Hacker-Jagd: Immer mehr Nerds landen auf "Most Wanted“-Liste

Hacker-Jagd: Immer mehr Nerds landen auf "Most Wanted“-Liste

Er sieht aus wie ein Milchbubi, gilt in seinem Gewerbe aber als ganz große Nummer. Der gebürtige Lette Alexsey Belan, 26, alias "Abyr Valgov“ alias "Fedyunya“ alias "Magg“ alias "M4G“ soll sich im Vorjahr in Nevada und Kalifornien in die Computernetzwerke von mindestens drei Onlinehandelsfirmen gehackt, Millionen von Kundeninfos - Zugangsdaten, Kontonummern, Passwörter - abgesaugt und diese dann am Schwarzmarkt verklopft haben.

Seither sucht ihn das FBI mit zwei Haftbefehlen. Kopfgeld: 100.000 Dollar. Soviel wurde bislang nur für Mörder und Terroristen geboten.

Auf der illustren "Cyber’s-10-Most-Wanted“-Liste des FBI befinden sich ein weiterer Lette, drei Pakistani, zwei Russen, ein Inder, ein Schwede, ein Syrer und ein besonders gewitzter Internet-krimineller aus El Salvador. Erstaunlicherweise aber kein einziger US-Staatsbürger. Belohnung für zweckdienliche Hinweise zu deren Ergreifung: immerhin noch 20.000 bis 50.000 Dollar.

Die Cybercrime-Mission

"Die Verbrecher, die wir suchen, sind für erheblichen Schaden an unserer Wirtschaft verantwortlich“, sagt Richard McFeely, der zuständige Polizist in typischer FBI-Rhetorik. "Sie haben es sich zu ihrer Mission gemacht, unsere Nation und Bürger auszuspionieren und zu bestehlen.“ Die Bitte um Hilfe der Bevölkerung bei ihrer Jagd auf die Hacker untermauert das Federal Bureau of Investigation mit Erkenntnissen aus dem jüngsten Bericht (2012) des "Internet Crime Complaint Center“ (IC3), einer Art FBI-Ombudsmann-Stelle.

So habe das IC3 im Vorjahr knapp 290.000 Beschwerden registriert, vorwiegend aus den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Indien. Deren Schadensangaben hätten sich auf 525,5 Millionen Dollar summiert. Und die Opfer - zu 96 Prozent in geschäftsfähigem Alter - seien im Durchschnitt um 4.800 Dollar erleichtert worden.

Spätestens seit 9/11 hat die US-Polizeibehörde, abseits von allfälligen Terrorverdächtigungen, den Kampf gegen Einbrüche in Computernetzwerke, Angriffe auf deren Stabilität durch Massen-E-Mails, sogenannte "Denial of service attacks“ und jegliche kommerziell motivierte Internetkriminalität an die Spitze ihrer Prioritäten gesetzt. "Wenn wir diesen Bedrohungen effektiv begegnen wollen“, so FBI-Direktor Robert S. Mueller, "müssen alle Stellen geschlossen vorgehen.“ Resultat: Inzwischen ist die amerikanische "National Cyber Investigative Task Force“ auf 19 Suborganisationen mit 55.000 Mitarbeitern angewachsen. Selbst die Spionage-Dachorganisation "Intelligence Community“ umfasst bloß 17 Geheimdienste.

Dunkle Geschäfte

Auch in Europa legen die Ermittlungsbehörden verstärktes Augenmerk auf Cybercrime-Auswüchse. Der Bundeslagebericht 2012 des deutschen BKA weist beispielsweise darauf hin, dass sich neben dem üblichen Abfischen von Onlinebanking-Daten und digitaler Identitäten vor allem digitale Erpressungen inzwischen "zu einem Massenphänomen“ entwickeln.

Auch die bislang bekannten Täterstrukturen würden sich zunehmend verändern. "Es agieren nicht mehr nur hochspezialisierte Einzeltäter mit umfassenden IT-Kenntnissen, sondern vermehrt auch Kriminelle ohne spezifische Fachkenntnisse, die für die Begehung der Straftaten arbeitsteilig zusammenwirken“, so der BKA-Report. "Die Täter begehen heute nicht mehr nur die Straftaten im eigentlichen Sinne, sondern bieten vielmehr die zur Begehung von Straftaten erforderliche Schadsoftware oder gar komplette kriminelle Infrastrukturen in der ‚Underground Economy‘ zum Kauf oder zur Miete an.“

Allerdings: Während die Zahl der in Deutschland statistisch erfassten Cybercrime-Fälle zwischen 2008 und 2012 zwar von 38.000 auf 64.000 angestiegen ist, hat sich die Schadenssumme gemäß BKA-Angaben nach einem Höhepunkt 2011 von 72 Millionen Euro auf 42,5 Millionen Euro im Vorjahr reduziert. Zurückzuführen sei das auf verstärkte Investitionen in digitale Schutzwälle, die so genannten Firewalls, bei den Onlineanbietern.

Astronomische Summen

Auf im Verhältnis ähnliche Zahlen kommt der österreichische Cybercrime-Report des Innenministeriums aus 2012. Demgemäß ist die Zahl der statistisch erfassten Fälle von IT-Krimininalität von 2.700 im Jahr 2008 auf deutlich über 10.000 im Vorjahr gestiegen. Die österreichische Aufklärungsquote liege aber nur bei läppischen 25 Prozent.

Angaben über Schadensbeträge macht der BKA-Report nicht, aber Innenministerin Johanna Mikl-Leitner vermutet diese in "astronomischen Höhen, da moderne Wirtschaftskriminalität heutzutage im Internet rund um die Uhr stattfindet“. Deswegen wird das österreichische Cybercrime-Kompetenzzentrum 2014 auf 50 "Cyber-Cops“ aufgestockt, und die Kooperation mit Europol und Interpol intensiviert werden.

Alle Fachberichte gehen - parallel zu den technologischen Entwicklungen und ihrer Verbreitung - von einer Zunahme der Internetkriminalität aus. Grund ist vor allem die rasante Verbreitung der mobilen Endgeräte wie Smartphones und Tablets, und die immer öfter zum Einsatz kommende Datenübertragung über kürzeste Distanz, die sogenannte Nearfield Communication (NFC). Dazu kommen die kaum kontrollierbaren dunklen Ecken des Internets, die " Dark- oder Deepwebs “.

Doch nicht immer setzen Gauner auf Hochtechnologie, mitunter reicht das Adressieren von Gefühlen. So landete Carlos Enrique Perez-Melara auf der Most Wanted-Liste, weil er auf seiner Website Eifersüchtigen versprach, ihre betrügerischen Partner zu entlarven. Tausende Misstrauische ließen sich von seinen "Lover-Spy“-Mails verführen und wurden mehr los, als ihnen lieb war.

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
#urlaub #internet #reise
 

Internet

Urlaub in letzter Sekunde

Warum Apple 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer ausgegeben hat, die man nicht braucht - und warum sich der Beats-Deal für den Konzern trotzdem lohnt.
#beats apple
 

Börse International

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Das Auto soll mit Elektromotor ausgestattet werden und
#Google #Elektroauto
 

Innovation

Google baut selbstfahrende Autos ohne Lenkrad