20 Jahre moderner PC

Vor zwei Jahrzehnten entdeckten auch die Österreicher mit dem Apple Mac den grafischen Computer – das erste verständliche Digitalwerkzeug.

„Das Macintosh-Betriebssystem ist katholisch. Es ist heiter, konziliant und sagt seinem Gläubigen, was er zu tun hat. Das Konkurrenzsystem ist protestantisch, nachgerade calvinistisch.“ Umberto Eco

Es gibt vier Möglichkeiten, die Anfänge des Personal Computers (PC) festzulegen.
1. Urgeschichtsforschung: Sie verliert sich in den Nebeln nordamerikanischer Baukästen (Kits) für introvertierte Tüftler, die mit dem Lötkolben verlobt sind. Selbst „Popular Mechanics“, die Instanz für dergleichen, kam zu keinem endgültigen Urteil.
2. Der erste kommerzielle Fertig-PC war 1977 der Apple 1, ein flaches Holzkistl wie aus dem Ikea-Regal.
3. Der Urahn des bis heute erfolgreichsten PCs kam 1981. Er hieß IBM-PC oder „Industriestandard-PC“.
4. Der erste grafische PC war der Apple Macintosh. Er kam 1984 zur Welt.

Nach reiflicher Überlegung ist Letzterer zu nennen. Die früheren Äpfel und der erste IBM-PC haben nichts mit dem heutigen PC zu tun. Der Macintosh alles. Erst war er ein Werkzeug, das wir verstanden und liebten. Er war Vorbote der heutigen multimedialen Tools & Toys. Genau genommen ist der Mac 20 Jahre und drei Monate alt. Am 24. Jänner 1984 wurde er vorgestellt. In Österreich freilich dauerte es bis Mai, bis die Kunden alle Peripherien und Gadgets bekamen und die wenigen Apple-Händler lockerer wurden.

Der konkurrierende IBM-PC litt unter seinem Betriebssystem, das plötzlich unheimlich alt aussah. Bill Gates’ Werk (er schrieb diese Software als Basis seines Reichtums) war uninspiriert, aus heutiger Sicht ein Teufelswerk. MS-DOS war knöchern und trocken wie ein Biss in Styropor. Es war eine Geheimsprache für Leidensfähige. Man musste sich eine Unzahl von Funktions-Tasten-Kombinationen merken. Die Ergebnisse der Bemühungen flackerten wie die Schatten im Höhlengleichnis über den nachtschwarzen Bildschirm, in fluoreszierendem Grün.
Der IBM-PC bedeutete Arbeit, Apple Macintosh 128k Vergnügen.

Der Mac, wie der entzückende Würfel sofort gerufen wurde, als wäre er ein lebendes Haustier, war revolutionär. Zunächst war er im Design ein Hammer. Hartmut Esslinger und seine Mini-Company frog design lieferten ihr Meisterstück.
Dem Computer-User tat sich eine neue Welt auf. Das Löschen eines Dokuments beispielsweise war kein abstrakter numerischer Befehl mehr. Man konnte das File mit dem neuartigen Steuergerät „Maus“ anklicken und in einen Papierkorb (genauer: Mülltonne) ziehen, was jeder verstand. Mit Mac Write konnte man intuitiv schreiben, mit Mac Paint intuitiv zeichnen, auch wenn dies, wie Esslinger schrieb, anfangs wegen der begrenzten Speicher eher „Sandzeichnungen der Navajo-Indianer oder mittelalterlichen Stickereien“ glich. Es gab beim Mac Menüs, die jeder verstand. Der Mac sprach alle an, die in der rechten Gehirnhälfte stark sind, dort, wo die Emotionen und Kreativitäten zu Hause sind. Designer, Layouter, Fotografen, Filmer und Musiker wurden dem Mac nie untreu.

Warum siegte dieser David nie über Goliath? Eine lange Geschichte, kurz erzählt: Der IBM-PC bzw. das Betriebssystem ist jedem Lizenznehmer offen, Apple blieb stolz allein. Daher entwickeln heute 10.000 heiße Companys die Hardware, Software und Peripherien der IBM-PC-Welt weiter. Sie wurde zur „Win“-Welt, weil sie erstens gewann und zweitens nun mit dem Betriebssystem MS-Windows arbeitet, das fast alles Schöne vom Mac abkupferte.

Ganz falsch freilich ist Umberto Ecos Unterscheidung noch immer nicht. Der Witz des Apple ist genetisch, der Witz von Windows XP ist anerzogen. Das spürt einer, der mit beiden Systemen parallel arbeitet, was erstaunlich problemlos geht, wie ich in der Praxis erkannte. Mein Flugzeugträger ist ein großes HP-Compaq-Gerät auf Windows-XP-Basis, meine mobile Kampf-Yacht das Apple-Subnotebook
G4-12.

Trotz seines Sex-Appeals fielen Mac und Apple in eine Marktanteilskrise, ehe Steve Jobs als mirakulöser Retter wiederkehrte. Mit ihm kamen Design (iMac), Geschäftsgeist und Genie zurück. Selbst die junge Geschäftswelt erwägt, dem Mac eine Chance zu geben. Die Preise wurden vernünftiger, und das Mac-OS ist virensicher.

Wie angenehm, nicht einem Fiebernden, sondern Genesenen und Verjüngten zum Jubiläum zu gratulieren.

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