Breitband: Völlig losgelöst

Wofür noch einen Internetzugang über Telefonkabel? Jetzt bieten die Mobilfunkbetreiber das Internet für unterwegs mit UMTS-Geschwindigkeit. trend hat es ausprobiert.

Das ist ein erstes Tröten ins Horn“, posaunt Berthold Thoma. „Unser Angebot ist eine klare Kampfansage an das Festnetz.“ Der Chef des UMTS-Netzbetreibers „3“ macht kein Hehl daraus: Abseits vom Handygeschäft will er nun auch als Internet-Provider wahrgenommen werden – vor allem von den Managern und Business-Menschen, die darauf angewiesen sind, mit ihrem Laptop unterwegs einen raschen Zugriff auf Unternehmensnetzwerk und Internet zu haben. Einfach eines der „3“-UMTS-Handys an das Notebook anschließen, schon lässt sich im Netz surfen, zeigt Thoma vor und meint: „Es wird schon bald zu einer Substitution des Festnetzes kommen.“

Georg Pölzl, Vorsitzender der Geschäftsführung von T-Mobile Austria, hat noch Spannenderes zu bieten. Er offeriert eine eigene – gegen eine Kaution gratis erhältliche – Datenkarte, die direkt in den Laptop eingeschoben wird und auch ohne neues UMTS-Handy eine Verbindung über ein Mobilfunknetz herstellt – und das mit UMTS-Geschwindigkeit (384 Kilobit pro Sekunde): „Wir wenden uns an jene, die ihren Festnetz-Telefonanschluss nur noch wegen des Internet haben.“ Sein Credo: Internet aus der Steckdose ist out, Mobilität ist alles.

Telekom ade? Was geschieht hier? Es sind dies die ersten Anzeichen dafür, dass die Entwicklung, wonach immer mehr Menschen auf ihren herkömmlichen Telefonanschluss verzichten und zum Telefonieren nur noch ihr Handy verwenden, nun auch auf das Internetgeschäft übergreifen könnte. Und zwar ab sofort; immerhin haben in den vergangenen Wochen auch die beiden Mobilfunk-Netzbetreiber Mobilkom und One entsprechende Datenkarten (um je 39 Euro pro Karte) mit neuen Tarifen auf den Markt gebracht; tele.ring wird möglicherweise im ersten Halbjahr 2005 folgen.

„Bisher war es unterwegs höchstens interessant, Mails abzurufen“, erklärt Hannes Ametsreiter, Marketingvorstand der Mobilkom, das Revolutionäre an den kleinen Einsteckkarten für den Laptop, „doch jetzt können wir die passende Geschwindigkeit für den mobilen Zugriff auf die volle Funktionalität des Internet anbieten. Damit können wir nun die Kundenbedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe voll und ganz befriedigen.“ Und One-Geschäftsführer Jørgen Bang-Jensen frohlockt: „Das ist die Fortführung unserer High-Speed-Strategie“, die One mit seinen High-Speed-Handys schon vor Jahren begonnen hat – nur dass jetzt eben erstmals wirklich hohe Geschwindigkeiten und damit ein komfortables Nutzen des mobilen Internet möglich ist.

Preisaggressiv. Und es ist erschwinglich geworden. Kostet der Datentransfer von einem Megabyte über ein herkömmliches Handy (also via GSM- bzw. GPRS-Technologie) bis zu 6,40 Euro und durchschnittlich immerhin rund einen Euro, verlangen die Netzbetreiber für die gleiche Leistung mittels zehnmal schnellerer UMTS-Datenkarte nur noch fünf bis sieben Cent. „Wir sind hier sehr preisaggressiv und haben bewusst versucht, ein vergleichbares Festnetzangebot nachzustellen“, erklärt T-Mobile-Chef Pölzl.

Konkret geht es um die gewünschte Vergleichbarkeit mit den ADSL-Angeboten der Internet-Provider. ADSL ist jene Breitbandtechnologie, auf die die meisten Konsumenten derzeit umsteigen, um schneller – und zwar bis zu 1024 kbit/s schnell – im Internet zu surfen. Der Großteil der User greift aber zu einem der etwas günstigeren Angebote mit einer Download-Geschwindigkeit von 768 kbit/s – real kommt man aber damit oft nicht über 500 bis 600 kbit/s hinaus. Und damit ist ADSL nur noch doppelt so schnell wie UMTS, wobei T-Mobile-Chef Pölzl sogar behauptet: „Unserer Erfahrung nach ist UMTS effektiv fast genauso schnell wie ADSL.“

Auch preislich können die UMTS-Datenangebote der Netzbetreiber erstmals tatsächlich mit den ADSL-Providern mithalten. So liegt das günstigste Angebot für 500 Megabyte ADSL-Datenvolumen bei derzeit 28,90 Euro. Für die gleiche Datenmenge via UMTS-Datenkarte sind rund 35 Euro zu bezahlen; das Daten-Zusatzpaket „3Plus 500 MB“ für ein „3“-Handy kostet sogar nur 29 Euro. „Das ist preislich schon sehr nah dran, aber natürlich kostet Mobilität immer etwas mehr“, betont Mobilkom-Vorstand Ametsreiter. In der gehobenen Business-Zielgruppe sollte die Differenz von ein paar Euro, so Ametsreiter, aber nicht wirklich ausschlaggebend sein.

Allerdings haben die Netzbetreiber eine Unsitte der Provider-Branche übernommen, nämlich die Pauschalabrechnung von zumindest 500 MB pro Monat. Nur wer wirklich diese 500 MB ausnützt, zahlt die erwähnten fünf bis sieben Cent pro Megabyte. Tatsächlich kommt ein durchschnittlicher User nach bisherigen Erfahrungen selten an diese Grenze und zahlt somit für eine Dienstleistung, die er gar nicht braucht. So schätzt „3“-Chef Thoma, dass die meisten User nur rund 200 bis 300 MB nutzen; laut Ametsreiter liegt die durchschnittliche Transferrate bei A1 sogar nur bei 70 MB. Thomas Erklärung für die Pauschaltarife: „Das sind gelernte Modelle und ist wichtig für unsere Positionierung. Wir wollen bewusst Vergleichbares zu ADSL anbieten.“

Karten-Boom. Dennoch wird kaum mehr als ein Bruchteil der knapp 500.000 ADSL-User auf UMTS umsteigen. Das wissen auch die Netzbetreiber, die von 20.000 interessierten Business-Kunden ausgehen. „Dazu kommen noch all jene Haushalte, die aufgrund unseres Angebots ihr Festnetz abmelden werden“, erklärt One-Chef Bang-Jensen. Wie viele das sein werden, lässt sich aber nicht abschätzen.

„Wir sehen unsere Datenkarte auch weniger als Versuch der Kannibalisierung, sondern mehr als komplementäres Angebot zu den vorhandenen Internet-Providern“, gibt sich Ametsreiter mit der Mobilkom-Mutter Telekom Austria im Rücken etwas zahmer als seine Kollegen. Doch gerade bei der Mobilkom setzte in den vergangenen Wochen ein regelrechter Run auf die Datenkarten ein. „Derzeit verkaufen wir pro Tag an die 100 Karten und liegen derzeit (Ende November; Anm.) bei über 4000 Usern“, sagt Ametsreiter. Bei 10.000 UMTS-Kunden insgesamt ist das immerhin schon bald die Hälfte.

Sind die Datenkarten also derzeit nur eine Verlegenheitsgeste, um das UMTS-Netz zu füllen? Natürlich nicht, schallt es von allen Seiten. Das seien zwei Schienen, die parallel angeboten werden. „Außerdem wird im Jahr 2005 der große Umbruch stattfinden“, meint Ametsreiter, der damit rechnet, dass schon demnächst mehr UMTS-Handys als herkömmliche Mobiltelefone verkauft werden.

Kollege Pölzl von T-Mobile ist da allerdings skeptischer: „Im Moment sind für uns die Breitband-Internetzugänge mittels Datenkarte wichtiger als UMTS-Handys.“ Das Problem sei, dass die UMTS-Geräte noch immer nicht deutlich besser seien als die bisherigen GSM-Handsets: „Wir haben das Potenzial der GSM-Technologie unterschätzt.“ Vieles von dem, was erst UMTS können sollte, ließe sich jetzt schon mit GSM umsetzen. Pölzl: „Solange es keine UMTS-Handys mit deutlichem Mehrwert für die Konsumenten gibt, werden wir bei UMTS auf das mobile Breitband setzen.“

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