroatien über fünf Prozent).

So wuchs die Erste unter Treichls Führung zu einem Konzern mit 30.000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 131 Milliarden Euro. Sie ist damit in diesem Jahr die erfolgreichste Bank Österreichs.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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