Effizienz durch Intelligenz

Effizienz durch Intelligenz

Vom Chef bis zum Kundenbetreuer vor Ort, von der Tumoranalyse bis zur Tarifgestaltung: wer aller von den neuesten BI-Tools profitiert.

Business Intelligence kann Leben retten. Konkret geschieht dies im berühmten Berliner Krankenhaus Charité, wo Ärzte neuerdings öfters mit ihrem iPad anzutreffen sind. Mit ein paar Fingerbewegungen können sie damit nicht nur Patientendaten abrufen, sondern auch sensible Parameter für die Krebstherapie. Der "SAP HANA Oncolyzer“ wertet ganze Datenbänke in Sekundenschnelle im Arbeitsspeicher (In-Memory) aus und beschleunigt eine Tumordatenanalyse um das 1000-Fache. Die Terabyte an Daten, die pro Patienten ausgewertet werden müssen, können auf diese Weise sofort abgerufen werden, um die individuell effektivste Krebstherapie zu bestimmen.

Business Intelligence (BI) ist längst vom Controlling-Instrument zu einem universell einsetzbaren Werkzeug für Mitarbeiter jedweder Hierarchie und Branche geworden - vom CEO bis zum Kundenbetreuer, von Bankkonzernen bis zum KMU. Zumindest in der Theorie: "In Österreich sind es heute oft nur die Entscheidungsträger, die mit optimal aufbereiteten Informationen versorgt werden“, erklärt Manfred Troger, Österreich-Geschäftsführer des IT-Marktforschungsunternehmens Gartner, "doch im Grunde genommen ist der Decision Support, also die mit Daten untermauerte Entscheidungshilfe, ein Thema für das ganze Unternehmen und jeden Mitarbeiter.“ Vor allem die neuen Tools, die in die Zukunft blickende Analysen und Vorhersagen ermöglichen, seien in heimischen Unternehmen noch unterrepräsentiert - und das sei nicht eine Frage der Größe: "Das kann bei kleineren Betrieben ja auch oft nur eine einzige, aber zentrale Fragestellung sein.“

Dass BI keine Frage der Firmengröße ist, bestätigt auch Oliver Krizek vom IT-Dienstleister Navax, der für Kleinfirmen ebenso BI-Programme aufsetzt wie für Banken mit ein paar tausend Mitarbeitern. Dass es überhaupt zum Einsatz von BI-Lösungen kommt, kann mitunter ganz profane Hintergründe wie Firmenzukäufe oder Zusammenlegungen haben. Krizek: "Ich kann Daten aus unterschiedlichen historischen Systemen auch über eine BI-Lösung zusammenführen und harmonisieren. Am Ende des Tages ist Datenkonsolidierung das Ziel.“

Zudem ist es heute deutlich einfacher, alle Mitarbeiter mit entsprechenden Daten zu versorgen. Für Abfragen braucht es keine IT-Abteilung mehr - Dashboards, Excel-Tools und Apps am Smartphone bieten schnellen Zugang zu Daten, die Grundlage für wichtige Entscheidungen sein können. BI verschmilzt dabei mit üblichen Anwendungsprogrammen wie etwa Microsoft Excel. Vor allem darin sehen viele Experten die Basis für die neue Welt der Arbeit: Business Intelligence für jeden Mitarbeiter.

So arbeitet der Salzburger Handelsriese Spar seit Längerem intensiv an BI-Lösungen für die einzelnen Anwender im Sortiments-, Store- und Stock-Management. "Das ermöglicht uns, den idealen Sortimentsmix zusammenzustellen und klassische betriebswirtschaftliche Größen wie etwa Profite und Lagerbestände zu optimieren“, erklärt Andreas Kranabitl, Chef der Spar Business Services. Als Nächstes werden bei Spar mobiles BI, Selfservice-BI und Social Media Analytics eingeführt.

Der Telekom-Riese A1 wiederum setzt bei der Entwicklung von neuen Produkten und Services sowie der Optimierung von Prozessen und Abläufen ganz gezielt auf Market Research und Customer Experience und bindet diese Daten in seine BI-Systeme mit ein. "Das Zusammenführen all dieser Informationen bringt uns große Marktvorteile“, betont Gunther Oswalder, Leiter Market Research & Business Intelligence bei A1 Telekom. Seine Abteilung hilft bei der Übersetzung von Kundenbedürfnissen in Marktpotenziale und unterstützt die Fachbereiche in der Strategiefindung und der operativen Umsetzung.

Und auch der Energieversorger Wien Energie setzt seit Langem auf BI. "Der liberalisierte Markt bedeutet für uns mehr Wettbewerb, mehr Geschwindigkeit und noch mehr Daten, die effizient, sinnvoll und auch so sicher wie möglich behandelt und ausgewertet werden“, sagt Wien-Energie-Geschäftsführer Robert Grüneis. Ohne BI-Systeme wären diese Aufgaben nicht mehr denkbar: "Sie unterstützen das Management dabei, operative und strategische Entscheidungen im Hinblick auf den Markt und unsere Kunden zu treffen.“

In einem völlig anderen Bereich profitiert der Gratis-Online-Spiele-Spezialist Bigpoint von Echtzeitauswertungen, indem er in bestimmten Situationen den Spielern spezielle kostenpflichtige Ausrüstungsgegenstände anbietet. Seit der Einführung sind die Einnahmen um zehn bis 30 Prozent gestiegen. "BI kommt nun verstärkt im alltäglichen, transaktionellen Bereich zum Einsatz“, erklärt Markus Hassek, BI-Spezialist bei SAP. So werden nun etwa auch unzählige Maschinendaten ausgewertet, um in den Fabrikshallen den optimalen Zeitpunkt für eine Maschinenwartung festzulegen und Stillstände zu verhindern.

BI hilft auch, um rasch auf Veränderungen am Markt reagieren zu können. "Gerade in der Wirtschaftskrise sondieren Banken und Versicherungen ihr Geschäft“, so Alexandra Bousska, bei IBM Österreich für Business Analytics and Optimization zuständig, "BI hilft, das Kerngeschäft und lukrative Bereiche genau zu definieren und die direkte und schnellere Kundenansprache zu verbessern.“ Eines der wichtigsten Segmente von BI ist dabei weiterhin Controlling und Risikomanagement. Mit Basel II und Basel III wurden die IT-Systeme der Finanzinstitute dazu kräftig aufgerüstet, sie helfen, die Kreditausfallrisiken zu reduzieren. So setzt die Erste Bank dazu im ganzen Konzern auf eine gemeinsame Risk Management Engine von SAS.

Intelligente Systeme dienen aber auch im Alltag dazu, Ressourcen optimal zu nützen. Bald schon wird jeder Energiekunde dank Smart Metering Strom zum günstigsten Zeitpunkt nutzen können. BI soll künftig ganze Städte und Verkehrssysteme smarter machen. Im EU-Projekt Carbotraf (Forschungsinstitut AIT und IBM) werden die Daten, die von neu entwickelten optischen Sensoren des AIT stammen, zur Verkehrserfassung genutzt, um in Echtzeit den Verkehr zu lenken. Das verhindert Staus und reduziert zugleich die Treibhausgasemissionen.

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