Anti-Schlepp-Bewegung

Ski-ausborgen hat das Arme-Leute-Image verloren. Handel und Skiorte sind auf den Boom aufgesprungen.

Für Claudia Oszwald, H&M-Geschäftsführerin Österreich und vierfache Mutter, bedeutet Skiurlaub zunächst einmal: Ano-
raks, Skischuhe, Boards und Bretteln am Autodach und im Kofferraum verstauen – also Arbeit. Doch damit ist heuer Schluss: Die Ski der vergangenen Saison bleiben im Keller, kein aufwändiges Verladen der Bretter und Stöcke vom Tiefgeschoss ins Auto und dann ins Hotel. Claudia Oszwald ist auf Leihski umgestiegen: „Ich persönlich bevorzuge das Leihen der Ausrüstung, dann brauche ich nicht so viel Gepäck mitschleppen. Und wenn man wie ich nur eine Woche im Jahr Ski fährt, ist es außerdem günstiger.“

Wenn der Berg ruft, liegt Mieten statt Kaufen europaweit im Trend. Zu Hause reserviert, im Skiort abgeholt: Wer keine Lust zum Schleppen hat, neue Modelle testen will oder nur wenige Tage pro Saison auf der Piste steht, fährt bequemer und preiswerter mit Mietmaterial. „Mehr als 42 Prozent gaben bei einer Befragung österreichischer Skifahrer an, dass sie langfristig von einem Skikauf absehen und auf Leihski umsteigen werden“, bestätigt auch Andreas Kreutzer von der Wiener Unternehmensberatung Kreutzer, Fischer & Partner den Trend zum Verleih und zitiert eine repräsentative Befragung österreichischer Skifahrer zwischen 18 und 60 Jahren aus der Saison 2002/2003.

Der Wunsch nach dem Leihski sei gegenüber dem Vorjahr sogar noch um sieben Prozent gestiegen, sagt Kreutzer. Auch die Lifestyle Studie 2003 von Fessel-GfK untermauert diesen Trend, zeichnet sie doch ein Bild der Gelegenheitswintersportler: Nur zwölf Prozent der Österreicher fahren regelmäßig Ski, rund 37 Prozent gelegentlich.

Leihen oder kaufen. Längst hat die Mietvariante ihr schäbiges Image abgelegt. Die großen Sportartikelhändler können beim Verleih in den letzten beiden Jahren zweistellige Zuwachsraten verbuchen. Günther Aman, Geschäftsführer der Intersport-Gruppe, erhofft sich auch für heuer im Verleih wieder Steigerungen von zehn bis 15 Prozent. Gebucht wird verstärkt über das Internet: „Schon 15 bis 20 Prozent der Reservierungen laufen über unser Online-Buchungssystem.“

Für den Konsumenten ist das Angebot im österreichischen Skiverleih enorm. 65.000 Paar Ski stehen allein in 105 Intersport-Verleihstationen in den Wintersportorten zur Verfügung. Sport 2000 bietet mit 80 Händlern und 125 Locations in Österreich 40.000 Paar Ski zum Verleih an – Snowboards, Spezial-Carver und Fun-Geräte noch nicht mitgerechnet.

Nur Hervis ist beim Skiverleih noch nicht so schnell auf der Piste und befindet sich mit fünf Verleihstationen und rund 5000 Paar Ski erst in der Aufbauphase des Verleihhandels. Eine „starke Expansion“ in diesem Bereich sei aber geplant, so Marketingleiter Gerhard Bradler: „Bis 2007 soll es weit über 100 Hervis-Verleihstationen geben.“

Schon jetzt ist der Wettbewerb groß. Die Sportartikelhändler locken mit Spezialangeboten. Intersport-Kunden bekommen bis zu zwei Tage Leihgebühr rückerstattet, wenn sie sich für den Neukauf eines getesteten Modells entscheiden.

Wer heute im Anzug bei Sport 2000 Sölle am Nassfeld in Kärnten ankommt, kann 15 Minuten später mit einer geliehenen Komplettausrüstung über die Hänge carven, verspricht Gerhard Schwab, Geschäftsführer von Sport 2000 Österreich, einer Sporthändlergemeinschaft mit 300 Geschäften und 195 Mitgliedern. „Vom Anzug auf die Piste“ wird von ausgewählten Sport-2000-Verleihstationen angeboten. „Die komplette Ausrüstung samt Bekleidung kann geliehen werden, Handschuhe, Brillen und Zubehör werden zum Kauf angeboten“, erklärt Schwab. Garderoben für die Tageskleidung sowie Duschen für danach runden das Angebot ab.

Auch die Seilbahngesellschaften investieren in moderne Verleihsysteme, meint Leo Bauernberger, Geschäftsführer der SalzburgerLand Tourismus GesmbH. „So können die Gäste an einem Tag im Skigebiet einfach das Material wechseln und am Vormittag einen Fun Carver und am Nachmittag ein Snowboard fahren.“

Leihen ist salonfähig. Dass das Ausborgen der Skiausrüstung heute absolut salonfähig geworden ist, zeigt auch ein Blick in eines der Top-Hotels im Skiort Ischgl. „Bis zu achtzig Prozent unserer Gäste leihen sich ihre Ski bei uns im Hotel aus“, erzählt Franz Flicker, der im FirstClass-Hotel Madlein in Ischgl den Skiverleih managt. „Der Komfortfaktor“ stehe im Vordergrund. Deshalb hat das Hotel Madlein den Skiverleih gleich im Haus untergebracht und zwei Personen ausschließlich für den Skiverleih angestellt.

Michael Schineis, Geschäftsführer des österreichischen Skierzeugers Atomic, bestätigt den Imagewandel des Verleihs. „Früher war der Verleih die untere Ebene: Jemand, der sich keinen Ski leisten konnte, hat sich einen billigen geliehen. Heute erwartet sich der Konsument im Verleih die neuesten und modernsten Ski.“

Auch Interio-Inhaberin Janet Kath und ihr Ehemann, Billa-Chef Veit Schalle, sind begeisterte Skimieter. „Mein Mann und ich fahren jedes Jahr eine Woche nach Oberlech und leihen uns beim Skiverleih im Haus schon seit Jahren immer die neuesten Ski aus“, erzählt Kath. „So fahren wir immer die neuesten Modelle, und sie sind immer bestens gewartet.“

Um die immer anspruchsvoller werdenden Kunden zufrieden zu stellen, sind die Verleiher daran interessiert, „gute Produkte und gute Marken zu führen und gute Qualität und guten Service bereitzustellen“, meint Atomic-Boss Schineis. Positiver Nebeneffekt für die Produzenten: „Das gute Angebot führt dazu, dass der Endverbraucher mehr Spaß am Skilaufen hat. Und jemand, der gerne und oft Ski fährt, wird sich auch weiterhin Ski kaufen, weil der Mensch auch gerne etwas besitzt“, so Schineis.

Peter Lammerhuber, Geschäftsführer der Mediacom, ist einer der bekennenden Besitz-Fans: „Obwohl ich nicht mehr als eine Woche pro Jahr Ski fahre, bin ich ein altmodischer Konsument und kaufe mir alle paar Jahre ein Paar neue Ski.“ Sonst ein kühler Rechner, gibt sich Lammerhuber beim Thema Skikauf gerne irrational: „Ich weiß, dass es rechnerisch eigentlich ein Blödsinn ist, trotzdem mag ich meine eigenen Ski haben.“

Karl Sevelda, Vorstandsmitglied der Raiffeisen Zentralbank, geht das Thema pragmatischer an: „Meine Frau stammt aus Davos, dort stehen auch meine Ski. Für Kurzurlaube woanders miete ich mir einfach welche, man bekommt heute ja überall problemlos hochwertige Ski. Für längere Urlaube greife ich aber schon lieber auf mein eigenes Paar zurück.“
Dennoch: Der Trend zum Skiverleih ist ungebrochen. In Österreich gehen heute schon 25 Prozent aller verkauften Ski in den Verleih, schätzt Gregor Dietachmayr, Geschäftsführer von Fischer Ski.

Für wen sich’s auszahlt. Die Preise variieren je nach Verleiher, Skiort, Skimodell und Dauer der Miete. Als Faustregel gilt: Rund 100 Euro muss man pro Woche für Bretter hinblättern, wie zum Beispiel für den Head C 150. Im Fachhandel kostet der gleiche Ski rund 350 Euro. Für den Faktor des Hin- und Herschleppens von und zum Skigebiet muss jeder noch seinen persönlichen Stresszuschlag addieren.

Ob (Wieder-)Einsteiger oder Wenigfahrer: Für bestimmte Zielgruppen ist der Skiverleih besonders attraktiv. „Eine komplette Skiausrüstung ist teuer und oft eine Eintrittsbarriere in den Sport“, gibt Fischer-Chef Dietachmayr zu: „700 Euro ist ein Betrag, der nachdenklich stimmt, wenn ich mit dem Sport anfange oder wieder zurückkehre. Ausleihen ist da oft eine gute Alternative.“ Auch für Familien mit Kindern, die Jahr für Jahr in 10-Zentimeter-Schritten wachsen, ist das Mieten oft preiswerter. Meist bieten die Verleiher Familienpackages an. „Wenn beide Elternteile Ski leihen, ist die Ausrüstung für Kinder unter zehn gratis. Für Alleinerzieher gelten selbstverständlich Ausnahmen“, sagt Florian Viehthaler, Inhaber von Intersport Flory in Filzmoos.

Aber auch für sportlich anspruchsvolle Skifahrer sei es ganz normal zu leihen, meint Martin Jenewein von Sport 2000 Jenewein in St. Anton. „Es gibt sehr gute Skifahrer, die ein oder sogar zwei Paar Stammski haben, sich aber trotzdem – zum Beispiel bei einer speziellen Wetterlage – einen Spezialski ausleihen.“ Erwartet wird ausnahmslos Top-Qualität, so Jenewein. „Heute sind bei uns am Arlberg die Leihski maximal 60 Tage alt. Sie werden jede Saison ausgetauscht und nach jedem Verleihvorgang serviciert.“ Neben der Grundausstattung gehören Lawinenrucksäcke, Kinderhelme und Funkgeräte zu seinem Standardangebot.

Wer mit der Frage „Kauf hin, Leihen her“ hadert, dem sei noch ein besonderes Schnäppchen ans Herz gelegt, das vielleicht hilft, die Entscheidung zu umgehen: ein Kurzurlaub im Gasteinertal (www.gastein.com). Im Pauschalangebot um 330 Euro sind zwei Übernachtungen in der Frühstückspension, ein 3-Tage-Skipass, der Eintritt in eine der Thermen Gasteins sowie ein Paar Blizzard-Carver plus Bindung und Montage inkludiert.

Und bitte: Die Carver sind Teil des Packages – und keine Leihski.

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