BlackBerry: Luftpost für alle

Der BlackBerry ist das liebste Spielzeug und das wichtigste Statussymbol von Top-Managern. Jetzt bekommt die Technologie, Mails auf das Handy umzuleiten, Konkurrenz – und wird so für jedermann interessant.

Attila Dogudan ist selten hinter seinem Schreibtisch anzutreffen. Und doch ist er immer per Mail erreichbar – egal, ob beim lokalen Fischhändler oder im Paddock-Club des nächsten Formel-1-Rennens. „Für mich ist es lebensnotwendig, rasch zu reagieren“, erklärt der Chef des Catering- und Restaurantunternehmens Do&Co, „die Geduld von Geschäftspartnern, auf eine Antwort zu warten, wird immer geringer.“ Musste dazu Dogudan bislang stets ein Notebook mit sich herumschleppen, um via Mobilfunk seine elektronische Post abrufen zu können, hat er neuerdings oft nur noch ein handtellergroßes Gerät namens BlackBerry bei sich, auf das sämtliche Mails automatisch und ohne Zeitverzögerung geschickt werden: „Wir haben BlackBerry bei uns implementiert, um künftig noch schneller agieren zu können.“

Der BlackBerry ist seit vielen Monaten Top-Thema für Manager und andere wichtige Personen, für die die ständige und sofortige Erreichbarkeit zum täglichen Business gehört. Das kanadische Unternehmen Research In Motion Limited (RIM) hatte vor sechs Jahren die Idee, Mails auf das Handy zu schicken, ohne dass der Benutzer seine Mailbox extra und zeitraubend abrufen muss. RIM nannte das vorerst nur für Unternehmen und seine Mitarbeiter einsetzbare System BlackBerry und hat damit seither nahezu das Monopol auf schnellen Mail-Versand. Vor zwei Jahren vergrößerte RIM dann noch sein Kundenpotenzial durch die Einführung der Prosumer genannten Lösung für alle Endkonsumenten (inzwischen in Österreich angeboten von den Mobilfunkern A1 und T-Mobile).

Überlegene Alternativen. Doch nun kommt der Markt rund um die so genannten Push-Mails in Bewegung. Schließlich wird die Technologie von den potentesten Kunden der Mobilfunkbranche genutzt. Einer Analyse des internationalen Beratungsunternehmens DiamondCluster zufolge sollen die Umsätze des mobilen e-Mail-Versands in Österreich von 6,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 14,4 Millionen im Jahr 2007 steigen. Und laut einer GfK-Studie interessieren sich mittlerweile 28 Prozent der Österreicher für mobile Mail-Lösungen.

Kein Wunder, dass nun erstmals alternative Anbieter und auch Netzbetreiber auf den Markt drängen:

  • Seit Februar bietet das Berliner Unternehmen Space2Go eine neue Lösung für Endkunden an, die – so zeigt der trend-Test – BlackBerry in vielerlei Hinsicht sogar überlegen ist (derzeit u. a. möglich mit dem Sony Ericsson P900/P910). Space2Go-Geschäftsführer Christian Huthmacher: „Was Manager schon lange haben, bringen wir nun in die Consumerwelt. Darauf haben Millionen von Verbrauchern gewartet.“
  • Nokia liefert nun erstmals ein Handy, das Multimedia-Modell 7710, mit einer „Always-on“-Lösung des finnischen Unternehmens Smartner aus, was den Zugang der User zu Push-Mail enorm erleichtert. Und die erwähnte Space2Go-Software gibt es speziell auch für die Nokia-Communicator-Modelle 9300 und 9500, für die übrigens auch demnächst ein passender BlackBerry-Client existieren soll. „Es wird heuer noch eine Fülle an neuen Lösungen für den Privatkundenbereich geben“, erklärt Nokia-Produktmanager Alexander Lamatsch, für den mittlerweile BlackBerry nur ein Angebot von vielen ist: „Jeder Kunde hat andere Bedürfnisse, darum sind wir für alle neuen Produkte dieser Art offen, um unseren Kunden ein möglichst breites Portfolio bieten zu können.“
  • Der deutsche Netzbetreiber Vodafone hat auf der Elektronikmesse CeBIT eine eigenständige Push-Lösung für Endkonsumenten vorgestellt. „Wir bieten eine Alternative zur BlackBerry-Prosumer-Lösung mit besserer Funktionalität und offen für alle Handys“, erklärt Produktmanagerin Brigitte Maier. Das Vodafone-Produkt ist in Deutschland ab 16,80 Euro pro Monat erhältlich – und wird in den nächsten Wochen vom Kooperationspartner Mobilkom nach Österreich gebracht, bestätigt Mobilkom-General Boris Nemsic: „Push-Mail ermöglicht Kunden den mobilen Austausch von Mails mit der Leichtigkeit von SMS.“ Und das sei inzwischen nicht nur für Manager von Bedeutung: „Ich bin mir sicher, dass jeder Mensch, der mit Mails zu tun hat, mit der Zeit die Vorteile mobiler Mail-Lösungen schätzen lernt.“
  • T-Mobile setzt weiterhin stark auf den BlackBerry und liefert seit März das Siemens SK65 (neben dem Organizerhandy MDAIII als zweitem Gerät) mit BlackBerry-Software aus. Dennoch wird es noch heuer eine Alternative geben: den auf der CeBIT vorgestellten SideKick II, ein spezieller Handheld (der Nachfolger des Hiptop, den One im Angebot hatte) mit vollwertiger Push-Software.

T-Mobile-Chef Georg Pölzl zeigt sich begeistert: „Push-Mail wird für den Endkundenmarkt heuer ein sehr wichtiges Thema. Der SideKick ist ein genau auf diese Bedürfnisse zugeschnittenes Multifunktionsgerät.“

Und auch One und Hutchison kündigen auf Nachfrage an, noch heuer ähnliche Produkte und Lösungen für ihre Endkunden einführen zu wollen.

Angesichts dieser Fülle an neuen Angeboten wird sich RIM mit seinem BlackBerry gehörig ins Zeug legen müssen, um weiterhin erste Adresse für elektronische Expressbriefe zu bleiben. Die neuen BlackBerry-Endgeräte wie das Modell 7100 mit relativ unbrauchbarer Tastatur (Doppelbelegung von Tasten) werden da kaum reichen.

Im trend-Test der bereits vorhandenen Lösungen konnte sich zwar BlackBerry noch behaupten, was die Geschwindigkeit der Mail-Zustellung betrifft, in Sachen Funktionalität und Service kann die Prosumer-Lösung aber schon heute nicht mehr mit alternativen Produkten mithalten. Überzeugt hat vor allem das Smartphone Sony Ericsson P910i mit dem Space2Go-Mail-System. Für Sony-Ericsson-Produktmanager Andreas Burtscher ist klar: „Was zählt, ist die Funktionalität, nicht der Name dahinter. Mit der Vormachtstellung des BlackBerry wird es darum schon bald vorbei sein.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente