Der Gleitflug der Glückskinder

Die „Goldene Generation“ kommt ins Alter und verlässt allmählich die Bühne. Wie geht es ihr dabei?

„Alt und gut“
Volksspruch, alt und gut

Der folgende Aufsatz ist doppelt subjektiv. Erstens als Meinungskolumne. Zweitens, weil ich selbst Teil des Themas „Goldene Generation“ bin.

Neuen und blutjungen LeserInnen sollte man erklären, was darunter verstanden wird: jene Generation von ÖsterreicherInnen, die wie ein fett glänzender Fleck auf der Suppe der Geschichte schwimmt. Eine Generation, von der es heißt, sie habe alles Glück dieser Welt gepachtet; die bisher einzige, der es sowohl besser als den Eltern wie auch besser als den eigenen Kindern ging.

Sie umfasst streng genommen nur ein Jahrzehnt, von den Geburtsjahrgängen 1940 bis etwa 1950. Das heißt: Die älteren unter den goldenen Männern haben nun das bisher gültige Pensionsalter für Männer erreicht, die jüngeren gehen in die Zielgerade ihrer offiziellen, aktiven Laufbahn. Und wie es so ist, bereichern sie nun täglich die Seiten mit den schwarzen Rändern, mit denen konservative Tageszeitungen, deren spannendster Teil die Todesanzeigen sind, viel Geld verdienen.

Die Partezettel der Goldenen sind auffällig groß, weil sie überdurchschnittlich oft überdurchschnittlich erfolgreich waren und meistens noch sind; durch eigenes Verdienst und eine günstige Laune des Schicksals. Sie profitieren bis heute von dreierlei:

  • Sie haben die Schrecken des Zweiten Weltkriegs nicht miterlebt, oder dessen Ausläufer als Kinder, die nichts begriffen.
  • Die Trümmerjahre bis zum Staatsvertrag 1955 wurden mit der Fröhlichkeit der Kindheit abgefedert. Man erlebte dann traumverloren und warm die Freude der Eltern über das Wirtschaftswunder. Die Wucht der damaligen, materiellen Freuden ist heute kaum nachvollziehbar: Nicht mehr hungern, nicht mehr frieren, der erste schöne Mantel, der Luxus des ersten Wirtshausessens, vielleicht sogar mit Zigeunermusik, die eigene Wohnung, das eigene, selbst gebaute Haus, dann der Hype des Mobilen: Puch-Fahrräder, Puch-Mopeds, Puch-Motorräder, schließlich der erste VW Käfer, Opel Olympia oder Ford Taunus.
  • Wenn ein Goldener die Hochschule absolvierte, standen die großen Firmen, nicht zuletzt die US-Multis, schon begehrlich auf der Matte. Selbst als 19-jähriger HTL-Maschinenbau-Absolvent mit allerdings glänzendem Zeugnis erhielt ich 1965 von der US-europäischen Ford Motor Company ein Offert, von dem heutige Uni-Absolventen nur träumen können. Gemessen an der damaligen Kaufkraft, lag es zirka beim Doppelten. Da rede ich noch nicht von einem Dienst-Ford 20M Coupé mit Radio und Rennfelgen, der damals etwa einem Fünfer-BMW entsprach.

Typisch für jene Zeit: Selbst wenn du Angebote wie dieses ausschlugst, praxisferne Uni-Studien wie Nationalökonomie wähltest und schließlich – durch die Gründung des trend – in den Journalismus scheitertest, ging es dir gut. Man darf sagen: Wer damals kein Bein auf den Boden brachte, wäre heute, da es den Nachfahren schlechter geht, praktisch lebendig begraben.

So viel zu den Grundlagen der Goldenen Generation. Wie geht es ihr jetzt, nachdem sich für die meisten der Flugkurs eines schönen Lebens neigt? Antwort: Es geht den Gleitfliegern schlecht. Sie haben nicht nur die normalen Erniedrigungen des Alterns zu ertragen wie Geschwindigkeitsverlust und Gewichtsgewinn. Das Verebben des Applauses ist für Goldene eine Katastrophe. Sie waren zeitlebens Akklamation gewöhnt. Sie fallen aus fortwährenden Wärmepackungen in die „Schrecken des Eises und der Finsternis“ (Ransmayr).

Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sie auch dabei durch ein günstiges Geschick abgefedert werden. Der Jugendkult ist abgesagt. Man sucht wieder Erfahrung: im Kaufmännischen in Form seriöser Kalkulation, doppelter Buchführung und Menschenkenntnis; im Technischen in einer Bodenhaftung, damit die Geräte nicht nur virtuell genial sind, sondern auch funktionieren.

Der letzte Triumph der glücklichen, daher gesunden und langlebigen Goldenen Generation wird im Politischen liegen. Ein ohnehin günstiges Karma befiehlt, dass die Goldenen als „Silberne Panther“ auch die ersten Alten sind, die aufgrund ihrer demografischen Menge über Sieg und Niederlage bei politischen Wahlen entscheiden.

Prognose: Bald werden die immer wunderlicher werdenden Silberpanther das Land mit greisen Bedingungen in Angst und Terror versetzen. Ich als Teil davon werde gerne als Scharfschütze dienen. Man möge mich weiterhin höflich grüßen.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente