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Österreich sollte das europaweit erfolgreichste Schulsystem kopieren – jenes von Finnland.

Braucht Österreich eine totale Schulreform? Fragt man Vertreter der Wirtschaft, hört man in erster Linie einmal: Skepsis. Man hört warnende Worte vor Gleichmacherei und Experimenten aller Art. Aber auch viel Gejammer darüber, dass die Lehrlinge dumm und die Schulabgänger weltfremd sind.

Zur Wiederholung ein zentrales Ergebnis der PISA-Studie: Zwanzig Prozent der Schüler sind sehr schlechte Leser. Nur Ignoranten können da noch behaupten, dass unser Schulsystem auf der Höhe der Zeit ist, denn bekanntlich sind Leute, die schlecht bis kaum lesen können, für jeden Bauunternehmer, für jeden Tischler, ja in jeder Fabrikshalle unbrauchbar. Und noch ein Ergebnis: Einer großen Zahl von Schülern fehlt es an der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verstehen, schwierige Faktenlagen interpretieren zu können.

Der Eindruck ist: Der Großbetrieb Schule produziert billige Ausschussware. Wenn es aber stimmt, dass wir in Richtung Wissensgesellschaft unterwegs sind, wenn es richtig ist, dass High-Tech-Unternehmen Blitzgneißer brauchen und keine Dummies, dann steht auch fest, dass in der Schule irgendetwas fundamental falsch läuft.

Es ist höchste Zeit umzudenken, denn unsere Unternehmen brauchen clevere, kreative Köpfe noch viel dringender als großzügige Steuersenkungen. Nur erfolgreiche Schulabgänger sind auch tüchtige Arbeitskräfte, nur sie können Lehrherren wie Abteilungsleitern viel Frust, Ärger und obendrein eine Menge Zeit und Geld ersparen.

Das Bildungssystem ist vor allem auch aus volkswirtschaftlichen Überlegungen sanierungsbedürftig. Rund 5000 bis 6000 Schulabgänger pro Jahr, so rechnet PISA-Österreich-Chef Günter Haider vor, haben überhaupt kein Leseverständnis mehr. Beinahe-Analphabeten haben aber am Arbeitsmarkt keine Chancen – und belasten als Arbeitslose das Sozialsystem.

Sämtliche Wirtschaftsforscher predigen, dass Bildung neben Forschung und Innovation der wichtigste Wachstumsmotor ist. Österreich könnte durchaus ein höheres Wirtschaftswachstum brauchen, dennoch spart die Regierung ausgerechnet bei der Bildung, gibt es immer weniger Förderlehrer und immer mehr Schüler pro Klasse.

Schon aus simplen standortpolitischen Überlegungen braucht das Land also gebildete Schulabsolventen; will Österreich konkurrenzfähig bleiben, kann es sich gar nicht mehr leisten, wertvolles „Humankapital“ weiterhin mutwillig zu verschleudern.

Bleibt nur noch die Frage, wie das System Schule denn zu reformieren wäre. Genau für diese Problemstellung gibt es in der Welt der Wirtschaft eine bewährte Methode, nämlich die des „Benchmarking“.

Das heißt: Man orientiert sich an den Besten und macht es ihnen nach. Also: Finnland ist nun zum zweiten Mal überlegener PISA-Sieger geworden. Finnland ist auch ein ökonomisch überaus erfolgreiches Land. Was hindert uns, dort abzukupfern? Österreich sollte keine neuen Bildungsabstürze riskieren, sondern das Vorzeigeschulsystem Finnlands abschreiben und nachbauen. Dass es sich dabei um ein Gesamtschulsystem handelt, darf rational denkende Menschen nicht stören. Denn hier gilt wie überall anders auch: Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg selbst.

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