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19.2.2010 17:18

Sonderkommission HYPO: 15-köpfige Spezialtruppe soll den Skandal aufklären


Eine 15-köpfige Spezial­truppe soll bei der Aufklärung des Hypo-Skandals die entscheidenden Ermittlungsergebnisse liefern. trend hat den Beamten vor Ort einen Besuch abgestattet.

Von Richard Schneider

Bernhard Gaber, 46, ist bescheiden, aber nicht schüchtern. Sein spektakulärster Einsatz, die Heimholung Helmut Elsners aus dessen französischem Nobelexil an der Côte d’Azur, war für den Kärntner Kripobeamten und ehemaligen Leiter der Soko Bawag „eine schöne Sache – aber nicht mehr“.

Dabei war der mithilfe der Den Haager EU-Behörde ­Eurojust eingefädelte Coup, der am 13. Februar 2007 weltweit für Schlagzeilen sorgte, eine minutiös geplante Geheimoperation und ein Wettlauf gegen die Zeit. „Der hat sich natürlich mit Händen und Füßen gegen seine Auslieferung gewehrt“, erinnert sich Gaber noch heute an den filmreifen Justiz-Thriller, wobei es ihm furchtbar auf die Nerven geht, „dass seither alle glauben, unser Job sei ein Krimi, bei dem es täglich kracht und raucht“.

Fad war Gabers Arbeit bisher trotzdem nie, auch wenn sie selten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wird. Die Ergebnisse seiner Bemühungen entfalten dagegen durchaus spektakuläre Wirkung, sind es doch die von ihm und seinen Kollegen zusammengetragenen Beweismittel, die so manchen Gauner hinter Gitter gebracht haben. Und so könnte es auch diesmal sein, in der Causa Hypo Alpe-Adria.

Noch während seiner Zeit als Bawag-Ermittler wurde der ehemalige Gendarm aus Kärnten vom Innenministerium mit dem Aufbau einer Sonderkommission betraut, die den Finanzskandal rund um die Immofinanz und ihren Ex-Geschäftsführer Karl ­Petrikovics aufklären soll. Und seit 12. Dezember des Vorjahrs leitet der Vater zweier Kinder eine eigene Soko, die die Vorgänge rund um die Kärntner Hypo Group Alpe-Adria aufklären soll.

Herkulesarbeit. Mit der Ausmistung des „Augiasstalls von Klagenfurt“ („Die Zeit“) wartet auf Gaber und sein 15-köpfiges Ermittlerteam, das er persönlich aus mehreren Bundesländern zusammenstellte, tatsächlich eine Herkulesarbeit. Denn die Ermittlungen gegen die sechstgrößte Bank des Landes, die nach horrenden Verlusten und abenteuerlichen Geschäftsgebarungen kurz vor dem Bankrott stand und vor knapp zwei Monaten notverstaatlicht werden musste, laufen an mehreren Fronten gleichzeitig – wobei für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung gilt.

> So etwa untersuchen sieben Staatsanwälte in München unter der Leitung von Hildegard Bäumler-Hösl (siehe Kasten rechts), wie es im Mai 2007 zu dem undurchsichtigen Verkauf der Kärntner Hypo an die Bayrische Landesbank kommen konnte, der dem Freistaat einen Verlust von mindestens 3,7 Milliarden Euro bescherte. Dabei soll auch geklärt werden, wer aller von dem dubiosen Deal profitiert hat. Im Zentrum der diesbezüglichen Ermittlungen steht dabei neben dem Ex-Vorstand der BayernLB, Werner Schmidt, auch der Ex-Vorstand der Hypo Alpe-Adria, Tilo Berlin, ein Wahlkärntner aus Hannover, der in den Aristo-Clan Goess eingeheiratet hat und einem erlesenen Investorenzirkel zu einem hübschen Gewinn verhalf, indem er sich kurz vor dem Hypo-Verkauf die Sperrminorität an der Kärntner Landesbank sicherte. Die Münchner sind dabei vielfach auf die Ergebnisse der österreichischen Soko angewiesen.
> Gleichzeitig sollen Gaber & Co, die sich in der ehemaligen Gendarmeriekaserne in Krumpendorf am Wörthersee einquartiert haben, ermitteln, ob und wie sich ehemalige Hypo-Manager bei der Bank bedienten und ihren Parteien ungesetzliche Finanzspritzen zukommen ließen. Wobei hier wiederum die Unter­suchungen generell gegen alle Verantwortlichen der Bank und ­namentlich nur gegen den Ex-Vorstand Günter Striedinger laufen, der in seiner Vorstandszeit für die Auslandsgeschäfte der Hypo verantwortlich war.

Und schließlich nehmen auch noch kroatische Staatsanwälte seit geraumer Zeit die Machenschaften der Klagenfurter am Balkan unter die Lupe und wittern unter anderem im Umfeld des ehemaligen Premierministers Ivo Sanader sowie von Ex-General Vladimir Zagorec nicht nur Korruption, sondern auch gewerbsmäßigen Betrug und Geldwäsche im großen Stil. Auch sie greifen immer wieder auf die Untersuchungsergebnisse der Kärntner zurück.

Dabei dürfte besonders die Geschäftsbeziehung zu Zagorec den ehemaligen Hypo-Kapitänen noch Kummer bereiten. Denn sie hatten es dem Offizier, der sich nach dem Bürgerkrieg in Österreich niederließ, mit Krediten in einer kolportierten Höhe von 260 Millionen Euro ermöglicht, in seiner ehemaligen Heimat ein umfangreiches Immobilienimperium zusammenzukaufen. Allerdings beschuldigt die Republik Kroatien den Ex-General, der in seiner aktiven Zeit im nationalen Interesse Rüstungsgüter an einem UN-Embargo vorbei ins Bürgerkriegsland schmuggelte, er habe dabei Unsummen für sich selbst abgezweigt und mithilfe der Hypo-­Banker in Liechtenstein verschwinden lassen. Deshalb verbüßt er derzeit in Kroatien eine siebenjährige Haftstrafe. Konkret werden in einem Rechtshilfeansuchen der Staatsanwaltschaft Zagreb Günter Striedinger und der ehemalige Hypo-Steuerberater Hermann Gabriel als Helfershelfer genannt (beide waren für trend über Wochen für eine Stellungnahme nicht erreichbar).

Tatsache ist jedenfalls, dass die Geschäfte der Kärntner Hypo über die Jahrzehnte zu einem undurchschaubaren Geflecht an Beteiligungen, Stiftungen und Tochterunternehmungen gewuchert sind und unter den wohlwollenden Augen des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider ungeheure Summen vernichtet wurden. Das macht es für die ermittelnden Beamten extrem schwierig, hieb- und stichfeste Beweise für strafrechtlich relevantes Fehlverhalten zu finden. Derzeit stehen in den Büchern der Hypo Alpe-Adria ausstehende Kredite in Höhe von rund 30 Milliarden Euro, wobei die Risikovorsorgen für faule Kredite mindestens 3,1 Milliarden ausmachen und somit bereits furchterregende Ausmaße angenommen haben. Dazu kommt, dass niemand wirklich weiß, wie viele Pleiten und Klüngeleien sich noch im Aktenarchiv der Bank verbergen.

Auch Gaber & Co tappen diesbezüglich im Dunkeln, denn die rund 800 Aktenordner, die bei den auf Antrag der Münchner Staatsanwaltschaft (siehe Kasten rechts) durchgeführten Hausdurchsuchungen im letzten Oktober beschlagnahmt wurden, liegen noch immer bei der Kärntner Staatsanwaltschaft versiegelt unter Verschluss. Der Grund: Die extra aus Wien eingeflogenen Rechtsanwälte der Bank hatten unter Berufung auf das Bankgeheimnis noch an Ort und Stelle eine Beschwerde gegen die Hausdurchsuchung erhoben.

Dem 15-köpfigen Team von erfahrenen Kriminalisten, das zur Unterstützung von Staatsanwalt Andreas Höbl ausgerückt ist, geht dennoch die Arbeit nicht aus. Denn hunderte andere Akten warten auf ihre Bearbeitung. Tonnenweise lagert die Papiere aus den Datenräumen der Hypo in der Krumpendorfer Polizeikaserne, aus denen man Verdachtsmomente für Untreuehandlungen, Betrügereien und Übertretungen nach dem Aktiengesetz herausfiltern soll. Auch den immer intensiveren Gerüchten über Parteienfinanzierung geht man nach.

Wissen, wo man sucht. „Inzwischen haben wir ohnedies genug damit zu tun, die Bank kennen zu lernen“, meint Ernst Speiser, Gabers Stellvertreter in der Soko Hypo. Die landläufige Kritik, dass nach einer so langen Zeit wohl kaum mehr zu finden sein wird als ein paar Lücken in den Aufzeichnungen, lässt der studierte Psychologe nicht gelten. Er setzt dabei vor allem auf sein „hoch motiviertes Team, das weiß, wonach zu suchen ist, und das über eine große Frustrationstoleranz verfügt“.

Aber das sei in ihrem Job, der weniger einbringt als die Arbeit eines Streifenpolizisten, der ab und zu auch einen Nachtdienst schiebt, ohnedies eine Selbstverständlichkeit. „Wir müssen akzeptieren, dass wir es in der Regel mit Leuten zu tun haben, die über ein gerüttelt Maß an Intelligenz verfügen. Außerdem haben sie in den meisten Fällen nicht nur einen entsprechenden Zeitvorsprung, sondern auch einen Ideenvorsprung, den wir erst durchschauen müssen.“ Speiser ist sich in dieser Hinsicht mit dem deutschen Schriftsteller Bertolt Brecht einig und zitiert: „Bankraub ist eine ­Initiative von Dilettanten – wahre Profis gründen eine Bank.“

19.2.2010 17:18
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