150 Unternehmen suchen einen Eigentümer Werden Sie schon ab einem Euro selbständig

Gründer übergeben ihr Lebenswerk – mehr oder weniger leichten Herzens – an ihre Kinder. Sie bringen ihre Unternehmen in Stiftungen ein, um sie vor der Zerschlagung oder dem Zugrundegehen zu bewahren. Oder sie machen einen glatten Schnitt: Sie suchen einen Käufer, der einen eingesessenen Betrieb samt bestehendem Kundenstock, gefüllten Auftragsbüchern, funktionierendem Lieferantenstab und eingespielter Mitarbeitercrew zu schätzen weiß – eine gute Chance, rasch zum eigenen Unternehmen zu kommen.

Er läuft dreimal die Woche zehn Kilometer, geht gerne mit schönen Frauen essen, macht keinen Urlaub und liebt seine Arbeit. „Ich arbeite um der Arbeit willen“, sagt Johann Grimme, 73 Jahre alt und soeben auf dem Weg nach China, wo er eine interessante Teilhaberschaft an einem Unternehmen für Möbelbeschläge wittert. „Ob ich meinen Söhnen zutraue, das Unternehmen so weiterzuführen, wie ich es führe? – Jein! Sie machen zu viel Urlaub!“, befindet Grimme senior.„Ich habe die Firma – ein Handelshaus für Fliesen und Beschläge – im Alter von 22 Jahren gegründet und werde hoffentlich bis 90 arbeiten!“ Grimme ist stolz auf seine 100 Mitarbeiter, mit denen er 30 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Seine Söhne sind seit 20 Jahren im Unternehmen beschäftigt, doch der Chef ist nach wie vor er allein. Wenn der Senior 90 ist, werden auch die Junioren bereits Mitte 60 sein.

In Österreich stehen jährlich über 5000 Unternehmen vor dem Problem eines Generationswechsels in der Chefetage. „In der kommenden Dekade werden es etwas mehr als 50.000 Firmen sein“, weiß Peter Voithofer, Geschäftsführer der KMU Forschung Austria.

Die Angst der Patriarchen. Noch immer ist die vorherrschende Form der Nachfolge die innerhalb der Familie, etwas unter 45 Prozent aller Familienunternehmen geben die Unternehmensanteile an ihre Nachkommen weiter. Doch die Zahl ist im Sinken. Immer mehr verkaufen ihr Unternehmen – an externe Interessenten oder das eigene Management. Die Beweggründe, warum bereits 21 Prozent aller übergabereifen Unternehmen verkauft werden, sind vielfältig: Mangel an Nachfolgern innerhalb der Familie, mangelndes Vertrauen in die wirtschaftliche Kompetenz der Nachkommen oder die Verweigerung der Kinder, ins elterliche Unternehmen einzusteigen, weil sie schlicht andere Berufsziele verfolgen.

Mancher Gründer möchte unter diesen Umständen lieber die Früchte seiner Aufbauarbeit einfahren, bevor er sein Lebenswerk in eine unsichere Zukunft, in unsichere Hände legt. Dann schlägt die Stunde für übernahmewillige Käufer, die beim Einstieg in ein bereits etabliertes Unternehmen massive Vorteile lukrieren können. Meist sind es Manager, die endlich einmal ihr eigener Chef sein wollen, die über genug Erfahrung verfügen, aber einmal noch einen großen, vielleicht auch riskanten Schritt wagen wollen. Durch die Übernahme eines gut eingeführten Unternehmens bleibt dieser Schritt zwar genauso groß, ist aber nicht ganz so riskant. – Meint man. Denn das Loslassen eines Unternehmers, der mit seinem Herzblut am Betrieb hängt, ist kein leichter Schritt. Wer sich für die Übernahme eines Familienbetriebs interessiert, sollte daher ganz klare Vorstellungen und Verträge haben. Sonst ergeht es ihm wie so manchem Unternehmersohn, der am Patriarchen scheitert.

Ob Verkauf oder Übergabe an die nächste Generation, in beiden Fällen ist eine gute und rechtzeitige Nachfolgeregelung wichtig. Nicht nur für Übergeber und Übernehmer, sondern auch für rund 40.000 Mitarbeiter, die jährlich davon betroffen sind – hauptsächlich in kleinen und mittleren Unternehmen. Erfolgt eine Übergabe zu spät, nur halbherzig oder misslingt sie ganz, ist der Weiterbestand des Unternehmens und damit auch der Arbeitsplätze gefährdet.

„Eine rechtzeitige Klärung der Unternehmensnachfolge ist besonders für ein Familienunternehmen wichtig“, weiß Paul Fischer, 57, Minderheitseigentümer von Fischer Ski. Die Sturmberger-Fischer-Stiftung, die 26,7 Prozent an der Fischer GmbH hält und von ihm in den Gremien vertreten wird, wurde von seiner Mutter gegründet, nachdem sein Onkel, Mehrheitseigentümer Josef Fischer, ohne Nachkommen in direkter Linie, ebenfalls seine Firmenanteile in eine Stiftung eingebracht hatte. „Schon in meiner Mittelschulzeit ist über meine Rolle im Unternehmen diskutiert worden“, erinnert sich Paul Fischer, „leider aber immer nur sehr vage.“ Von klein auf war er in der Firma, erst bei Kästle und bereits seit 22 Jahren bei Fischer in Ried im Innkreis. Die Alleingeschäftsführung wurde ihm nie überlassen, und vor einigen Jahren hat sein Onkel lieber einen Fremdmanager eingesetzt. Resümee seines Neffen: „Sowohl meiner Mutter als auch meinem Onkel, der jetzt 77 Jahre alt ist, fällt es heute noch schwer, Verantwortung auch wirklich abzugeben.“

Jede Art der Unternehmensnachfolge „ist ein äußerst heikles, sensibles, emotionelles und vor allem konfliktbeladenes Unterfangen“, weiß Manuela Raidl-Mörth, Wirtschaftstherapeutin und Lehrbeauftragte an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Denn selbst jene, die mit unternehmenstauglicher Nachkommenschaft gesegnet sind, tun sich nicht immer leicht mit der Übergabe an die nächste Generation. Schließlich heißt es: Der Großvater baut das Unternehmen
auf, der Vater bringt es zur Blüte, und der Sohn verspielt es. Da fragt sich mancher Unternehmenseigentümer: „Schafft das der Junge wirklich? Wird die Aufbauarbeit der Familie gewinnbringend fortgesetzt werden? Wird er verantwortungsbewusst mit der Aufgabe und den jahrelang loyalen Mitarbeitern umgehen? Kann man ihn überhaupt allein werken lassen? Warum soll ich mich zurückziehen und zuschauen, was aus meinem Lebenswerk wird, wenn ich doch selbst noch tatkräftig mitarbeiten kann? Und auf mich selbst kann ich mich noch immer am meisten verlassen!“
Für Klaus Darbo, 61-jähriger Marmeladehersteller, steht fest: „Ich werde jedenfalls arbeiten bis zum Umfallen. Ich hab so eine interessante Tätigkeit, dass ich sogar dafür zahlen würde, arbeiten zu dürfen!“ Darbos Söhne sind freilich bereits im Unternehmen tätig.

Die Chancen der Nachfolger. Loslassen und Verantwortung abgeben setzt auch viel Vertrauen in die Nachfolger voraus. Doch ein zu langes Werken von Alt und Jung nebeneinander hält der osb-Consulter Rudolf Wimmer, Professor am Lehrstuhl für Führung und Organisation des Instituts für Familienunternehmen der privaten Universität Witten/Herdecke, für schädlich: „Fallstudien zeigen, dass es für ein Unternehmen in der Regel nicht gut ist, wenn Alt und Jung jahrelang gemeinsam führen. Der Junge kommt nicht in den Sattel und wird in der Folge nie ganz anerkannt. Und das gilt auch“, meint Wimmer, „wenn sich der Senior in Beirat oder Aufsichtsrat zurückzieht und von dort aus noch immer hineinregiert.“

Die Chancen auf einen tatsächlichen Rückzug des Seniors schwinden – laut Consulter Wimmer – von Jahr zu Jahr: „Je später der Rückzug, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er wirklich stattfindet.“
Dann kann es durchaus zu dramatischen Entwicklungen kommen, wie das Beispiel des eingesessenen Vorarlberger Liftbauers Doppelmayr zeigt: Der Senior, Arthur Doppelmayr, Konsul, Senator und heute über 80 Jahre alt, wurde schließlich per Gerichtsbeschluss aus dem Aufsichtsratsgremium entfernt. Mit dem Konflikt zwischen Vater und Sohn, dem jetzigen Vorstand, sind nun die Gerichte beschäftigt.
Aufgrund der Hürden, die eine Unternehmensübergabe in sich birgt, wurde das Thema lange tabuisiert, auch um Belegschaft, Kunden und Lieferanten nicht zu verunsichern.

Erwägt ein Unternehmer allerdings den Verkauf seines Betriebes, muss er aktiv nach einem passenden Käufer Ausschau halten. Um dies möglichst dezent und anonymisiert in die Wege zu leiten, gibt es mittlerweile gut funktionierende Datenbanken, auf denen sich Interessenten umsehen können. KMU-Forscher Voithofer ist überzeugt: „Die Nachfolgebörsen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Enttabuisierung. Früher wurde über das Thema nicht gesprochen, obwohl doch jeder weiß, wann ein Unternehmensführer auf das pensionsfähige Alter zusteuert. Dazu braucht man kein Prophet zu sein.“
Als Steuerberater hat sich Rudolf Fantl hauptsächlich mit Betriebsnachfolge beschäftigt, bevor er 2003 die Betriebsbörse gründete. Seine Tätigkeit beginnt mit einer Analyse des zu verkaufenden Betriebes und einer Ermittlung des Zukunftspotenzials: „Diese Verkaufsexpertise wird Interessenten nach Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung zur Information zur Verfügung gestellt.“
Die Zahl verkaufswilliger Unternehmer steigt von Jahr zu Jahr, stellt Rainer Ribing, Leiter des Gründerservice Österreich, fest. Und er weist auch gleich auf die Vorteile für den Käufer hin: „Einen bereits bestehenden Betrieb zu übernehmen hat viele Vorteile: Es gibt eine bestehende Infrastruktur, Kundenstamm, Lieferantennetz und dadurch keine großen Unsicherheiten mehr.“

Bei jeder Form der Unternehmensübergabe empfiehlt er jedoch „rechtzeitige Planung, möglichst unter Heranziehung eines externen Beraters, denn meist ist die Unternehmensübergabe oder -übernahme im Leben eines Unternehmers ein singuläres Ereignis, für einen Berater jedoch ein häufiges Thema“. Für zielführend hält er auch eine – allerdings nicht zu lange – Übergangsphase und die passende Berufs- und Branchenerfahrung des Nachfolgers, sei er nun ein Familienmitglied oder ein Unternehmenskäufer.

von Martina Forsthuber

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