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Die heimische E-Wirtschaft hat dank Liberalisierungsgewinnen ein erfolgreiches Jahr hinter sich – bloß die Privathaushalte wollen nicht verstehen, warum der Strom für sie nicht endlich billiger wird.

Eigentlich könnten Österreichs Energieversorger mehr als zufrieden sein. Zumindest jene, die Strom verkaufen. Während die heimischen Mineralölhändler ein wenig unter dem Margendruck an den Tankstellen leiden (Ausnahme OMV, die als erdölförderndes Unternehmen vom hohen Erdölpreis eher profitiert, brummen bei EVN, Verbund und Co durchwegs Umsätze und Gewinne wie eine Gigawatt-belastete Hochspannungsleitung im Winter.

Auf der anderen Seite allerdings stehen die Akteure aus der E-Wirtschaft stärker unter Strom, als ihnen lieb ist. Das könnte daran liegen, dass die öffentliche Diskussion im vergangenen Jahr von ganz anderen Themen dominiert wurde: „Warum etwa ist trotz Liberalisierung der Strompreis für die Haushalte nicht gesunken?“, hieß die immer öfter und zorniger gestellte Frage. Und weil man darauf keine befriedigende Antwort bekam, verfolgte so mancher zumindest mit Befriedigung,
wie einem der strategischen Hauptprojekte der heimischen Stromwirtschaft sukzessive der Saft abgedreht wurde: Die große Österreichische Stromlösung, der geplante Zusammenschluss von vier großen Landesstromgesellschaften (Niederösterreich, Oberösterreich, Wien, Burgenland) mit der überregionalen Verbundgesellschaft, musste nach dem Ausstieg der Verbundgesellschaft vorläufig auf Eis gelegt werden.

Und so bleibt auch beim Strompreis alles beim Alten – zum Ärger der Konsumenten. Da nutzen die Beteuerungen von Ulrike Baumgartner, Chefin des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs, nichts: „Dafür, dass durch Steuern und Abgaben nach der Marktöffnung ein guter Teil der Endkunden-Ersparnis wieder wettgemacht wurde, kann die heimische E-Wirtschaft nicht zur Verantwortung gezogen werden.“ Statt sich über Gewinne freuen zu können, standen die Stromversorger also abwechselnd als neuzeitliche Wegelagerer oder altmodische Verhinderer in den Schlagzeilen.

Privilegien am Strom. Die Themen haben trotzdem miteinander zu tun – und zwar folgendermaßen: Die hohen Gewinne – immerhin sind unter den 20 margenstärksten Unternehmen Österreichs (siehe Ranking auf Seite 22) gleich fünf Stromversorger zu finden – haben die Hauptursache in einer relativ kommoden Situation der österreichischen E-Wirtschaft, die ihren Strom weit gehend selbst produzieren kann, und zwar zu rund 70 Prozent aus äußerst kostengünstiger Wasserkraft. Der Marktpreis für elektrische Energie auf dem europäischen Strommarkt ist freilich von kalorischen Kraftwerken abgeleitet. Weil die Rohstoffe für kalorische Kraftwerke – Erdöl, Erdgas – aber immer teurer wurden, stieg auch der Strompreis. Und wer in dieser Situation nicht von den teuren Rohstoffen abhängig ist – etwa weil er den Strom aus Wasserkraft (oder Atomkraftwerken) produziert –, ist fein raus: Er kann seinen kostengünstig erzeugten Strom zu hohen Marktpreisen weiterverkaufen.
Die heimischen Stromabnehmer – insbesondere die Haushaltskunden – haben aber lange nicht so viel von der heimischen Wasserkraft, wie die Strombosse gerne glauben machen möchten. Denn die denken nicht im Traum daran, den Preisvorteil, den sie durch ihren hohen Wasserkraftanteil erzielen, an die Endkunden weiterzugeben. Müssen sie auch nicht, denn – und das ist umgekehrt ein zweiter Grund für eine sehr erfreuliche Ertragssituation der heimischen Energieversorgungsunternehmen und den Ärger der Haushaltskunden – der Wettbewerb unter den Stromfirmen hierzulande ist gerade im lukrativen Haushaltskundensegment äußerst eingeschränkt.
Das stellte auch die Regulierungsbehörde e-control und die Bundeswettbewerbsbehörde in ihren bisher erschienenen Zwischenberichten zur Situation auf dem heimischen Strommarkt fest. Trotz Liberalisierung – theoretisch und praktisch kann ja jeder Haushalt den Stromversorger frei wählen – bemerken die an Billa-, MediaMarkt- und H&M-Rabattitis-geeichten Haushaltskunden weit und breit nichts von eigentlich erwartbaren Preisschlachten. Ausländische Anbieter, die ein wenig Wettbewerb auf dem österreichischen Markt veranstalten könnten, haben keine Chance: Zum einen fehlen ihnen die kostengünstigen Wasserkraftwerke. Zum anderen sind die Durchleitungsgebühren der heimischen Netzbetreiber in Österreich prohibitiv hoch: Weil die Landesstromgesellschaften Netzbetreiber und Stromerzeuger in einer Person sind, können sie die hohen Leitungsgebühren zur Querfinanzierung ihrer Stromerzeugung einsetzen – im Gegensatz zu gebietsfremden Stromanbietern, sagt etwa Astrid Obermair, Chefin der slowenischen APC, des einzigen wirklich unabhängigen Stromhändlers in Österreich.

Absprachen statt Wettbewerb. Nur die Landesstromversorger wären imstande, durch Wettbewerb untereinander die Vorteile der Wasserkraft bis zum Endkunden weiterzureichen. Damit das aber nicht passiert, streben die Stromunternehmen nach immer größeren Kooperationen, die weiteren inländischen Wettbewerb so gut wie unterbinden. Die erste Stufe war die Energie Allianz (die vier Landesversorger), die bereits einen funktionierenden Wettbewerb „auf längere Sicht“ unmöglich macht, wie auch Wissenschafter der Universität Wien und der TU Wien in einer Studie unlängst formulierten.
Einen kleinen Hinweis auf die wirtschaftlichen Beweggründe dieser Landesversorger liefert auch unser Ranking: Ausgerechnet die Firmen aus der Energie Allianz, die niederösterreichische EVN und oberösterreichische Energie AG, mussten im vergangenen Jahr als Einzige einen Rückgang beim Nettoumsatz je Mitarbeiter hinnehmen. Diese beiden haben wegen des betriebswirtschaftlichen Drucks das höchste Interesse am Ausschalten eines scharfen Preiswettbewerbs. Burkhard Hofer, EVN: „Synergiepotenziale lassen sich nur durch Zusammenschluss von Gesellschaften erreichen.“

Verbund – Garant für Wettbewerb? Die seit Jahren geplante zweite Stufe dieser Kooperationen allerdings will trotz fortdauernder Verhandlungen nicht und nicht zustande kommen: die Österreichische Stromlösung (ÖSL) – der Zusammenschluss der Energie Allianz mit der Erzeugungsgesellschaft Verbundgesellschaft. Im Gegenteil: Nach dem Rekordjahr 2004 hat sich bei Verbundchef Hans Haider offenbar endgültig die Überzeugung festgesetzt, dass sein Unternehmen ohne die Kooperation mit ihren potenziellen österreichischen Hauptkunden (den Landesstromgesellschaften) betriebswirtschaftlich besser dasteht. Anstatt in der ÖSL die Aufgabenteilung – hie Stromerzeuger, da Stromvertreiber – zu akzeptieren, will Haider selbst in das lukrative Endkundengeschäft einsteigen, als Konkurrent zu EVN, Wienstrom & Co.
Vor wenigen Wochen präsentierte Haider die Ergebnisse einer in Auftrag gegebenen Studie des Beraters Booz-Allen-Hamilton über die mangelnde wirtschaftliche Sinnhaftigkeit der ÖSL (im Gegensatz zu einer Studie der Energie Allianz) und verkündete deren Ende in der angestrebten Form – aus wettbewerbspolitischer Sicht wohl gar nicht so schlecht für viele Stromverbraucher. Die Angstparole über den befürchteten „Ausverkauf heimischer Wasserkraft“1) sollte aber Stromkunden unter diesem Gesichtspunkt also nicht wirklich erschüttern. Im Gegenteil – sie können nur gewinnen.

Haider riskiert damit allerdings, direkt in den politischen Stromkreis zu greifen, denn der Haupteigentümervertreter der Verbundgesellschaft – Wirtschaftsminister Martin Bartenstein – hat sich mit den Landespolitikern und Eigentümervertretern der Landesgesellschaften eigentlich schon auf die Umsetzung der ÖSL festgelegt. Bartenstein: „Das ist eine sinnvolle Strukturmaßnahme für eine strategische Ausrichtung unserer E-Wirtschaft im europäischen Strommarkt.“ Es dürfte also spannend werden, wie das derzeitige Patt zwischen Haider und Bartenstein ohne beiderseitigen totalen Gesichtsverlust aufgelöst wird. Hans Haider jedenfalls ist durchaus zuzutrauen, dass er im Fall größeren politischen Drucks zur Realisierung der von ihm ungeliebten ÖSL als Vorstand der Verbundgesellschaft das Handtuch wirft.

Aus Sicht der Kunden wäre dies durchaus schade, denn der Eintritt der Verbundgesellschaft in den Endkundenmarkt würde tatsächlich so etwas wie Wettbewerb auf dem heimischen Markt hervorrufen – inklusive Preissenkungen. Und damit hätten die Österreicher wirklich direkte Vorteile von der heimischen Wasserkraft und nicht nur über den Umweg hoher Dividenden der Stromversorger an ihre politischen Eigentümer.

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