Alleinerzieher: Teure Trennung

Wie verhindert man, dass Lebensversicherungen in die Scheidungsmasse fallen? Was tun, wenn man sich danach die Prämienzahlungen nicht mehr leisten kann? Wie sorgen Alleinerzieher(innen) für ihre Kinder vor?

Die Welt ist voller verblüffender Widersprüche. Die Haltbarkeit von Ehen nimmt zum Beispiel in atemberaubendem Tempo ab. Österreichweit wird jede dritte Ehe geschieden. In den Städten liegt die Scheidungsrate im Übrigen dramatisch höher, im Wiener Industriebezirk Simmering klettert sie sogar auf erstaunliche 88 Prozent. Also bloß nicht in Simmering heiraten.

Andererseits geraten die Laufzeiten von Lebensversicherungen, mit denen man den Herzenspartner vor dem eigenen Abgang finanziell schützen möchte, immer länger und länger. Bis 1988 wurden Lebensversicherungspolizzen aus steuerlichen Gründen meist auf zehn Jahre abgeschlossen, heute beträgt die gängige Vertragsdauer 30 Jahre.

Die Ursache dafür liegt in der kontinuierlichen Verschlechterung der staatlichen Förderung. Der Gesetzgeber fordert immer längere Laufzeiten, reine Erlebensversicherungen dürfen überhaupt nicht mehr steuerlich abgesetzt werden, und Gutverdiener, die etwas mehr als 50.000 Euro pro Jahr im Börsel heimtragen, gehen steuerlich überhaupt leer aus.

Dennoch scheint die langfristige Bindung an eine Versicherungsgesellschaft jedenfalls einer breiten Mehrheit leichter zu fallen als die zu einem Lebenspartner, vielleicht auch, weil man mit lästigen Versicherungsagenten nicht jeden Morgen frühstücken muss.

Experten schätzen, dass mindestens ein Drittel aller Polizzen vorzeitig gekündigt wird – meist mit schmerzhaften finanziellen Verlusten. Statt 30 werden die Verträge im statistischen Mittel nur 22 bis 23 Jahre alt. „Die Quoten zur vorzeitigen Kündigung steigen deutlich an“, sagt Raimund Mathauser, Leiter der Abteilung Leben Ser-vices der Generali-Versicherung, die etwa 600.000 Verträge verwaltet. „Im Schnitt werden inzwischen die Verträge alle zwei Jahre in irgendeiner Form geändert.“ Letzteres hat viele Gründe: Jede fünfte Erlebenspolizze dient als Kreditbesicherung, die Bank wird gewechselt, Frauen ändern durch Heirat ihren Namen. Oft aber ändert ein Versicherungsnehmer den Bezugsberechtigten, was jederzeit mit einfachem eingeschriebenem Brief möglich ist. Statt der inzwischen möglicherweise nicht mehr so geschätzten Gattin wird die neue Geliebte eingesetzt oder zumindest die Oma bedacht.
Wer kriegt denn jetzt das Geld? Herr und Frau Müller wollen für das Alter ansparen und sich gegen die Gefahren des Lebens wappnen: Eine 30-jährige Er- und Ablebensversicherung wird ins Auge gefasst. Am Ende der Laufzeit soll die Assekuranz das angesparte Kapital auszahlen – oder im Todesfall des Versicherungsnehmers an den Bezugsberechtigten. Die durchschnittlichen Jahresprämien für solche Polizzen liegen übrigens in Österreich zwischen 800 und 900 Euro, die Auszahlungssummen pendeln zwischen 40.000 und 50.000 Euro.

Möglich ist, dass Herr und Frau Müller gemeinsam als Versicherungsnehmer eingetragen werden. Verbundene Leben nennt man das: Wenn einer stirbt, kriegt der andere sofort die Versicherungssumme. Solche Verträge haben steuerliche Vorteile: Beide Versicherungsnehmer dürfen das Erlebenskapital am Ende steuerfrei kassieren.

Bei strittigen Scheidungen sind solche Abmachungen freilich ein Alptraum. „Wenn sich zwei nicht einigen können, liegen solche Verträge oft jahrelang brach, und am Ende lassen wir dann beiden Parteien die Hälfte zukommen“, weiß Ernst Schneckenleitner von der Allianz Versicherung.
Tipp Numero eins lautet daher: Lebens-partner sollten grundsätzlich zwei getrennte Polizzen abschließen und sie mit einer Klausel versehen, dass im Trennungsfall automatisch ein so genannter Austausch vorgenommen wird. Beispiel: Herr Müller schließt eine Er- und Ablebensversicherung mit seiner Frau als Bezugsberechtigten ab, Frau Müller sieht in ihrer Polizze ihren Mann als Bezugsberechtigten vor. Im Scheidungsfall wird automatisch getauscht, ohne dass sich Anwälte streiten müssten.

Wie verhindert man, dass geteilt werden muss? Lebensversicherungen zählen grundsätzlich zum so genannten „Gebrauchsvermögen und den ehelichen Ersparnissen“, wie der Oberste Gerichtshof 1988 in einer Entscheidung feststellte (60 B 551/88). Dies bedeutet in der Praxis, dass, so es zu keiner einvernehmlichen Regelung kommt, das angesparte Kapital vom Gericht im Scheidungsurteil meist zur Hälfte aufgeteilt wird.

Der Scheidungsrichter beauftragt die Versicherungsgesellschaft, den aktuellen Rückkaufswert bekannt zu geben. Der Stichtag dafür ist der Schluss der mündlichen Scheidungsverhandlung in der ersten Instanz.
Was einfach klingt, bringt in der Praxis eine Reihe von Problemen, doch zuerst gilt es die Frage zu klären: Kann man überhaupt verhindern, dass eine Lebensversicherung in die Scheidungsmasse gerät und somit mit einem ungeliebten Partner geteilt werden muss?

Ja, sagt Klaus Keider von der Wiener Anwaltskanzlei Bammer & Keider. Voraussetzung dafür ist ein Sparbuch, das der Versicherungsnehmer vor der Heirat erworben, geschenkt bekommen oder geerbt hat und aus dem die jährliche Versicherungsprämie bezahlt wurde. Keider: „Eine Lebensversicherung ist nur dann Gegenstand eines Aufteilungsverfahrens, wenn die Prämien aus laufenden Einkünften aus Erwerbstätigkeit während aufrechter Ehe bezahlt wurden. Wenn die Prämien aber aus einem Finanzvermögen gedeckt wurden, das schon vor Eingehung der Ehe bestanden hat, bleibt die Lebensversicherung aus der Scheidungsmasse draußen.“

Wenn Sie im Scheidungsfall die Erlebensversicherung also nicht teilen möchten, zahlen Sie die Prämien keinesfalls über Ihr Girokonto ein, sondern von einem entsprechenden Sparbuch per Abhebung und gleichzeitiger Einzahlung der Versicherungsprämie.

Die Crux mit Prämien und Rückkaufswerten. In den meisten Fällen einigen sich Paare im Scheidungsfall mehr oder weniger einvernehmlich, wie es auf Juristendeutsch heißt, auf eine Aufteilung der Lebensversicherung. Doch die endet oft mit einer herben Überraschung, denn die vorzeitige Kündigung einer Polizze ist sauteuer: Die Assekuranz zahlt möglicherweise weniger aus, als der Versicherungsnehmer eingezahlt hat.

Als Faustregel gilt: Der so genannte Rückkaufswert übertrifft frühestens nach zwölf Jahren die eingezahlte Prämiensumme. Die vollmundigen Renditenversprechen der Assekuranzen können besonders bei fondsgebundenen Polizzen ohnehin wegen der tückischen Aktienmärkte reine Versprechungen bleiben, sie gelten aber auf jeden Fall nur für das Ende der Laufzeit. Wer früher kündigt, zahlt kräftig drauf.

Scheidungspartner, die noch halbwegs vernünftig miteinander umgehen können, einigen sich daher oft darauf, den Vertrag fortzuführen. Im Scheidungsurteil wird dann zum Beispiel festgelegt: Herr Müller zahlt die nächsten fünf Jahre bis zum Laufzeitende der Polizze noch die jährlichen Prämien, die geschiedene Frau Müller erhält dann nach fünf Jahren die ganze oder den vereinbarten Anteil der Auszahlungssumme.

Solche weisen Kompromisse sollten aber unbedingt im Detail abgesichert werden, denn sonst drohen weitere Überraschungen. Zum Beispiel könnte Frau Ex-Müller nach fünf Jahren bei der Versicherungsgesellschaft trotz Scheidungsurteil abblitzen und keinen Cent bekommen. Der Grund: Die Versicherung wurde vom Gericht nicht informiert und muss daher per Gesetz grundsätzlich an den Versicherungsnehmer, also Herrn Müller, auszahlen.

Die Versicherungsgesellschaft muss also in jedem Fall vom Scheidungsurteil verständigt werden, und Herr Müller als Versicherungsnehmer muss auch gegenüber der Versicherung erklären, dass er mit der Regelung einverstanden ist. In strittigen Fällen bedarf es zusätzlich eines richterlichen Sachbeschlusses im Aufteilungsverfahren. Die geschiedene Frau Müller könnte in unserem Beispiel übrigens auch ein Informationsrecht erwirken, um bei der Versicherungsgesellschaft zu kontrollieren, ob ihr Ex auch tatsächlich brav die Prämien einzahlt.

Apropos Prämien: Scheidungen kosten oft sehr viel Geld, so viel, dass einfach nicht mehr genügend da ist, um hohe Prämienzahlungen zu bedienen, die in besseren Tagen kein Problem darstellten.

Unser Tipp: Kündigen Sie Ihre Polizze auf keinen Fall, die Rückkaufswerte sind so mager wie ein Diätwürstchen. Es gibt bessere Möglichkeiten:
n Die Prämienfreistellung: bedeutet, dass sie einfach eine gewisse Zeit trotz auf-rechtem Ablebensschutz nichts einzahlen müssen.

n Sowohl Prämienhöhen als auch Laufzeiten sind jederzeit veränderbar. Meist ist das eine günstigere Variante als eine Kündigung.

n Wenn Sie rasch Geld brauchen, kann es günstiger sein, die Lebensversicherung als Besicherung für einen Kredit zu verwenden, als sie zum Schleuderpreis vorzeitig zurückzunehmen.

Fazit. Die immer länger laufenden Versicherungsverträge und die immer kürzer währende Beziehungsdauer lassen nur einen banalen, aber wahren Ratschluss zu: Denn prüfe, was sich ewig bindet.

Die bröckelnde Beziehungswelt birgt zudem besonders für Kinder Gefahren, auch in finanzieller Hinsicht. Immer mehr Alleinerzieher(innen) versuchen daher, ihren Nachwuchs für den worst case, den eigenen Todesfall, abzusichern.

Das ideale Instrument dafür ist die reine Ablebensversicherung. Sie ist im Vergleich zu den Erlebensversicherungen, bei denen man am Ende Kapital verzinst zurückerhält, spottbillig. Für weniger als 120 Euro Prämie pro Jahr kann man so zum Beispiel einem Kind im Fall des Falles eine Versicherungssumme von 100.000 Euro zukommen lassen.

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