Der große Handynetz-Test

Welcher Mobilfunkbetreiber bietet das beste Netz? e!trend hat die vier heimischen GSM-Netze getestet und in 4202 Gesprächen auf 1345 Kilometern in ganz Österreich deren Stärken und Schwächen ermittelt.

Auf den ersten Blick ist der mausgraue VW Sharan relativ unscheinbar. Doch beim genaueren Hinsehen wird das Familienauto verdächtig: Aus dem Dach lugen zahlreiche Antennen, und durch die verdunkelten Scheiben sind grüne Blinksignale zu erkennen – da dürfte Hochtechnologie an Bord sein.

Doch nicht Geheimdienst oder Kriminalpolizei sind am Werk: Es ist ein Lauschangriff der besonderen Art, den e!trend für Sie durchgeführt hat. Das Ziel der geheimen Mission: der seit langem erste umfassende und unabhängige Qualitätstest der österreichischen GSM-Handynetze. An Bord des Minivans befanden sich demnach modernste Messgeräte, die über die Antennen am Dach Funkkontakt zu den Handynetzen herstellten und die Stabilität und Qualität der Verbindungen testeten.

Obwohl Handytelefonierer erwarten, überall in bester Qualität erreichbar zu sein, sieht die Realität anders aus. Wer kennt das nicht: Der Gesprächspartner ist nur schwer zu verstehen, die Verbindung reißt ab, oder man befindet sich überhaupt in einem Funkloch. Häufen sich solche Vorfälle, wächst die Unzufriedenheit mit dem bestehenden Betreiber. Und gerade jetzt machen die Angebote am Markt einen Wechsel schmackhaft: Zur Weihnachtszeit gibt es wieder Gebührengutschriften, Gratishandys und noch billigere Tarife. Und dank der Rufnummernportierung kann man seine bisherige Nummer einschließlich Vorwahl zum neuen Anbieter mitnehmen.

Doch die Frage ist: Wohin wechseln? Aus einer riesigen Auswahl an Tarifen muss der günstigste für die eigenen Bedürfnisse gefunden werden. Die Gebühren sind allerdings nicht das einzige Entscheidungskriterium: Welches Netz bietet den besten Empfang? Welcher Anbieter baut die stabilsten Gespräche auf? Und wo ist die Verbindungsqualität am besten?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat e!trend niemand Geringeren als Tellix, Europas größten unabhängigen Funkmessdienstleister, engagiert. Drei Tage lang fuhren Tellix und e!trend 1345 Kilometer durch Österreich. In 4202 Gesprächen wurden tausende Messwerte in den Netzen von A1, T-Mobile, One und tele.ring gesammelt. („3“ wurde nicht getestet, da dort, wo keine UMTS-Versorgung herrscht, das Netz von A1 verwendet wird. Tele2Mobil nutzt das Netz von One.)

Egal, ob malerisches Alpental oder geschäftige Innenstadt – weder Gesprächsabbrüche noch Verbindungsstörungen entgingen den sensiblen Messgeräten. Während der Fahrt zeigten sich die ersten Unterschiede: Immer wieder hatte ein anderer Betreiber die Nase vorn. Die Auswertung der Messdaten war dementsprechend spannend – welcher Anbieter hat das beste Netz?

Das Ergebnis ist verblüffend: Stolze 96 Prozent der 4202 Verbindungsversuche waren erfolgreich und von Anfang bis zum Schluss stabil, 98 Prozent davon waren auch störungsfrei. Das erste Ergebnis des e!trend-Tests ist also durchaus positiv: Alle vier Netzbetreiber verfügen den Messdaten zufolge über eine sehr gute Netzqualität.

Daniel Supp, Geschäftsführer und technischer Direktor vom Messdienstleister Tellix, analysiert: „Trotz der schwierigen topografischen Bedingungen in einigen Gegenden Österreichs ist die Netzqualität insgesamt hervorragend. Wir messen europaweit Handynetze und verzeichnen selten so gute Ergebnisse.“ Warum das so ist, erklärt Georg Pölzl, Vorsitzender der T-Mobile-Geschäftsführung: „Die gute Netzqualität ist das Resultat des starken Wettbewerbs am Mobilfunkmarkt. Gemessen an der Bevölkerung, gibt es in Österreich doppelt so viele Sendestationen wie in Deutschland.“ Ähnlich interpretiert auch One-CEO Jørgen Bang-Jensen das Ergebnis: „Gute Netzqualität und optimale Funkversorgung sind für Kunden in Österreich selbstverständlich.“

Um dies zu gewährleisten, stecken die Betreiber viel Geld in Ausbau, Wartung und Kapazitätssteigerung ihrer Netze:

T-Mobile investiert 2004 120 Millionen Euro (inklusive UMTS), One 90 Millionen (inkl. UMTS) und tele.ring allein bei GSM 45 Millionen Euro. Ständig führen die Anbieter intern Tests durch, um neue Standorte für Masten zu ermitteln, Antennen präziser auszurichten oder die Software der Funkelektronik zu verbessern.

Dennoch bestehen zwischen den Betreibern deutliche Unterschiede. Die Messergebnisse zeigen, wer die Optimierungsarbeit offensichtlich am effizientesten erledigt: Die Auszeichnung des besten Handynetzes im Rahmen des e!trend-Tests darf One für sich in Anspruch nehmen. Das One-Netz erreicht in beiden Kategorien (Verbindungsstabilität und Verbindungsqualität) die höchste Punktezahl. Besonders in den Städten sind die Ergebnisse überzeugend – und für CEO Bang-Jensen die Früchte kontinuierlicher Verbesserungsarbeit: „Die Qualität unseres Netzes ist Chefsache. Wöchentlich lasse ich mir genauestens Bericht erstatten.“ Doch Bang-Jensen will mehr: „Im Oktober haben wir ein zusätzliches Frequenzpaket erworben. Dieses werden wir nun gezielt für bessere Versorgung in Häusern einsetzen.“

Den Testsieg nur knapp verfehlt hat T-Mobile: Während die Ergebnisse auf Autobahnen und Landstraßen ausgezeichnet sind, hat die höhere Anzahl nicht zustande gekommener Anrufe in den Städten Punkte gekostet.

T-Mobile-Chef Pölzl: „Je mehr Kunden in einem Netz telefonieren, desto eher erreicht es seine Kapazitätsgrenze. Besonders in den Städten kann es daher zu blockierten Anrufversuchen kommen.“ In Klagenfurt, Graz und Linz gibt es die größten Schwierigkeiten, das liege an Verbesserungsarbeiten des GPRS-Datendienstes, die – laut Pölzl – genau zum Zeitpunkt des Tests stattgefunden hätten.

Die Dritte auf dem Stockerl, nur wenige Punkte abgeschlagen, ist Mobilkom: Das A1-Netz bietet zwar nahezu an jedem Punkt der Teststrecke Funkversorgung und erreicht in den Städten die zweitbesten Resultate, die Stabilität und Qualität der Verbindungen ist aber besonders auf Autobahnen und Landstraßen nicht ganz optimal. Mobilkom-Generaldirektor Boris Nemsic nimmt dieses Ergebnis zur Kenntnis, kritisiert jedoch die Messmethode des Spezialisten Tellix: „Wechselt man während des Telefonats die ‚Location Area‘ (eine Gruppe von Sendeanlagen; Anm.), muss das Handy nach dem Gespräch ein Update seiner Position durchführen. Je kürzer die Pause zwischen zwei Gesprächen, desto eher ist dieses Update noch nicht beendet und desto eher kann die neue Verbindung nicht aufgebaut werden. Die im Test festgelegte Pause von 15 Sekunden ist dafür zu kurz gewählt.“

Tellix-Chef Supp kontert: „Unsere Methode hat sich im langjährigen Einsatz bewährt und bringt stabile Ergebnisse. Außerdem zeigen die insgesamt hervorragenden Resultate der Funknetze (auch die von A1), dass die Länge der Pausen zwischen den Testanrufen keinerlei Einfluss auf die Resultate hatte.“ Abgesehen davon sei es wohl dem Endkunden überlassen, welche Pausen er zwischen den Gesprächen wähle, so Supp. Auch die anderen Netzbetreiber schließen sich der Kritik von Mobilkom nicht an, bei One ist man sogar der Ansicht, dass kurze Pausen zu selektiveren Testergebnissen führen.

Auch für die – auf hohem Niveau – vergleichsweise weniger guten Ergebnisse bei der Verbindungsqualität hat Nemsic eine Erklärung: „Im A1-Netz werden mit ‚DTX‘ und ‚Frequency Hopping‘ Verfahren zur effizienteren Funkübertragung eingesetzt. Die Verwendung des RxQual-Wertes zur Analyse der Verbindungsqualität kann in Netzen mit diesen Technologien zu Fehlinterpretationen führen.“ Der Vollständigkeit halber: Auch die anderen Netzbetreiber verwenden nach eigenen Angaben „Frequency Hopping“, kritisieren die Methode von Tellix jedoch auch in diesem Punkt nicht.

Im Oktober hat Mobilkom für die weitere Qualitätsverbesserung zwei zusätzliche Frequenzpakete ersteigert. Außerdem verweist Nemsic auf eigene – von der Technischen Universität Wien überprüfte – Messungen, deren Ergebnis zufolge das A1-Netz stets an erster Stelle liege.

Das Schlusslicht des e!trend-Tests ist tele.ring: Da der Netzbetrieb erst vor viereinhalb Jahren gestartet wurde, ist offenbar noch einige Optimierungsarbeit zu leisten. Hervorragende Werte im ländlichen Bereich sowie in Salzburg und Klagenfurt stehen einer hohen Zahl an blockierten Anrufversuchen in Wien, Linz und auf Autobahnen gegenüber. Michael Krammer, Vorsitzender der Geschäftsführung: „tele.ring verzeichnet den größten Kundenzuwachs aller Handyanbieter. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck an der Erweiterung unserer Kapazitäten.“

Krammer kann das Testergebnis nachvollziehen: „Der e!trend-Test spiegelt die aktuelle Situation unseres Netzes genau wider: In Salzburg und Klagenfurt ist die Netzverdichtung bereits abgeschlossen, in Wien, Linz und Graz sind wir in Kürze fertig.“ Alleine in Wien würden bis Ende des Jahres 60 neue Sendestationen in Betrieb gehen, österreichweit seien es 120 Stück: „Darüber hinaus haben wir ein zusätzliches Frequenzpaket ersteigert, wodurch weitere Verbesserungen bei der Netzqualität zu erwarten sind.“

Trotz vieler Anstrengungen der Anbieter, ihre Netze weiter zu verbessern, ortet eine aktuelle Studie der Technischen Universität Wien Qualitätsverschlechterungen im Vergleich zu früheren Studien. Studienautor Harmen R. van As, Professor am Institut für Breitbandkommunikation: „Die Netzbetreiber stecken offensichtlich nicht mehr so viel Geld in die Netzinfrastruktur wie notwendig, wodurch die Qualität auf der Strecke bleibt.“

Doch höhere Investitionen seien dringend nötig, da die Netzkapazität an das gestiegene Gesprächsvolumen angepasst werden müsse. Er fordert die Netzbetreiber auf, zur Kostenwahrheit zurückzukehren, um Investitionen im nötigen Ausmaß tätigen zu können.

Eine Aufforderung, der sich übrigens auch T-Mobile-Chef Pölzl anschließen kann: „Nur wenn der weitere Preisverfall bei den Tarifen verhindert wird, kann die gute Qualität der heimischen Netze langfristig garantiert werden.“

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