Geheimnis der Macht – Alte Weisheiten, neu entdeckt

Geheimnis der Macht – Alte Weisheiten, neu entdeckt

Das geheime "Handorakel“ des Baltasar Gracián ist auch ein seit 360 Jahren bewährter Management-Ratgeber - für jene, die darin zu lesen verstehen.

Spielregeln der Macht zu kennen, ist für den Aufstieg und das Überleben im komplexen und hierarchischen Organisationen der entscheidende Erfolgsfaktor. Mit seinem Werk "Handorakel und Kunst der Weltklugheit“, einer Sammlung von 300 Lebensregeln, hat der Jesuit Baltasar Gracián vor 360 Jahren dazu eine bahnbrechende Anleitung verfaßt, an der sich Ehrgeizige und Mächtige an Fürstenhöfen, in der Kurie oder kirchlichen Orden seither gerne orientiert haben. Sie hüteten Graciáns Weisheiten aber auch eifersüchtig als Geheimwissen, das nur einem Kreis von Eingeweihten zugänglich sein sollte.

Der Autor, Bildungs- und Management-Experte Andreas Salcher hat sich intensiv mit den Regeln Graciáns beschäftigt und stellt deren Essenz in zeitgemäßer Form und Sprache in seinem neuen Buch "Erkenne dich selbst“ dar. Es zeigt, wie ungebrochen aktuell die Erkenntnisse des Jesuiten sind und, dass sie auch als Anleitung taugen, um Macht und Erfolg in den hierarchischen und komplexen Organisationen von heute zu erlangen - in Management-Etagen und Konzernzentralen.

Gracián entpuppt sich dabei als höchst zeitgemäßer Management-Ratgeber, nämlich als gewiefter Psychologe, der Führungskräften einen sicheren Weg weist zwischen dem von orthodoxen Wirtschaftswissenschaftern geprägten Menschenbild des Homo Oeconomicus, der mit simplen Anreizystemen geführt werden kann, und naiven Selbstverwirklichungsphantasien, die Wirtschaftsunternehmen als Wohlfühloasen mißverstehen. Selbsterkenntnis und Selbstkontrolle, das macht Gracián deutlich, sind Voraussetzung, um Menschen führen zu können. Ein anderer Management-Vordenker, Peter F. Drucker, brachte das Jahrhunderte später auf den Punkt: "Nur wenige Führungskräfte sehen ein, dass sie letztlich nur eine Person führen müssen, nämlich sich selbst!“

Im zentralen Kapitel seines Buchs stellt Salcher jene "Spielregeln der Lebenskunst“ vor, die frappierender Weise allesamt zugleich auch hochaktuelle Management-Themen sind:

1. Networking: Wie man seine Freunde auswählen soll

"Keine Einöde ist so traurig, als ohne Freund zu sein“, heißt es im Handorakel. Dennoch ist Graciáns Zugang zum Thema Freundschaft der eines geschickten Netzwerkers: Es geht keineswegs darum, möglichst viele Kontakte zu sammeln und zu pflegen, sondern um deren Qualität. Freundschaften sind für ihn eine sehr rationale Angelegenheit und dennoch keine reinen Nutzenbeziehungen.

Salcher fasst Graciáns Networking-Prinzipien zusammen: "Auswahl statt Zufall. Aufschauen statt Herabsehen. Wachsen statt Stillstand. Trennung, wenn nötig, durch sanftes Ausklingen, niemals durch offenen Bruch.“ Gerade beim Ausdünnen des Netzwerks sind Sorgfalt und Achtsamkeit angebracht, um nicht zum Ziel von Intrigen zu werden. Denn, so Gracián: "Gutes können uns nur wenige erweisen, Schlimmes fast alle.“

2. Konfliktmanagement: Über den Umgang mit Feinden

Konfliktprävention hat bei Gracián Priorität. "Alles vermeiden, um sich Feinde zu machen“, fasst Salcher als These zusammen. Dazu zählt, sich nicht unbedacht verhasst zu machen, sich auch nicht in vermeidbare Streitigkeiten hineinziehen zu lassen - schon gar nicht mit Widersachern, die wenig oder nichts zu verlieren haben. Zugleich ist dem weisen Jesuiten aber auch bewusst, dass sich Auseinandersetzungen oft nicht vermeiden lassen. "Mit Geschick wurden aber mehr Dinge erreicht als mit Gewalt, und öfter haben die Klugen die Tapferen besiegt als umgekehrt“, interpretiert Salcher seinen Gracián.

3. Emotionsmanagement: Im Schraubstock der Gefühle

Wenn es um den Umgang mit Gefühlen geht, erweist sich Gracián als großer Psychologe. Sein Prinzip: Selbstkontrolle durch Selbsterkenntnis. "Wenn wir präzise beobachten, wie sich kleinste Partikel zu Torheit, Ignoranz, Blindheit, Wut und Angst zusammenballen, können wir die minimalsten Verwerfungen schon im Ansatz erkennen und verhindern, dass sie zum Ausbruch gelangen“, beschreibt Salcher das Prinzip.

Im Berufsleben besonders relevant ist das von ihm aufgezeigte Dilemma zwischen den Grundbedürfnissen nach Absicherung und Weiterentwicklung. Hier geht es darum, die Balance zwischen den Polen zu finden: "Das Pendel darf manchmal mehr, manchmal weniger ausschlagen, aber nie auf einer Seite hängen bleiben.“

4. Karrierestrategie: Sich vor dem Sieg über Vorgesetzte hüten

Der berühmteste Satz aus den 300 Lebensregeln ist ein Karrieretipp. Scheinbar eine Anweisung zum Opportunismus. Doch Gracián wusste zu seiner Zeit schon genau, was vielen nassforschen Jungdynamikern bis heute oft zum Verhängnis wird: "Alles Übertreffen ist verhasst, aber seinen Herrn zu übertreffen ist entweder ein dummer oder ein Schicksalsstreich“.

Salcher weiß hier nur zu genau, wovon die Rede ist und erzählt sein eigenes Fallbeispiel, als er 18-jährig in den Bezirksvorstand einer Partei kam: "Ich habe es mit meiner ersten Wortmeldung geschafft, mir Feinde für die nächsten 20 Jahre zu machen - ohne das überhaupt zu realisieren. In der Sache hatte ich recht, in der Art meines Vorgehens war ich ein Idiot.“

Klugheit und Zurückhaltung auf der einen Seite und Selbstachtung auf der anderen sollten beim Aufstieg in einer Hierarchie gleichermaßen beachtet werden. Auch für personalverantwortliche Vorgesetzte hatte Gracián schon Auswahlkriterien formuliert: "Die persönlichen Eigenschaften müssen die Obliegenheiten des Amtes übersteigen und nicht umgekehrt. So hoch auch der Posten sein mag, stets muss die Person sich als ihm überlegen zeigen.“

5. Leadership: Die hohe Kunst der Manipulation kennen

"Das faszinierende an den Regeln Graciáns zur Beeinflussung ist, wie sehr sich diese mit den heutigen Erkenntnissen der Sozialpsychologie decken“, stellt Salcher erstaunt fest. Insbesonders das vom Psychologen Robert Cialdini nachgewiesene Phänomen, dass Menschen, die Gefälligkeiten oder Geschenke erhalten, eine innere Verpflichtung fühlen, sich dafür zu revanchieren, findet sich schon punktgenau bei dem alten Vordenker.

Völlig zeitgemäß ist auch die von ihm beschriebene Manipulations-bzw. Motivationstechnik: "Man muss wissen, wo einem jeden beizukommen sei ... Alle sind Götzendiener, einige der Ehre, andere des Interesses, die meisten des Vergnügens. Der Kunstgriff besteht darin, dass man diesen Götzen eines jeden kenne, um mittelst desselben ihn zu bestimmen.“

6. Reputation Management: Sich einen guten Ruf erwerben

Um Reputation zu erwerben, darf man sich nicht ständig selbst auf die Brust trommeln, aber schon gar nicht sein Licht unter den Scheffel stellen. "Entweder man lobt sich, welches Eitelkeit, oder man tadelt sich, welches Kleinheit ist“, so Gracián zu dem Dilemma. "Tu‘ Gutes und lasse andere darüber reden“, rät Salcher als PR-Strategie, aber mit Maß und Ziel: "Der gute Ruf beginnt niemals als lauter Ruf, sondern leise in den kleinen Dingen. Am Ende des Tages sind es die Werke und die Integrität eines Menschen, die entscheiden.“

7. Entscheiden: Die Gunst des Augenblicks - geduldig warten oder entschieden handeln?

Warten oder Handeln? Im Handorakel lobt Gracián sowohl Vorsicht als auch Entschlossenheit. Er zeige unterschiedliche Perspektiven auf, wo wir nur eine oder zwei sehen, meint Salcher. Das berühmte jesuitische Entscheidungsmodell des Ignatius von Loyola kennt eine innere Kraft, die jeden Zweifel beseitigt - und entspricht damit wohl der heute etwa von Gerd Gigerenzer postulierten heuristischen Bauchentscheidung.

Doch wo dieser klare innere Kompass als Entscheidungshilfe nicht anschlägt, rät Ignatius zu einem sehr grundlegenden Entscheidungsprozess inklusive Selbstreflexion über Beweg- und Hintergründe. Salchers Interpretation: "Das Handorakel zeigt uns in der Theorie, wo wir vorsichtig sein müssen, wo wir die Dinge ruhen lassen sollten und wo wir entschieden handeln müssen. Die kluge Anwendung überlässt es uns.“

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