Online-Glotze Netflix drückt auf den Milliardenknopf

Online-Glotze Netflix drückt auf den Milliardenknopf

Die Online-Videodienst Netflix aus den USA hat nach einem Zwischentief wieder an Fahrt gewonnen. Und überrascht mit hervorragenden Ergebnissen. Der globale TV-Konkurrent legt bei Nutzern kräftig zu. Die Aktie macht sich auf Rekordjagd.

Die Ergebnisse von Netflix kamen vorige Nacht zwar erst nach Börseschluss. Aber dann ging es mit dem Aktienkurs des US-Online-Videodienst ab. In der nachbörslichen Notierung konnte die Netflix-Aktie zunächst fast 20 Prozent zulegen. Binnen weniger Minuten hat der Unternehmenswert von Netflix statt nur 43,3 Milliarden auf einmal um 7,4 Milliarden Dollar höher notiert. Außerbörslich versteht sich.

Am Dienstagnachmittag ging die Aktie gleich nach Eröffnung der Technologiebörse Nasdaq in New York auf Höhenflug: Kurz nach 17 Uhr (MEZ) wurden Netflix dann mit einem realen Zugewinn mit einem Plus von 20 Prozent gehandelt - der Börsenwert des Unternehmens notierte bei 50,15 Milliarden Dollar.

Wie kommt es zu dieser wundersamen virtuellen Geldvermehrung? Im zweiten Quartal noch gescholten und abgestraft, mutiert Netflix geradezu über Nacht, eigentlich binnen weniger Minuten nach der Bekanntgabe der Ergebnisse zum Börsenstar und konnte seinem zuletzt verruckelten Bild nun wieder mehr Konturen und Schärfe geben.

Denn Netflix hat massiv an Kunden hinzugewonnen. Und liegt auch bei Umsatz und Gewinn klar über den selbst gesteckten Zielen und auch über den Erwartungen der Analysten.

Der in 190 Ländern verfügbare Online-Videodienst konnte am Heimmarkt USA die Zahl der Nutzer um rund 400.000 auf 47,5 Millionen steigern. Weltweit hat Netflix im dritten Quartal 2016 (Ende September) die Zahl der Nutzer um satte 3,2 Millionen gesteigert, am Plan standen vor dem dem Quartal nur rund zwei Millionen neuer Kunden.

Die Nutzerzahlen blieben freilich auch beim Umsatz nicht ohne Strahlkraft: So konnte der Streaming-Umsatz um 36 Prozent im Vergleich des Vorjahresquartal gesteigert werden. Rund 2,16 Milliarden Dollar Umsatz stehen in den Büchern. Und der Gewinn (Net Income) konnte um satte 44 Prozent auf 52 Millionen Dollar kräftig erhöht werden.

Die Zahlen lassen das Lamentieren im zweiten Quartal nahezu vergessen. Die Netflix-Rate sei zu hoch, das Kundenwachstum würde sich abschwächen und außerdem würde der Online-Dienst zu viel Geld verbrennen mit der Produktion eigener Serien - lautetet noch der Vorwurf der Analysten und Experten.

Gerade ein viertel Jahr später scheint dies mit den jüngsten Zahlen überdeckt zu werden, auch wenn die teuren Serienproduktion noch immer zu Buche schlägt. Netflix-Gründer und CEO Reed Hastings kann indes jubeln, weil sein Konzept mit selbst produzierten Serien offenbar aufzugehen scheint. Und bei Kunden entsprechend Anklang finden. Die Eigenproduktion "Stranger Things" habe vor allem das Geschäft befeuert, sagte Netflix-Chef Hastings

Allerdings schlagen die Kosten für derartige Investitionen kräftig durch: Der Cashflow war einmal mehr negativ. Gegenüber dem Vorjahresquartal hat Netflix noch einmal Schäuferl draufgelegt und den negativen Free Cash Flow von minus 252 Millionen auf 506 Millionen Dollar sogar verdoppelt.

Die Netflix-Aktie könnte nach einer kurzen Ruhepause nun wieder auf Rekordjagd gehen. Vom Allzeithoch Ende November 2015 von 133,27 Dollar ist die Aktie noch ein Stück entfernt.

Doch Netflix will weiter das Wachstum befeuern. So soll der Mega-Markt China nun in Angriff genommen werden. Zunächst will das Unternehmen über eine Kooperation mit örtlichen Streaming-Diensten in China senden. Mittelfristig will das US-Unternehmen im "Reich der Mitte" eigenständig seinen Dienst direkt den chinesischen Kunden anbieten.

Weltweites Flimmern

Der genaue Zeitpunkt für den Marktstart in China ist noch offen, weil Netflix eigenen Angaben zufolge mit "regulatorischen Herausforderungen" konfrontiert sei. Sollte es im kommenden Jahr doch klappen, wäre China im zehnten Jahr nach dem Start seines Online-Streaming-Dienstes das 191. Land, wo Netflix-Angebote gesendet werden.

Für das laufende vierte Quartal 2016 bleibt Netflix optimistisch: 5,2 Millionen neue zahlende Kunden sollen noch dazukommen. Davon 1,45 Millionen im Heimatmarkt und weitere 3,75 Millionen Zuseher im Rest der Welt.

Und noch ein Zuckerl hat Netflix parat: Es will weiterhin investieren, was von Investoren und Analysten goutiert wird - trotz negativem Cash Flow. Satte sechs Milliarden Dollar will Netflix für seine exklusiv bespielten Content alleine im Jahr 2017 ausgeben. Netflix folgt damit auch Amazon nach, das ebenso Milliardenbeträge in exklusive Serien investiert.

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