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Böhler-Uddeholm-Chef Claus J. Raidl, Mr. Edelstahl aus Kapfenberg, ist heuer auf Platz drei der „Most Admired Managers“ Österreichs aufgerückt.

Ende Mai war er wieder einmal in seinem Element. Zwei Wochen flog der Böhler-Boss kreuz und quer durch Amerika und Europa, begleitet von zwei kampferprobten Mitstreitern: Finanzvorstand Horst Königslehner und Investor-Relations-Manager Randolf Fochler wissen seit Langem, was bei Road Shows läuft und wie man dem Chef zur Hand gehen kann. Um den Verkauf von 1,75 Millionen junger Böhler-Uddeholm-Aktien ging es diesmal und um knapp eine halbe Million alter. Das Ritual kennt Fochler seit zehn Jahren: „Unermüdlich erzählt er die Story, immer wieder arbeitet er den Unterschied zwischen Böhler-Uddeholm und der herkömmlichen Stahlindustrie heraus – und das zehnmal am Tag.“ Dann kommen die Fragen – oft kritisch und gut vorbereitet. Raidl beantworte sie locker, denn er antworte gerne.

Mittlerweile wurde der drittplatzierte der „Most Admired CEOs“ für seinen Einsatz belohnt: Die Transaktion ging erfolgreich über die Bühne, der Edelstahlkonzern ist um 220 Millionen Euro reicher. Damit hat Böhler-Uddeholm die jüngste und bislang größte Akquisition – die der deutschen Edelstahlwerke Buderus – finanziert und obendrein die Kapitalbasis des Konzerns für weiteres Wachstum gestärkt.
Die Kapitalmarkttransaktion reiht sich nahtlos in die Erfolgsgeschichte des 63-jährigen Firmenchefs ein, der von sich selbst behauptet, bereits mehr als 100 Jahre Böhler-Tradition im Blut zu haben: „Mein Großvater arbeitete 50 Jahre bei den Böhler Ybbstalwerken, mein Vater 40 Jahre, und ich bin jetzt auch schon mehr als zehn Jahre dabei.“ Raidl versteht sich als waschechter Kapfenberger – im Werksspital geboren, in einer Werkswohnung aufgewachsen, und natürlich habe er auch den Werkskindergarten besucht.

Erfolgreich privatisiert. Seit 1991 dirigiert der 1971 promovierte Doktor der Handelswissenschaften die Geschicke des damals aus der österreichischen Böhler- und der schwedischen Uddeholm-Gruppe verschmolzenen Konzerns. Heute ist die höchst erfolgreich privatisierte Böhler-Uddeholm eines der weltweit führenden Edelstahl- und Werkstoffunternehmen und globaler Marktführer für so anspruchsvolle Dinge wie Werkzeugstahl, Bandstahl, Turbinenschaufeln oder Schweißzusatzwerkstoffe.

1994 hatte die damals noch zur Gänze verstaatlichte Gesellschaft nach tief greifender Umstrukturierung gerade den Turnaround geschafft. 2004 schrieb Böhler mit rund 12.000 Mitarbeitern ein Rekordergebnis: 1,9 Milliarden Euro Umsatz und 110 Millionen Euro Gewinn. Insgesamt 290 Millionen Euro wurden in den vergangenen zehn Jahren an Dividenden ausgeschüttet. Investoren bewerten den Konzern an der Börse inzwischen mit mehr als einer Milliarde Euro – Tendenz steigend. „Es ist uns gelungen, eine kleine, aber weltweit tätige Spezialstahlgruppe aufzubauen und durch Zukäufe zu verstärken“, untertreibt Raidl voller Stolz – Größenwahn war und ist dem „einfachen Stahlarbeiter“, so seine leicht kokette Eigendefinition, fremd. Sein Vorstandsmandat wurde übrigens heuer um weitere vier Jahre verlängert.

Andreas Ludwig, CEO von Zumtobel, bewundert Raidl, „weil es ihm gelungen ist, den großen wirtschaftlichen Erfolg der Böhler-Uddeholm mit seiner politischen Tätigkeit im Hintergrund zu vereinen“. Und für Wolfgang Spreitzer, der Raidl mehr als 20 Jahre noch aus alten Voest-Zeiten kennt, ist er schlicht „der Topmanager mit der breitesten Sicht auf gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge“.

Die Liebe zur Politik. Mit seinem Engagement für den Kapitalmarkt hatte es angefangen, mit liberalen wirtschaftspolitischen Ezzes für Bundeskanzler Schüssel ging es weiter, doch Raidls heimliche Liebe zur Wirtschaftspolitik wurde bisher nicht entsprechend erwidert: In die Regierung wurde er nie berufen. Er selbst betont, dass er das auch gar nicht mehr wolle.
Sein liberales marktwirtschaftliches Denken hätte Raidl gerne in Infrastrukturbereiche wie Post, Strom, den gemeinnützigen Wohnbau oder in das Bildungswesen eingebracht – „überall dort, wo die Marktwirtschaft“, so seine Überzeugung, „von Vorteil für uns alle wäre“.
Die Wurzeln seiner liberalen Einstellung gehen auf die Schulzeit zurück: Ein Auslandsjahr (1959/60), das er während der siebten Klasse Gymnasium bei einer amerikanischen Familie südlich von Boston verbrachte und mit dem Diplom der Duxbury High School abschloss – bevor er ein Jahr später mit Auszeichnung maturierte –, hat seine Persönlichkeit stark geprägt. Seine Erfahrungen, etwa in der Schüler-Lehrer-Beziehung, bestimmen heute die Art des Umgangs mit den Mitarbeitern.

Entscheidend sei Leadership-Qualität, meint Raidl, der als Reminiszenz an seinen USA-Aufenthalt auch seine Mittelinitiale J. („für meinen echten Mittelnamen Josef“) im Namen führt. Menschen zu führen sei das Schwierigste, sagt er. Sein Rezept: Er bemühe sich, jedem ehrlich zuzuhören, zu hinterfragen, worum es im Grund gehe, und stets die Wahrheit zu sagen, auch wenn es unangenehm ist. Fochlers Erfahrung: „Raidl ist da, wenn es Probleme gibt, kann gut mit Belegschaftsvertretern umgehen und hat einen persönlichen Bezug zu den Mitarbeitern.“ Das alles mache ihn beliebt. Deshalb sei er eine Integrationspersönlichkeit.

Distanzen abgebaut. Da er auf Menschen ausgesprochen gradlinig zugeht und sie in seiner betont hausbackenen Art anspricht, vermag Raidl Distanzen im Nu abzubauen. Damit gewinnt er aufmerksame Zuhörer, die ihm auch glauben und sich seine berühmten Sager merken. „Es ist wichtig, den scharfen Blick für das Ganze zu haben und nicht den schärfsten Blick für das Detail“, definiert Raidl seine Prioritäten bei Problemlösungen. Oder zur Bewältigung des Arbeitspensums: „Es gewinnt nicht, wer am meisten schwitzt, sondern wer als Erster im Ziel ist.“ Das versteht der Arbeiter an der Spindelpresse genauso wie der Aktionär.

Seine Leadership-Qualitäten werden von seinen Kollegen selbstverständlich erkannt. Hans Peter Haselsteiner, Vorstandsvorsitzender der Bau Holding Strabag, schätzt an Raidl dessen „Wachsamkeit und Kontinuität“ – und ganz besonders dessen Handschlagqualität. Kurzum: Raidl steht zu dem, was er sagt, und er traut sich etwas zu sagen, auch wenn es kritisch ist. Oft scheint er pointierte und kontroversielle Standpunkte geradezu zu suchen, offenbar, um einen spannenden Diskurs in Gang zu bringen.
Spreitzer bewundert den Böhler-Uddeholm-Chef, weil er es geschafft habe, „loyale Topleute um sich zu scharen“. Und weil es ihm in den letzten drei Jahren gelungen sei, Unternehmen zu sensationell guten Preisen zu akquirieren.

Dass er von früh bis spät und auch am Wochenende arbeitet, versucht Raidl zu relativieren: „Es zwingt mich niemand. Deshalb will ich nicht bedauert und nicht bewundert werden.“ Schließlich hat er neben seinem wirtschaftspolitischen Engagement und einigen Aufsichtsratsposten – in der Wiener Börse AG, der Donau Allgemeine Versicherung, diversen Konzerngesellschaften und voestalpine Bahnsysteme – vor drei Jahren noch einen weiteren Nebenjob als Präsident des Fachhochschulrats übernommen, den er ebenfalls mit großem Engagement erfüllt.
Alle, die ihn gut kennen und wissen, dass er partout keinen Sport betreibt, rätseln darüber, woher er seine unbeschreibliche Energie schöpft. „Ich kann mich schnell regenerieren und zum Beispiel in jeder Position schlafen.“ Das ist natürlich ein Riesenvorteil, wenn man – wie im vergangenen Mai – kreuz und quer über Kontinente jetten muss. Das sei, wie Raidl verrät, keine Belastung, sondern genau das Gegenteil: "Das Herumreisen hält mich in Wahrheit geistig frisch."

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