Anlage: Vorsicht, Sparbuch!

Wie Großbanken ihre Kundschaft beim guten alten Sparbuch mit 0,09 Prozent Zinsen rigoros abzocken und wo Anleger weitaus bessere Zinsen erhalten.

Schön, dass Sie in unsere Filiale gefunden haben. Dürfen wir Ihnen folgendes interessante Geschäft vorschlagen: Sie überlassen uns zum Beispiel 10.000 Euro ein Jahr lang. Dafür versprechen wir Ihnen, dass Sie rein gar nichts verdienen, sondern Ihr Kapital im Gegenteil um rund 133 Euro weniger wird. Wir hoffen, Sie wissen diese großzügige Geste unsererseits zu schätzen, aber schließlich sind wir die Bank Ihres langjährigen Vertrauens. Und wenn Sie sich dazu durchringen könnten, monatlich etwas von Ihrem Girokonto auf dieses äußerst lukrative Sparkonto zu überweisen, könnte es sein, dass wir Ihnen noch wesentlich mehr abzwacken, denn sollten Sie am Girokonto gelegentlich ins Minus rutschen, verrechnen wir Ihnen läppische 12,75 Prozent Kreditzinsen per annum. Also schlagen Sie ein!

Wer denkt, kein Mensch würde sich auf so ein Geschäft einlassen, irrt gewaltig. In Österreich gibt es derzeit 23,5 Millionen Sparbücher und davon nach wie vor mehrere Millionen so genannte Eckzinssparbücher, also jene vertrauenerweckende Sparform für täglich abhebbares Geld, die uns schon von klein auf der gute alte Sparefroh nahe gelegt hat.

Die Eckzinssparte ist eine Cash Cow der Großbanken. Es ist ein Geschäft, das die Unkenntnis und das Vertrauen der Kundschaft ausbeutet in einer Zeit, in der der Bankenservice immer schlechter wird, weil tausende freundliche Bankmitarbeiter durch Blumenstöcke am Schalter und ratternde Automaten beim Eingang ersetzt werden. Im Detail funktioniert es so:

Der Eckzinssatz beträgt derzeit etwa bei der Bank Austria Creditanstalt, bei der Ersten, der Raiffeisenbank, der P.S.K. und anderen Instituten kümmerliche 0,125 Prozent. Davon werden noch 25 Prozent Kapitalertragsteuer, die allseits beliebte KESt, abgezogen, womit sich der reale Zinssatz auf 0,09375 Prozent reduziert. Zieht man nun noch die jährliche Geldentwertung ins Kalkül, rutscht der mikroskopische Ertrag überhaupt ins Minus. Im Jahr 2003 betrug die Inflationsrate in Österreich 1,4 Prozent. Somit verloren Eckzinssparer, häufig also Pensionisten und Kleinanleger, real 1,30625 Prozent. Und wenn man dann noch die Kontoschließungsgebühr miteinbezieht, die etwa bei der Ersten 2,18 Euro beträgt, kommt bei 10.000 Euro nach zwölf Monaten ein Verlust von rund 133 Euro heraus.

Gebunden, aber null Zinsen. Wesentlich mehr Zinsen gibt es für die Sparer bei zeitlich gebundenen Sparbüchern. Wer der Bank das Angesparte auf länger borgen möchte, wird mit attraktiveren Zinssätzen angelockt. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Eine Verzinsung von bis zu 6,125 Prozent verspricht etwa das auf 54 Monate gebundene „Power-Sparbuch“ der Niederösterreichischen Hypo-Landesbank. Beim genaueren Hinschauen zeigt sich freilich, dass diese hübschen Zinsen nur für die letzten sechs Monate der Gesamtlaufzeit gezahlt werden. Der durchschnittliche Ertrag hingegen beträgt in Wahrheit nur 3,125 Prozent.

Wer nicht aufpasst, kann mit gebundenen Sparbüchern im Übrigen ganz leicht bei null Zinsen landen. Dann nämlich, wenn man gezwungen ist, Geld vorzeitig zu beheben. In diesem Fall wird der Sparer kräftig zur Kasse gebeten und muss Vorschusszinsen berappen. In der Praxis sieht das zum Beispiel so aus:

Frau Müller legt 10.000 Euro auf ein auf zwölf Monate gebundenes Sparbuch und soll dafür 1,75 Prozent Jahreszinsen erhalten. Nach zwei Monaten muss Frau Müller wegen einer unvorhergesehenen Ausgabe das Geld wieder abheben, was ja auch bei gebundenen Sparbüchern jederzeit möglich ist. Dafür fallen aber leider, leider Vorschusszinsen an, und zwar pro fehlenden Monat bis Laufzeitende jeweils ein Promille. In Frau Müllers Fall wurden zehn Laufzeitmonate nicht eingehalten. Es fallen also zehn Promille Strafe an, das sind 100 Euro. Der Zinsertrag beträgt jedoch nach zwei Monaten erst 29,17 Euro. Die verrechneten Vorschusszinsen fressen also den gesamten Zinsertrag auf, ja Frau Müller geriete sogar mit fast siebzig Euro ins Minus. Zum Glück sieht Paragraf 32, Absatz 8, des Bankwesengesetzes vor, dass die Vorschusszinsen nicht höher sein dürfen als der angefallene Zinsertrag. Frau Müller darf also noch dankbar sein, obwohl sie der Bank ihr Geld gratis zur Verfügung gestellt hat.

Trotzdem: Sparbücher sind gut. Eigentlich möchten wir Ihnen in dieser Geschichte das Sparbuch keineswegs vermiesen. Im Gegenteil: Für Kleinanleger sind die launischen Aktienmärkte mit ihren zuweilen dramatischen Auf und Abs und langen Durststrecken keineswegs ideal. In Deutschland, wo schon bis zu einem Viertel der Bevölkerung auf Aktien setzte, führte die letzte große Aktienbaisse zum größten Vermögensverlust seit dem Zweiten Weltkrieg. Davon blieb das Gros der österreichischen Sparefrohs dank Sparbüchern verschont.

Das Sparbuch ist eine einfache und sichere Form der Geldanlage. Und auch wenn die Zinsen hier nicht in den Himmel wachsen, kann man risikolos sein Geld vermehren, wenn man es richtig macht.

Welche Arten von Sparbüchern es gibt und wie man Fallen vermeidet, möchten wir Ihnen in dieser Geschichte schildern.

Das richtige Sparen beginnt eigentlich nicht beim Sparbuch, sondern schon beim Girokonto. Kein Kredit ist nämlich so teuer wie der am Girokonto. Nicht einmal die windigsten Kredithaie verlangen so viel wie die Hausbank auf dem ganz gewöhnlichen Giroköntchen. Trotzdem lieben es die Österreicher, ihr Konto zu überziehen. Oft sogar in Form von Abschöpfungsdaueraufträgen zugunsten von Sparkonten. Ein schlechtes Geschäft für den Kunden.

„Auf der Habenseite zahlen die Banken beschämend niedrige Zinsen, während sie bei den Überziehungen hohe Deckungsbeiträge erwirtschaften“, weiß der Finanzdienstleistungs-Experte der Arbeiterkammer, Christian Prantner. Wesentlich günstiger, als jeden Cent anzusparen, ist es, stets einen mittleren Finanzpolster auf dem Girokonto zu halten, um keinesfalls ins Minus zu rutschen. Im Übrigen gilt auch beim Girokonto wie beim Sparbuch, dass man erstens stets um höhere Zinsen feilschen sollte, statt sich mit dem Normalsatz zufrieden zu geben: Derzeit sind 0,5 Prozent drinnen, während die Masse der Konten mit 0,125 Prozent abgespeist wird. Außerdem gilt die Regel: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. „In der Praxis ordnen die Bankenchefs regelmäßig Zinsänderungen an“, sagt AK-Spezialist Prantner. „Dann stellen die Computer hunderttausende Konten auf den Mindestsatz um, ohne dass es der Kunde, der eigentlich etwas anderes ausverhandelt hatte, es merkt.“

Fix oder nicht. Für täglich fälliges Geld sollte man grundsätzlich einen weiten Bogen um Eckzinssparbücher machen. Wesentlich besser verzinst – bis zwei Prozent per annum – sind Sparcards, die sich von den Sparbüchern nur in einem Punkt unterscheiden: Auszahlungen dürfen nur über Automaten erfolgen, nicht jedoch am Schalter.

Für Beträge, die man länger binden möchte, gibt es grundsätzlich zwei Alternativen: Fixzins-Sparbücher oder solche mit variablen Zinsen. Fast alle Institute bieten unter unterschiedlichen Namen diese zwei Formen des gebundenen Sparbuchs an mit Laufzeiten zwischen sechs und sechzig Monaten.

Das Gros der österreichischen Kleinanleger vertraut gebundenen Sparbüchern mit veränderbaren Zinssätzen. Theoretisch sollte man in Zeiten eines steigenden Zinsniveaus, wie wir es jetzt gerade erleben, eher die variable Form bevorzugen, um von Zinsanstiegen zu profitieren.

Welche Variante man wählt, ist aber in Wahrheit eine reine Geschmacksfrage, denn es gibt keine wissenschaftlich verlässlichen Zinsprognosen, die drei bis fünf Jahre in die Zukunft schauen. Viel entscheidender hingegen ist die Frage, welche Bank die besten Zinsen bietet.

Man könnte glauben, dass die Zinsgestaltung ohnehin bei allen Instituten ziemlich ähnlich ist. Dem ist aber keineswegs so. So liegt etwa das beste Angebot bei täglich fälligem Geld (von der Autobank) 17-mal so hoch wie die schlechtesten Offerte (wie etwa bei der Bank Austria oder der Ersten): Statt 0,125 Prozent erhält man – täglich behebbar – 2,15 Prozent per annum.

Exoten bieten mehr. Generell ist es so, dass die höchsten Zinserträge bei kleinen, „exotischen“ Banken lukriert werden können. Das hat zwei einfache Gründe: Erstens ist die Kostenstruktur bei den Zwergen ganz anders als bei den Riesen. Sie verfügen über keine oder nur wenige Filialen und geben diesen Kostenvorteil an die Sparer weiter. Zweitens haben es diese Banken mit einer schwer anzulockenden Klientel zu tun. Die Österreicher trennen sich statistisch gesehen eher von ihrem Ehepartner als von ihrer Bank. Eine Studie aus den neunziger Jahren weist die Alpenrepublik als das Land mit der europaweit höchsten Bankentreue der Anleger aus.

Wohin also, wenn man den Seitensprung trotzdem versuchen möchte? Zu den attraktivsten Kleinbanken zählen die Österreichische Verkehrskreditbank, die Autobank und die Deniz- und die Vakifbank.

Die Verkehrskreditbank zum Beispiel gibt es schon seit 35 Jahren. Sie ist die Hausbank der Österreichischen Bundesbahnen, die auch bis zum Jahr 2000 Mehrheitseigentümer waren. Inzwischen gehört das Institut, das nur zehn kleine Filialen in Bahnhöfen in Wien, Linz und Salzburg führt, zur Gänze der Bawag. Nirgendwo kann man günstiger Geld wechseln als hier, und auch die Sparzinsen können sich durchaus sehen lassen. Schon bei 18-monatiger Bindung erhält man 2,25 Prozent Zinsen.

Mit einer deutlich höheren Verzinsung wartet die Vakifbank am Wiener Kärntner Ring auf. Hier gibt es schon bei einjähriger Bindung 2,75 Prozent Zinsen, bei fünf Jahren fixe vier Prozent.

Die Vakifbank ist die einzige Auslandstochter der türkischen Großbank Türkiye Vakiflar Bankasi, die selbst über vierhundert Filialen in der Türkei führt. Der österreichische Ableger wurde Anfang der neunziger Jahre für türkische Geschäftsleute in Österreich gegründet und erhielt 1999 die Vollbankenlizenz. Inzwischen stammen rund 80 Prozent der siebzig Millionen Euro Spareinlagen von Österreichern. „Wir haben mit nur zwei Filialen in Österreich im Vorjahr ein Betriebsergebnis von 4,5 Millionen Euro vor Steuern erzielt“, freut sich Vakifbank-Chef Selcuk Gözüak. „Die Einlagen sind bei uns so sicher wie bei jeder anderen Bank. Aber bei uns profitieren die Kunden direkt von den niedrigen Kosten eines kleinen Instituts.“

Die höchsten Zinsen für täglich fälliges Geld zahlt derzeit die Autobank. Sie wurde ursprünglich als reine Leasinggesellschaft der Tarbuk AG gegründet und erhielt 1995 die Vollbankenlizenz. Im Vorjahr kaufte sie der Papierindustrielle Michael Salzer, dem unter anderem auch der Ueberreuter-Verlag gehört, und schloss alle Filialen bis auf eine. „Wir finanzieren jährlich an die 3000 Autokäufe, aber auch ganze Autohäuser und sehen das Spargeschäft als eine Form der Refinanzierung“, sagt Autobank-Vorstand Andreas Zederbauer. „Private Sparer können ihr Geld per Internet oder telefonisch mit Kontonummer und Losungswort auf ein Girokonto überweisen lassen. Derzeit bieten wir nur täglich behebbare Einlagen an, demnächst werden wir aber auch mit längerfristig gebundenen Sparformen auf den Markt kommen.“

Wie sicher ist Ihr Geld? Üblicherweise gilt bei der Geldanlage das eherne Gesetz: Höhere Rendite bedeutet immer auch höheres Risiko. Erstaunlicherweise ist das bei Sparbüchern nicht so, solange es sich um Beträge bis 20.000 Euro handelt. Paragraf 93 des Österreichischen Bankwesengesetzes und eine entsprechende EU-Richtlinie zwingen nämlich alle Banken zu einer solidarischen Haftung: Geht eine Bank Pleite, müssen die anderen den Verlust der Anleger wettmachen.

Organisiert ist das System nach Sektoren: Die Sparkassen haften für die Sparkassen, die Hypos, Raiffeisen- und Volksbanken für jeweils ihresgleichen. Die übrigen siebzig Banken sind seit 1986 in der Einlagensicherungs-GmbH des Vereins der Banken und Bankiers zusammengefasst. „Wir hatten seit unserer Gründung vier Pleitefälle“, sagt Einlagensicherungschef Paul Hassler. „Das Bankhaus Rössler, die Bank für Handel und Industrie, die Diskontbank und zuletzt die Trigonbank. Zahlen müssen am Ende die ehemaligen Konkurrenten, und zwar proportional zu ihrer Einlagensumme.“

In der Praxis bedeutet dies, dass Spareinlagen und die angefallenen Zinserträge bis 20.000 Euro pro Person bei jeder österreichischen Bank gleich sicher angelegt sind. Geht eine Bank Pleite, müssen die Sparer einen Antrag stellen und erhalten ihr Geld binnen drei Monaten zurück. Wer mehr eingelegt hat, muss ebenfalls nicht unbedingt leer ausgehen, trägt aber doch ein höheres Risiko. Bei der steirischen Bank für Handel und Industrie betrug die Konkursquote aber immerhin 80 Prozent.

Wer also die hohen Zinssätze der Bankenzwerge nützen möchte, sollte maximal 20.000 Euro einlegen. Geht es um mehr Bares, empfiehlt es sich, das Kapital auf andere Familienmitglieder oder andere Institute aufzuteilen. Erscheint ein Institut als nicht ganz koscher, kann man sich auf der Website der Finanzmarktaufsicht vergewissern, ob es sich tatsächlich um eine Bank mit Einlagensicherung handelt, was ja gesetzlich vorgeschrieben ist (www.fma.gv.at, unter „Marktteilnehmer“ nachschauen).

Auch wenn Sparbuchsparer von versierten Aktien- und Fondsanlegern zuweilen belächelt werden, sieht die Realität oft anders aus. Es gilt: Wer bei der nächsten Baisse lacht, lacht am besten.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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