Das persönliche Wissensmanagement

Was für Firmen interessant wurde, ist auch dem Einzelnen nützlich: Erwerb, Lenkung und Verwaltung des Wissens.

Das Wissensmanagement von Unternehmen ist eine relativ junge Disziplin. Es ist eine spannende und fordernde Aufgabe. Im Idealfall soll es die jeweils „richtigen und wichtigen“ aktuellen Informationen in alle Ecken des Unternehmens lenken, möglichst entstaubt und maßgeschneidert – für den Aufsichtsrat und den Finanzvorstand ein anderes Info-Bündel als für den Portier.

Soweit sich Firmen darauf beschränken, geht es eigentlich um Info-Management, nicht Wissensmanagement. Eine höhere Stufe sähe vor, auch alle News und Forschungsschritte der Branche in die Firma zu trichtern; schließlich auch die firmenspezifischen wichtigen politischen und nationalökonomischen Veränderungen. Erst wenn man diese relativ hohe Stufe der Info-Verarbeitung auch noch mit der internen Weiterbildungspolitik verzahnt, könnte man korrekterweise von Wissensmanagement sprechen.

Die japanische Firma Toyota, die in der Autoindustrie derzeit eine vergleichbar brillante Rolle spielt wie einst IBM in der

Datenverarbeitung, ist auch im Info-Management vorbildlich. Vor allem versteht man es, die Mitarbeiter in ein warmes Vollbad motivierender Infos zu tauchen. Selbst die Fließband-Bienen werden mit fröhlichen Jingles über neue Modelle, neue Rekorde und neue Firmenziele benetzt.

Jüngstes Beispiel: Als der dynamische Chairman Hiroshi Okuda beschloss, offiziell auf 15 Prozent Marktanteil loszugehen (womit man endgültig General Motors vom ersten Platz verdrängen würde, was beim Profit längst der Fall ist), wurden die Mitarbeiter mit bunt flatternden „15%!“-Fahnen davon unterrichtet.

Von der Presse darauf angesprochen, fragte der ruhige, zurückhaltende Präsident Fujio Cho: „Ah, ist das durchgesickert?“ Das ist eine der witzigsten Fragen der Wirtschaftsgeschichte. Die Info-Aktion hatte alle 260.000 Mitarbeiter Toyotas erreicht.

II. Nun zum Versuch, das moderne Unternehmenswerkzeug Wissensmanagement auf uns karrieresüchtige Individuen erfolgreich umzulegen. Egoistisch, also vernünftig gefragt: Bringt das was?

Der trend sagt: Seien Sie skeptisch. Die aktuelle Coverstory auf Seite 148 weist nach: Vieles, was am Seminar- und Weiterbildungssektor daherfleucht, ist das Papier nicht wert, auf dem es angekündigt wird. Und natürlich hat er Recht.

Ich glaube: Manches kann aber sinnvoll sein und kann auch Spaß machen, wenn man es richtig angeht. Wir erfinden daher an dieser Stelle das Persönliche Wissensmanagement, in bewährter Manier PW abgekürzt, so wie der „Erfolgsfaktor PE“ in den beiden letzten trend-Ausgaben für Persönliche Energiebilanz stand.

Zielformulierung: Die idealen Wege zu finden, um bald ad Info und reinem Wissen (Bildung) ideal gerüstet zu sein. Also: „Attacke!“, wie mein Freund Tamotsu Futamura (ein Weltklasse-Profifotograf) gerne schrie, wenn er ein neues berufliches Ziel ins Auge fasste.

III. Angriffspunkt 1
Die unmittelbare Fach-Info

Das theoretisch leichteste Vorhaben. Wer nicht schon heute alles getan hat, um die wesentlichen Fakten über die eigene Firma und die eigene Branche in einem gut routinierten Info-Flow zu organisieren, hat vom Charakter her ohnehin schlechte Karten für die große Karriere. Man könnte es dabei bewenden lassen. Dennoch mag eine Ergänzung sinnvoll sein.

Meine Beobachtung in dreißig Jahren Wirtschaftsjournalismus geht dahin, dass selbst ambitionierte Freunde zu meinem Entsetzen oft erbärmlich wenig über ihr engstes Arbeitsumfeld wissen. Nicht einmal das Firmenmagazin und dessen News werden gelesen, geschweige denn internationale Magazine, die es für jeden Berufsstand reichlich gibt. Ich bekam einmal ein Fachmagazin über „Automotive Manufactoring“ (oder so ähnlich) in die Hand und war als Zeitungsmann richtig erregt. Obgleich das Magazin eine extrem schmale Zielgruppe ansprach, war es erstklassig auf schwerem Papier gedruckt und teuer gestaltet. Es hatte auch enormen Umfang, weil es offenbar für hoch spezialisierte Inserenten das geschäftlich interessanteste Medium war. Ich kannte keinen einzigen dieser Inserenten (abgesehen von Siemens, Bosch und SAP). Ich verstand auch vom Inhalt kein einziges Wort, weiß aber, dass ich teure Hefte abonniert hätte, wäre ich in dieser Branche tätig.

  • Bei uns machen Leute Karriere, die selbst dieses Minimum an privater Mühe scheuen. Das bedeutet leider: Wenn schon die Einäugigen Erfolg haben, muss es viele Blinde geben. Positiv gesehen: Wer sich hierzulande ein wenig Extramühe gibt, wird den Erfolg kaum vermeiden können.
  • Tipp 2 nach dem Tipp 1 (Firmen- und Branchenzeitungen): Lernen Sie endlich, mit dem Internet und den Suchmaschinen à la Google und Yahoo ordentlich (also kundig und lustvoll, nicht ängstlich) umzugehen. Es wird zu einem globalen Info-Abenteuer werden. Die Schwierigkeit wird nicht darin liegen, etwas zu ihrem Beruf zu finden, sondern die Fülle zu kanalisieren. Man kann auch das durch fortwährende Übung lernen. Es wächst sogar eine Art Instinkt fürs Brauchbare.
  • Tipp 3: Vieles vom Interessantesten werden Sie nur in englischer Sprache finden. Dies wird motivieren, die wichtigste Fremdsprache zu perfektionieren. Bis dahin empfehle ich als
  • Tipp 4: Installieren Sie die Microsoft-Enzyklopädie „Encarta“ auf Ihrem PC. Wählen Sie die DVD-Variante (alles auf einer Silberscheibe) und kopieren Sie den Inhalt gleich auf die Festplatte, was dank der Encarta-Programmierer mit einem einzigen Klick geht. Grund der Empfehlung: Encarta liefert nicht nur das Standardwissen eines Bildungsbürgers in denkbar lebhaftester Form (mit vielen Multimediahilfen wie Audio, Animation, Video, 360-Grad-Panoramen etc.), sondern hat auch ein gut handhabbares Englisch-Deutsch/Deutsch-Englisch-Wörterbuch an Bord.
  • Tipp 5: Theoretisch können Sie alle Fundstücke per „copy and paste“ gleich im PC auf ein eigenes Sammeldokument übertragen. Die meisten Heutigen allerdings fühlen sich immer noch wohler, gedrucktes Material zu studieren. Zu diesem Zweck sollten Sie Ihren Geiz überwinden und endlich einen der preiswert gewordenen Personal Laser Printers kaufen. Normalerweise wird ein Schwarz-Weiß-Laser-Printer genügen, der schneller ist und auf die Dauer billiger kommt als ein Inkjet-Printer. Wenn Sie dann noch in drei Leuchtfarbmarker der Farben Rosa, Blau und Gelb investieren, sind Sie gerüstet, bald mehr über Ihren Beruf zu wissen als Ihre Chefs – auf internationaler Basis.

IV. Angriffspunkt 2
Die mittelbare Info

Je höher einer steigt oder steigen will, desto weniger darf er sich mit dem unmittelbaren Berufsumfeld zufrieden geben. Dann ist Generalismus gefragt. Spätestens bei Business-Dinner-Gesprächen fällt einer unangenehm auf, der nur für eine Nabelschau zu brauchen ist. Ein grober Überblick in den Feldern Wirtschaft, Politik, Technologie und Kunst ist unabdingbar.

  • Tipp 6 für Wirtschaft: Wählen Sie ein gutes Wirtschaftsmagazin (am besten jenes, das Ihnen so schlaue Tipps gibt), einen renommierten Management-Letter (ich empfehle Prof. Malik, St. Gallen) und als hervorragenden internationalen Überflieger den britisch-amerikanischen „Economist“.
  • Tipp 7 für Politik: Wählen Sie ein gutes Nachrichtenmagazin (ich empfehle „profil“) und für eine internationale Vogelschau abermals den „Economist“ oder die internationalen Ausgaben von „Time“ und „Newsweek“.
  • Tipp 8 für Technologie und Kunst: Hier empfehle ich, an einem gut sortierten internationalen Bahnhofskiosk alle einschlägigen Magazine zu kaufen und auf individuellen Geschmack zu prüfen.
  • Tipp 9: Die großen deutschsprachigen Tageszeitungen à la „NZZ“ („Neue Zürcher“), „FAZ“ („Frankfurter Allgemeine“) und „Süddeutsche“ bestreichen alle Felder ziemlich gründlich, gehen aber auf Tagesbasis stark ins Geld. Während der Woche begnüge ich mich mit der Online-Ausgabe (nicht nur der genannten Zeitungen, auch der österreichischen und mindestens einer anderen aus jedem Kontinent). Mit Bargeld kaufe ich nur die üppigen Wochenendausgaben, die zugleich viele Bildungswünsche befriedigen (siehe Angriffspunkt 3), weil sie hervorragendes Feuilleton bieten.
  • Tipp 10: Ad Fernsehen empfehle ich, alles Interessante auf einem der neuen Festplatten-Videorecorder (Platz für zirka 25 Stunden und endlich leicht programmierbar!) zu sammeln und an verregneten Wochenenden entspannt zu konsumieren.

V. Angriffspunkt 3
Reines Wissen und Bildungsaufbau

Theoretisch gibt es abgehobenes, nutzloses Wissen und eine Bildung, die weder im Alltag noch im Beruf gebraucht wird. Tatsächlich ist dies Unsinn. Alles, was man im Kopf hat, verzinst sich irgendwann auf wunderbare Weise.

Bildung inklusive Herzensbildung ist für einen hohen sozialen Status unverzichtbar. Und was das Wissen betrifft (das ein Teilbereich der Bildung ist, neben manchen Zivilisationstechniken), so gibt es ein weiteres, gefährliches Vorurteil: Man müsse Wissen nicht im Kopf haben. Es genüge zu wissen, wo man das Wissen finde.

Richtig ist, dass man möglichst viel davon mit sich tragen sollte. Wie lächerlich einer, der im Gespräch ständig beteuert, er könne dieses und jenes zwar jetzt nicht sagen, wisse aber genau, dass er es in einem roten Buch seiner Bibliothek fände oder auf der Website www.heureka.com.

Erfahrungsgemäß sind die schönsten Formen des Zuwachses an Wissen und Bildung mit Reisen und Büchern verbunden, auch mit der pfleglichen Bekanntschaft anregender Menschen.

Konkrete Empfehlungen verbieten sich hier. Auch deshalb, weil nur einer, der seine Lücken kennt, weiß, welche Zähne er braucht.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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