Kräftiger Anstieg der Schulden bei den Firmeninsolvenzen

Insolvenz Pleite

Insolvenz Pleite

Die Zahl der Unternehmenspleiten ist im dritten Quartal 2016 erneut gestiegen. Knapp drei Prozent lagen die Firmeninsolvenzen höher als im Vergleich zum Vorjahresquartal. Kaum überraschend für den Kreditschutzverband von KSV1870, der den Anstieg in dieser Höhe prognostiziert hatte.

Wien. Die Zahl der Firmenpleiten kann die Insolvenzexperten vom Kreditschutzverband KSV1870 nicht wirklich erschüttern, liegen die Pleitefälle im Rahmen ihrer Prognosen.
2.366 Insolvenzverfahren wurden im 3. Quartal 2016 eröffnet. Das sind somit 2,3 Prozent mehr eröffnete Insolvenzverfahren als im Vorjahresquartal. Bei den mangels Vermögens nicht eröffneten Fällen (1.561) beträgt das Plus rund 3,5 Prozent.

Zu einem kräftigen Anstieg kam es bei den Verbindlichkeiten bei den eröffneten Insolvenzverfahren. Sie belaufen sich auf 2,41 Milliarden Euro und sind somit um 60 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz in einer Mitteilung bekanntgegeben hat.
Allerdings sind darin zwei Unternehmen enthalten, deren Aktivitäten sich laut KSV1870 im Wesentlichen außerhalb Österreichs abspielten. Dabei handelt es sich um Activ Solar und Slav Holding, die den Brüdern Kljujiev zuzurechnen sind. Ihre Passiva belaufen sich allein auf insgesamt 620 Millionen Euro. Ohne diese beiden eigentlich nicht-österreichischen Unternehmen lägen die Passiva aber immerhin noch rund 20 Prozent über dem Wert des Vorjahres.

Betroffen von den Pleiten sind 14.400 Personen, was einem Anstieg von drei Prozent entspricht. Das „spezifische Gewicht“ der Insolvenzfälle ist laut Kreditschutzverband somit von 2015 auf 2016 praktisch gleich geblieben.

Bundesländerreigen: Große Unterschiede

In der Betrachtung der Bundesländer fällt besonders auf, dass es keinen einheitlichen Trend zu geben scheint. Während Salzburg mit Zuwächsen von über 20 Prozent und Tirol mit über 17 Prozent aufwarten, verzeichnet Niederösterreich einen Rückgang von fast 12 Prozent. Zwei weitere wichtige Bundesländer, nämlich Wien und Oberösterreich, verzeichnen jeweils ein spürbares Plus von 7,5 und fast 6 Prozent, was letztlich auch den Österreichtrend bestimmt haben dürfte.

Die Bundesländer Oberösterreich und Tirol gelten als starke Industriestandorte und können damit auch eine gewisse Vorreiterrolle in Österreich einnehmen, während Wien mit einem besonders breiten Branchenmix als eher krisenresistent gilt.

Wenn also Wien einen Zuwachs von 7,5 Prozent verzeichnet, dann sind davon auch Unternehmen in vielen, durchaus verschiedenen Branchen betroffen.

Das vielgepriesene Sanierungsverfahren

Vor mittlerweile mehr als sechs Jahren wurde am 1. Juli 2010 das Sanierungsverfahren aus der Taufe gehoben. Es war die Symbiose aus dem „alten Ausgleich“ und dessen kleinerem Bruder, dem Zwangsausgleich.

Die Erwartungen in dieses neue Verfahren wurden laut KSV weitgehend eingelöst. Die Novelle aus 2010 kann daher auch als Erfolg angesehen werden, erklärt der Leiter der KSV1870 Insolvenz Hans-Georg Kantner.

Allerdings: Nicht jedes Unternehmen ist sanierungsfähig und nicht jedes Unternehmen soll saniert werden, meint der KSV1870. Denn „der Misserfolg des Einen ist der Erfolg des Anderen und das ist – so zynisch es auch klingen mag – die Spielregel des Wettbewerbes“, so Kantner.

Die Gewinner sind in aller Regel die Kunden, die auf diese Weise ständig bessere und oft auch obendrein preiswertere Waren und Dienstleistungen in Anspruch nehmen können. Im Jahr 2016 sind die Sanierungsverfahren insgesamt mit 8 Prozent gegenüber dem Jahr 2015 rückläufig gewesen.

Dieser Rückgang dürfe aber laut Kantner den Blick nicht darauf verstellen, dass Österreich mit einem Anteil von ca. 33 Prozent Sanierungen an allen Firmeninsolvenzen der Sanierungsweltmeister sein dürfte.

Die zweite Chance: Österreich als Vorreiter

Schlechte verkauft habe Österreich laut KSV seine Erfolge für die „zweite Chance“, wie sie aktuell von der die EU-Kommission in Brüssel diskutiert wird. „Vielleicht hat Österreich seine Erfolge nicht genug an die große Glocke gehängt - ganz Europa hätte eine Menge von uns lernen können“, so KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner.

Denn die „Zweite Chance“ für gescheiterte Unternehmer habe Österreich schon im Jahr 1982 mit der Aufrüstung des Zwangsausgleiches als Firmensanierungsinstrument eingeführt. „Also lange vor dem EU-Beitritt Österreichs und auch lange bevor die EU die ‚Zweite Chance‘ für sich entdeckt hat“, so Kantner.

Ausblick 2016: 3200 Pleiten

Im Dezember 2015 war laut KSV bereits absehbar, dass die Talsohle der Insolvenzentwicklung durchschritten war und daher mit leichten Zuwächsen zu rechnen sein würde. Der KSV sieht sich mit der Prognose bestätigt. Das Wachstum dürfte aber gegenüber dem Vorjahr im zweiten Halbjahr leicht schwächer werden.

Die KSV-Prognose für das gesamte Jahr 2016 bleibt unverändert bei einem Plus von etwa 3 Prozent – das sind 3200 Insolvenzfälle.

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