Online-Shopping: Weniger Bürokratie, günstigere Preise

Online-Shopping: Weniger Bürokratie, günstigere Preise

Ein One-Stop-Shop für die MWSt.-Abrechnung soll Onlinehändlern Kosten in Milliardenhöhe ersparen. E-Books könnten billiger werden.

Die EU-Kommission schlägt einen Bürokratieabbau für grenzüberschreitend tätige Onlinehändler vor. Bisher mussten Unternehmen in jedem EU-Land, in das sie verkaufen, eine eigene MWSt.-Abrechnung durchführen. Künftig soll eine gemeinsame Abrechnung für die gesamte Union möglich sein. Bei Händlern mit einem grenzüberschreitenden Umsatz von weniger als 10.000 Euro soll nur das nationale System angewendet werden.

Der Vorschlag der Kommission sieht One-Stop-Shops in den Finanzbehörden der Mitgliedsländer vor. Ein Onlinehändler kann frei wählen, in welchem Land er seine Mehrwertsteuern abführen will. Unter der 10.000-Euro-Grenze sollen Verkäufe im Ausland wie jene im Inland behandelt werden. Bei größeren Unternehmen richtet sich der Steuersatz aber weiterhin nach dem Land des Käufers.

Ein Beispiel: Vertreibt ein österreichischer Onlinehändler seine Produkte auch in Deutschland und Italien, verrechnet er den dortigen Kunden den jeweiligen nationalen Steuersatz. Danach führt er die gesamten Mehrwertsteuern vierteljährlich an die österreichische Behörde ab, die dann entsprechende Anteile an Deutschland und Italien weiterreicht. Bei einem grenzüberschreitenden Umsatz unter 10.000 Euro im Jahr kann der Händler überhaupt das österreichische Recht anwenden – also auch den hiesigen Steuersatz verrechnen.

One-Stop-Shopping

Solche One-Stop-Shops existieren bereits für elektronische Dienstleistungen. Sie sollen nun auf den gesamten Onlinehandel ausgeweitet werden. Die Kommission geht davon aus, dass dies Unternehmen in der EU jährlich bis zu 2,3 Milliarden Euro an Kosten erspart.

Die Staaten sollen ebenfalls profitieren. Die Kommission erwartet durch mehr Handel zusätzliche Steuereinnahmen von sieben Milliarden Euro im Jahr (ab 2021). Einen höheren Verwaltungsaufwand in Ländern, in denen viele Unternehmen ihre Mehrwertsteuerabrechnung durchführen, erwartet sie hingegen nicht.

Erste Reaktion aus der Wirtschaft fallen positiv aus. Der Branchenverband eCommerce Europe begrüßt den Vorschlag, fordert aber darüber hinaus eine Vereinheitlichung der nationalen Steuersätze. Nur so könnten faire Wettbewerbsbedingungen im Binnenmarkt geschaffen werden.

Günstigere E-Books und Online-Zeitungen

Für Kunden würde sich durch dieses System nichts ändern. Eine weitere Maßnahme des eCommerce-Pakets könnte allerdings E-Books und Online-Zeitungen günstiger machen. Bisher war es den Mitgliedsstaaten verboten, niedrigere Steuersätze für Bücher und andere Druckerzeugnisse auch auf elektronische Veröffentlichungen anzuwenden. Diese Regelung soll fallen. Damit könnte in Österreich für E-Books künftig der niedrigere Mehrwertsteuersatz von zehn Prozent gelten.

Teurer soll hingegen die Einfuhr von kleinen Paketen von außerhalb der EU werden. Bisher waren Pakete mit einem Warenwert von weniger als 22 Euro von der Mehrwertsteuer befreit. Das wurde laut Kommission häufig zu Steuerbetrug genutzt, etwa indem Paketen mit Smartphones oder Tablets ein fälschlich niedriger Warenwert zugeschrieben wurde. Auch diese Regelung soll ersatzlos gestrichen werden.

Der Vorschlag der Kommission wurde nun dem Rat zur Annahme übermittelt. Das Europäische Parlament kann in der Steuerpolitik nur Stellungnahmen abgeben.

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