Top 500 - Das war 2008 für Österreichs größte Unternehmen
- Wachstumssieger und Branchenkaiser. Top Ten aus allen Bundesländern. Österreichs tüchtigste Manager
- PLUS: Interaktive Tabelle zum Vergleichen
Vom All-Time-High zum größten Absturz seit 1945 die schwere Wirtschaftskrise hat die ersten Kratzer hinterlassen. Die meisten Bilanzen 2008 sehen aber noch recht ordentlich aus. trend sagt Ihnen, wer sich gut über Wasser hielt, wem schon jetzt die Umsätze wegbrachen und wie es im Rezessionsjahr 2009 weitergeht.
Und hier die Daten inklusive Management und Kontakten:![]()
Heiß-kalt, Spitzenauslastung und jäher Absturz, eine Bremsung von 100 auf 50 in Rekordtempo: 2008 war das Jahr der Extreme. Fast drei Quartale lang schwitzten die meisten österreichischen Unternehmen unter einer prächtigen Konjunktursonne. Die aufziehenden Wolken wurden mehrheitlich als angenehme Abkühlung zwischendurch empfunden. Bis zum 15. September: An diesem Tag zerstörte der Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers den weit verbreiteten Glauben daran, dass Scheitern ab einer bestimmten Größe unmöglich ist. Seitdem liegen die Nerven blank. Zuerst geriet die Finanzwelt ins Wanken, mit ein paar Wochen Verzögerung auch die Industrie.
Kaum jemand hat diese Extreme unvermittelter zu spüren bekommen als die Voestalpine, erneut Nummer drei im diesjährigen Umsatzranking. Im Oktober haben zahlreiche Kunden binnen weniger Wochen bereits getätigte Aufträge storniert, rekapituliert Voestalpine-Boss Wolfgang Eder da wurde ihm erstmals klar, dass der Einbruch beispiellos und anhaltend sein würde. In den zwei Quartalen davor hatte Eder noch ein Umsatzplus von 38,2 Prozent bejubelt. Zwischen Oktober und Dezember kam das Wachstum plötzlich zum Stillstand, zwischen Jänner und März gab es bei den Linzer Stahlkochern im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar ein Minus von 20 Prozent. Obwohl insgesamt auch in den letzten drei Monaten ein Gewinn erzielt wurde, war das EBIT in den Divisionen Edelstahl (Böhler-Uddeholm) mit 53 Millionen und Automotive mit fünf
Millionen Euro negativ.
Die Konsequenzen für die Belegschaft sind dramatisch: Ein Viertel der 41.000 Mitarbeiter arbeitet inzwischen kurz, 2000 Leihund 1500 Stammarbeiter sind seit dem Beginn der Krise abgebaut worden. Wegen ihres schiefen Geschäftsjahres (endet per 31. März) hat die Voestalpine in ihrer aktuellen Bilanz immerhin schon einige Katastrophenmonate eingearbeitet bei vielen anderen Top-Unternehmen werden sie erst im Zahlenwerk für 2009 sichtbar werden. Von den großen Wirtschaftsdramen sind im Ranking der trend TOP 500 deshalb erst Umrisse zu erkennen.
Deutlich positiver als bei der stark automotivlastigen Voestalpine sind etwa die Zahlen der Nummer zwei, der Strabag. Der Auftragspolster des Baukonzerns war so dick, dass der Umsatz im Schlussquartal mit fast 30 Prozent sogar noch stärker wuchs als in den Quartalen zuvor. Feuer war zu diesem Zeitpunkt dennoch schon am Strabag-Dach: Um den ins Trudeln gekommenen russischen Großaktionär Oleg Deripaska an Bord zu halten, mussten die Mitaktionäre Raiffeisen und Konzernboss Hans Peter Haselsteiner einspringen und die Aktien des Oligarchen vorübergehend übernehmen. Das Ziel einer Verdopplung der Russland-Umsätze wurde längst wieder zurückgenommen.
Haselsteiner kann dennoch ruhiger schlafen als Eder. Im Augenblick dämpfen die quer durch Europa gestarteten staatlichen Konjunkturprogramme die Strabag-Ängste: Der Neubau oder die Sanierung von Schulen und Amtsgebäuden wird quer durch Europa vorgezogen, neue Straßenbauprojekte sind in den Pipelines. Ob diese Krücken ausreichen, um das Konjunkturtal zu überbrücken, bezweifelt aber selbst Haselsteiner: Er erwartet weiterhin negative Rahmenbedingungen: Arbeitslosigkeit und Konkurse würden steigen die Manövrierfähigkeit der Staaten für weitere Investitionen in die Baukonjunktur dadurch sinken. Im Osten ist das Bild für die Bauwirtschaft noch gemischt: In Tschechien, der Slowakei oder Polen, wo die Verteilung der EUFördergelder gut gemanagt wird, ist auch die Auftragslage gut.
Dagegen ist Russland unterhitzt: Erst wenn der Ölpreis wieder auf ein Niveau von 70 oder 80 Dollar pro Barrel geklettert ist, so glaubt Haselsteiner, kann das von seinen Rohstoffexporten abhängige Land wieder ein echter Wachstumstreiber werden. Wolfgang Ruttenstorfers Einschätzung bietet dem Bau-Boss da wenig Trost: Der OMV-Vorstandschef kalkuliert 2009 und 2010 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar. Das unberechenbare Auf und Ab der Preise hat auch dem österreichischen Energiemulti 2008 eine heiß-kalte Bilanz beschert. Mit 25,5 Milliarden Euro Umsatz ist die OMV wieder deutlich die Nummer eins der Zuwachs betrug übers Jahr gesehen stolze 27 Prozent. Im Schlussquartal aber gab es nur noch ein Miniwachstum von 0,75 Prozent. Und im ersten Quartal 2009 sanken parallel zum Ölpreis dann auch die Umsätze: Der Rückgang betrug satte 28 Prozent. Ruttenstorfer ist dennoch überzeugt, in der Krise bisher alles richtig gemacht zu haben: Die OMV war eines der ersten Unternehmen, die bereits im Herbst 2008 ihre Ziele an die neue Situation angepasst haben: durch langsameres Voranschreiten und weniger Investitionen.
Fast aus dem Rampenlicht verschwunden sind im Zuge der Flächendeckenden Krisenberichterstattung die Handelskonzerne
Spar und Rewe, auf Rang vier und fünf der TOP 500. Ihre Umsätze bleiben stabil und wurden durch die hohe Inflation zur Jahresmitte sogar aufgebläht. Beide Ketten wuchsen knapp zweistellig: der Spar-Konzern vor allem im Shoppingcenter- Bereich, Rewe mit der Übernahme von Adeg. Insgesamt setzten die TOP 500 im letzten Jahr 378 Milliarden Euro um und somit um 6,8 Prozent mehr als 2007. Die zehn umsatzstärksten österreichischen Unternehmen, von OMV bis ÖBB, schlugen sich mit einem durchschnittlichen Plus von 16 Prozent übrigens auch im internationalen Vergleich wacker. Jenseits des Atlantiks waren die Blutspuren schon deutlicher zu sehen: Im legendären TOP-500-Ranking des US-Wirtschaftsmagazins Fortune wuchsen die Top 10 im Schnitt nur noch um 5,4 Prozent. Der Ölmulti Exxon Mobil stieß den Einzelhandelsriesen Wal-Mart vom Thron. Insbesondere General Motors (GM), der ehemals weltgrößte Autobauer, zog die US-Schwergewichte
nach unten. Inzwischen ist GM insolvent und wird wohl in den Fortune-Top-10 der nächsten Jahre nicht mehr auftauchen. Die Kapriolen auf den Rohstoffmärkten waren einer der großen Einflussfaktoren des Jahres, international und in Österreich. Wie die OMV profitierten die Umsatzgewinner zu einem kleineren Teil von steigenden Absätzen, zum größeren Teil aber von verrückten Preisen, die durch Spekulanten in die Höhe getrieben wurden. Das Familienunternehmen Alumet aus Bludenz ist mit einem Zuwachs von 56 Prozent 2008 auf 5,3 Umsatzmilliarden und Rang elf geklettert. Im Ranking der 5-Jahres-Wachstumssieger lag dennoch die durch ihre Mobilfunkmarke 3 bekannte Österreich-Tochter des Hongkong-Riesen Hutchison voran. Das hat aber einzig mit dem bescheidenen Ausgangswert von sechs Millionen Euro Umsatz 2003 zu tun, der inzwischen auf 168 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Die mehr als 30-mal so große Alumet hat nach Jahren spektakulären Wachstums nun aber ihren Plafond erreicht. Alumet-Chef Günther Steinacher, ein passionierter Ferrari-Fahrer mit Bürositz gleich vis-a-vis der Milka-Schokoladenfabrik, macht die Hälfte seines Geschäfts mit dem Handel an Metallbörsen, die andere Hälfte mit dem Betrieb von drei Aluminiumfabriken seit den Spitzenständen im Juli 2008 haben sich die Alupreise aber mehr als halbiert. Auf den Absturz nach dem großen Plus können sich auch schon die Gashandelsfirmen Terragas (2008: plus 71 Prozent), Econgas (plus 43 Prozent) oder der Fürstenfelder Erzhändler DCM DECOmetal (plus 46 Prozent) einstellen. Den größten Zuwachs des Jahres brachte Edelmetall: Die Münze Österreich (plus 265 Prozent) profitierte von der massenhaften Flucht verunsicherter Anleger aus Bargeld und Wertpapieren in den sicheren Hafen Gold. Aus der Liste von Unternehmen mit Turbowachstum werden nächstes Jahr mit Sicherheit auch Polytec (plus 63 Prozent) und HTI (plus 41 Prozent) verschwinden im Autozuliefergeschäft war der Knick unmittelbar und brutal. Die beiden oberösterreichischen Firmen hatten in den letzten Jahren auf Teufel komm raus akquiriert.
Anfang Mai konnte Polytec um ein Haar vor der Pleite gerettet werden. Das Schicksal von HTI hing bis Anfang Juni an einem seidenen Faden nun haben Kernaktionäre und Gläubigerbanken offenbar eine für alle akzeptable Lösung gefunden. Auch die Liste der größten Abstürze im Jahr 2008 wird von einer Autofirma angeführt: Wegen der Einstellung der Voyager-Produktion in Graz fuhr Chrysler Austria einen Rückgang von 53 Prozent ein. Elektrisierend im positiven Sinn waren dagegen die Zahlen, die Wolfgang Anzengruber vorfand, als er Anfang Jänner den Job als Chef der Verbundgesellschaft antrat. Sein Vorgänger Michael Pistauer hatte 2008 ein Rekordjahr hingelegt: Bei einem um 23 Prozent gesteigerten Umsatz konnte auch die operative Gewinnmarge (EBIT-Marge) noch einmal erhöht werden. Mit 30,4 Prozent ist der mehrheitlich staatliche Stromkonzern damit der eigentliche Profitkaiser des Jahres 2008:
Die Werte der noch profitableren staatlichen Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungsgesellschaft (Asfinag) sind nicht direkt vergleichbar: Die Asfinag hat ein Monopol auf das Einheben von Lkw-Maut und Autobahnvignettengeld. Anzengrubers Erklärung für das gute Vorjahr: Die prächtige Wasserführung hat die Verbund-Kraftwerke auf Hochtouren laufen lassen, und der Strom aus eigener Produktion fand zu stark gestiegenen Spotmarktpreisen reißenden Absatz auf den europäischen Börsen. Ein ähnlich hohes Ergebnis erwartet Anzengruber auch für 2009: Wir haben den Großteil der 2009 produzierten Strommengen bereits 2008 zu guten europäischen Großhandelspreisen verkauft. Seit Jahresbeginn läuft darüber hinaus ein Kostensenkungsprogramm, das 40 Millionen Euro durch Einsparungen bringen soll.
Deutlich schlechter sind die Aussichten beim Wiener Flughafen geworden, der punkto Gewinnmargen in den vergangenen Jahren ebenfalls regelmäßig einen Stockerlplatz erreicht hat. Der Airport in Schwechat leidet mit den Airlines, insbesondere Hauptkunde AUA befindet sich seit Monaten im Sinkflug. Und in diese Richtung gehen auch die EBIT-Margen: Für 2008 konnte Flughafen-Boss Herbert Kaufmann noch 24,3 Prozent melden. Das erste Quartal 2009 war mit 20,7 Prozent schon deutlich unter dieser Marke. Ebenso klar zeichnet sich der Abfall des Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) ab. Während der Ölpreis-Hausse gab es um die Spezialbohrgeräte der Niederösterreicher ein regelrechtes Griss nun sind die fetten Jahre fürs Erste vorbei. Mit 19,3 Prozent konnte SBO zwar auch noch im ersten
Quartal 2009 eine beneidenswert hohe EBIT-Marge erzielen. Im
Gesamtjahr ist der Wert von 2008 (22,6 Prozent) allerdings kaum
zu wiederholen. Und nur wer Gewinne macht, kann seine Eigenkapitalquote stärken kaum zuvor war diese Maßzahl wichtiger. Viele Unternehmen stöhnten in den vergangenen Monaten über eine Kreditklemme, die Banken sind in der Vergabe von Fremdmitteln restriktiver geworden. Wer in dieser Situation über ausreichend Eigenkapital verfügt, ist geschützter. Erstaunlich: Ausgerechnet die österreichische Tochter eines Autozulieferers, Semperit Reifen, weist mit 81 Prozent die höchste Eigenkapitalquote aus. Das 2000 von der deutschen Conti übernommene Reifenwerk in Traiskirchen stellt heute Gummimischungen her und agiert als Vertriebseinheit. Ebenfalls keine Sorgen machen muss man sich in Sachen Eigenkapitalausstattung um die Münze Österreich AG sowie um die zum US-Riesen General Electric gehörende Kretztechnik aus dem oberösterreichischen Zipf, spezialisiert auf Ultraschallgeräte. Die alles beherrschende Frage: Wann steigt die Auslastung wieder, wann wird aus kalt wieder warm, wann geht es wieder in Richtung Tempo 100? Voestalpine-Chef Eder, bekannt als besonders vorsichtiger Prognostiker, traut sich nach schmerzhaften Monaten erstmals ein Urteil zu: Er rechne mit einer Stabilisierung der Nachfrage nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2010. Und die Hochkonjunktur von 2005 bis 2008 könnte auf längere Zeit historischer Höchststand gewesen sein. Eder: Dass wir das Produktionsniveau von 2007 wieder erreichen, erscheint frühestens in fünf Jahren wahrscheinlich. Seufzend macht er dann aber noch eine wesentliche Einschränkung: Lehman Brothers darf nicht noch einmal passieren.













