Der heiße Herbst der Fotografen

Nach einer ruhigen Phase überstürzen sich die News in der Oberklasse der Digitalfotografie.

I.
Nach der Dürre die Fruchtbarkeit
In den vergangenen Monaten waren die Digitalkamera-Produzenten fruchtbar wie die Kaninchen. Sie zeugten aber fast ausschließlich Großserienprodukte: die beliebten, immer besser werdenden Digital-Kompaktkameras mit 2, 3, 4 oder 5 Megapixel Auflösung. Die trend-LeserInnen, meist erfolgreich und wohlhabend, sind erfahrungsgemäß am Allerbesten interessiert. Tests der höchstwertigen Kompakten und Ultrakompakten (4 bis 5 Megapixel) im nächsten trend.
Die größten Aufregungen liefert derzeit die Profi-Klasse der SLR (= single lens reflex = Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven), wobei drei Nachrichten aus den Häusern Kodak/Nikon, Olympus und Leica hervorstechen.

II.
Die Kodak/Nikon-SLR mit 14 Megapixel
Die schon auf der letzten photokina angekündigte, dann enttäuschend lang nicht marktfähige Kodak DCS Pro 14n auf Basis des Nikon-F80-Bodys ist endlich zu kriegen. Sie ist die erste Konkurrentin der in der Ultra-Klasse von über 10 Megapixel bisher einsamen Canon EOS-1Ds, die trotz ihres Preises von 10.000 Euro lange Zeit hoffnungslos ausverkauft war. Die Preissituation der Canon dürfte sich unter dem Angriff der Kodak DCS Pro 14n entspannen, ohne freilich deren „nur“ rund 7000 Euro zu erreichen.

Die Kodak/Nikon hat in ersten Tests, etwa von „Color-Foto“ oder „computer-foto“, prächtig abgeschnitten: wegen der momentan höchsten Auflösung von 14 Megapixel (EOS-1Ds: 11 Megapixel) sowie einer guten Menüführung und des bekannt einfachen Bedienkonzepts der Nikon F-80, deren Analoggehäuse als Basis dient.

Diese Kamera ist für Einsteiger in die Champions-League-Class interessant. Bei den Profis hingegen ist die Situation festgefroren. Die Kamera spielt nicht die größte Rolle. Wer Nikon-Objektive im Wert von 70.000 Euro zu Hause hatte, griff nicht zur Canon EOS-1Ds, und wer eine volle Canon-Objektivpalette zu Hause hat, wird diese nicht verkommen lassen, weil Nikon nun mit 14 Megapixel einen neuen Rekord aufstellt. Amateure ahnen kaum, wie Profi-Objektive und Zubehör ins Geld gehen. Ich erinnere mich an die Verblüffung, als ich vor vier Jahren mit Hartlauer-Boss Robert auf die Pirsch ging, mit einem Canon-1200-mm-Tele, das mir beinah aus der Hand fiel, als ich den Preis hörte (nach altem Geld über eine Million Schilling).

Die beiden derzeitigen Spitzen-Digital-SLRs können schon mehr, als für viele Profi-Aufträge gefragt ist. Zeitungsreporter etwa erreichen ihre Ziele auch mit den SLRs der 6-Megapixel-Klasse, wo sie eine preiswerte Auswahl unter Geräten mehrerer Hersteller haben, neben Canon und Nikon und Kodak etwa auch von Fujifilm, Sigma und Contax (siehe frühere Ausgaben dieser Hi-Tech-Kolumne).

III.
Der revolutionäre Aufreger Olympus-E
Olympus wagt etwas, das entweder zur Revolution oder zum Flop wird. Ich greife hier ein wenig zurück, auf eine Reise nach Japan, zum heutigen Präsidenten und damaligen Olympus-Generaldirektor Masatoshi Kishimoto. In einer herrlich-kitschigen Teehauslandschaft mit Bergbächen, Brücken und Lampions, rund um uns kichernde Geishas und vor uns Shabu-Shabu und Teppanyaki, plauderten wir über Olympus’ Vergangenheit und Zukunft.

Olympus hatte gerade die Führungsrolle im Massen-Digitalgeschäft übernommen (mit Kameras wie der Camedia 800, die damals eine Sensation war und heute, gar nicht lange danach, wie ein VW-Käfer oder Lloyd 600 wirkt). Ich äußerte meine Enttäuschung über Olympus’ Rolle bei Spiegelreflexkameras. Immerhin war einst die OM-Serie (OM-1 bis OM-4) für viele Profis die
eleganteste, schlankste, innovativste Ausrüstung, ehe mit Minoltas legendärer 7000 die Zeit des Autofokus (automatische Entfernungseinstellung) kam. Die Managergeneration vor Kishimoto hat diese Entwicklung verschlafen. Kishimoto hörte die Kritik mit großer Geduld, schaute dann schlau und geheimnisvoll und sagte, vielleicht gebe es noch einmal ein Wunder wie die OM in der Digitalfotografie.

Nun ist klar: Dieses vermeintliche Wunder ist da und steht vor seiner Nagelprobe. Es heißt Olympus E-1. Die zierliche SLR soll – wie einst die OM – Kern des kleinsten, leichtesten und innovativsten Profi-Systems sein.
Die derzeit führenden Profi-Hersteller wie Canon und Nikon passen ihre Digital-SLRs der analogen Kleinbildumgebung an. Die Gehäuse entsprechen in Größe, Gewicht und Objektivbajonett den alten Analogen. Die Lichtsammel-Chips beziehungsweise CCD-Sensoren (die den alten Film ersetzen) der Spitzenkameras sind nun so groß wie das Kleinbildformat (24 x 36 mm), um die alten Analogobjektive brennweitengerecht einsetzen zu können.

Olympus hingegen sagt: Dies sei der falsche Weg. Man habe eine Chance auf Neubeginn; auf zierlichere Profi-Fotosysteme, die von innen nach außen gebaut sind, mit einem Lichtsensor im Zentrum, der nur zirka halb so lang und halb so breit sei wie das alte Kleinbildformat, mit dementsprechend kleineren und leichteren Objektiven. Olympus schuf dafür (als Vorreiter und Konsortiumsführer) ein neues Objektivbajonett als offenen Standard, der allen reformwilligen Herstellern zugänglich sein soll. Die Umstellung wird auch genützt, das bisherige Seitenverhältnis von 3:2 (Kleinbild) auf das vorteilhaftere 4:3 umzustellen, weshalb das ganze System auch „Four-Thirds-Standard“ genannt wird.

Weiteres Olympus-Argument: Ein innovativer Neuanfang sei schon deshalb intelligent, weil man für die Digitalfotografie ohnehin neue Objektive mit höherer Auflösung brauche. Die alten Analogobjektive entsprechen nur bedingt den Anforderungen der Lichtchips. Frank Späth, stellvertretender Chefredakteur von „foto-Magazin“: „Das Olympus-E-System beinhaltet völlig neu gerechnete Wechselobjektive, die in Sachen Auflösung alles vom Kleinbild her Bekannte hinter sich lassen sollen und die Pixel auf dem CCD-Sensor mit absolut senkrecht auftreffenden Lichtstrahlen versorgen. Das Ziel: zunächst mit weniger Megapixel (5 Megapixel, Anm.) und schlankeren Daten als die Konkurrenz sichtbar mehr Qualität erreichen, später mit höherer Auflösung völlig neue Maßstäbe setzen.“

Zum Verkaufsstart – angeblich September – werden folgende Objektive verfügbar sein (Brennweite umgerechnet auf Kleinbildäquivalent): die Zooms 28–110, 50–200, 100–400 und (ab Dezember) das wichtige Weitwinkelzoom 22–44 mm sowie als Festbrennweite ein 100-mm-Makro und ein 600-mm-Supertele, daneben wichtiges Profi-Zubehör wie Konverter, Zwischenring, Profi-Blitz, Ringblitz und Twin-Blitz für Makro-Arbeit, Powergriffe mit Extrabatterien und Hochformatauslöser sowie auswechselbare Mattscheiben und Okulare.

Beinah unglaubwürdig der kolportierte Kampfpreis für das Gehäuse der E-1: rund 2200 Euro.
Olympus-Geschäftsführer Anton Ofner hat trend eines der allerersten Testsets zugesagt. Interessant wird zweierlei sein: Wie wirkt sich der Gewichtsvorteil in der praktischen Arbeit aus, und liegt die Bildqualität näher bei der weit verbreiteten 6-Megapixel-Profi-Klasse oder näher bei der 10-plus-Megapixel-Superklasse? trend wird berichten.

IV.
10-MP-Digital-Rückteil als Leica-Sensation
Für eine hochelegante, elitäre Minderheit der Profis sind diese Nachrichten powidl. Die eisernen Leica-Fotografen mit den sündhaft teuersten und besten Objektivausrüstungen begeistert vielmehr, dass nun für ihre SLR-Bodys R8 und R9 (erstklassig, aber ohne Autofocus) ein auswechselbares Digital-Rückteil mit 10 Megapixel geliefert wird. Längst preislich abgehärtet und an Entsagung gewöhnt, schreckt sie der Preis von 4500 Euro nicht wirklich.

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