Ansichtssache

Sind Digitalkameras oder analoge Fotoapparate besser? Lassen sich die Bilder der beiden Welten überhaupt noch unterscheiden? trend hat sieben anerkannte Fotoexperten eingeladen, das herauszufinden.

Die Aussicht war beeindruckend. Ganz Wien schien der Skylobby des neuen Uniqa Tower zu Füßen zu liegen. Aber es war nicht der Ausblick, weshalb sich eine Gruppe ausgewählter Fotoexperten im 21. Stock des neu gebauten Büroturms versammelt hatte, sondern die optimale Lichtausbeute, die man in 75 Meter Höhe erzielen kann. Für die Kameraprofis galt es nämlich, einen Test der besonderen Art zu absolvieren: eine Blindverkostung, bei der sie digitale Fotos von analogen unterscheiden sollten.

Zu Beginn des Tests zweifelten die Jurymitglieder daran, dass es überhaupt möglich sein werde, die analogen und die digitalen Bilder auseinander zu halten, denn schließlich ist die Qualität der digitalen Kameras mittlerweile so weit fortgeschritten, dass ihre Aufnahmen die analogen Fotos schon vielfach verdrängt haben. „Es ist jedenfalls sehr schwer und im Prinzip kaum möglich“, meinte „Standard“-Fotograf Robert Newald.

Umso erstaunlicher war es dann, dass die siebenköpfige Expertenjury, der auch Robert Hartlauer, Chef der gleichnamigen Handelskette, der Werbefotograf Gerhard Heller, der „Kurier“-Fotochef Rudolf Semotan, die Fotografen Nikolaus Simila-che und Walter Wobrazek sowie die Lomo-Produktentwicklerin Sally Bibawy angehörten, die digitalen und die analogen Aufnahmen sehr treffsicher bestimmen und in vielen Fällen auch herausfinden konnten, welche Fotos mit welchen Kameras geknipst worden waren. „Wenn man einmal weiß, worauf man achten muss, kann man die Fotos eigentlich leicht bestimmen“, sagt Wobrazek.

Analog oder digital? trend wollte es der Jury nicht unnötig schwer machen und hat daher für den Test drei Sujets ausgewählt, die immer wieder fotografiert werden: ein im Studio fotografiertes Porträt, ein Foto der Karlskirche und eine Nachtaufnahme der Albertina.

Die Fotos wurden jeweils mit vier analogen und vier digitalen Kameras fotografiert, wobei die Bedingungen und Kameraeinstellungen (Belichtungszeit, Brennweite und Blende) so identisch wie möglich gehalten wurden. Alle Bilder wurden außerdem im selben Labor unter den gleichen Bedingungen entwickelt, wobei die analogen Fotos auf chemischem Weg ausgearbeitet wurden, um die bei einem Scanvorgang unvermeidlichen Korrekturen und damit Verfälschungen des analogen Formats zu vermeiden.

Da für die Aufnahmen jeweils eine analoge und eine digitale Kamera aus dem untersten Preissegment, aus der gehobenen Klasse der Sucherkameras, aus der Palette der semiprofessionellen Spiegelreflexkameras und aus dem obersten Profibereich verwendet wurden, war es von vornherein klar, dass die Bilder recht unterschiedlich sein würden.

Überraschend war dann aber doch, dass sich die digitalen und analogen Aufnahmen deutlich in einigen Merkmalen unterscheiden. So war die größere Tiefenschärfe der digitalen Kameras für die Fotoexperten ein entscheidender Hinweis, um welche Aufnahme es sich jeweils handelte. Ein weiteres Merkmal für digitale Bilder waren die ausgerissenen, pixeligen Kanten, die in den Vergößerungen der 3-und 5-Megapixel-Kameras klar sichtbar waren, oder der geringere Kontrastumfang.

Scharfe Bilder. Die Fotos der digitalen 8,2-Megapixel-Spiegelreflexkamera Canon EOS D20 waren etwa durchwegs schärfer und brillanter als die der analogen EOS 300. Besonders deutlich zeigte sich der Unterschied in der Bildschärfe bei den Hasselblad-Fotografien. Bei den digitalen Aufnahmen war jede Nuance klar zu erkennen, die analogen Aufnahmen waren dagegen bei weitem nicht so scharf gezeichnet, was in der Jury eine Diskussion auslöste, welches Foto das bessere sei, ehe man sich darauf einigte, dass es eine reine Geschmacksfrage ist, welche Aufnahme man besser findet. Klar auseinander zu halten waren die Bilder in jedem Fall.

Etwas anders war das Testergebnis im direkten Vergleich der analogen Leica M7 und der digitalen Leica Digilux 2. Im Format 30 x 45 cm vergrößert zeigten die Bilder klar die Grenzen der 5,24-Megapixel-Kamera. Beim Foto der Karlskirche verschwammen etwa die Konturen, die Bäume vor der Kirche wirkten gespenstisch fahl, während bei der analogen Leica die Details klar zu erkennen waren.

„Es ist ein Problem, das viele, vor allem günstigere Digitalkameras haben“, erklärt „profil“-Fotograf Wobrazek, „das Licht trifft nicht, wie es eigentlich sollte, in einem 90-Grad-Winkel auf den Chip, und deshalb sind die Fotos oft nur zu zwei Dritteln scharf. Die Bildränder bleiben unscharf.“

Das überraschende Ergebnis des Tests: Digitale und analoge Fotografien sind leichter zu unterscheiden als erwartet; aber nicht, weil die analoge der digitalen Technologie noch überlegen ist. Das gilt nur noch für Kameras mit weniger als fünf Megapixeln. Im Bereich darüber wurden je nach Geschmack die schärferen, prägnanteren digitalen Bilder durchaus auch als die besseren Aufnahmen empfunden.

Chip statt Film. Für den international gefeierten Werbefotografen Gerhard Heller stellt sich die Frage, ob nun die analoge oder die digitale Fotografie besser sei, jedenfalls schon lang nicht mehr. „Eigentlich ist die Sache längst entschieden, die Digitalfotografie hat gewonnen“, meint er, denn die Industrie setze derzeit konsequent auf Digital. Die Zeit, da Fotos noch aus der Dunkelkammer kamen und sich die Fotografen täglich den Geruch von Entwickler und Fixierer aus den Haaren waschen mussten, ist für ihn endgültig vorbei: „Das ist heute nur noch für Liebhaber interessant.“

Die Welt des Fotokünstlers Heller, der mit expressiven Schwarz-Weiß-Porträts oder Arbeiten wie einer im Stil der dreißiger Jahre fotografierten Werbekampagne für La-Roche-Brillen international bekannt geworden ist, hat sich in den letzten zehn Jahren radikal verändert. In seinem Atelier haben Computer den Platz des Vergrößerungsapparats und der Dunkelkammer eingenommen; statt Chemikalien kauft er heute Softwarelizenzen und anstelle von Filmen und Fotopapier Speicherchips und CD-Rohlinge, denn mittlerweile werden auch in der Werbe- und Produktfotografie, wo die Anforderungen hinsichtlich Qualität und Bildauflösung deutlich höher und die Bilddateien nicht selten über 100 MB groß sind, kaum mehr analoge Kameras verwendet.

Verunsicherte Profis. Das wirft das Problem auf, wie und wo Fotos in hochauflösender Qualität gespeichert werden können. Nicht jeder hat den Platz und das Geld, wie Hartlauer im Keller seines Hauses einen drei Terabyte großen Server zu installieren. „Das Problem wird sich im Lauf der Zeit aber von selbst lösen“, ist Hartlauer zuversichtlich, „Speicherkapazität wird immer billiger, und es gibt laufend neue Entwicklungen wie tragbare Festplatten oder große Speicherchips.“

Der Einwand des Praktikers: „Eine Festplatte ist schneller kaputt, als man denkt“, gibt „Standard“-Fotograf Newald zu bedenken, „und auch CDs halten nicht ewig. Ein richtig ausgearbeitetes Bild kann man auch nach hundert Jahren noch ansehen, CDs sind aber oft schon nach fünf Jahren kaputt.“

Kein Wunder, dass die Profis die Entwicklung mit einiger Skepsis mitmachen – trotz kurzer Innovationszyklen und rasanter Preisstürze. Die Industrie freut sich, und der Handel lebt gut. Und so nebenbei werden Berge von Sondermüll produziert. Wenn man heute eine Kamera kauft, ist sie morgen schon veraltet. Dabei sei oft das einzige Argument, eine neue Kamera zu kaufen, eine höhere Zahl von Bildpunkten. (Lesen Sie dazu auch den Folgetest in der nächsten Ausgabe des trend.) Heller: „Der Megapixel-Wahn erinnert an die Geschichte der Hi-Fi-Verstärker in den sechziger Jahren. Damals wollten auch alle immer nur mehr Watt, ohne darüber nachzudenken, dass mehr Leistung keinen besseren Klang bringt.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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