10.000 Jahre länger leben

Eine Anleitung zum ewigen Leben in leicht fasslichen Schritten.

Ehe ich mit Erfolgsgarantie erläutere, wie man 10.000 bis 250.000 Jahre länger lebt, möchte ich erzählen, wie ich auf dieses Thema kam.

Es war ein Allerheiligentag. Ich war logisch melancholisch, ungewöhnlich müde und wollte keinen Landsmann sehen. So stieg ich in einen Airbus-340 der AUA und flog in meine Lieblingsstadt Peking. Mein Freund Josef Li Wisenrand holte mich ab.

„Allerheiligenmelancholie und Weihnachtsdepression?“, fragte er in einem Teehaus in der zweiten Häuserzeile hinter dem Tienanmenplatz. Ich nickte und er erzählte:
„Nach wie vor geht nichts über die Philosophie: Der Weg ist das Ziel. Da sie 3000 Jahre alt ist, hat sich seit deinem letzten Besuch nichts verändert. Nach wie vor geht es darum, einen vollendeten Gegenwartssinn zu erlangen. Wirf die Rucksäcke der Vergangenheit und der Zukunft ab. Wirf die Erinnerungen in ein Tagebuch, und schiebe dir alle Planungen in den Hintern. Entscheidend ist die Qualität des nächsten Schritts. Wenn deine kommenden Schritte gelingen, wirst du eine Straße aus Jade bauen. Aus Jade gebaut wird sie schön sein. Und wenn sie schön ist, wird es einst egal sein, wie lang sie gewesen ist.“
„Kenne ich“, wedelte ich ab, „habe ich mehrfach in Vorträgen besungen und Büchern beschrieben. Meine Freundinnen und Freunde sind aber stur. Sie wollen partout Tipps für ein möglichst langes Leben im Diesseits, gerade auch jene, die nicht mehr jung oder nicht mehr gesund sind.“
„Warum?“, fragte Josef Li. Er hielt diesen Wunsch für Unsinn. Jeder müsse doch begreifen, das Erdenleben sei ein Albtraum, aus dem man endlich in eine Allwissenheit erwache, in der man sich beispielsweise die Begriffe „Nichts“ und „Unendlich“ vorstellen könne. Jede Verzögerung sei unintelligent.
„Aber bitte“, sagte er, „wenn einer unbedingt länger in der Hölle des Daseins schmoren will – hier sind meine Tipps.“

Ich habe diese Tipps mit meinem alten, treuen Siemens-Handy S 55, das ein passables Diktiergerät ist, aufgezeichnet und tu jetzt so, als wären sie von mir.

Die weißhäutigen Menschen wissen nichts von der Schlaf-Weisheit der Asiaten, die in vielem einen Kulturvorsprung von zirka 3000 Jahren (gegenüber den Europäern) und 5000 Jahren (gegenüber den Amerikanern) haben.

Jeder gebildete Asiate kommt mit 4 Stunden und 20 Minuten Schlaf aus. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass man drei Tiefschlafphasen braucht. Die ersten zwei müssen teuer bezahlt werden, mit einem En-bloc-Schlaf von 4 Stunden. Weniger ist nur in Kriegszeiten denkbar, wenn der Körper durch Dauer-Adrenalin vergiftet ist und sich bald mit gnädiger Apathie rächt.

In zivilen Zeiten sind 4 Stunden unabdingbar. Die dritte Tiefschlafphase kommt dafür geschenkt. Zwanzig Minuten eines Zusatzschlafs am Nachmittag reichen dafür. Sitzschlaf mit den Unterarmen auf dem Schreibtisch genügt. Kluge Manager werden dennoch ihr Büro-Separee benützen. Das entlastet die Beine. Wer dies beherrscht, gewinnt pro Jahr im Durchschnitt 1000 Stunden. Das ist nicht viel. Es ist nur zirka das Zehnfache der Mal-Zeit von Pablo Picasso für das Anti-Kriegs-Gemälde „Guernica“.

Die dramatischste Diesseits-Verlängerung bieten Romane. Ihre inneren Vorzüge werden im Essay auf Seite 116 beschrieben. Der äußere, pragmatische Vorzug liegt darin, dass im Wege der Identifikation pro Buch ein weiteres Leben gelebt wird.

Wer ein bis zwei Romane pro Monat liest, wird pro Monat in Erlebnis-Quanten um 100 Jahre älter, für seine Zeitgenossen aber immer frischer und jünger, da der eigene Organismus, während er in einen anderen schlüpft, ruht und zurückfällt auf ein junges Niveau.

Das beste Beispiel dafür ist Hellmuth Karasek. Dieser Mann, angeblich an die 70, hat ein bewegtes, durchaus schwieriges Leben gemeistert. Er wanderte aus, zog zirka vier Kinder hoch, ertrug jahrzehntelang den Stress eines Print- & TV-Star-Rezensenten und wirkte zuletzt in einem TV-Gespräch mit Barbara Stöckl so frisch wie sein eigenes Kind. Kennte er noch Wiener Schneider und Coiffeure und Masseure, die ihren Beruf verstehen, träte er übermütig auf wie ein Enkelkind.

Karasek hat durch Romane sein Leben verlängert beziehungsweise invers verjüngt. Er spielte als Lesender stumm alle Hauptrollen, den Leverkühn in „Dr. Faustus“ (Mann), den Edouard in den „Falschmünzern“ (Gide), den Zeno in „Cosini“ (Svevo), den Don in Juan (Handke), den Bloom in „Ulysses“ (Joyce) und alle anderen Rollen der Weltliteratur, dazu noch jene, die er entdeckte.

Daneben pflegt er, wie mir Wolfi Bauer sagte, eine gleichwertige Liebe zum Theater, sei auch noch gut im Feiern.

So ist er, meiner groben Berechnung nach, heute mindestens 250.000 Jahre alt. Man sieht ihm dieses Alter nicht an. Er taugt als Idealfall eines Vorbilds für die Manager und Unternehmer, die auf der Suche nach ihrem Jungbrunnen sind.

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