Insolvenzstatistik 2016: "Kein Anlass zur Sorge"

Insolvenzstatistik 2016: "Kein Anlass zur Sorge"

Der Kreditschutzverband KSV1870 zieht Bilanz über das Wirtschaftsjahr 2016. Die Zahl der Insolvenzen ist demnach gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Das Plus geht auf vermehrte Pleiten von Klein- und Kleinstbetrieben zurück.

"Man muss den Mut haben, im Land zu investieren und neue Unternehmen zu gründen", beschwört Ricardo-José Vybiral, der neue Vorstand des Kreditschutzverbands KSV1870, den Unternehmergeist. Trotz des ernüchternden Anlasses - der Präsentation der Insolvenzstatistik des Jahres 2016 und der Unwägbarkeiten der Zukunft - Stichworte Digitalisierung und Automatisierung - sieht er der Zukunft der heimischen Unternehmen durchaus mit Optimismus entgegen.

Hans-Georg-Kantner, der Leiter der KSV-Insolvenzabteilung, teilt diese Haltung. "Es gibt keinen Anlass zur Besorgnis", sagt er. Trotz eines leichten Anstiegs der Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr. Die Steigerung gegenüber 2015 liegt sowohl bei den eröffneten Insolvenzverfahren als auch bei den Pleiten, über die mangels Vermögens kein ordentliches Insolvenzverfahren eröffnet werden konnte, bei 1,5 Prozent.

Die Verbindlichkeiten aus den insgesamt 5.227 Pleiten des Jahres belaufen sich auf 2,9 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Allerdings, betont Kantner, sind in dieser Statistik zwei Unternehmen enthalten, deren Aktivitäten sich im Wesentlichen außerhalb Österreichs abspielten. Dabei handelt es sich um Activ Solar und Slav Holding, der Brüdern Kljujiev. Die Passiva aus diesen beiden Insolvenzen belaufen sich allein auf insgesamt 620 Millionen Euro. Ohne diese beiden eigentlich nicht-österreichischen Unternehmen lägen die Passiva laut Kantner um 4,5 Prozent unter denen des Vorjahres.

Unternehmensinsolvenzen 2016; Bundesländervergleich

Unternehmensinsolvenzen 2016; Bundesländervergleich

Kantners Optimismus unterstützt die Auswertung nach betroffenen Dienstnehmern. Im Jahr 2016 waren 18.900 von Firmenpleiten betroffen, was gegenüber dem Vorjahr sogar einen Rückgang von 13 Prozent bedeutet. Die Steigerung bei der absoluten Zahl der Insolvenzen sei daher vor allem auf vermehrte Pleiten von Kleinstunternehmen und Ein-Personen-Unternehmen zurückzuführen. In Salzburg, wo es gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 20,5 Prozent gab (2016: 399; 2015: 331) vermutet Kantner Vorzieh-Effekte, etwa durch beschleunigte Verfahren und erwartet für 2017 wieder ein deutlich niedrigeres Niveau.

Langzeit-Tendenz

Zum Optimismus trägt auch die Langzeit-Entwicklung der Insolvenzen seit 2007 bei. Mit der Ausnahme des Jahres 2009, als die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise in Österreich im vollem Ausmaß spürbar wurden, hat sich die Zahl der jährlichen Insolvenzen tendenziell verringert. Am deutlichsten in den westlichen Bundesländern Vorarlberg und Tirol, wo die Wirtschaft besonders stark an Deutschland orientiert ist. In Vorarlberg haben sich die Insolvenzfälle seither halbiert, in Tirol ist immerhin ein Rückgang von 40 Prozent zu verzeichnen.

KSV1870 Insolvenzstatistik Unternehmen 2016

"What goes up must come down", sagt Kantner dazu, mahnt aber, dass das Sprichwort auch in die entgegengesetzte Richtung gilt. Für das Jahr 2017 erwartet Kantner daher einen weiteren, leichten Zuwachs bei den Unternehmens-Insolvenzen. Untermauert wird diese These durch die positiven Wachstumstendenzen, die sich mittelfristig auch auf die Zinsen niederschlagen werden. "Als Folge von Zinserhöhungen sind auch mehr Insolvenzen zu erwarten", meint Kantner und fügt beschwichtigend hinzu: "Aber in einem moderaten Rahmen."

Privatkonkurse

Eine erfreuliche Entwicklung hat der KSV1870 bei den Privatkonkursen registriert. 8.101 eröffnete Konkursverfahren bedeuten einen Rückgang von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch bei den Insolvenzverbindlichkeiten konnte ein ähnlicher Rückgang festgestellt werden. Die Summe der Verbindlichkeiten reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um 100 Millionen Euro oder um 8,8 Prozent von 1,141 Milliarden Euro auf 1,041 Milliarden Euro.

30 Prozent derjenigen, die einen Privatkonkurs angemeldet haben, sind ehemalige Unternehmer, die als Folge der Pleite ihrer Firmen selbst zahlungsunfähig wurden. Die Privatschulden der in die Privatinsolvenz geschlitterten Unternehmer belaufen sich auf durchschnittlich 290.000 Euro.

Privatinsolvenzen 2016: Bundesländervergleich

Privatinsolvenzen 2016: Bundesländervergleich

Dass Privatpersonen in Österreich in großer Zahl geordnete Insolvenzen anmelden und sich mit diesen über einen Zeitraum von sieben Jahren entschulden können hält der Insolvenzexperte für äußerst vorteilhaft, nicht zuletzt, weil die Personen dann zumindest einen ihrer Quote entsprechenden Beitrag zur Schadensbegrenzung und letztlich auch zur allgemeinen Kreditfinanzierbarkeit leisten.

Die Beibehaltung der zehnprozentigen Mindestquote ist für Kantner dabei durchaus ein Mittel, um Privatkonkurse auch in Zukunft in geordneten Bahnen abwickeln zu können. "In Österreich erhalten so immerhin rund 73 Prozent der Menschen eine Möglichkeit, um sich zu entschulden und in 90 Prozent der Fälle bekommen die Gläubiger auch Geld. In Deutschland, wo es keine Mindestquote gibt, gibt es nur in zwei Prozent der Fälle einen Zahlungsplan und nur fünf Prozent der Gläubiger werden in irgendeiner Form entschädigt.


Weitere Informationen zum Thema Insolvenzen und Beratungen für Gläubiger finden Sie auf der Webseite des KSV1870.

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