Das Geschäft mit den Internetadressen: www.Wo das Internet am schönsten.ist

Weil den Deutschen langsam die Internetadressen ausgehen, kommen immer mehr Domain-Touristen nach Österreich. Wer mit Domains Geschäfte macht und was neue Adressen wie .tirol bringen.

Ihr seids ja die Bösen.“ Diesen Vorwurf hört Alexander Ernst öfter. Dabei macht der Geschäftsführer der Wiener Firma DomainQuadrat Marketing eigentlich nichts anderes als ein Immobilienberater. Er kümmert sich darum, dass seine Kunden mit ihren Webadressen – Domains – möglichst gutes Geld machen. Das mit den Bösen sieht er naturgemäß anders.

Ansehlicher Wirtschaftszweig
Sein Geschäft ist in vielen Ländern längst ein ansehnlicher Wirtschaftszweig, in Österreich fristet das Consulting von Domain-Portfolios noch ein Schatten­dasein. Ernst versteht darunter mehr als Websites mit Werbung zu spicken und zu warten, dass sich Surfer dorthin verirren. Seinen Claim im Web abzustecken sei so wichtig wie eine Visitenkarte. Wer zu lange zuwartet, hat das Nachsehen. „Wenn die Domain erst einmal in Deutschland ist, bekommt man sie nicht mehr zurück“, sagt er und spricht damit das jüngste ­Inter­­esse deutscher Domainer an öster­reichischen Webadressen an.

Österreich rückt ins Blickfeld
Bisher lag das große Geld im deutschsprachigen Raum beim Handel mit .de-Domains. Doch seit diese immer knapper werden, rücken österreichische Adressen ins Blickfeld. „Es gibt sehr, sehr viele Neuregistrierungen aus Deutschland“, bestätigt Richard Wein, Geschäftsführer der zentralen Vergabestelle für .at-Domains nic.at. Noch heuer soll die Millionengrenze überschritten werden. Mit der Nachfrage nach rot-weiß-roten Adressen steigt auch deren Wert am Sekundärmarkt. Allein in den letzten neun Monaten stiegen die Durchschnittspreise von 700 auf über 1.000 Euro.

Einträgliches Groschengeschäft
Wer mit seinen Domains Geld verdienen möchte, muss mehr Aufwand betreiben, als auf die plötzliche Berühmtheit der registrierten Adressen zu warten. Die meisten In­haber „parken“ ihre Seiten, indem sie – passend zum Adresswortlaut – Werbung darauf verteilen. Vermarkter wie Sedo ­erledigen die Bestückung mit Google-­Anzeigen vollautomatisiert und weitgehend kostenlos. Die Kasse klingelt, sobald Besucher der Site auf die Werbelinks klicken. Pro Klick bringt das nur ein paar Cent, doch mit einer Mischung aus Masse und geschicktem Adresswortlaut kann ein einträgliches Geschäft entstehen. „Je generischer der Name, desto eher klicken die Leute darauf“, erläutert Ernst. In Öster­reich besitzen einige Firmen mehr als ­tausend Domains. Vermarkter Ernst betreut 3.500 Adressen. Laut nic.at sind derzeit 65.553 .at-Sites als Pay-per-Click-Seiten in Verwendung.
Das Hauptgeschäft spielt sich beim ­Adresshandel ab.

Unter der Hand-Verkauf
Da teure Domains meist unter der Hand veräußert werden, dringen Verkaufspreise selten an die Öffentlichkeit. Anders beim bisher lukrativsten ­Verkauf einer .at-Adresse im Jahr 2007: job.at wechselte um 408.000 Euro seinen Besitzer. Die Bekanntgabe des Preises dürfte, so Manager Wein, nicht ­zufällig erfolgt sein: „Das war wohl Teil des Deals, eine PR-Aktion.“ Im letzten Jahr zählten die Domains pizzeria.at und bücher.at mit fünfstelligen Euro-Summen zu den einträglichsten Verkäufen.

Lukrativer Sekundärmarkt
Auch am Sekundärmarkt geht es meist um Werbeeinnahmen und nicht um Website-Projekte, wie sie viele Verbraucher erwarten. Ist ausreichend Traffic vorhanden, werden die Seiten mit „Projektierungen beschlagen“, Insidersprech für: Jetzt folgen Content, Links und Weiterleitungen auf andere Sites. So bekommen Besucher von pizzeria.at derzeit lokale Pizzeria­werbeschaltungen vorgesetzt. Für den Besitzer der Domain dürfte sich das schon auszahlen, vermutet Ernst: „Nicht, dass sich damit der Lebensunterhalt für die nächsten Jahre bestreiten lässt. Aber wenn man ein paar solcher Domains hat, geht es sich schon aus.“

Expertenrat wird geschmäht
job.at war nach Informationen Weins als Portal für weitere Jobsites gedacht. Mit den Links auf der Site ist es heute aber nicht weit her. Gerade einmal drei Stellenangebote sind aufgereiht. Und auch bei den Zugriffen dürfte die Seite schon bessere Zeiten gesehen haben. Der Statistikdienst Alexa listet job.at abgeschlagen auf Platz 22.714 der österreichischen Domains, pizzeria.at immerhin als Nr. 7.650. Auf fachmännischen Rat zum Domain-Portfolio verzichten dennoch viele. „Jeder glaubt, er weiß es besser“, meint Ernst, der auch als Mittelsmann auftritt, wenn Käufer nach außen unerkannt bleiben möchten.

Gespanntes Warten
Große Erwartungen setzt die Branche in neue Top-Level-Domains. Damit will die Internetverwaltung ICANN ermöglichen, ganze Worte, wie Produkt- oder Städtenamen, anstelle des Ländercodes zu registrieren. Ab wann es .tirol und .canon geben könnte, steht noch nicht fest, zumal noch Entscheidungen in Brüssel ausstehen. Experten erwarten den Startschuss gegen Jahresende. Doch nicht alle begrüßen die neuen Top-Level-Adressen. Ernst befürchtet, dass das Internet damit unübersichtlicher werden könnte, und erwartet nichts weniger als „großes Chaos“: „Das verwirrt die User nur noch mehr. Die sind gerade einmal an .at und .de gewöhnt.“ Um die neuen Domains bekannt zu machen, müsste einiges an Marketinggeld fließen. Tatsächlich befürchten Unternehmen, dass ihnen Markenschutz künftig teurer zu stehen kommt. Bisher galt es, nur die verschiedenen Länderkürzel zu kontrollieren.

Auf die Inhaber kommt einige Verantwortung zu
Das kostspielige Registrierungsverfahren und die teure Erhaltung der Infrastruktur sind nicht für jedermann. Auf Inhaber entfallen viele Pflichten von Internetprovidern, unter anderem gilt es, Nameserver selbst zu betreiben. In Österreich will nic.at den Regionen zur Hand gehen und bietet an, Bewerbung, Marketing und Betreuung der Domains zu übernehmen. Auf lokaler Ebene sorgt das Thema indes für einige Begeisterung. So setzt sich die Initiative dotBERLIN seit längerem für die Registrierung der gleichnamigen Domain ein. Geschäftsführer Dirk Krischenowski erwartet sich durch die Lokalisierung Impulse: „Das Internet wird immer lokaler. Die Menschen orientieren sich an lokalen Angeboten, bearbeiten den lokalen Markt und tätigen lokale Suchabfragen.“ Der lokale Aspekt könnte nicht nur das Ranking in Suchmaschinen verbessern. Internetbenutzer würden, nach einer anfänglichen Gewöhnungsphase, wohl auch häufiger jenen Content vorfinden, den sie sich von einer Websuche erhoffen. Und nicht nur Werbung.

Alexandra Riegler

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